Das Kartenhaus
Gut am Arbeitgeber finde ich
Sitcoms schauen nach Feierabend kann man sich sparen. Die Firma bietet genug ungewollte Comedy, Unterhaltung und Dramen, sodass dieses Bedürfnis ausreichend gedeckt sein sollte. Machiavelli könnte in diesem Unternehmen vermutlich noch dazulernen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Man verwechselt gern Bauchgefühl mit Genialität. Entwicklungen laufen teilweise am Kunden vorbei. Aus welcher Glaskugel die Verkaufsprognosen stammen, bleibt wohl das bestgehütete Geheimnis. Wenn es gut läuft, erntet man die Lorbeeren. Wenn es schlecht läuft, pflückt man Ausreden.
Verbesserungsvorschläge
Es wurde bereits alles auf kununu geschrieben. Aktuelle Bewertungen klingen ähnlich wie Bewertungen von vor über zehn Jahren. Die Geschäftsleitung scheint kein Interesse an einer Veränderung zu haben, denn jede vorprogrammierte Katastrophe bietet wieder eine Bühne zur Selbstdarstellung.
Fehler eingestehen, anstatt diese bei anderen zu suchen.
Arbeitsatmosphäre
Die Zielvorgaben ändern sich schneller, als man Kaffee holen kann. Jeder Tag ähnelt einer Comedy-Show, bei der man nie weiß, ob man lachen oder weinen soll. Leider bleibt einem, bei der aktuellen, angeschlagenen Situation des Unternehmens, das Lachen immer häufiger im Hals stecken.
Wer einfach nur arbeiten möchte sollte sich besser nach einem anderen Arbeitgeber umschauen. Seit Neuestem wird auch gerne von „Transformation“ gesprochen – tatsächlich eher Altbekanntes im neuen Etikett.
Karriere/Weiterbildung
Handverlesene Mitarbeitende werden auf "Superhelden-Missionen" geschickt. Je nach Verlauf winken Auf- oder Abstieg. Volle Einsatzbereitschaft wird gern gesehen – zumindest, bis man nicht mehr gebraucht wird.
Wer im inneren Zirkel ist, bekommt Extra-Leben wie bei Super Mario. Für Normalsterbliche fällt das "Game Over" dagegen oft aus heiterem Himmel. An der Spitze wird ohnehin gleich im God-mode gespielt.
Kollegenzusammenhalt
Die wahren Helden bleiben unsichtbar: das Team. Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung ermöglichen es überhaupt, die täglichen Herausforderungen zu meistern. Ohne das wäre hier längst Schluss. Immer mehr Kolleg:innen hinterfragen und erkennen, was hier wirklich abläuft.
Vorgesetztenverhalten
Gestern noch "bester Mitarbeiter ever", heute schon „größter Versager aller Zeiten“ – es herrschen teilweise trumpeske Verhältnisse.
Entscheidungen wirken oft spontan. Wer braucht schon detaillierte Analysen, wenn man genauso gut nach Bauchgefühl entscheiden kann? Die Geschäftsleitung nimmt dabei Fehltritte mit, als gäbe es dafür Extra-Flugmeilen.
Neues Topmanagement: ohne Frage qualifizierte und erfahrene Leute – nur leider ohne Vorerfahrungen im Halbleiter-Equipment-Sektor. Der Führungsstil soll modern wirken, ist im Kern aber eher patriarchalisch. Kritische Stimmen haben es schwer – wer zu offen hinterfragt, läuft Gefahr, schnell zur Persona non grata zu werden.
Kommunikation
Statements ändern sich schnell. Manche Aussagen werden später so dargestellt, als seien sie nie so gemacht worden. Das "Ask your CEO" nimmt man mittlerweile so ernst wie Geschichten aus dem Paulaner Garten.
Interessante Aufgaben
Unsere tägliche Kundeneskalation gib uns heute. Man arbeitet hier, als würde man ein Flugzeug während des Fliegens umbauen.

