Ein Musterbeispiel dafür, wie man es als Unternehmen NICHT machen sollte
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Micromanagement und fehlendes Vertrauen, eine Kommunikation fast ausschließlich per E-Mail, keine Work-Life-Balance bei strikter Anwesenheitspflicht und Home-Office-Verbot, eine Bezahlung, die in keinem Verhältnis zur Arbeitslast steht, spürbare Ungleichbehandlung von Frauen sowie eine Führung, die Feedback grundsätzlich nicht annimmt.
Verbesserungsvorschläge
Ehrlich gesagt fällt es schwer, hier konkrete Vorschläge zu machen, da echte Veränderung ein grundlegendes Umdenken der Führungsebene voraussetzt - und die Bereitschaft dazu war zu keinem Zeitpunkt erkennbar. Der erste Schritt wäre, Feedback überhaupt zuzulassen und die internen Probleme anzuerkennen, statt sich hinter dem guten Außenbild zu verstecken.
Arbeitsatmosphäre
Durchgehend angespannt und von spürbarer Distanz geprägt. Der ausnahmslose Gebrauch der Sie-Form gegenüber den beiden Geschäftsführern zieht eine klare Grenze zwischen Führungsebene und Team, die im Arbeitsalltag zu keinem Zeitpunkt aufgeweicht wird. Diese Förmlichkeit bleibt nicht bei der Anrede stehen, sondern setzt sich in der gesamten Zusammenarbeit fort: Der Umgang wirkt reserviert, ein vertrauensvolles oder auch nur entspanntes Miteinander kommt nicht zustande.
Verstärkt wird dies durch die spürbaren Stimmungsschwankungen der Geschäftsführung. Schon beim Betreten des Büros ist sofort zu spüren, wenn die Stimmung auf dem Nullpunkt ist - die Atmosphäre wird geradezu eisig, und man traut sich kaum noch, überhaupt etwas zu sagen. Die daraus entstehende Anspannung ist konstant präsent und belastet das tägliche Arbeitsklima in kaum zu überschätzendem Maße.
Image
Nach außen hin präsentiert sich das Unternehmen tadellos. Der Service gegenüber den Kunden ist herausragend - als Kunde erlebt man einen erstklassigen Service, der wirklich nennenswert ist und einen enormen Pluspunkt darstellt. Was intern jedoch geleistet werden muss, um dieses Bild aufrechtzuerhalten, steht in keinem Verhältnis dazu. Selbst von den Chefs wurde bereits eingeräumt, dass man nach außen über ein hervorragendes Image verfügt - der Blick dafür, dass es im Inneren der Firma an allen Ecken hakt, fehlt jedoch vollständig.
Work-Life-Balance
Eine ausgewogene Work-Life-Balance ist schlichtweg nicht vorhanden. Es besteht eine strikte Anwesenheitspflicht im Büro von 9:00 bis 18:00 Uhr, Montag bis Freitag, an der ausnahmslos festgehalten wird. Ein früheres Gehen ist nicht vorgesehen, da das Büro durchgehend besetzt sein muss - selbst in Phasen, in denen kaum etwas zu tun ist, besteht keine Möglichkeit, den Arbeitsplatz eher zu verlassen. Auch wer sämtliche Aufgaben bereits erledigt hat, ist angehalten, bis 18:00 Uhr auszuharren, bevor der Feierabend antreten werden darf.
Hinzu kommt ein striktes Home-Office-Verbot, sodass keinerlei Möglichkeit gegeben ist, auch nur gelegentlich von zu Hause aus zu arbeiten. Ein einzelner freier Tag lässt sich in der Regel nur dann erwirken, wenn wirklich gravierende private Ausnahmesituationen eintreten - eine Folge des All-in-Vertrags, der die geleistete Mehrarbeit pauschal abgilt. Selbst wenn man über einen langen Zeitraum unzählige Überstunden ansammelt, wird ein Ausgleichstag ohne Anrechnung auf den Urlaub bestenfalls hin und wieder gewährt, keineswegs jedoch verlässlich oder als Selbstverständlichkeit. Die eigene Zeit und Erholung bleiben damit durchgängig auf der Strecke.
Karriere/Weiterbildung
Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten sind praktisch nicht vorhanden. Echte Aufstiegschancen gibt es nicht, da die Geschäftsführung stets an oberster Stelle bleibt und keinerlei Verantwortung abgeben kann oder will. Auch Weiterbildungen werden zu keinem Zeitpunkt aktiv angeboten: Äußert man von sich aus Interesse oder bringt den Wunsch nach einer Fortbildung zur Sprache, wird man lediglich mit einem irritierten, fragenden Blick bedacht - so, als sei völlig unklar, wozu man so etwas überhaupt benötigen sollte. Eine gezielte Förderung der eigenen Entwicklung findet damit in keiner Form statt.
Gehalt/Benefits
Zwischen Leistung und Bezahlung besteht eine erhebliche Diskrepanz. Für die tatsächliche Arbeitslast und die geleisteten Stunden fällt die Vergütung deutlich zu niedrig aus. Zum Beispiel als Event Manager wird man über den All-in-Vertrag bei der Arbeitszeit vollständig ausgenutzt, ohne dafür Zeitausgleich zu erhalten. Anerkennung gibt es zudem nur, wenn man 12-Stunden-Dienste oder länger schiebt - eine faire Würdigung der Leistung findet nicht statt.
Auch die Benefits sind dürftig. Über Obst- und Getränkekorb geht es kaum hinaus, wobei Getränke faktisch nicht enthalten sind; lediglich der Kaffee ist okay. Sonst fehlt jede nennenswerte Zusatzleistung - weder Essenszuschuss noch Öffi-Ticket, und selbst um Kleinigkeiten muss man betteln. Laptop und Diensthandy werden gestellt, doch damit ist alles gesagt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Ein ausgeprägtes Umwelt- oder Sozialbewusstsein ist im Unternehmen nicht erkennbar. Bereits an grundlegenden Selbstverständlichkeiten wie einer Mülltrennung fehlt es vollständig - ein Umstand, der stellvertretend dafür steht, dass dem Thema Nachhaltigkeit insgesamt keinerlei Bedeutung beigemessen wird. Von einem erkennbaren Engagement in ökologischer oder sozialer Hinsicht kann keine Rede sein.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den Kollegen ist ausgesprochen stark - allerdings entsteht er vor allem aus einer geteilten Belastung heraus. Im Grunde leiden alle unter demselben Management und tragen dieselben Gedanken mit sich, doch niemand traut sich, sie offen auszusprechen. Dieses Schweigen ist kein Zufall, sondern Ergebnis der Erfahrung, dass Feedback bei der Führungsebene ohnehin nicht ankommt: Es herrscht die verbreitete Gewissheit, dass die beiden Chefs Kritik weder annehmen können noch wollen und sich an den bestehenden Zuständen nichts ändern wird. So schweißt die gemeinsame Frustration das Team zwar zusammen, führt aber zugleich zu einer resignierten Grundhaltung, in der offene Kommunikation von vornherein als aussichtslos gilt.
Vorgesetztenverhalten
Micromanagement in seiner ausgeprägtesten Form. Ein grundlegendes Vertrauen in die Mitarbeitenden ist nicht erkennbar - stattdessen wird jede einzelne E-Mail mitgelesen, und die Geschäftsführer müssen durchgängig im CC stehen, um zu jedem Zeitpunkt über sämtliche Vorgänge informiert zu sein. Eigenständiges Arbeiten ist kein selbstverständlicher Bestandteil der Tätigkeit, sondern muss erst mühsam verdient werden: Erst wer sich über einen längeren Zeitraum beweist und wiederholt unter Beweis stellt, tatsächlich etwas leisten zu können, darf nach und nach überhaupt einzelne Aufgaben eigenverantwortlich übernehmen. Vollständiger Kundenkontakt wird frühestens nach sechs, sieben oder acht Monaten ermöglicht - und selbst dann nur, wenn man ihn aktiv und von sich aus einfordert. Von Seiten der Vorgesetzten wird eine solche Verantwortung zu keinem Zeitpunkt von sich aus angeboten. Das Verhalten der Führungsebene ist damit von durchgehender Kontrolle und einem spürbaren Mangel an Vertrauen geprägt.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen fallen je nach Standort denkbar unterschiedlich aus. Das Office im ersten Bezirk ist ausgesprochen modern und gut ausgestattet, verfügt unter anderem über eine Klimaanlage und lässt in dieser Hinsicht keine Wünsche offen - hier gibt es tatsächlich nichts zu beanstanden.
Ganz anders stellt sich die Situation an den beiden weiteren Standorten am Wienerberg dar. Der dortige Arbeitsplatz befindet sich im Erdgeschoss in einem winzigen Kämmerchen, dessen Setup in keiner Weise überzeugt. Im Sommer heizt sich der Raum auf, bis er einer Sauna gleicht, im Winter ist er umgekehrt viel zu kalt. Die Ausstattung ist mangelhaft, die Tische sind zu niedrig, und die Bedingungen waren bei Kollegen bereits Auslöser für ernsthafte gesundheitliche Beschwerden. Angesichts einer verpflichtenden Anwesenheit von fünf Tagen pro Woche wiegen diese Missstände umso schwerer und sind schlicht nicht hinnehmbar.
Kommunikation
Der Austausch läuft nahezu ausschließlich schriftlich per E-Mail, ein direktes Gespräch findet kaum statt. Fehler werden nicht persönlich angesprochen, sondern in Form detaillierter Fehlerlisten per E-Mail zusammengestellt und übermittelt - selbst bei kleinsten Abweichungen in Angeboten, etwa einem Beistrich statt eines Punktes oder einer Formatierung, die nicht als perfekt empfunden wurde. Diese ausgeprägte Fixierung auf Kleinigkeiten mag im Grundsatz nachvollziehbar sein, nimmt in einzelnen Fällen jedoch Ausmaße an, die kaum noch verhältnismäßig wirken. Erschwerend kommt hinzu, dass in anderen Situationen überhaupt keine Rückmeldung erfolgt: Statt das Thema anzusprechen, wird die Korrektur kommentarlos von der vorgesetzten Person selbst übernommen. Das hinterlässt zwangsläufig ein schlechtes Gefühl und vermittelt den Eindruck, der eigenen Arbeit werde nicht vertraut. Insgesamt ist die Kommunikation als durchweg mangelhaft zu bewerten.
Gleichberechtigung
Eine tatsächliche Gleichbehandlung der Geschlechter ist in diesem Unternehmen nicht gegeben. Es ist deutlich spürbar, dass die Geschäftsführung Männer klar bevorzugt, während Frauen erkennbar nicht dasselbe Ansehen genießen. Diese Ungleichbehandlung zeigt sich nicht nur in der grundsätzlichen Wertschätzung, sondern ganz konkret auch im Ton der Kommunikation: Während gegenüber männlichen Kollegen ein freundlicher, offener und zugewandter Umgangston gepflegt wird, fällt die Kommunikation gegenüber Frauen häufig spürbar abwertend aus. Der Unterschied in Haltung und Ansprache ist so ausgeprägt, dass von einer gleichberechtigten Behandlung keine Rede sein kann.
Interessante Aufgaben
Die Tätigkeit ist von einem hohen Maß an Wiederholung geprägt. Im Kern besteht die Arbeit immer wieder aus dem Erstellen von Angeboten in Excel, und auch der E-Mail-Verkehr folgt durchgehend denselben Mustern, sodass echte Abwechslung weitgehend ausbleibt. Zwar gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Event-Formate, die zu Beginn - insbesondere ohne einschlägige Vorerfahrung - durchaus überwältigend wirken können, doch verliert sich dieser Eindruck rasch. Da sich die Abläufe permanent wiederholen, hat man den Dreh schnell heraus und die immer gleichen Prozesse bereits nach kurzer Zeit verinnerlicht. Was anfangs anspruchsvoll erscheint, weicht somit zügig einer eintönigen Routine, die kaum noch inhaltliche Herausforderungen bereithält.