Auf jedem Schiff, das sinkt und untergeht, ist einer, der am Ruder steht.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Zusammenarbeit im Team war trotz der durch die Geschäftsführung verursachten Umstände gut. Man hat stets Kollegen um Hilfe bitten können und meistens wurde, trotz der übermäßigen Belastung an Arbeit, nach einer Lösung gesucht.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Leider sehr viel.
1. Es wurde an jeder Ecke so viel gespart, wie nur möglich. Dies betraf sowohl das Arbeitsequipment, die "Benefits", als auch die Umsetzungen der Kundenlösungen. Das Arbeitsequipment war zu Anfang wie ein "Plündern der Überreste". Man nimmt sich, was man kriegen kann. Ein Laptop mit zeitgemäßer Performance oder zeitgemäße Diensthandys in einer IT-Firma? - Viel Glück! Es war allein schwierig zwei oder gar drei 1080p-Monitore zu finden, geschweige denn die Bildschirmhalterungen. Zum Glück wurden nach oftmaligen Beschwerden 2K-Monitore angeschafft. Docking-Stationen, um 3 Monitore zu unterstützen waren Mangelware. Es wurde sogar vom Kundenequipment geborgt. Kaputte Bürostühle waren keine Seltenheit. Ausgemustertes Kundenequipment wurde regelmäßig als Arbeitsequipment genützt.
Nun zu den "Benefits" - Essenszuschüsse in der Kantine des Gebäudes? - Nein. Nur dank einiger liebevoller Kollegen, wurde für das Team zu guten Preisen gekocht und Gewürze sowie Obst bereitgestellt!
Die einzigen wirklichen Benefits waren eine, von der Firma bezahlte, Wiener Linien Jahreskarte, ein Parkplatz und WLAN.
Kundenlösungen wurden oft mit billigsten Mitteln ermöglicht. Veraltetes Equipment wurde für Server-, Storage-, und Netzwerklösungen eingesetzt. Oftmalige Probleme und Ausfälle, interne Panik der Führungsebene und noch mehr Stress für die Kollegen waren die Folge.
2. Fortbildungen. Diese wurden nicht gefördert und wenn, nur sehr sparsam vergeben. Das meiste Wissen wurde durch Kollegen vermittelt, wenn diese Zeit hatten. Onboarding mit einem Buddy? - Nein. YouTube und Ähnliches wurde zur Wissensaufnahme zu neuen Themen genützt, wenn es denn Zeit dafür gab. Wenn man sich in einem Thema einigermaßen auskannte, wurde man zum "Experten" ernannt und hat noch mehr Arbeit bekommen. Wissen wurde mit mehr Arbeit belohnt, ohne andere Tätigkeiten zu delegieren. Dies resultierte in konstantem Stress für Kollegen.
3. Wenig Wertschätzung und ungerechte Löhne. Gut geleistete Arbeit wurde nur sehr selten mit einer sehr kleinen Prämie belohnt. Wie sich das auf die Arbeitsmoral auswirkt, ist klar. Kollegen, welche eine Fülle an Wissen mitbrachten und regelmäßig Tätigkeiten höherer Abteilungen leisteten, haben kaum mehr als Mindestlohn im IT KV verdient. Anfragen an angemessene Gehaltsanpassungen wurden entweder ignoriert oder mit unangenehmen Kommentaren abgewunken.
4. Home-Office. Dies wurde stets als negativ von der Führungsebene angesehen. Es hieß: "Wer im Home-Office ist, arbeitet nicht." Mit dieser Philosophie war immer ein guter Grund anzugeben, warum man überhaupt Home-Office machen wollte. Hatte man einen hohen Backlog an Arbeit, so war es weniger einfach, sich durchzusetzen. Seine Tage pro Woche frei auszuwählen, war generell unmöglich.
Verbesserungsvorschläge
1. Auf die Mitarbeiter hören und tatsächlich etwas Positives für das Team umsetzen.
2. Angemessene Bezahlung und Prämien für gut geleistete Arbeit einführen.
3. Zeitgemäßes Arbeitsequipment für alle Mitarbeiter (sowohl die alten, als auch die neuen Kollegen) bereitstellen.
4. Von der Firma geförderte Fortbildungen mit anerkannten Zertifizierungen und ein sinnvolles Onboarding einführen. - ebenfalls für alle Kollegen.
5. Wöchentlich flexible Home-Office-Tage anbieten, welche nicht jedes Mal umkämpft werden müssen.
Arbeitsatmosphäre
Stressig, demoralisiert, angespannt. Wenig Wertschätzung.
Kommunikation
Kommunikation zwischen Kollegen in der gleichen Abteilung war unproblematisch, zwischen Abteilungen nur schwierig und mit der Führungsebene sehr schwierig.
Kollegenzusammenhalt
Der einzige Pluspunkt und eine gute Erfahrung. Mit den meisten Kollegen konnte ich gut arbeiten. Sie waren stets hilfsbereit, trotz der hohen Arbeitslast. Man wurde respektvoll und freundlich behandelt und hatte auch oft Spaß.
Work-Life-Balance
Durch die Arbeitslast und zu wenig Entlastung dank mangelndem Personal, war man stets unter Druck. Den Kampf um das Home-Office habe ich bereits angesprochen. Je nach Abteilung gab es entweder Schichtendienst oder ein Gleitzeit-Modell mit Kernzeit. War essentielles Personal krank, so wurden spontane Anpassungen vorgenommen, was eine Planung der persönlichen Freizeit außerhalb der Arbeitszeiten oft unmöglich machte. Hier haben Kollegen oft untereinander Dienstzeiten ausgemacht, damit es zu keinen Lücken im Schichtendienst kam. Es wurde vom Mitarbeiter ein hohes Maß an Flexibilität erwartet.
Vorgesetztenverhalten
Leider habe ich hier keine guten Erfahrungen gemacht. Gehaltsanpassungen wurden ignoriert, extrem kritisch betrachtet oder abgewunken. Abwesende Kollegen wurden von der Führungsebene hinterrücks schlecht gemacht und bemängelt. Waren diese jedoch anwesend, wurden sie scheinbar professionell behandelt. Ich habe selbst erlebt, wie die Geschäftsführung in einem respektlosen und unprofessionellen Ton mit einer Kollegin umgegangen ist und wie man immer einen Schuldigen finden musste, wenn etwas schief ging, anstatt zu versuchen, aus der Situation zu lernen, wie ein erwachsener Mensch es tun sollte.
Interessante Aufgaben
Zu meinem Glück, konnte ich einige Interessante Tätigkeiten ausüben und mich dank meiner hilfsbereiten Kollegen in vielen sinnvollen Themen einarbeiten. Dieses Glück haben viele andere Kollegen nicht mit mir geteilt.
Gleichberechtigung
Durch die Führungsebene wurden nicht alle Kollegen gleich behandelt. Man hat hinterrücks schlecht über die Kollegen gesprochen und stets einen Schuldigen gesucht. Neue Kollegen haben (ohne es zu wissen) besseres Equipment erhalten und hatten öfter Chancen auf Ausbildungen.
Umgang mit älteren Kollegen
Kollegen, welche länger in der Firma waren wurden meist mit Arbeit überflutet, da sie in vielen Gebieten belehrter waren, als andere. Außer einer gesetzlichen Erhöhung des kollektivvertraglichen Mindestlohns, gab es keine finanzielle Wertschätzung. Gewisse ältere Kollegen haben keinen respektvollen Umgang von der Geschäftsführung genosssen.
Arbeitsbedingungen
Ein Großraumbüro mit einem hohen Lärmpegel zu Kernzeiten ist zu erwarten. Konzentriertes Arbeiten war durch ständige Telefonate für das Team unmöglich. Dadurch wurden viele Aufgaben aufgeschoben. Mangelndes Personal und ungleichmäßige Arbeitsauslastung ist ein wichtiger Grund hierfür.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Kein konkretes Umwelt-, oder Sozialbewusstsein von der Firma.
Gehalt/Benefits
Wie bereits erwähnt, waren die meisten Löhne kollektivvertragliche Mindestlöhne. Mitarbeiter, welche oft außerhalb ihrer Einstufung im Tätigkeitsbereich des Kollektivvertrags Lösungen umsetzten, wurden nicht entsprechend entlohnt.
Image
Nach Außen hin wird mit "Handschlagsqualität" geworben, jedoch wird intern kein gutes Image der Firma wahrgenommen.
Karriere/Weiterbildung
Keine fairen oder guten Möglichkeiten. Weder ein Aufstieg in der Firma, noch geförderte oder unter den Kollegen gleichwertig angebotene Fortbildungen waren realistisch.