Moderne Fassade, veraltete Strukturen
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist stark von langjährig gewachsenen Strukturen geprägt. Mitarbeitende, die bereits viele Jahre im Unternehmen tätig sind, bestimmen häufig den Ton und übernehmen Aufgabenbereiche, für die sie historisch hineingewachsen sind, ohne dass immer eine entsprechende fachliche Qualifikation oder aktuelle Expertise vorhanden ist.
Neue Perspektiven oder fachlich fundierte Kritik werden in diesem Umfeld nicht immer als konstruktiver Beitrag wahrgenommen. Vielmehr entsteht teilweise der Eindruck, dass etablierte Sichtweisen und persönliche Netzwerke einen höheren Stellenwert haben als sachliche Argumente oder moderne fachliche Ansätze.
Karriere- und Einflussstrukturen wirken dabei stellenweise stärker von internen Beziehungen und politischen Abstimmungen geprägt als von nachweisbarer fachlicher Kompetenz. Wer versucht, Prozesse zu hinterfragen oder Verbesserungen anzustoßen, stößt daher nicht selten auf informelle Widerstände.
Insgesamt entsteht ein Arbeitsklima, in dem Anpassung an bestehende Strukturen häufig wichtiger erscheint als fachliche Weiterentwicklung oder offene Diskussion.
Kommunikation
Die interne Kommunikation wirkt wenig transparent und teilweise konfliktscheu. Kritische Themen oder wahrgenommene Probleme werden offenbar nicht immer offen angesprochen oder gemeinsam reflektiert.
In meinem Fall fand keine konstruktive Rückmeldung oder Klärung möglicher Erwartungen statt. Statt eines offenen Gesprächs über wahrgenommene Differenzen oder Verbesserungsmöglichkeiten erfolgte unmittelbar eine Kündigung mit anschließender Freistellung. Als Begründung wurde angeführt, ich sei „zu aktiv in meiner Rolle“ gewesen.
Gerade bei neuen Mitarbeitenden wäre ein direkter, professioneller Austausch über Erwartungen, Prioritäten und Handlungsspielräume aus meiner Sicht sinnvoller gewesen. Eine transparente Kommunikation hätte möglicherweise Missverständnisse frühzeitig klären und eine gemeinsame Arbeitsbasis schaffen können.
Der Eindruck bleibt daher, dass schwierige Gespräche eher vermieden werden, anstatt sie offen und lösungsorientiert zu führen.
Kollegenzusammenhalt
Im Bewerbungsprozess war der Umgang zunächst sehr freundlich und wertschätzend. Nach dem Einstieg veränderte sich dieser Eindruck jedoch relativ schnell. In der täglichen Zusammenarbeit habe ich eine deutlich rauere Umgangskultur erlebt, die teilweise von distanzierter oder auch wenig respektvoller Kommunikation geprägt war.
Anstatt einer unterstützenden Einarbeitung entstand schnell der Eindruck einer ausgeprägten „Ellenbogenkultur“. Hinweise, Nachfragen oder fachliche Beiträge wurden nicht immer konstruktiv aufgenommen. Teilweise wurde mit demonstrativer Distanz reagiert, etwa durch Ignorieren von Beiträgen oder eine spürbar abweisende Kommunikation.
Auch nonverbale Signale im Team vermittelten wiederholt den Eindruck, zunächst vor allem die eigene Position im bestehenden Gefüge akzeptieren zu müssen, unabhängig von Erfahrung oder fachlichem Hintergrund. Als externer Senior-Mitarbeiter war dies überraschend, da eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zu erwarten gewesen wäre.
Die Kollegin, die für meine Einarbeitung zuständig war und bereits viele Jahre im Unternehmen tätig ist, äußerte im Verlauf der Zusammenarbeit mehrfach Kommentare, die ich als unprofessionell empfunden habe. Da
Work-Life-Balance
Die Arbeitsorganisation ist stark von Präsenzkultur geprägt. Eine weitgehende Anwesenheit im Büro wird erwartet; Homeoffice ist auf etwa 20 % der Arbeitszeit begrenzt. Diese Regelung wurde mit Verweis auf Vorgaben des US-Mutterkonzerns kommuniziert und als dauerhaft angelegt dargestellt.
In der Praxis führt dies dazu, dass Mitarbeitende einen Großteil ihrer Arbeitszeit im Büro verbringen, auch wenn viele Tätigkeiten problemlos remote erledigt werden könnten. Homeoffice wird teilweise eher skeptisch betrachtet, während sichtbare Präsenz im Büro einen hohen Stellenwert hat.
Die Kultur erinnert damit teilweise an klassische Präsenzmodelle früherer Jahrzehnte: Wer früh kommt, lange bleibt und physisch sichtbar ist, wird stärker wahrgenommen als jemand, der effizient arbeitet, aber weniger präsent ist.
Gleichzeitig besteht die Erwartung, dass stets mindestens eine Person aus dem Team vor Ort ist. Aufgrund von Teilzeitmodellen und familiären Verpflichtungen langjähriger Mitarbeitender kommt es jedoch vor, dass man dennoch häufig allein im Büro sitzt. Der tatsächliche Mehrwert der Präsenzpflicht erschließt sich in solchen Situationen nicht immer.
Hinzu kommt, dass die Bürosituation se
Vorgesetztenverhalten
Der Führungsstil wirkte nach außen zunächst freundlich und nahbar. Im Arbeitsalltag entstand jedoch der Eindruck, dass hinter dieser formalen Offenheit eine andere Agenda stand und Entscheidungen nicht immer transparent kommuniziert wurden.
Die fachliche Führung erschien teilweise unsicher. Der Eindruck entstand, dass die Rolle des Team Leads relativ neu übernommen wurde und noch wenig Erfahrung in der Führung sowie im fachlichen Kontext der Aufgaben vorhanden war. Rückmeldungen oder Diskussionen wurden dadurch nicht immer auf einer klar fachlichen Ebene geführt.
In einigen Situationen entwickelte sich die Kommunikation zudem in eine persönlichere Richtung, anstatt sich ausschließlich auf Inhalte oder Arbeitsprozesse zu konzentrieren. Das erschwerte aus meiner Sicht eine sachliche und konstruktive Zusammenarbeit.
Insgesamt wirkte der Führungsstil eher von persönlicher Positionierung und Autorität geprägt als von transparenter Kommunikation, fachlicher Orientierung und klarer Teamführung.
Interessante Aufgaben
Die tatsächlichen Aufgabeninhalte blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück, die im Bewerbungsprozess vermittelt wurden. Viele zentrale Tätigkeiten des Arbeitsbereichs waren bereits an externe Dienstleister ausgelagert.
In der Praxis bestand die Rolle daher überwiegend darin, extern erstellte Inhalte zu prüfen oder nachzubearbeiten, anstatt selbst konzeptionell oder inhaltlich zu arbeiten. Aufgaben, für die meine Ausbildung und Berufserfahrung eigentlich vorgesehen sind, wurden größtenteils außerhalb des Unternehmens umgesetzt.
Hinzu kommt, dass die eingesetzten Tools und Arbeitsprozesse teilweise veraltet wirken und nur begrenzte Möglichkeiten für modernes und effizientes Arbeiten bieten.
Insgesamt entstand dadurch der Eindruck einer deutlichen Überqualifizierung für die tatsächlichen Aufgaben. Die Rolle beschränkte sich weitgehend auf das Prüfen externer Arbeit, anstatt aktiv an der inhaltlichen Gestaltung oder Weiterentwicklung von Prozessen mitzuwirken.