Viel Potenzial, wenig Umsetzung
Gut am Arbeitgeber finde ich
Besonders positiv hervorheben möchte ich den starken Zusammenhalt unter vielen Kolleginnen und Kollegen sowie die grundsätzlich interessanten Aufgabenbereiche. Außerdem gab es Ansätze und Ideen, die gezeigt haben, dass das Unternehmen Potenzial hat und sich als moderner Arbeitgeber positionieren möchte.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Aus meiner Sicht fehlte es häufig an einer offenen Feedbackkultur sowie an konsequenter Wertschätzung gegenüber Mitarbeitenden. Kritische Rückmeldungen wurden meiner Wahrnehmung nach nicht immer konstruktiv aufgenommen. Zudem wirkten Entscheidungen teilweise wenig transparent und stark von persönlichen Faktoren abhängig. Die hohe Fluktuation und die Diskrepanz zwischen Außenwirkung und internem Arbeitsklima habe ich ebenfalls kritisch wahrgenommen.
Verbesserungsvorschläge
Ich würde mir wünschen, dass kritisches Feedback künftig stärker als Chance zur Weiterentwicklung gesehen wird. Eine offenere Kommunikationskultur, transparentere Entscheidungen sowie mehr Fokus auf langfristige Mitarbeiterbindung könnten aus meiner Sicht zu einem besseren Arbeitsumfeld beitragen. Zudem wäre es hilfreich, Mitarbeitende unabhängig von persönlichen Sympathien stärker nach fachlichen Kompetenzen zu fördern und einzubinden.
Arbeitsatmosphäre
Während meiner Zeit im Unternehmen habe ich die Arbeitsatmosphäre überwiegend als angespannt empfunden. Wertschätzung oder Lob durch Vorgesetzte waren eher selten bis nicht vorhanden, stattdessen entstand häufig der Eindruck, dass persönliche Sympathien stärker gewichtet werden als fachliche Kompetenzen. Kritisches Feedback wurde aus meiner Sicht nicht immer offen aufgenommen, wodurch man sich teilweise unwohl fühlte, eigene Meinungen oder Verbesserungsvorschläge überhaupt anzusprechen. Zudem habe ich eine vergleichsweise sehr hohe Fluktuation wahrgenommen, da immer wieder einige Mitarbeitende das Unternehmen verlassen haben und es wenige Kolleg*innen gab, die wirklich über mehrere Jahre im Unternehmen tätig sind/waren.
Kommunikation
Die Kommunikation im Unternehmen wirkte auf mich teilweise widersprüchlich. Zwar gab es regelmäßige Feedbackgespräche, was ich grundsätzlich positiv finde, allerdings entstand bei mir der Eindruck, dass kritische Rückmeldungen nicht immer erwünscht waren. Zudem wurdenThemen in Meetings aus meiner Sicht häufig mehrfach besprochen, wodurch Prozesse teilweise unnötig in die Länge gezogen wurden. Hinzu kam, dass Entscheidungen und Meinungen sich teilweise kurzfristig änderten, was die Nachvollziehbarkeit erschwerte. Außerdem hatte ich häufig das Gefühl, dass Mikromanagement eine große Rolle spielte und Mitarbeitenden dadurch nur wenig Vertrauen in eigenständiges Arbeiten entgegengebracht wurde.
Kollegenzusammenhalt
Viele Kolleginnen und Kollegen unterstützten sich gegenseitig, auch abteilungsübergreifend. Bei fachlichen oder persönlichen Problemen gab es meistens Ansprechpartner*innen, auf die man sich verlassen konnte. Die Zusammenarbeit innerhalb der Teams habe ich größtenteils als angenehm empfunden.
Work-Life-Balance
Auch die angepriesene Work-Life-Balance entsprach nicht vollständig meinen Erwartungen. Flexible Arbeitszeiten wurden zwar kommuniziert, durch die Kernarbeitszeit (9 - 16 Uhr) empfand ich diese jedoch nur eingeschränkt als flexibel. Zusätzlich hatte ich oft das Gefühl, dass das pünktliche Verlassen des Arbeitsplatzes – selbst nach einem langen Arbeitstag – negativ wahrgenommen wurde. Überstunden wurden teilweise erwartet, konnten jedoch nur eingeschränkt bis garnicht ausgeglichen oder angesammelt werden (da dies erst ab einer Zahl von 21 Überstunden möglich ist, alles darunter verfällt am Ende des Monats).
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten der Vorgesetzten entsprach nicht meinen persönlichen Erwartungen an moderne und mitarbeiterorientierte Führung. Häufig entstand bei mir der Eindruck, dass Entscheidungen eher nach persönlichen Vorlieben als nach fachlichen Kriterien getroffen wurden und dabei oftmals der eigene Vorteil im Vordergrund stand. Wirkliche Unterstützung für die eigenen Mitarbeitenden habe ich nur bei einer einzelnen Führungskraft erlebt, die sich aktiv für ihr Team eingesetzt hat. Darüber hinaus hatte ich den Eindruck, dass problematisches oder diskriminierendes Verhalten nicht immer als solches erkannt oder ernst genommen wurde. Insgesamt fehlte mir dadurch häufig das Gefühl von Fairness und Rückhalt durch die Führungsebene.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben selbst waren überwiegend interessant und boten grundsätzlich Potenzial zur persönlichen Weiterentwicklung. Allerdings hatte ich häufig das Gefühl, dass kreative Ideen oder fachliche Vorschläge durch Vorgesetzte ausgebremst wurden. Zudem wurde aus meiner Sicht vieles sehr stark kontrolliert, wodurch eigenständiges Arbeiten teilweise erschwert wurde und Mikromanagement eine große Rolle spielte. Hinzu kamen sich häufig ändernde Vorgaben und Erwartungen, was Arbeitsabläufe teilweise unnötig erschwerte. Eigeninitiative war zwar grundsätzlich möglich, hing meiner Wahrnehmung nach jedoch stark vom jeweiligen Umfeld und den verantwortlichen Personen ab.
Gleichberechtigung
Im Bereich Gleichberechtigung habe ich den Eindruck gewonnen, dass insbesondere Frauen nicht immer die gleiche Sichtbarkeit oder Wertschätzung erfahren haben. Nach außen wurde zwar ein modernes und offenes Bild vermittelt, im Arbeitsalltag wirkte dies für mich jedoch nicht immer konsequent umgesetzt.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen waren gemischt. Positiv fand ich die technische Ausstattung im Homeoffice. Gleichzeitig empfand ich die Büroräume teilweise als wenig angenehm – unter anderem aufgrund eher dunkler Räume, nicht funktionierenden Heizungen und mangelnder Schalldämmung. Dadurch fiel konzentriertes Arbeiten im Büro teilweise schwer. Besonders störend war für mich, dass Gespräche aus den Nachbarbüros häufig deutlich zu hören waren. Wenn beispielsweise Kollegen mit Lautsprecher statt mit Headset telefonierten, bekam man die Gespräche nahezu vollständig mit, was konzentriertes Arbeiten zusätzlich erschwerte.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Im Bereich Umwelt- und Sozialbewusstsein hatte ich den Eindruck, dass nach außen zwar Wert auf ein modernes und nachhaltiges Image gelegt wurde, die tatsächliche Umsetzung im Arbeitsalltag jedoch hinter diesen Ansprüchen zurückblieb. Viele Themen wirkten aus meiner Sicht eher wie gute Vorsätze oder Außendarstellung, ohne dass entsprechende Maßnahmen konsequent umgesetzt wurden.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt empfand ich im Vergleich eher als durchschnittlich bis unterdurchschnittlich. Gehaltserhöhungen mussten nach meinem Eindruck stark erkämpft werden und hingen häufig davon ab, wie sehr sich die direkte Führungskraft dafür einsetzte. Teilweise entstand bei mir zudem der Eindruck, dass persönliche Sympathien auch hier eine größere Rolle spielten als objektive Leistungen oder fachliche Qualifikationen. Auch Zusatzleistungen wirkten auf mich insgesamt eher begrenzt.
Image
Das öffentliche Image des Unternehmens und die interne Wahrnehmung unterschieden sich aus meiner Sicht teilweise deutlich. Nach außen wurde ein sehr positives Bild vermittelt, während intern viele Mitarbeitende kritischer eingestellt wirkten. Insgesamt hatte ich oft den Eindruck, dass Kritik eher vermieden oder nicht offen angesprochen werden durfte. Wo sind beispielsweise all die negativen Kununu-Bewertungen hin verschwunden?
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten erschienen mir nur eingeschränkt vorhanden. In meiner gesamten Zeit im Unternehmen habe ich lediglich einen Kollegen erlebt, der eine entsprechende Weiterbildung erhalten hat. Eigene Nachfragen zu diesem Thema wurden aus meiner Sicht mehrfach nicht beantwortet bzw. ignoriert. Insgesamt entstand bei mir der Eindruck, dass solche Entwicklungsmöglichkeiten nur sehr selten bis gar nicht und nicht wirklich transparent vergeben werden.
