Für Erklärung keine Zeit, aber für Kritik immer schnell bereit. Großer Name - wenig Verlässlichkeit im Miteinander.
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre war insgesamt distanziert, kühl und sehr leistungsorientiert. Ich hatte selten das Gefühl, wirklich willkommen zu sein. Es wurde mehr Wert darauf gelegt, immer an die eigene Leistung zu appellieren, statt Motivation oder Teamgeist zu fördern. In Meetings wurden ständig Bilder von Athleten gezeigt, die als Vorbild dienen sollten – mit der Botschaft, man müsse sich immer auf sein Ziel fokussieren und Bestleistung bringen. Das hatte fast schon etwas von Gehirnwäsche. Dadurch entstand das Gefühl, dass man nur etwas wert ist, wenn man perfekt funktioniert.
Als Praktikantin – und zumal als Berufseinsteigerin – war das extrem belastend. Ich war motiviert, aber die Atmosphäre hat mich oft entmutigt. Es ging kaum um Unterstützung oder Lernen, sondern um Ergebnisse. Auch Feedback-Meetings, die eigentlich Orientierung geben sollten, wurden immer häufiger abgesagt, bis sie fast gar nicht mehr stattfanden. Und wenn sie dann doch stattfanden, war die Stimmung eher unangenehm, weil man nie wusste, ob einem später wieder etwas vorgeworfen wird, das man nie besprochen hatte. Insgesamt eine sehr ungesunde Atmosphäre, die langfristig Spuren hinterlässt.
Image
Meiner Warnehmung nach:
Nach außen hat das Unternehmen ein starkes, modernes Image – innen ist es aber erstaunlich archaisch. Die Leistungskultur steht klar über der Willkommenskultur. Leistung wird rein individuell verstanden: Schnelligkeit, Präzision, Belastbarkeit. Teamarbeit, Kommunikation und Führung werden kaum berücksichtigt.
Dadurch entsteht eine unfaire, teils toxische Kultur, in der sich viele unwohl fühlen. Wenn man selbst so behandelt wird, überträgt man das irgendwann auch auf andere – und so entsteht ein Kreislauf aus Druck und Unzufriedenheit. Ich mag die Marke noch immer, aber ich hoffe wirklich, dass sich die Unternehmenskultur mit der Zeit verändert.
Work-Life-Balance
Die Belastung war hoch. Es wurde erwartet, dass man immer alles sofort erledigt, egal wie komplex oder neu die Aufgaben waren. Rücksicht auf den Lernprozess gab es kaum. Durch den hohen Druck und die ständige Leistungserwartung war es schwer, sich nach Feierabend wirklich zu erholen. Das ganze Umfeld war so durchzogen von Leistungsgedanken, dass man sich nie entspannen konnte. Selbst kleine Fehler wurden überproportional ernst genommen. Dieselbe Anspannung konnte ich auch bei den Kollegen deutlich bemerken.
Karriere/Weiterbildung
Es gab keine strukturierte Einarbeitung und keine echte Förderung. Als Berufseinsteigerin zum ersten Mal in der Industrie hätte ich mir gewünscht, dass mir jemand zeigt, wie man Dinge angeht oder wo man nachschauen kann. Stattdessen war vieles „Learning by drowning“. Besonders am Anfang, als ich zum ersten Mal überhaupt in der Form in einem Unternehmen gearbeitet habe, hätte ich etwas mehr Verständnis erwartet. Zum Beispiel wusste ich am Anfang garnichts über Outlook, weil ich das vorher nie genutzt hatte – sowas sollte man jungen Leuten erklären, statt sie dann für mangelndes Wissen diesbezüglich zu rügen.
Man lernt durch Druck nicht schneller, man lernt durch gute Anleitung – das scheint dort aber niemand verstanden zu haben.
Gehalt/Benefits
Die Vergütung war okay, und die Benefits (z. B. Mitarbeiterrabatte) waren wirklich gut. Daran lag es also nicht. Aber ein gutes Gehalt kann eine schlechte Kultur leider nicht ausgleichen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Könnte besser sein
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt war leider kaum spürbar. Alle waren sehr mit sich selbst beschäftigt und arbeiteten an ihren eigenen Projekten. Echte Unterstützung oder Teamarbeit gab es selten. Ich hatte das Gefühl, dass jeder einfach seine Aufgaben erledigen musste und kaum jemand über den Tellerrand schauen wollte.
Besonders auffällig war die Situation mit der Vorgängerin: Sie durfte als Werkstudentin bleiben, wurde offen bevorzugt, auch mit Geschenken, und ich wurde von ihr kaum unterstützt.
Schon am ersten Tag hieß es, ich sei ihre „Konkurrenz“, weil ich von einer anderen Uni komme. Danach hat sie sich komplett zurückgezogen, nur mit Kopfhörern da gesessen und sich um ihre Bachelorarbeit gekümmert. Ich habe mich dadurch echt geghostet gefühlt.
Auch bei den festangestellten Kolleg:innen war es schwierig. Als ich versucht habe, mit meiner Supervisorin ein besseres Verhältnis aufzubauen, zum Beispiel über gemeinsame Mittagessen, wurde jedes Lunch-Date abgesagt oder sie war mit anderen Kolleginnen verabredet. Ich musste regelrecht Termine anfragen, um mit ihr essen zu dürfen. Wenn sie mich dann doch mal akzeptiert hat, saß ich einfach nur daneben, weil sie sich nur mit ihren Freundinnen unterhal
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten meiner direkten Vorgesetzten war enttäuschend und teilweise grenzwertig. Es gab kaum echtes Feedback, keine klare Führung und sehr wenig Interesse an persönlicher Entwicklung. Entscheidungen wurden willkürlich getroffen, Kritik wurde nicht sachlich geäußert, sondern oft einfach vorgeworfen.
Besonders schlimm war die Situation, als mir tatsächlich „Arbeitsverweigerung“ vorgeworfen wurde – nur weil ich einer Kollegin aus dem anderen Team geholfen hatte. Beide Teams gehörten zur selben Abteilung, und ich war ohnehin für beide Teams abwechselnd eingeteilt. Ich hatte meine Aufgaben erledigt und wollte einfach nur helfen. Trotzdem wurde mir Druck gemacht, als hätte ich etwas Falsches getan. Ich fand das total überzogen und unprofessionell.
Auch das Thema Einarbeitung wurde komplett vernachlässigt. Ich wurde mit Aufgaben allein gelassen, ohne ausreichende Anleitung, und wenn dann etwas nicht sofort perfekt war, hieß es, ich hätte mich nicht genug angestrengt. Dieses ständige Abwälzen der Verantwortung auf Berufseinsteiger:innen war extrem unfair.
Arbeitsbedingungen
Für Menschen, die in einem sehr leistungsorientierten Umfeld bestehen wollen und sich von Druck motivieren lassen, mag das Unternehmen passen. Wer aber Wert auf eine gute Einarbeitung, faire Führung und ein unterstützendes Team legt, sollte sich bewusst sein, dass hier die Leistungskultur klar vor der Menschlichkeit steht.
Kommunikation
Die Kommunikation war eines der größten Probleme. Aufgaben wurden oft nur ganz kurz erklärt, teils ohne Kontext oder Hintergrund. Wenn man dann nachfragte, hieß es schnell: „Das haben wir dir ja schon längst erklärt.“ Ich habe mich oft gefragt, ob ich in einem falschen Film bin, weil ich wirklich sicher wusste, dass ich etwas noch nie gezeigt bekommen hatte. Rückfragen wurden eher als Zeichen von Schwäche oder Unfähigkeit gesehen statt als Zeichen von Lernbereitschaft.
Ein besonders prägendes Erlebnis war die Prototypenrunde: Ich musste ohne Vorbereitung in einem großen Meeting protokollieren, in dem es um alle Prototypen der Abteilung ging – mit verschiedenen Artikelnummern-Systemen, Excel-Tabellen und vielen Beteiligten. Ich bekam die Datei erst am selben Tag, wusste gar nicht, dass ich protokollieren soll, und wurde danach kritisiert, dass etwas gefehlt hat. Das war völlig unfair und hätte mit besserer Kommunikation und Vorbereitung leicht vermieden werden können.
Feedback-Meetings wurden regelmäßig abgesagt. Transparenz über Verantwortlichkeiten gab es kaum, und Fehler wurden sofort demjenigen an
Interessante Aufgaben
Inhaltlich waren die Aufgaben durchaus interessant, wenn auch sehr kleinteilig. Ich konnte Einblicke in verschiedene Bereiche gewinnen. Es gab spannende Projekte und Themen, die eigentlich viel Potenzial hatten. Leider wurde das Potenzial durch schlechte Organisation und fehlende Anleitung zerstört.
Oft wurden Aufgaben einfach zu schnell erklärt, sodass man gar keine Chance hatte, sie richtig zu verstehen oder qualitativ gut umzusetzen. Wenn man dann Fehler machte, wurde das nicht als Lernmoment genutzt, sondern sofort kritisiert. Ich hätte mir gewünscht, dass man wirklich etwas beibringen will und nicht nur Arbeit ablädt. Gerade in einem großen Konzern wäre es leicht, umfangreiches Wissen systematisch zu vermitteln, aber das fand einfach nicht statt.