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Bewertung

Nach außen modern, intern fehlt es an Führung und Loyalität

2,2
Nicht empfohlen
Ex-Angestellte/r oder Arbeiter/inHat bis 2026 im Bereich Beschaffung / Einkauf bei agt - agency for global transport in Hamburg gearbeitet.

Gut am Arbeitgeber finde ich

Das junge und multikulturelle Team, die Gleichstellung von Frauen und Männern, moderne Büros, gute technische Ausstattung und flexible Arbeitszeiten.

Besonders positiv waren die jährlichen Kick-off-Reisen, gemeinsame Essen und weitere Mitarbeiterevents. Auch Kaffee, Wasser und Obst waren vorhanden. Meine direkten Kollegen waren kompetent, hilfsbereit und menschlich der mit Abstand beste Teil meiner Zeit im Unternehmen.

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

Die große Diskrepanz zwischen professioneller Außendarstellung und internem Führungsverhalten. Zu viel Mikromanagement, zu wenig Vertrauen, unklare Entscheidungen, starke Lästerkultur und Kritik, die nicht direkt angesprochen wurde.

Besonders negativ waren für mich die fehlende Loyalität einzelner Vorgesetzter, emotionale und nachtragende Reaktionen sowie fehlende Wertschätzung. Gute Leistungen wurden freundlich zur Kenntnis genommen. Bei kleinen Fehlern wurde dagegen teilweise sofort unverhältnismäßig reagiert.

Ich habe außerdem erlebt, dass Mitarbeiter von höher positionierten Kollegen abwertend bezeichnet oder der Lächerlichkeit preisgegeben wurden. So etwas darf in einem professionellen Arbeitsumfeld nicht als Spaß verkauft werden.

Verbesserungsvorschläge

Führungskräfte sollten fachlich und menschlich geschult und für ihr Verhalten verantwortlich gemacht werden. Lautes, emotionales oder respektloses Verhalten darf nicht normalisiert werden.

Kritik muss direkt, zeitnah und konkret mit dem betroffenen Mitarbeiter besprochen werden. Nicht erst Wochen oder Monate später in einem Personalgespräch mit HR. Zusagen zu Gehalt, Provisionen und Entwicklung sollten schriftlich festgehalten und eingehalten werden.

Teams müssen bei Entscheidungen einbezogen werden, wenn ihre Arbeitsabläufe unmittelbar betroffen sind. Menschen, die nicht im Prozess arbeiten, sollten nicht ohne Rücksprache über Raumaufteilungen, Arbeitsweisen oder neue Regeln entscheiden.

Außerdem braucht es ein vernünftiges Onboarding mit festen Ansprechpartnern, klaren Aufgaben, praxisnahen Schulungen und messbaren Lernzielen. Weniger Mikromanagement, mehr Vertrauen und klare Ergebnisse.

Arbeitsatmosphäre

Unternehmensweit herrschte eine starke Lästerkultur. Vieles wurde hinter dem Rücken besprochen, sowohl über Mitarbeiter als auch über andere Abteilungen. Vertrauen war kaum vorhanden. Statt zielorientierter Führung gab es immer neue Kontrollmechanismen und viel Mikromanagement. Selbst vielleicht "gut gemeinte" tägliche Rundgänge durch alle Büros wirkten irgendwann eher wie Beobachtung als wie echtes Interesse.

Probleme konnte man grundsätzlich ansprechen, nur wurde Kritik selten wirklich angenommen. Meist wurde sie relativiert oder direkt gerechtfertigt. Man musste deshalb aufpassen, was man zu wem sagt.

Kommunikation

Entscheidungen wurden häufig spontan und von oben herab kommuniziert. Personalgespräche wurden teilweise kurzfristig und ohne Angabe des Inhalts angesetzt, sodass man sich nicht vernünftig vorbereiten konnte.

Besonders problematisch war, dass Kritik oft nicht direkt im Arbeitsalltag angesprochen wurde. Im persönlichen Kontakt war scheinbar alles in Ordnung. Erst später, in offiziellen Gesprächen mit HR oder Geschäftsführung, kamen plötzlich Vorwürfe auf, von denen man vorher nie etwas gehört hatte. Einige davon waren aus meiner Sicht sachlich falsch oder beruhten auf Halbwahrheiten.

Zusagen wurden ebenfalls wiederholt verschoben. Eine angekündigte Margenprovision wurde beispielsweise über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren immer wieder in Aussicht gestellt, aber nie umgesetzt. Es wurde viel gesprochen, aber wenig verbindlich festgehalten oder tatsächlich umgesetzt.

Größtes Problem: Oft trafen Personen Entscheidungen über Prozesse, in die sie selbst weder involviert waren noch Wissen besaßen und erschwerten so das Arbeiten.

Kollegenzusammenhalt

Innerhalb meines direkten Teams war der Zusammenhalt sehr gut. Wir haben uns gegenseitig geholfen, viel voneinander gelernt und hatten trotz allem eine gute Zeit. Diese Kollegen waren für mich der Hauptgrund, gerne ins Büro zu kommen. Ich betone Kollegen, nicht Vorgesetzte.

Zwischen den Abteilungen sah es deutlich anders aus. Es gab viel Misstrauen, Konkurrenzdenken und Lästerei. Statt gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten, hatte man oft das Gefühl, dass die Teams gegeneinander arbeiten. Die hohe Fluktuation hat den Aufbau eines echten unternehmensweiten Zusammenhalts zusätzlich erschwert.

Work-Life-Balance

Die Gleitzeit war sehr angenehm. Man konnte zwischen etwa 6 und 10 Uhr anfangen und seinen Alltag dadurch relativ flexibel planen.

Auch das Arbeitspensum war überschaubar. Weswegen es keinen Sinn ergab, dass 6 Menschen eigestellt wurden für einen Job, den 2 Personen alleine bewältigen können. Da wollte jemand wohl den Schein waren.

Es gab allerdings nur einen festen Homeoffice-Tag. Hier hätte ich mir etwas mehr Flexibilität gewünscht. Insgesamt gehörte die Work-Life-Balance aber klar zu den besseren Seiten des Unternehmens.

Vorgesetztenverhalten

Den Vorgesetzten erlebte ich häufig als emotional, cholerisch und unprofessionell. Er wurde laut, führte lange Monologe und ließ andere kaum zu Wort kommen. Zudem habe ich mehrfach erlebt, wie über bestehende, neue und ehemalige Mitarbeiter gelästert wurde, während man ihnen persönlich ein anderes Gefühl vermittelte. Diese fehlende Loyalität war besonders enttäuschend.

Aufgaben und Erwartungen wurden oft unklar kommuniziert. Selbst einfache Projektabläufe wurden teilweise unnötig verkompliziert und digitale Prozesse nicht souverän umgesetzt. Später wurde Mitarbeitern vorgeworfen, Dinge nicht erledigt zu haben, die vorher nie klar abgestimmt worden waren.

Feedback erfolgte selten objektiv, rational und nachvollziehbar. Stattdessen war es häufig emotional, subjektiv und ohne klare Grundlage. Kritik erschien teilweise erst in offiziellen Gesprächen und enthielt Aussagen, die sich nachträglich als falsch oder stark verzerrt herausstellten. Eigene Fehler oder Fehleinschätzungen wurden kaum eingeräumt. Im täglichen Umgang braucht man daher Geduld. Statt das Team zu schützen und zu schulen, standen häufig Selbstprofilierung und das Demonstrieren der eigenen Position im Vordergrund.

Interessante Aufgaben

Meine Aufgaben waren teilweise interessant und abwechslungsreich. Das lag allerdings vor allem daran, dass ich mir selbst Verantwortung gesucht, Prozesse optimiert und aktiv nach neuen Projekten gefragt habe. Dadurch konnte ich unter anderem eigene Lösungen und Anwendungen entwickeln und besondere Aufgaben übernehmen.

Wer selbst Initiative zeigt und bereits Kompetenz mitbringt, kann sich interessante Themen aufbauen. Die normalen Aufgaben im Tagesgeschäft waren dagegen häufig repetitiv. Eine gezielte Entwicklung oder systematische Förderung durch die Führung habe ich nicht erlebt.

Gleichberechtigung

Das Unternehmen ist jung und sehr multikulturell. Menschen mit unterschiedlichen Nationalitäten, Religionen und Hintergründen bekamen Chancen. Auch Frauen waren in Führungspositionen vertreten. Das möchte ich ausdrücklich positiv hervorheben.

Weniger nachvollziehbar waren teilweise Gehälter, Beförderungen und Verantwortlichkeiten. Personen in identischen oder ähnlichen Positionen hatten unterschiedliche Konditionen. Viel hing von Verhandlungsgeschick, Sympathie und der Nähe zu bestimmten Entscheidungsträgern ab.

Umgang mit älteren Kollegen

:)

Arbeitsbedingungen

Die äußeren Arbeitsbedingungen waren sehr gut. Die Büros waren modern und sauber, die technische Ausstattung war vorhanden und notwendige Arbeitsmittel wie Smartphones und Software wurden bereitgestellt. Auch die Lage und Verkehrsanbindung waren gut.

Es gab außerdem Sicherheitsschulungen, ausreichend Personal und grundsätzlich vernünftige räumliche Bedingungen. Einzelne Entscheidungen zur Raumaufteilung waren allerdings nicht nachvollziehbar. Teams wurden beispielsweise ohne echte Rücksprache räumlich zusammengelegt, wodurch unnötig Lärm und Unruhe entstanden. Auch wurden Teams räumlich getrennt und auf verschiedene Etagen gesetzt, wodurch das Arbeiten enorm erschwert wurde.

Umwelt-/Sozialbewusstsein

Diesen Bereich kann ich nur eingeschränkt beurteilen. Es gab einzelne Maßnahmen wie Elektrofahrzeuge. Größere soziale Projekte oder eine besonders sichtbare Nachhaltigkeitsstrategie habe ich im Arbeitsalltag aber nicht wahrgenommen.

Beim sozialen Umgang mit Mitarbeitern besteht aus meiner Sicht deutlich mehr Verbesserungsbedarf als bei der Außendarstellung.

Gehalt/Benefits

Das Gehalt lag für viele Positionen eher im unteren Bereich des Marktes. Einstiegsgehälter waren selbst für wichtige Stellen schwach. Anpassungen über die Jahre waren schwierig durchzusetzen und nicht transparent geregelt.

Für besondere Projekte und langfristige Prozessverbesserungen gab es einzelne Einmalzahlungen. Diese ersetzen aber keine nachhaltige Gehaltsentwicklung. Ziele wurden gesetzt, ohne klar festzuhalten, was bei Erreichung daraus entsteht.

Image

Nach außen präsentiert sich das Unternehmen jung, dynamisch, professionell, familienfreundlich und modern. Intern habe ich vieles deutlich anders erlebt. Schönes Branding und moderne Büros können nicht verdecken, dass es bei Führung, Kommunikation und Wertschätzung erhebliche Probleme gibt.

Für mich war es häufig mehr Schein als Sein. Besonders die Onboarding-Prozesse passen nicht zum professionellen Außenbild. Neue Mitarbeiter werden mit vielen theoretischen Inhalten konfrontiert, ohne klare Aufgabenverteilung, vernünftiges Learning by Doing oder feste Ansprechpartner. Dadurch sind viele am Anfang verständlicherweise verloren.

Karriere/Weiterbildung

Als Einstieg in die Arbeitswelt kann das Unternehmen ein gutes Sprungbrett sein. Junge Menschen bekommen Chancen, können den Umgang mit Lieferanten lernen und erste Erfahrungen mit bestimmter Software, Einkauf und Projektarbeit sammeln.

Eine langfristige Karriereplanung gab es aus meiner Sicht jedoch kaum. Der normale Weg führte vom Assistant eventuell zu einer Managerposition. Danach waren die Möglichkeiten begrenzt. Klare Kriterien für Beförderungen, Gehaltserhöhungen oder Weiterentwicklung fehlten. Neue Positionen wirkten teilweise so, als würden sie passend für einzelne Personen geschaffen. Sympathie und persönlicher Nutzen schienen dabei teilweise wichtiger zu sein als transparente Leistungskriterien.

Gezielte fachliche Schulungen oder echte Führungskräfteentwicklung habe ich kaum erlebt. Vieles musste man sich selbst beibringen.

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Arbeitgeber-Kommentar

Sherilin Sowah

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, deine Erfahrungen so ausführlich zu schildern.

Es freut uns, dass du insbesondere den Zusammenhalt in deinem direkten Team, unser multikulturelles Arbeitsumfeld, die moderne Arbeitsausstattung, flexible Arbeitszeiten sowie unsere gemeinsamen Veranstaltungen positiv in Erinnerung behalten hast. Gerade diese Aspekte sind uns wichtig und wir freuen uns, dass sie von dir so wahrgenommen wurden.

Gleichzeitig nehmen wir deine kritischen Rückmeldungen ernst. Themen wie Führung, Kommunikation, Onboarding, Feedbackkultur und Transparenz sind für uns wichtige Bestandteile einer guten Zusammenarbeit. Unterschiedliche Perspektiven helfen uns dabei, unsere Prozesse und unsere Zusammenarbeit immer wieder zu reflektieren und weiterzuentwickeln.

Vielen Dank für deine Offenheit und das ehrliche Feedback. Wir wünschen dir für deinen weiteren beruflichen und privaten Weg alles Gute und viel Erfolg.

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Anonym · Sieh, ob’s deinen Kolleg:innen auch so geht.