Das ewige Start-Up
Verbesserungsvorschläge
Raus aus den 12 Jahren Start-Up-Modus und hin zu einem professionell organisierten Unternehmen mit klar abgegrenzten Zuständigkeiten und Entscheidungsebenen im Management. Professionelles Training nach anerkannten Methoden für Führungskräfte, um die Persönlichkeitsentwicklung ihrer Untergebenen besser gestalten zu können. Die Kompetenzen der Mitarbeiter ernst nehmen und ihnen Entscheidungsspielräume sowie substanzielle Entwicklungsperspektiven bieten, um Qualifikationen und Know-How dauerhaft im Haus zu halten. Es hilft nichts, ständig Gesprächsangebote an die Mitarbeiter zu machen, wenn sie nur pro forma sind. Altbekannte Produktprobleme und Zeitfresser endlich angehen und nachhaltig beseitigen sowie das Produkt konsequent mit zeitgemäßen Technologien transformieren.
Arbeitsatmosphäre
Im Homeoffice sehr gut. Im Büro weniger, da machte jede/r eben sein Ding und ging wieder. Kam auch auf die Abteilung an. Auf die persönlichen Befindlichkeiten der Kolleginnen und Kollegen musste viel Rücksicht genommen werden. Kritik und Verbesserungsvorschläge konnten und sollten offen der Leitung vorgebracht werden, verpufften dort aber häufig oder führten zu weiteren Nachgesprächen.
Image
Führung und Mitarbeitende hatten eine unterschiedliche Sicht. Die Führung feierte das Lob von ein paar Vorzugskunden, während bei den Mitarbeitern in den technischen Abteilungen vor allem Kritik und Probleme der Kunden in der Breite ankamen.
Work-Life-Balance
Wer es richtig anstellte, konnte mit wenig Work viel Life balancen. Komfortables Arbeitszeitmodell mit viel Homeoffice. Selbst am Pflicht-Präsenztag einmal pro Woche gab es eine Vielzahl von triftigen Ausnahmen, die das Zuhausebleiben ermöglichten. Auch um Termin- und Zielvorgaben musste man sich nicht sorgen, in der Regel konnte immer etwas verschoben werden. Pünktlicher Feierabend garantiert, falls man sich nicht selbst in zu viele Aufgaben gestürzt hat.
Karriere/Weiterbildung
Karriere im Sinne eines Aufstiegs in der Hierarchie strukturell bedingt so gut wie unmöglich. Immer weiter zunehmende Anzahl von Aufgaben dagegen fast unvermeidbar. Jährliches Mitarbeitergespräch, in dem sich Mitarbeiter und Vorgesetzter über Ziele und -erreichungen austauschten. Weiterbildungen konnte man individuell anfragen, daneben wurden auch durch den Vorgesetzten immer wieder individuelle oder Team-Weiterbildungen für spezifische Projekte oder Technologien angeboten bzw. angeordnet. Leider wurde das so Gelernte häufig durch anschließende Planungsänderungen gar nicht oder erst nach einem langen Zeitraum abgerufen. Aber man hat immerhin ein Zertifikat.
Gehalt/Benefits
Gehalt merklich unter dem Schnitt der Branche und der Region. Für hoch qualifizierte und engagierte Mitarbeiter wenig Möglichkeiten, sich signifikant zu steigern. Es gab ein paar der üblichen Benefits, die gibt es aber auch woanders.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
War vorhanden und wurde, so weit es die Umstände hergaben, gelebt.
Kollegenzusammenhalt
Gab es. Aber es gab auch jene Mitarbeitenden, die sich sehr gut im Team (toll, ein Anderer machts!) eingerichtet hatten und kein Problem damit hatten, wenn das auf die Stimmung in der Abteilung durchschlug.
Umgang mit älteren Kollegen
Aus der Kollegenschaft heraus insgesamt gut. Die (vergleichsweise junge) Führung scheint sich allerdings nur schwer in die Mentalität und die Lebensperspektive älterer Mitarbeiter hineinversetzen zu können und geht vom gleichen Mindset wie bei Berufseinsteigern (auch bezüglich Gehalt) aus. Erfahrungen aus langjährigen Berufswegen werden zwar abgefragt, letztlich möchte man als Start-Up aber alles neu erfinden und an diesem Vorgehen auch festhalten.
Vorgesetztenverhalten
Unterschiedlich je nach Abteilung. Mikromanagement bei Prozessen und im Fachlichen gehörte zum Handwerkszeug. Disziplinarisch wurde dagegen über sehr vieles hinweggesehen. Es machte den Eindruck, dass Entscheidungen nicht auf der Ebene der Teamleitung gefällt wurden. Geführt wurde gerne nach dem Motto einfach mal schauen, dann sieht man schon. Insgesamt antiautoritär. Die Autorität kam dann von weiter oben. Stets schwierig und unangenehm die Frage an den Vorgesetzten nach der weiteren persönlichen Entwicklung, weil eben flache Hierarchie.
Arbeitsbedingungen
Großraumbüros für die einzelnen Abteilungen in einem zweckdienlich hergerichteten Gewerbe-Altbau in der Stadtmitte von Stuttgart. Die persönliche IT-Ausstattung war großzügig und auf dem aktuellen technischen Stand, auch für das Homeoffice wurde ausreichend Hardware gestellt und Sorge getragen, dass das Arbeiten im Homeoffice und die Anbindung an das Büro auch funktionierte. In anderen Bereichen wurde gespart und improvisiert, z. B. bei Entwicklungs-, Test- und Demosystemen in den Abteilungen. Wenn Letzteres den Arbeitstag prägt, ist das nicht begeisternd.
Kommunikation
Das Haupt-Tool der Kommunikation war das Meeting. Zu allen betrieblichen und fachlichen Themen wurden umfangreiche Meetings abgehalten, in denen Vorgesetzte ausführlich ihre Sichtweisen und Erwartungen nach unten kommunizierten und die tägliche Arbeit koordinierten. In Projekten war die Projektleitung bei Absprachen zwischen Management-Ebene und Stakeholdern mitunter außen vor und wurde mit den Resultaten überrascht.
Gleichberechtigung
Wird groß und gewissenhaft geschrieben.
Interessante Aufgaben
Gab es. Einiges technisch und softwarearchitektonisch Reizvolles. Wurde aber häufig durch Mikromanagement der Vorgesetzten so zerstückelt, dass der interessante Part mit Gestaltungsspielraum beim Vorgesetzten blieb und die reine Umsetzung der Vorgaben dem Mitarbeiter zufiel. Wenig Möglichkeiten, sich selbst ein Projekt auszusuchen oder eine Spezialisierungsrichtung einzuschlagen.
Daneben aber auch sehr viele Routineaufgaben auf einfachster Ebene und sich Wiederholendes. Auf die Dauer alles nicht befriedigend für erfahrene Mitarbeiter, die so ihre Skills nicht ausspielen konnten.