Ist der Tiefstpunkt nun langsam erreicht?
Gut am Arbeitgeber finde ich
Gehalt wird pünktlich und zuverlässig gezahlt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
- Nicht genug Sitzplätze in Büro und Pausenbereichen inklusive Kantine für alle Mitarbeiter, veraltete und langsame Hardware, ausfallanfällige Büronetzwerke.
- Katastrophale Parkplatzsituation
- Intransparenz und Rückschrittlichkeit in der Denkweise.
- Silo-Mentalität.
- Strategische Entscheidungen werden scheinbar willkürlich getroffen und die Konsequenzen auf dem Rücken der Belegschaft ausgetragen.
- Ständige Budgetkürzungen und Einsparungsmaßnahmen lassen Zweifel an der Führung und der Gesundheit des Unternehmens entstehen.
- Es gibt durchaus Personen und Bereiche im Unternehmen, die sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten bemühen, ein gutes Arbeitsumfeld zu schaffen und zu erhalten. Da deren Stimmen aber scheinbar nicht ausreichend Gewicht haben, verpuffen auch vielversprechende Initiativen im Nichts.
Verbesserungsvorschläge
Besinnt euch auf die Werte, die das Unternehmen einst groß gemacht haben, und zwar ALLE davon.
Wichtige Entscheidungen sollten IMMER nachvollziehbar dokumentiert verkündet werden. Nicht per im Äther verschwindender Videobotschaft, nicht per Zweit- oder Drittkommunikation über die Vorgesetztenlinie. Wichtige Regeln müssen verschriftlicht werden, damit diese einheitlich umgesetzt werden können.
Entscheidungen sollten ausreichend durchdacht und in entsprechenden Feedbackzirkeln reflektiert werden, bevor sie verkündet werden.
Transparenz statt Geheimniskrämerei mit einem ausgewählten Kreis (inklusive NDA) zu neuen Initiativen, Einordnung von Themen in die Gesamtunternehmensstrategie.
Wenn mich heute jemand fragt, was gerade ADX' Ziel ist? Keine Ahnung, aber da sind diverse Fäden, die von einem bunten Fächer an Personen durch das Unternehmen gezogen werden. Werden diese Fäden jemals ein Ganzes ergeben? Ich kann nur mutmaßen.
Arbeitsatmosphäre
Wir sind keine Mitarbeiter, wir sind Faktoren in der Berechnung von KPIs. Einst war einer der Leitsprüche dieses Unternehmens, der Mensch stände im Mittelpunkt jeglichen unternehmerischen Handelns. Davon ist unter der aktuellen Führung längst nichts mehr übrig geblieben. Das Klima ist geprägt von Leistungsdruck, eine vorsichtig aufgeblühte konstruktive Fehlerkultur wurde brutal durch Zielerreichungskriterien und entsprechendes Fingerpointing erstickt.
Die unlängst eingeführte Produktorganisation wird weder homogen umgesetzt, noch fördert sie ein lösungsorientiertes Arbeiten an akuten Problemen. Man kommt sich vor, wie im Gesundheitswesen - du brauchst Unterstützung? Na, wir können einen Termin im übernächsten Quartal anbieten.
Das alles wird abgerundet durch einen knallharten Sparkurs, der sowohl verdeckte als auch offene Entlassungen mit sich zieht - gepaart mit einem Einstellungsstopp für diverse Bereiche, sodass die abgestoßenen Mitarbeiter nicht mehr ersetzt werden. Die Reorganisation wird ausgetragen auf dem Rücken derer, die nicht schnell genug weg gekommen sind. Budgets werden gekürzt, ambitionierte Sparpläne ausgerufen. Geht es dem Unternehmen noch gut? Keiner weiß es.
Work-Life-Balance
Es wird ein Überstundenstopp angeordnet, da man diese nicht mehr bezahlen möchte, aber dennoch erwartet, dass dieselbe Menge (und mehr) Arbeit verrichtet wird. Wie das funktioniert? Ganz sicher nicht so, dass "auf Vertrauensbasis" im Zeitmanagementtool ausgestempelt wird, lange bevor man tatsächlich den Rechner runterfährt. . .
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Knapp 4000 Mitarbeiter dazu aufzurufen, mindestens 2 Tage pro Woche ins Büro zu pendeln, kann nicht gut sein für die Ökobilanz, da helfen auch "Shuttle-Services" vom Hauptbahnhof aus nichts.
Karriere/Weiterbildung
Generisches Kursangebot im internen Angebot, externe Weiterbildungen werden nur sehr eingeschränkt bewilligt, da auch hier das Budget stark gekürzt wurde.
Karrierechancen hängen von der zuständigen Führungskraft und dem Nasenfaktor ab.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt untereinander war lange Zeit das, was dieses Unternehmen ausgemacht hat. Druck, Umstrukturierungen und KPI-Versessenheit haben dies in sich zusammenfallen lassen.
Etwas läuft nicht, wie es soll? Hier wird nicht geschaut, warum das so sein könnte und an einer Verbesserung gearbeitet, sondern primär zugeordnet, wer "schuld" daran ist. KPIs werden mit Adleraugen überwacht und bei jeglicher erkennbaren Abweichung mit Konsequenzen gedroht. Das führt dazu, dass Teams und ganze Abteilungen sich gegenseitig an die Gurgel gehen, dass der "schwarze Peter" munter versucht wird, weiterzuschieben.
Während von der Management-Seite metikulöses Mikromanagement betrieben wird, ist die Demotivation auf der technischen Seite allseits spürbar. Es wird entschieden, und dann erst die technische Machbarkeit abgefragt - Lösungen werden gegen den Rat der Experten durchgedrückt, was zu Unzufriedenheit führt.
Wo früher lösungsorientiert die Ärmel hochgekrempelt wurden, herrscht jetzt eine "not my department"-Mentalität. Jeder gegen jeden, und jeder nur für sich. Eine nie dagewesene Empathielosigkeit prägt das Miteinander auf allen Ebenen. Ein "Wir" gibt es nur noch im ganz Kleinen.
Vorgesetztenverhalten
Das Vorgesetztenverhalten variiert; Fachvorgesetzter und Personalvorgesetzter bis Prokuristenebene: ist stark personenabhängig, es gibt Positiv- und Negativbeispiele.
Das Top-Management setzt allerdings auch keinen menschlichen Standard, dem gefolgt werden sollte - Unzugänglichkeit, Unfreundlichkeit und Distanziertheit sind nur einige der dort dominierenden Eigenschaften. Was soll man auch von Menschen erwarten, die verkünden, dass sie das Leben ihrer Mitarbeiter "ohne Ausnahme" entwurzeln werden, und dabei noch verschmitzt grinsen?
Reflektion erfolgt erst nach Rebellion. Allerdings bin ich mir nicht sicher, wieviel französische Gene in diesem Mitarbeiterstab noch vorhanden sind.
Arbeitsbedingungen
Nach 5 erfolgreichen Jahren der Remote-First-Kultur ist nun die Abkehr von selbiger hin zu einer 40%-Officepflicht erfolgt. Fazit nach knapp einem Monat der "Scharfschaltung der Metriken" ist, dass Kollegen wesentlich schwerer zu greifen sind, weil sie entweder auf dem Arbeitsweg feststecken, krank sind oder die Technik im Office mal wieder nicht so funktioniert. Es ist schon jetzt ein Informationsdefizit zwischen anwesenden und nicht anwesenden Personen spürbar.
Kollegen mit längerem Anfahrtsweg haben eine großzügige Umbruchsphase von 5 Monaten erhalten, während derer aber bitte das neue Setup auch schon verprobt werden sollte. Ab einer gewissen Distanz wurde eine phänomenale Umzugsprämie von 3000€ angeboten. Dies unterstreicht leider, welche Zielgruppe aktuell im Wunsch-Arbeitnehmerfokus steht: (Junge) Alleinstehende, die gerne für ein Unternehmen krummbuckeln, das exklusiv durch den Betrag auf dem Konto am Monatsende Danke sagt. Wie soll eine Familie diesen Wandel ad hoc gestalten?
Die Präsenzpflicht tilgt auch gleichzeitig jeglichen Vorsprung in Sachen Vergütung, den ALDI vor dem Wettbewerb gehabt haben könnte.
Kommunikation
Die interne Unternehmenskommunikation ist ein zahnloser Tiger. Berichtet wird nur über einfache Themen, oder Erfolge zu Themen gefeiert, die allerhöchstens einen kleinen Bruchteil des Unternehmens betreffen, aber im Top-Management ausreichend Aufmerksamkeit erreicht haben. Man hat das Gefühl, dass das wichtigste Anliegen die Planung der nächsten Sommerparty ist - sofern diese beim aktuellen Sparkurs noch stattfindet. Ein kritisches Auseinandersetzen oder Informieren über einschneidende Unternehmensentscheidungen findet nicht statt, Townhall-Meetings, in denen solche verkündet werden, werden bewusst nicht aufgezeichnet, sodass abwesende Personen keine Möglichkeit haben, sich erster Hand zu informieren. Es wird zur Teilnahme und zu Feedback aufgerufen, doch Chat- oder Q&A-Funktionen bleiben absichtlich deaktiviert.
Was das Unternehmen als Discounter an sich tut, bekommt der Mitarbeiter bei ADX allerhöchstens mit, wenn er selbst an einem solchen Projekt beteiligt ist oder von außen auf Presse oder Entwicklungen angesprochen wird.
Gehalt/Benefits
In machen Bereichen nach wie vor überdurchschnittlich, wird aber für viele durch den Wegfall von Überstundenauszahlungen und dem heftigen Anstieg der Pendelkosten leider signifikant geschmälert.
Es muss jeder selbst wissen, ob die aktuell sehr toxische Stimmung und Kuntur durch Geld alleine aufwiegbar ist.
Gleichberechtigung
Frauen in Führungspositionen sind extrem rar. Oft besteht noch das Verständnis, die Frau im Team ist die heimliche PA, macht Termine und sorgt für die Organisation von Teamevents und Geburtstagsgeschenken.
Befördert wird wenn, dann nach dem Nasen-Prinzip - oft auch einfach der "lauteste Affe im Zirkus". Das führt zu einer entsprechenden Führungsriege.
Interessante Aufgaben
Innovation gibt es nur in bestimmten Bereichen, wo sie auch gern mal viel Geld kosten dürfen. Ansonsten bitte nicht über den Tellerrand hinausschauen und zukunftssichere Lösungen anbieten. Gehandelt wird erst, wenn der Schuh drückt, sodass die "interessanten Aufgaben" mittlerweile meist daraus bestehen, dass die betroffenen Teams Feuerwehr spielen dürfen.

