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Alstom Hennigsdorf: Vitamin B schlägt Fachkompetenz – Erfahrung zählt hier wenig

1,8
Nicht empfohlen
Ex-Zeitarbeiter/inHat bis 2025 im Bereich Produktion bei Alstom Transportation Germany GmbH in Hennigsdorf gearbeitet.

Gut am Arbeitgeber finde ich

Die Produkte (Schienenfahrzeuge) sind technisch hochinteressant und zukunftsweisend. Der Standort ist gut erreichbar und verfügt über eine solide Infrastruktur (Kantine, Parkplätze). Projekte, an denen ich arbeiten durfte, wie C30 oder X80 sind spannend. Auch die Einblicke in das neue Projekt SJ250 waren toll.

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

Schlecht finde ich die ausgeprägte Vetternwirtschaft und das sogenannte Stammtisch-Recruiting. Es fehlt an Wertschätzung gegenüber erfahrenen Zeitarbeitskräften. Sogar bei Wettbewerbern berichten ehemalige Kollegen aus dem SJ250 Projekt von den Zuständen in Hennigsdorf. Während in Gebäude 74 die Entscheidungen getroffen werden, kommen in Halle 71 bevorzugt Bekannte oder Personen ohne Bahnerfahrung (wie etwa Stahlwerker) unter. Es ist frustrierend, wenn Profis mit jahrelanger Expertise ignoriert werden, während ungelernte Bekannte von Vorgesetzten feste Verträge erhalten. Das schadet dem Ruf des Werks massiv und drückt die Moral der gesamten Belegschaft.

Verbesserungsvorschläge

Prämien-Gerechtigkeit: Beenden Sie die Zwei-Klassen-Gesellschaft bei Samstagsprämien. Gleiche Belastung muss gleich entlohnt werden (Equal Pay). Andernfalls kann man sich die Vorträge über Ethik und Compliance auf künftigen Betriebsversammlungen sparen.

Transparentes Recruiting: Führen Sie ein faires Auswahlverfahren ein, bei dem Qualifikation und Industrieerfahrung mehr zählen als private Kontakte oder familiäre Verhältnisse zu Entscheidungsträgern.

Infrastruktur: Dringende Sanierung der sanitären Anlagen in der Produktion. Zudem wird eine Kantinen-Außenstelle für entlegene Standorte wie Gebäude 74 benötigt, damit Pausenzeiten nicht allein für den Arbeitsweg draufgehen.

Wertschätzung: Schaffen Sie die optische Kleidungshierarchie ab und fördern Sie erfahrene Fachkräfte aktiv, statt sie durch Ignoranz zur Konkurrenz ziehen zu lassen

Arbeitsatmosphäre

Anfangs motiviert, schlug die Stimmung schnell um. Es ist frustrierend zu sehen, wie langjährige, erfahrene Zeitarbeitnehmer (die Abläufe erklären, Kollegen anlernen und als stellv. Gruppensprecher fungieren) bei Übernahmen ignoriert werden. Währenddessen erhalten fachfremde Personen aus dem privaten Bekanntschaftskreis bestimmter Entscheidungsträger sofort feste Verträge.

Image

Alstom präsentiert sich als innovativer Weltmarktführer, hat aber intern am Standort Hennigsdorf den Ruf einer Titanic mit drei Klassen. Wer die Realität in der Fertigung kennt, weiß, dass das glänzende Außenbild nicht zur gelebten Vetternwirtschaft in den Hallen passt. Es ist frustrierend zu sehen, dass lokale Bewerber (z. B. aus dem Stahlwerk) oft ohne einschlägige Kenntnisse bevorzugt werden, während Zeitarbeiter mit jahrelanger, spezifischer Erfahrung im Zugbau wie ich (z. B. von Bombardier) komplett ignoriert werden.

Work-Life-Balance

Das 2-Schicht-Modell wird durch erzwungene Samstagsarbeit ausgehebelt. Wenn sich nicht genug Freiwillige melden, werden Mitarbeiter "bestimmt", auch ohne triftige Gründe wie die Pflege von Angehörigen zu berücksichtigen. Besonders bitter ist das Lohn-Dumping: Zeitarbeiter erhalten für diesen Zwangseinsatz mit 80 € deutlich geringere Prämien als die Stammbelegschaft (150 €).

Karriere/Weiterbildung

Aufstiegschancen für externe Fachkräfte sind minimal, da attraktive Stellen oft unter der Hand im Bekanntenkreis vergeben werden. Mein Wechsel zur Konkurrenz im Nachbarort zeigt, dass andere Unternehmen Industrieerfahrung sofort erkennen und fördern, statt sie monatelang in der Warteschleife zu lassen.

Gehalt/Benefits

Massive Unterschiede in der Bezahlung bei gleicher Arbeit; teils 10 € Differenz im Stundenlohn zwischen Zeitarbeit und Stamm. Dass Einsatzprämien für Mehrarbeit bei Zeitarbeitern fast um die Hälfte gekürzt werden, ist für einen Konzern dieser Größe beschämend und grenzt an Lohn-Dumping.

Umwelt-/Sozialbewusstsein

Massive Lohnunterschiede von teils 10 €/Std. zwischen Zeitarbeit und Stammbelegschaft bei gleicher Tätigkeit. Aufstiegschancen für Externe sind minimal, da attraktive Stellen oft unter der Hand im Bekanntenkreis vergeben werden oder Zeitarbeitsfirmen die Mitarbeiter "blockieren".

Kollegenzusammenhalt

Die Facharbeiter halten zusammen, sind aber frustriert über die Einstellungspolitik. Erfahrene Kollegen müssen ständig kritische Mängel (fehlende Schrauben-Markierungen, falsche Drehmomente, fehlende Schmiermittel, falsche Biegeradien) sowie fehlende Seriennummern ungelernter Kräfte korrigieren.

Es entsteht der Eindruck einer massiven Vetternwirtschaft: Wenn Neuzugänge mutmaßlich über familiäre Kontakte bereits nach zwei Tagen in Zeitarbeit übernommen werden, aber nach Monaten noch immer keinen Arbeitsrhythmus gefunden haben, führt das zu wirtschaftlichem Schaden durch Verzug und ständiges Rework.

Umgang mit älteren Kollegen

Ältere Kollegen mit 40 Jahren oder mehr Betriebszugehörigkeit verfügen über enormes Wissen. Problematisch ist jedoch, dass sie oft als kostenlose Ausbilder für unqualifizierte Neuzugänge aus der Zeitarbeit oder dem privaten Bekanntenkreis genutzt werden. Ihre zusätzliche Belastung und Expertise wird dabei nicht besonders gewürdigt.

Vorgesetztenverhalten

Objektive Leistung zählt weniger als private Kontakte (Fußball/Stammtisch) zu Entscheidungsträgern in Gebäude 74. Trotz Empfehlung der direkten Abteilungsleitung wurde meine langjährige Erfahrung ignoriert. Ich bin nun bei der Konkurrenz und werde dort direkt zur Führungskraft angelernt – dort wird Kompetenz erkannt.

Arbeitsbedingungen

In der Montage herrscht hoher Druck bei mangelhafter Ausstattung: Teils nur 4 Stableuchten für 25 Kollegen, ständiger Mangel an Akkuschraubern oder Drehmomentschlüsseln in den Tool24-Schränken. Zudem ist die Sanitär-Infrastruktur veraltet (oft verstopfte Toiletten) und die Wege zur Kantine sind von Gebäude 74 aus so weit (15 Min.), dass die Pause für den Weg und das Anstehen draufgeht.

Kommunikation

Ein einziges „Abkürzungs-Bingo“ aus TCHE, DTR und ESL, das selbst Langjährige kaum erklären können. Grundlagen der Kommunikation werden ignoriert, was Prozesse unnötig kompliziert macht. Zudem wartet man auf Rückmeldungen zu internen Bewerbungen oft monatlich vergebens – Transparenz ist ein Fremdwort.

Gleichberechtigung

Nach außen modern, intern zählt die soziale Herkunft. Fachfremde werden über Vitamin B geholt, während die fachliche Last bei den erfahrenen Kräften hängen bleibt. Die unterschiedliche Arbeitskleidung zementiert zudem eine sichtbare Drei-Klassen-Gesellschaft im Werk.

Interessante Aufgaben

Massiver Druck durch starken Projektverzug. ALEAS-Tickets werden oft erst nach Monaten bearbeitet. Die ungerechte Entlohnung der Samstagsarbeit (fast 50% weniger Prämie für Externe bei identischer Belastung) führt dazu, dass die Moral immer weiter sinkt und viele nur noch Dienst nach Vorschrift leisten.

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Anonym · Sieh, ob’s deinen Kolleg:innen auch so geht.