Zumindest in der Region Süd nicht zu empfehlen
Gut am Arbeitgeber finde ich
- Je nach Standort gute Zusammenarbeit innerhalb der Praxisteams
- Flexibilität in der Arbeitszeitgestaltung
- Professionelle und zuverlässige Zentrale (z. B. Personal, Buchhaltung, Lohnabrechnung)
- Grundsätzlich sinnvolle und abwechslungsreiche therapeutische Tätigkeit
- Umstellung auf digitale Dokumentation (auch trotz fehlender Einarbeitung)
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
- Fehlende Verlässlichkeit in der regionalen Führung
- Unzureichende Kommunikation und Erreichbarkeit auf Führungsebene
- Teilweise fehlende Umsetzung von Zusagen
- Hoher organisatorischer Druck durch unklare Prozesse
- Teilweise fehlende Konsequenz bei Führungsentscheidungen
- Begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten beim Gehalt für langjährige Mitarbeitende
- Wahrgenommene Diskrepanz zwischen Außendarstellung und interner Realität
- Eingeschränkte Unterstützung bei strukturellen oder teambezogenen Problemen
Verbesserungsvorschläge
- strukturiertes Onboarding für neue Mitarbeiter einführen
- Verlässliche und zeitnahe Kommunikation auf Führungsebene
- Klare Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten
- Konsequente Umsetzung von Zusagen
- Verbesserung der Erreichbarkeit der regionalen Führung
- Mehr Transparenz in organisatorischen Abläufen
- Verbindlichere Führungsstruktur mit klaren Entscheidungen
- Regelmäßige und nachvollziehbare Gehaltsentwicklung
- Stärkere Unterstützung von Teams bei organisatorischen und strukturellen Problemen
- Stärkere Fokussierung auf therapeutische Qualität neben wirtschaftlichen Zielen
- stärkerer Fokus auf Mitarbeiterbindung und -Zufriedenheit
- Arbeitszeugnisse nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses zeitnah zu versenden
- Führungskräfte einstellen welche kritikfähig sind
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre war insgesamt stark von der jeweiligen regionalen Führung abhängig. Innerhalb des Teams habe ich überwiegend kollegiale Zusammenarbeit erlebt, viele Kolleginnen und Kollegen unterstützen sich gegenseitig sehr stark.
Gleichzeitig war der Arbeitsalltag häufig von Unsicherheit und Druck geprägt. Aufgaben mussten teilweise unter kurzfristigen Vorgaben erledigt werden, obwohl notwendige Informationen oder organisatorische Voraussetzungen noch nicht vorlagen. Dadurch entstand eine starke Abhängigkeit von anderen Stellen, wodurch eigene Aufgaben trotz hoher Erwartungshaltung nicht immer fristgerecht umsetzbar waren. Insgesamt hatte ich selten
das Gefühl, wirklich entspannt arbeiten zu können.
Bei Auslastungsschwierigkeiten müssen die Therapeuten Hausbesuche bewerkstelligen obwohl es für mehrere Th. nur ein Auto gab. Solche Dinge führten häufig zu einer negativen Arbeitsatmosphäre.
Image
Nach außen wirkt das Unternehmen durch Marketing, Social Media und Außendarstellung modern, jung und attraktiv.
Intern habe ich teilweise eine deutliche Diskrepanz zwischen diesem Image und der tatsächlichen organisatorischen Realität erlebt.
Work-Life-Balance
Die Arbeitszeiten sind grundsätzlich flexibel gestaltbar.
Karriere/Weiterbildung
Im Bereich Karriere und Weiterbildung habe ich wenig klare Strukturen erlebt. Fortbildungen wurden überwiegend nach wirtschaftlicher Verwertbarkeit genehmigt, wodurch bestimmte Berufsgruppen aus meiner Sicht weniger berücksichtigt werden. Ein nachhaltiges Konzept zur beruflichen Weiterentwicklung war aus meiner Sicht nicht erkennbar.
Gehalt/Benefits
Das Einstiegsgehalt ist im Branchenvergleich insgesamt in Ordnung, sticht jedoch aus meiner Sicht nicht besonders hervor. Andere Praxen oder Therapieketten bieten teilweise attraktivere Einstiegsgehälter.
Kritisch sehe ich insbesondere:
- keine transparente oder regelmäßige Gehaltsentwicklung/keine automatische jährliche Gehaltsanpassung
- keine systematische Anpassung an Tarif- oder Kostenentwicklungen
- Gehaltserhöhungen erfolgen nicht über eine regelmäßige Anpassung des Grundgehalts, sondern leistungsbezogen im Sinne einer Umsatzbeteiligung
- Unterschiede zwischen neuen und langjährig beschäftigten Mitarbeitenden
Kritisch sehe ich auch folgende Situation: Während einer Gehaltsverhandlung legte der Regionalleiter sein Mobiltelefon nicht einfach vor mich, sondern ließ es mit einer demonstrativen Bewegung auf den Tisch vor mir gleiten um mir seine Einschätzung meiner Gehaltsforderung zu verdeutlichen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Dazu kann ich nur eingeschränkt eine Bewertung abgeben. Im Arbeitsalltag standen ökologische oder soziale Aspekte nicht klar im Vordergrund meiner Wahrnehmung. Es wird allerdings kaum digital gearbeitet.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt im Team war insgesamt gut. Die meisten Kolleginnen und Kollegen haben versucht, strukturelle Schwierigkeiten gemeinsam aufzufangen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Der Zusammenhalt entstand dabei eher innerhalb der Teams als durch übergeordnete Strukturen. Wenn das Team miteinander Schwierigkeiten hatte gab es jedoch keine gewinnbringende Unterstützung seitens der regionalen Führung.
Umgang mit älteren Kollegen
Während neue Mitarbeitende häufig mit einem vergleichsweise guten Einstiegsgehalt starten, habe ich erlebt, dass langjährig beschäftigte Mitarbeitende deutlich geringere Gehälter erhalten und nur begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten bestehen.
Dies führt aus meiner Sicht zu Ungleichgewichten und kann demotivierend wirken. Wenn ältere Mitarbeiter gesundheitlich kürzer treten wollen wird dem nicht wirklich Gehör geschenkt.
Vorgesetztenverhalten
Aus meiner Sicht eine Katastrophe, die Geschäftsführung hätte hier stärker steuernd eingreifen müssen und die Führungssituation in der Region regelmäßiger überprüfen müssen. In der Region Süd (BW) besteht nach meiner Meinung ein deutlicher Verbesserungsbedarf. Der Regionalleiter war meist nur eingeschränkt erreichbar. Rückmeldungen erfolgten meist stark verzögert oder gar nicht.
Dadurch blieben Themen über längere Zeit offen oder mussten anderweitig geklärt werden. Zudem wurden aus meiner Sicht wiederholt Dinge zugesagt, die anschließend nicht oder nur teilweise umgesetzt wurden. Viele Themen wurden angekündigt, aber nicht konsequent weiterverfolgt. Bei der Umsetzung von Aufgaben und Entscheidungen hatte ich zudem häufig den Eindruck, dass es wenig klare Konsequenz bei Fehlverhalten einzelner Mitarbeitender gab und vergleichbare Situationen unterschiedlich gehandhabt. In einem Gespräch fiel zudem die Aussage, dass eine Leitungsfunktion wissen müsse, „wann weibliche Kolleginnen ihre Tage haben“, um deren Verhalten einordnen zu können. Für mich äußerst unpassend so eine Aussage zu tätigen
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen waren teilweise durch hohen Druck geprägt.
Hinzu kam, dass Verantwortlichkeiten nicht immer klar geregelt waren. Aufgaben mussten teilweise übernommen werden, obwohl notwendige Informationen, Freigaben oder Zugänge nicht vollständig vorhanden waren. Dadurch war eine effiziente Arbeitsorganisation nicht immer möglich.
Kommunikation
Die Kommunikation war aus meiner Sicht nicht durchgehend zuverlässig.
Informationen wurden meistens verzögert oder unvollständig weitergegeben. Rückmeldungen auf Anfragen erfolgten selten zeitnah oder mussten mehrfach eingefordert werden. Dadurch kam es wiederholt zu Unsicherheiten im Arbeitsablauf und zusätzlichem Koordinationsaufwand.
Auch grundlegende organisatorische Informationen mussten teilweise eigenständig eingeholt werden.
Auch wirkte die Kommunikation häufig nicht wertschätzend gegenüber therapeutischen Mitarbeitern.
Gleichberechtigung
Eine Aussage auf Regionalleiterebene im Zusammenhang mit weiblichen Mitarbeitenden (siehe oben) habe ich als unangemessen und wenig sensibel empfunden. Hier sehe ich Verbesserungsbedarf im Umgang und in der Kommunikation. Zudem wurde einer Mitarbeiterin nach einem Gehaltsgespräch eine zuvor mehrfach bestätigte mündliche Zusage im Nachhinein relativiert, mit dem Hinweis, sie habe es möglicherweise nicht korrekt verstanden.
Teilweise wurde über Mitarbeitende vor anderen Mitarbeitern wenig wertschätzend gesprochen.
Interessante Aufgaben
Die fachlichen Aufgaben im therapeutischen Bereich sind grundsätzlich sinnvoll und abwechslungsreich.
Gleichzeitig wurde der organisatorische und strukturelle Rahmen häufig als einschränkend erlebt, da viele Abläufe von externen Vorgaben oder fehlender Information abhängig waren.