Starke Menschen, lange Wege – und die wahre Macht liegt in Excel
Gut am Arbeitgeber finde ich
Positiv bleibt:
Die Kollegialität, die Verlässlichkeit, das ehrliche Bemühen, aus einem schwierigen System etwas Gutes zu machen.
Die Nähe zu den Kunden, die Professionalität in der Fläche, die Leidenschaft der Objektleiter
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Negativ bleibt:
Zu viele Schleifen, zu viele Ebenen, zu viele Tabellen.
Eine Zentrale, die alles weiß, aber wenig spürt.
Ein HR-System, das pünktlich berichtet, aber zu spät einstellt.
Das Ergebnis ist ein Unternehmen voller fähiger Menschen – aber mit Strukturen, die ihnen das Wirken schwer machen.
Wer Verantwortung liebt, findet sie hier.
Wer Veränderung will, braucht Geduld (und Humor).
Und wer Excel liebt, kann Karriere machen - Hauptsache die Zahlen sind schön eingetragen und entsprechen dem gewünschten Ergebnis.
Verbesserungsvorschläge
In kaum einer Branche liegen Anspruch und Alltag so weit auseinander wie im Facility Management.
Während in den Strategierunden über Transformation, Digitalisierung und ESG gesprochen wird, versuchen die Objektleitungen draußen, den Laden am Laufen zu halten – mit Improvisation, Herzblut und einem Werkzeugkasten, der älter ist als die letzte Strategiepräsentation.
Die Menschen in der Fläche sind stark.
Sie halten Gebäude am Leben, ohne dass jemand sie dafür wirklich sieht.
Doch zwischen ihnen und den Entscheidungen liegen drei bis vier Führungsebenen: Objektleitung, Bereichsleitung, Niederlassung, Regionalgeschäftsführung.
Jede Ebene hat ihre Berechtigung – aber auch ihre Excel-Tabelle.
Und genau dort beginnt das Problem.
Die wahre Macht im Unternehmen liegt nicht in den Technikräumen der Immobilien, die es zu betreuen gilt, sondern in den Spalten und Zeilen eines Controlling-Sheets.
Dort wird gezählt, gemessen, dokumentiert – und verloren, was eigentlich zählt: Zeit, Vertrauen, Initiative.
Wer eine Idee hat, braucht Geduld.
Wer handeln will, braucht eine Freigabe.
Und wer Verantwortung trägt, darf sie selten wirklich ausüben.
HR ist dabei kein Gegenüber, sondern Teil des Systems.
Die Kolleg:innen sind engagiert, aber gefangen in Prozessen, die mehr über Risikoabsicherung als über Recruiting erzählen.
Zwischen Bewerbung und Vertragsfreigabe vergehen Wochen – in einem Markt, in dem gute Leute innerhalb von Tagen abspringen.
Der Bedarf ist da, die Menschen auch.
Nur das Formular fehlt noch.
Diese Kombination – Zentralsteuerung, Hierarchiedichte und Reporting-Kultur – erzeugt eine paradoxe Organisation:
hoch professionell in der Planung, zäh in der Umsetzung.
Man will agil sein, arbeitet aber in Excel.
Man spricht von Vertrauen, aber man misst Kontrolle.
Man ruft nach Innovation, aber man fürchtet Abweichung.
Und doch:
Die Teams vor Ort funktionieren – nicht wegen der Struktur, sondern trotz ihr.
Sie schaffen Lösungen, bevor ein Ticket eröffnet ist.
Sie handeln, bevor jemand genehmigt hat.
Und sie tragen Verantwortung, wo andere nur über Verantwortung sprechen.