Katastrophe mit System
Gut am Arbeitgeber finde ich
Einige wirklich engagierte Mitarbeitende, die trotz allem versuchen, professionell zu bleiben. Projekte mit Potenzial – das aber oft im Keim erstickt wird.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Trotz systematischer Demotivation engagierter Mitarbeitender, unausgewogenem Führungsverhalten und einem respektlosen Umgang mit Menschen, die Impulse setzen möchten, habe ich versucht, mein Projekt verantwortungsvoll zum Abschluss zu bringen – aus Respekt gegenüber meinem Team.
Dass mir das Vertragsende kommentarlos und ausgerechnet an einem symbolisch sensiblen Tag mitgeteilt wurde, war nicht überraschend, sondern leider bezeichnend für die gelebte Führungskultur.
Verbesserungsvorschläge
Es gibt Menschen in diesem Unternehmen, die dafür bezahlt werden, über solche Dinge nachzudenken. Ich sehe keinen Grund, ihnen ihre Arbeit abzunehmen.
Arbeitsatmosphäre
Nach außen vermittelt das Unternehmen ein modernes, dynamisches Arbeitsumfeld. Intern zeigt sich jedoch das Gegenteil: Kontrolle statt Vertrauen, Angst statt Kultur, Anpassung statt Entwicklung. Wer sich nicht in vorgefertigte Strukturen fügt, wird systematisch an den Rand gedrängt. Eigenverantwortung wird mit Misstrauen bestraft, neue Perspektiven gelten als Bedrohung. Die Atmosphäre ist geprägt von Unsicherheit, Missgunst und informellen Hierarchien. Leistung wird nicht gefördert, sondern gefiltert: Wer zum inneren Zirkel passt, wird unterstützt – wer Fragen stellt oder Initiative zeigt, spürt schnell, dass das nicht erwünscht ist. Innovation wird als Störung empfunden.
Image
Das Unternehmen pflegt ein künstliches Hochglanz-Image – sowohl auf Social Media als auch auf Bewertungsplattformen. Viele sehr positive Einträge wirken nicht authentisch, was mich nachträglich nicht überrascht. Die hohe Fluktuation und die Gespräche mit Kolleg:innen (sogar am ersten Tag) sprechen eine andere Sprache.
Work-Life-Balance
Homeoffice existiert offiziell – in der Praxis nur als Privileg für Auserwählte. Wer es „verdient“ hat, wird trotzdem durch ständige Nachrichten und Kontrollmechanismen gestört. Die Work-Life-Balance leidet unter einem überholten Präsenzdenken und unnötigem Druck.
Karriere/Weiterbildung
Kaum vorhanden. Weiterbildung ist nicht vorgesehen, Mentoring nicht gewünscht. Entwicklung wird nur gefördert, wenn sie loyal zur Chefmeinung erfolgt. Vorschläge zur Optimierung werden konsequent abgeblockt.
Gehalt/Benefits
Standard. Kein Grund zur Klage, aber auch kein Mehrwert.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Kaum wahrnehmbar. Themen wie Nachhaltigkeit oder soziale Verantwortung wirken eher wie PR-Schlagworte als gelebte Werte.
Kollegenzusammenhalt
Einige Mitarbeitende waren herzlich, hilfsbereit und professionell – leider eine Minderheit. Der Rest kämpft um Anerkennung und Sichtbarkeit in einem toxischen System, das Konkurrenz fördert statt Kollaboration. Vertrauen existiert in vielen Teams nur als Worthülse.
Umgang mit älteren Kollegen
Keine direkte Erfahrung. Es gibt kaum ältere Kollegen.
Vorgesetztenverhalten
Führung nach Gutsherrenart: impulsiv, launenhaft und ohne Reflexion. Wer sich dem Meinungsbild der Geschäftsführung anschließt, wird gefördert – unabhängig von Qualifikation oder Eignung. Entscheidungen sind oft persönlich motiviert, nicht sachlich. Kritik? Wird ignoriert oder umgedreht. Wertschätzung? Kaum spürbar.
Arbeitsbedingungen
Großraumbüro mit absurder Kontrolle: Fenster dürfen nicht geöffnet werden, Klimaanlage auf Tiefkühl-Modus, Heizungen gesperrt. Selbst Sitzplatzwechsel im „offenen Konzept“ müssen begründet werden. Die Bedingungen fördern weder Konzentration noch Wohlbefinden.
Kommunikation
Offenheit und Transparenz? Fehlanzeige. Gespräche finden selten auf Augenhöhe statt – dafür oft im Befehlston oder herablassend. Kritik wird nicht angenommen, sondern als persönlicher Angriff verstanden. Besonders bedenklich: Selbst grundlegende Absprachen verlaufen im Nichts oder werden ignoriert, wenn sie nicht von den „richtigen Personen“ kommen.
Gleichberechtigung
Es gibt klare Lieblinge, deren Nähe zur Geschäftsführung ihnen Sonderrechte verschafft – der Rest bleibt außen vor. Gleichberechtigung bedeutet hier: Jeder darf mitspielen – solange er nicht auffällt und nicht widerspricht.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben könnten spannend sein – wären da nicht fehlende Struktur, planlose Projektsteuerung und ein permanenter Druck von oben. Ideen werden regelmäßig abgelehnt, bis sie plötzlich – leicht abgeändert – vom Chef als „eigene Idee“ präsentiert werden. Kreativität wird dadurch abgewürgt.