Viel gewollt, zu wenig umgesetzt – Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander
Verbesserungsvorschläge
Es wäre wünschenswert, wenn das Unternehmen sich selbstkritischer reflektieren würde. Ein klareres Zielbild und ein konsistenteres Umsetzen der eigenen Werte wären notwendig. Dass dabei manche Mitarbeitende den Weg nicht mitgehen, wäre normal – aber das wäre ehrlicher und nachhaltiger als der aktuelle Zustand.
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre ist stark abhängig vom Projektumfeld und den Menschen, mit denen man zusammenarbeitet. Während es im direkten Team mitunter kollegial zugehen kann, wirkt das allgemeine Betriebsklima eher belastend und zersplittert. Es fehlt ein echtes Wir-Gefühl. Stattdessen entsteht der Eindruck voneinander abgeschotteter Gruppen, die sich kritisch oder misstrauisch beäugen.
Das Unternehmen ist schnell gewachsen mit dem Anspruch, „anders“ zu sein. Dabei wurde versäumt, die Kultur und die kollegiale Organisationsform konsequent weiterzuentwickeln. Rollen werden nicht klar definiert oder ignoriert. Entscheidungen werden nicht immer respektiert. Die Organisation wirkt durch laufend neu geschaffene Rollen und Gremien überkomplex und für viele Mitarbeitende kaum mehr verständlich.
Image
Das nach außen kommunizierte Selbstbild des Unternehmens stimmt in vielen Punkten nicht mit der erlebten Realität überein. Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist für Mitarbeitende deutlich spürbar.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance wird offiziell stark betont und ist grundsätzlich möglich. Insbesondere durch flexible Arbeitszeiten und mobiles Arbeiten. In der Praxis hängt die tatsächliche Ausgestaltung jedoch stark vom Projekt, der Teamkonstellation und der eigenen Position ab. Während manche Kolleg:innen sichtbar wenig ausgelastet sind, fehlt anderen die Zeit für notwendige Erholung oder Weiterbildung. Diese Ungleichverteilung sorgt intern immer wieder für Unverständnis. Eigenverantwortung wird großgeschrieben. Doch ohne klare Leitplanken wird diese von einigen überzogen genutzt, während andere unter struktureller Überlastung leiden.
Karriere/Weiterbildung
Die Verantwortung für Weiterentwicklung liegt fast ausschließlich bei den Mitarbeitenden selbst. Es gibt nur wenige strukturierte Angebote. Gerade für Berufseinsteiger kann das eine Herausforderung darstellen. Manche Kolleg:innen haben kaum Zeit oder Freiräume für Weiterbildung, während andere gezielter investieren können. Hier fehlt einheitliche Zugänglichkeit.
Gehalt/Benefits
Gehälter werden zuverlässig und pünktlich gezahlt. Die meisten Mitarbeitenden erhalten 12 Monatsgehälter. Sozialleistungen entsprechen dem Branchendurchschnitt. Allerdings entstehen wahrnehmbare Gehaltsunterschiede bei vergleichbarer Tätigkeit – abhängig vom organisatorischen Kontext und der Durchsetzungsfähigkeit der jeweiligen Führungskraft.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Keine belastbare Wahrnehmung.
Kollegenzusammenhalt
Die Zusammenarbeit ist stark vom jeweiligen Netzwerk abhängig. Wer sich den dominanten Meinungen anschließt oder gut vernetzt ist, findet eher Gehör. Abweichende Stimmen oder kritische Perspektiven wirken unerwünscht und werden oft als störend empfunden. Es herrscht teilweise eine Kultur, in der lieber übereinander statt miteinander gesprochen wird – das betrifft auch andere Teams und Abteilungen.
Während manche Kolleg:innen viele Freiheiten effektiv nutzen, entsteht bei anderen der Eindruck von Überforderung oder Unterforderung. Die Ausgestaltung der Rollen ist unklar, Verantwortlichkeiten verschwimmen. Die Balance zwischen Freiraum und Struktur fehlt. Entscheidungen werden erwartet, aber Verantwortung selten übernommen.
Umgang mit älteren Kollegen
Hier sind keine besonderen negativen Auffälligkeiten erkennbar. Unterschiede im Umgang entstehen eher durch andere strukturelle und kulturelle Aspekte.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten von Führungspersonen ist sehr unterschiedlich und abhängig davon, in welchem organisatorischen Umfeld man sich bewegt. Einige nehmen ihre Verantwortung ernst, andere sind kaum präsent. Es gibt teils keine regelmäßigen Gespräche, keine klare Zielsetzung und kaum Bereitschaft, Konflikte aktiv zu adressieren.
Arbeitsbedingungen
Keine belastbare Wahrnehmung.
Kommunikation
Die Kommunikation ist quantitativ reichlich, aber nicht immer zielführend. Relevante Informationen gehen im Grundrauschen unter. Der Umgang mit Feedback steht zwar oft im Vordergrund, wird aber nur bedingt gelebt. Kritik wird selten offen geäußert, teils aus Unsicherheit, teils aus Sorge vor Gegenreaktionen. Gleichzeitig kann übertrieben positives Feedback zur Selbstüberschätzung beitragen.
Gleichberechtigung
Hier sind keine besonderen negativen Auffälligkeiten erkennbar. Unterschiede im Umgang entstehen eher durch andere strukturelle und kulturelle Aspekte.
Interessante Aufgaben
Aufgaben können, je nach Projekt, abwechslungsreich sein. Die Rollenzuweisungen im Unternehmen sind jedoch unklar. Personen ohne formelle Rollen (ja die gibt es in kolleg. Organisationen) treffen Entscheidungen oder setzen sich über diese hinweg. Dadurch wirkt die Organisation an vielen Stellen widersprüchlich und schwer nachvollziehbar. Zudem sorgt die zunehmende Komplexität der Organisation für Unsicherheit und Demotivation.

