Ich dachte bei ARRI könnte ich Alt werden und es wäre mein letzter Arbeitgeber vor dem Ruhestand - Pustekuchen!
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die spektakulär gute Kantine, die eigentlich Betriebsrestaurant heißt und mit erstklassigem Personal und ausgewogenem sehr guten Speichen glänzen konnte. Da war so mancher katastrophaler Arbeitstag nur durch den Besuch im "Casino Royale" wieder ausgeglichen. Danke an die Firma Leonardi, die so tolle und freundliche Mitarbeiter dort eingesetzt hat. Es war mir ein Fest!
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Wo fange ich da an......
Zum einen die Punkte oben. Aber für meinen persönlichen Teil, war es die Art und Weise, wie viele Jahre Identifikation mit ARRI und den Produkten, den Menschen und dem Klima dort zerstört wurden.
Wenn man funktioniert, Überstunden macht und diese nicht regelmäßig reklamiert und nicht regelmäßig Ausgleich dafür einfordert, ist alles okay niemand sagt etwas. Wenn man früh kommt und spät geht, ist alles immer in bester Ordnung. Arbeitszeiten sind frei zu gestalten. Es gibt ein Arbeitszeitkern Fenster was von 9:00 bis 17:00 Uhr gilt darüber und darunter hinaus ist alles offen. Man hat die Freiheit sich seine Zeit selbst einzuteilen. Das geht natürlich einher damit, dass auch niemand darauf achtet wenn man zu viel macht. 10 Stunden Maximum, dann wird gemeckert - zurecht! - aber wirklich drauf geachtet wird dort ja eigentlich nicht. Es ist eben das Arbeitszeit-Tool, welches eine Warnmeldung an den Vorgesetzten schickt, wenn die 10 Stunden erreicht sind. Persönlich würde es niemanden sonst interessieren. Arbeitszeit und Arbeitsplatz Hygiene im Sinne von Burn-out Prävention? Fehlanzeige! Nicht geschimpft ist gelobt genug, war der Standardsatz meines Vorgesetzten. Ein Dankeschön war viel zu selten bis gar nicht zu hören.
Nach vielen Jahren wird man vor die Tür gesetzt, in denen man eine haarsträubende Situation konstruiert, die nicht so ist, wie sie dargestellt wurde. Erklärungen und Begründungen und sogar Dokumentation dazu, die den ganzen Vorgang klar und absolut verständlich darstellen wurden gar nicht erst nicht akzeptiert. Es gibt einzig und allein einen Verstoß gegen Compliance Richtlinien. Das ist was zählt. Keine Hintergründe keine Beweggründe, keine Strategie, die eigentlich dahinter steckte. Es wird lediglich der reine Compliance Verstoß bewertet und der wird zu 100 % bewertet mit der Konsequenz: Kündigung! Also höchste Vorsicht! Selbst ein Betriebsrat als zahnloser Tiger konnte oder durfte da nichts machen. Die ganze Thematik wäre in einem Satz meines Vorgesetzten klar aus der Welt geräumt gewesen. Aber soviel zu Loyalität und wirklicher Zusammenarbeit.
Ich dachte, ARRI wär ein toller Arbeitgeber, auch über sehr lange Zeit. Ich war sehr überzeugt davon. Aber wenn’s wirklich mal ernst wird, zeigt sich wie spitz die Zunge dieses Arbeitgebers in Wirklichkeit ist. Im Ernstfall steht der Abteilungsleiter und direkte Vorgesetzte definitiv nicht hinter dir. Im Ernstfall geht es darum, sein eigenen Posten zu retten und nicht den des Mitarbeiters. Möchte man unter solchen dort arbeiten? Und möchte man sich dafür dann persönlich aufopfern? Wir sprechen hier von Lebenszeit-gegen-Geld-Geschäft. Dieses Geschäft ist ein extrem einseitiges Geschäft, zumindest bei ARRI.
Verbesserungsvorschläge
Dafür ist es zu spät. Die Firma ARRI und die Marke ARRI werden sich trennen und es wird nicht mehr vergleichbar zu dem sein, was es einmal vor vielen erfolgreichen Jahren war. Es wird voraussichtlich so kommen, dass es andere Hersteller gibt, die die Produktion übernehmen (günstiger und effizienter in Asien) und dann auf die Kameras nur noch das ARRI Label aufgeklebt wird. "ARRI Cam made by..." Red, Panavision, Canon oder Sony oder eben dem gesunden Mitbewerber der in der Branche übrig bleibt! Schade um so ein einst tolles Münchner Traditionsunternehmen. Traurig, dass es kaputtgewirtschaftet wurde!
Arbeitsatmosphäre
Grundsätzlich war die Atmosphäre in den einzelnen Fachabteilungen untereinander in Ordnung. Übergreifend dagegen war es eher opportunistisch geprägt. Wenn es zielführend für einen selbst war, dann war alles immer freundlich, sachlich, gut. Aber sobald es für die eigene Position keinen wirklichen Nutzen hatte, waren die anderen Kollegen eher Störfaktoren.
Kommunikation
Ganz ehrlich: Katastrophe! Es wird unfassbar viel geredet aber nichts konkret gesagt. Schon gar nicht zur aktuellen verheerenden Situation. Da wird viel Schadensbegrenzung und Schlichtung betrieben, vieles schöngeredet, aber faktisch nichts konkretes ausgesprochen. Untereinander wird auch viel kommuniziert, aber nur wenig ist davon brauchbar.
Kollegenzusammenhalt
Innerhalb einzelner Abteilungen ok, das passt. Darüber hinaus eben nur sehr oberflächlich. Man spürt das einstige Mantra "OneArri" überhaupt nicht mehr.
Work-Life-Balance
Guter Punkt. Das war seit 2020 wirklich ok, man konnte von zu Hause aus arbeiten und es hat funktioniert. Zwar war dadurch die Kontrolle der Micromanager nicht mehr so einfach möglich, aber es hat funktioniert. Das kann ich gar nicht kritisieren.
Vorgesetztenverhalten
Hier kann ich Abendfüllende Insides erzählen! Nur ein Beispiel, was prägend war. Hätte ich beim Vorstellungsgespräch schon aufmerksamer sein müssen? Folgender Ablauf zum Vorstellungsgespräch. Da sitze ich mit zwei Mitarbeitern aus der Personalabteilung in einem Besprechungsraum beide sehr engagiert und bemüht sehr freundlich. Eine Viertelstunde später kommt der Bereichsleiter, in dessen Abteilung ich eingestellt werden sollte, völlig verspätet, völlig zerzaust, in die Besprechung einfach hinein geplatzt. Er sieht aus, als hätte er die Nacht durchgemacht. Leichte Alkoholfahne, leichte Zigarettenrauch und zerzaust als wäre er gerade erst aufgestanden. Sich halb sitzend halb liegend auf den Stuhl postiert und seine erste Bemerkung war.: „Kann sein, dass ich einschlafe. Es war gestern mal wieder lang.“ Hätte ich das schon als Warnsignal wahrnehmen sollen? Soviel zum Verhalten von Vorgesetzten. Der Vorgesetzte steht - wenn es ernst wird - überhaupt nicht hinter einem, da ist sein Hemd ihm näher als die Hose!
Interessante Aufgaben
Ja, grundsätzlich ist der Aufgabenbereich interessant. Es wird allerdings auch sehr schnell übertrieben viel, wenn man nicht aufpasst und sich alle möglichen Zusatzaufgaben auf den Tisch legen lässt und sich nicht wehrt (was dann natürlich mit zukünftigen Karriereplänen kollidiert - das muss man wissen!)
Gleichberechtigung
Oha. Also es ist eher ein Versuch eine Form von Gleichberechtigung zu etablieren, aber da stehen sich Quote und Kompetenz gerne mal gegenseitig auf den Füßen. Mehr mag ich dazu gar nicht sagen.
Umgang mit älteren Kollegen
Grundsätzlich würde ich meinen Respektvoll. Aber hinter den Kulissen, sind die älteren Kollegen dann doch diejenigen die als "unbequem", "streitbar" und vor allem "teuer" gebrandmarkt werden. Das muss dann von der Geschäftsleitung mit Einsparwut konsequent ausgemistet werden. Da fallen die "alten" mit Expertise und Prozesskenntnissen ganz schnell durch ein Raster. Dafür sorgen dann die jungen frischen Akademiker, die in die Geschäftsführung gestellt werden, nur weil sie Ahnung studiert haben, aber fachlich und vor allem von ARRI und der Branche so gar nichts wissen. Die Entscheidungen, die diese Leute dann treffen führen zu dem was ARRI heute ist......traurige Entwicklung!
Arbeitsbedingungen
Gutes Equipment, stabil, modern, absolut in Ordnung. Auch die Räumlichkeiten waren modern und anspruchsvoll. Hat mir wirklich gut gefallen. Einziger Punkt, Großraumflair, mit viel Nebengeräuschen. Das ist heute irgendwie wie mit einem Hühnerstall zu vergleichen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nach außen hin, auf jeden Fall Marketinginstrument. In Realität wird doch extrem viel Müll produziert, Sozialbewusstsein unterscheidet sich in Theorie und Praxis EXTREM!
Gehalt/Benefits
Ok, Tarif eben, nichts besonderes. Gehaltsanpassungen eher nicht möglich, in der aktuellen Situation schon mal gar nicht. Bonus gemäß Leistungsbeurteilungskonzept, welches aber nur formal existiert.
Image
Wurde über die Jahre immer schlechter! ARRI feiert sich einzig durch die vielen Auszeichnungen wie Oscars, Grammys, etc. für technische Leistungen. Es hilft allerdings nicht, sich auf diesen Statuen aus Gold auszuruhen, wenn die Umsätze nicht mehr gegeben sind und es finanziell desolat bis verheerende Auswüchse annimmt. Es reicht ja kaum noch die aktuellen Betriebskosten zu stemmen. Darum wurde alles verkauft was zu Geld zu machen ist (Standorte Brannenburg, Stephanskirchen, Tochterunternehmen ClayPaky welches vor wenigen Jahren als innovative Nischenlösung zugekauft wurde, Gebäude in der Türkenstrasse und Umgebung, etc.) Das Zusammenlegen von Rental mit der CineTechnik in München ist ein weiteres Kapitel des "gesundschrumpfen"-Konzepts, welches meiner Meinung nach nicht mehr aufgehen wird, weil viele Themen und Entwicklungen in der Vergangenheit schon verschlafen wurden. Neue Technologien, KI und Produktionsverlagerungen, Outsourcing, etc. wurde alles eher ignoriert und kleingeredet, statt sich auf CEO Level einfach intensiver damit auseinander zu setzen. Lieber lässt man sich dann mit dem nächsten Award in der Presse ablichten, statt sich um die Existenzielle Grundlage zu kümmern
Karriere/Weiterbildung
Ja ging grundsätzlich, aber eher intern als extern, wegen der Kosten. ALso konnte man sich den "Mehrwert" von Weiterbildungsmaßnahmen auch entsprechen einordnen.

