Enttäuschende Selbstbeweihräucherung ohne Wertekultur
Gut am Arbeitgeber finde ich
Danke für die tägliche Gratisvorstellung von „Der Widerspenstigen Zähmung“ – selten so viel Theater am Arbeitsplatz erlebt. Auch danke dafür, dass ich nun umso mehr zu schätzen weiß, wie schön das Leben außerhalb der Arbeit sein kann. Und das Beste: Ich durfte großartige Kolleg:innen kennenlernen – schade, dass die nicht das Unternehmen führen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Vielleicht mal den Spiegel putzen: Die ständigen Unterstellungen gegenüber Mitarbeitenden sagen oft mehr über die Führung aus als über das Team. Und bei der Besetzung von Positionen wäre Fachkompetenz ein erfrischend neues Kriterium – statt blinder Gehorsam auf Kommando, koste es, wen es wolle.
Verbesserungsvorschläge
Stärken Sie die Mitarbeiterbeteiligung und hören Sie aktiv zu, statt die Augen vor Problemen zu verschließen. Zeigen Sie Augenmaß bei Entscheidungen und behalten Sie im Blick: Die Leistung bringen Ihre Mitarbeitenden – nicht die Inszenierung der Führung. Wertschätzung sollte alle erreichen, nicht nur die Chefetage. Und: Ein Betriebsrat ist kein Gegner, sondern kann ein wichtiger Partner für eine gesunde Unternehmenskultur sein.
Arbeitsatmosphäre
Enttäuschende Unternehmenskultur
Leider ist die Führungskultur stark von Intransparenz, Vetternwirtschaft und mangelnder Wertschätzung geprägt. Während in den oberen Etagen großzügig gewirtschaftet wird, fehlt es auf den unteren Ebenen an Anerkennung und Unterstützung. Nach außen hin wird Professionalität vermittelt, intern herrscht jedoch ein Klima des Misstrauens und der Selbstdarstellung.
Image
Lübecks Drehtür-Arbeitgeber
Wer hier arbeitet, bleibt meist nur so lange, bis sich was Besseres ergibt – also nicht lang. Der Ruf als einer der schlechtesten Arbeitgeber der Region ist verdient. Betriebsrat? Wird mit allen Mitteln abgeblockt. Fluktuation? Systemrelevant.
Work-Life-Balance
Teilzeitvertrag, Vollzeitdruck
Wer hier „Teilzeit“ unterschreibt, bekommt vor allem eines: Dauerdruck und Dauerverfügbarkeit. Während oben die Führung ihre Work-Life-Balance im Wellnesshotel perfektioniert, dürfen die Agents am Wochenende den Laden am Laufen halten. Fairness? Ach, die macht wohl auch gerade Urlaub.
Karriere/Weiterbildung
Karriere nur für Kriecher
Hier zählt nicht, was du kannst, sondern wem du gefällst. Wer sich gut bei der Führung andient macht Karriere – egal, wie (un)fähig oder oft krank. Leistung wird ignoriert, Charakter verkauft – Hauptsache, du bückst dich tief genug.
Gehalt/Benefits
Maximaler Profit, minimale Wertschätzung
Mindestlohn? Schon fast zu viel des Guten. Die „großzügige“ Provision ist kaum der Rede wert, wird aber stolz vermarktet. Sozialleistungen? Nur, wenn sie gratis sind oder dem Unternehmen etwas bringen. Für echte Anerkennung fehlt’s wohl im Budget – oder im Willen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Greenwashing trifft Statusdenken
Nachhaltigkeit wird gern von den Mitarbeitenden eingefordert – selbst lebt die Führungsetage lieber großmotorig und prestigeträchtig. Soziales Engagement? Gab’s mal kurz fürs Image: Eine Beteilgung an einem Schulprojekt in Afrika vor Jahren? Reichte offenbar fürs Gewissen. Der Rest scheint unter "Kostenfaktor" verbucht.
Kollegenzusammenhalt
Unten läuft’s – trotz Führung
Zum Glück braucht man keine Führung, um Menschlichkeit zu leben. Während oben gern der Überblick verloren geht, wächst unten zusammen, was zusammenhält – quer durch Alter, Herkunft und Einschränkungen. Besonders hervorzuheben: die Standortleiterin – offenbar ein Versehen im System, denn sie kämpft tatsächlich für ihre Leute. Ohne sie und den Zusammenhalt unten wäre der Laden längst Geschichte.
Umgang mit älteren Kollegen
Alter ja – aber bitte ohne Aufwand
Im Team zählt das Miteinander, nicht das Geburtsjahr – jung und alt arbeiten gut zusammen. Für die Führung gilt jedoch: Älterwerden ist okay, solange es wirtschaftlich bleibt. Gesundheitliche Einschränkungen? Lieber nicht. Effizienz first.
Vorgesetztenverhalten
Führen nach dem Domino-Prinzip
Hierarchien werden nicht genutzt, um Verantwortung zu übernehmen, sondern um Druck weiterzugeben – nach unten versteht sich. Vorgesetzte funktionieren als verlängerter Arm der Angstkultur und machen notgedrungen mit. Vorgesetzte? Eher Erfüllungsgehilfen eines Systems, das Druck mit Führung verwechselt. Wer am weitesten oben sitzt, scheint besonders resistent gegen Kritik – dafür aber bestens geübt in Selbstinszenierung. Ein Paradebeispiel moderner Fehlsteuerung.
Arbeitsbedingungen
Schein statt Sein
Mit Billigflair wird Feelgood simuliert – Hauptsache, es gefällt der Chefetage. Mitarbeitende dürfen "genießen", aber nicht mitreden. Während unten mit Technik von gestern gearbeitet wird, gönnt sich oben regelmäßig das Neueste vom Neuen. Teilhabe? Nur fürs Management. Homeoffice gibt es nicht. Nur fürs Management.
Kommunikation
Kommunikation und Wertschätzung? Fehlanzeige.
Mitarbeiterkommunikation wird kaum gelebt – Informationen fließen nur von oben nach unten, echte Rückmeldungen oder Kritik sind unerwünscht. Je höher die Position, desto geringer die Kritikfähigkeit. Wertschätzender Umgang bleibt auf der Strecke – ersetzt durch den Spruch: „Deine Wertschätzung bekommst du am Monatsende aufs Konto.“ Wer mehr erwartet, wird enttäuscht.
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung? Tür auf, Thema durch.
Gleichberechtigung wird offiziell großgeschrieben – besonders auf dem Papier und bei offenen Türen. Danach schließt sich die Führungsebene lieber wieder unter sich kurz.
Interessante Aufgaben
Denken unerwünscht – Funktionieren reicht
Spannende Aufgaben? Bleiben im Dunstkreis der Führung und ihrer treuen Gefolgschaft. Entwicklung oder Förderung? Lieber nicht. Gefragt sind keine Ideen, sondern reibungsloses Funktionieren – Denken könnte ja stören.


