Wertschätzung? Schwer vorstellbar nach den Erfahrungen.
Gut am Arbeitgeber finde ich
- Modernes Büro
- Pünktlichkeit vom Gehalt
- Deutschlandticket/Essenszuschuss
Verbesserungsvorschläge
- Konzentriertes Arbeiten sollte durch echte Rückzugsmöglichkeiten unterstützt werden und nicht durch symbolische 1x1m-Kabinen.
- Wertschätzung zeigt sich auch in kleinen Dingen: ein kurzes "Hallo", ein "Wie läuft es bei dir?" - auch (oder gerade) von Vorgesetzten.
- Unterstützung ist kein "Nice-to-have" - gerade in der Einarbeitung oder bei neuen Themen sollte klar sein, dass man nicht allein gelassen wird.
- Verantwortung und Vertrauen in Rollen sollten langfristig gewahrt bleiben, ohne dass kleine Fehler sofort zu drastischen Konsequenzen führen. Ein fairer Umgang mit Befugnissen ist essenziell.
- Ein Abschiedsgespräch, verpackt mit einem Hauch von Wertschätzung wäre nett gewesen - schon allein, um nicht das Gefühl zu haben, lediglich eine Personalnummer gewesen zu sein.
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre war eher angespannt als motivierend. Wertschätzung war keine Mangelware, aber auch kein Dauerbrenner. Ein gelegentliches "Danke" hat es schon mal gegeben. Das war es dann aber auch mit dem Feel-Good-Faktor.
Work-Life-Balance
Während meiner Zeit gab es keine offiziell dokumentierte Regelung zu Gleitzeit oder Home-Office. Was es stattdessen gab, waren mündliche Zusagen, deren Verbindlichkeit je nach Führungskraft stark variierte. Wie flexibel man tatsächlich arbeiten darf, hängt stark davon ab, bei wem man "fragt" und "wer für einen zuständig ist". Während einige Mitarbeitende offenbar stillschweigend ins Home-Office entschwinden dürfen, manchmal sogar für eine längere...längere Zeit, wirkt es bei anderen aus meiner Sicht eher wie eine Sondergenehmigung mit Ablaufdatum und Stirnrunzeln inklusive. Einheitlichkeit ist eher ein Wunschtraum. Leider war kaum Interesse erkennbar, dieses Thema gemeinsam anzugehen oder alternative Lösungen zu finden. Vielmehr wirkte es so, als würde man stur an der eigenen Haltung festhalten, ohne Bereitschaft, sich auf Gegenargumente einzulassen. Planbare Flexibilität und Kommunikation auf Augenhöhe sehen anders aus.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildungsmöglichkeiten sind mir in der Zeit keine begegnet und wenn es sie gibt, dann werden sie gut versteckt. Feedback oder Gespräche zur persönlichen Entwicklung? Leider Fehlanzeige - zumindest in dem Zeitraum, in dem ich angestellt war.
Kollegenzusammenhalt
Die meisten Kollegen sind höflich im Umgang, sind freundlich im Vorbeigehen und professionell bei der Arbeit. Aber es gibt auch andere, bei denen man am Blick schon merkt, dass man in deren Welt möglichst lautlos existieren sollte. Fragt man um Hilfe, spürt man gelegentlich die unausgesprochene Frage "Muss das jetzt wirklich sein?". Mein Eindruck war, dass ein kollegialer Austausch außerhalb des eigenen Teams selten stattfand. Selbst ein kurzes "Wie war dein Urlaub?" war eher die Ausnahme. Smalltalk ist eher eine Einbahnstraße. Das höchste der Gefühle ist manchmal ein kurzer Blickkontakt, mit ganz viel Hoffnung begleitet von einem "Guten Morgen". Zwischendurch bekommt man fast den Eindruck, man wurde im Büro als stille Hintergrundfigur gecastet.
Vorgesetztenverhalten
Schon Wochen vor dem ersten Arbeitstag eine Aufgabe zu bekommen, war für mich ein frühes Signal dafür, wie die Dinge hier laufen würden. Aufgaben werden schnell delegiert, aber Unterstützung ist leider oft Mangelware – besonders bei einzelnen Vorgesetzten. Fragen bleiben unbeantwortet, Nachrichten werden ignoriert oder einfach das Thema gewechselt. Wer auf schnelle Antworten hofft, wird häufig enttäuscht. Je mehr man nachfragt, desto eher wird man wahrscheinlich als lästig wahrgenommen. Gleichzeitig wird erwartet, dass man bei vielen Aufgaben am besten sofort handelt, ohne Rücksprache oder Unterstützung. Kommunikation auf Augenhöhe? Selten. Selbst ein einfaches ‚Wie geht’s?‘ oder ‚Guten Morgen‘ blieb oft aus - vor allem bei manchen Vorgesetzten. Spannend, wie selektive Freundlichkeit zum Alltag werden kann. Hier Smalltalk, dort reines Schweigen. Auch Urlaube wurden teils nicht klar kommuniziert. Bei manchen Vorgesetzten war deren Abwesenheit plötzlich spürbar, ohne Vorwarnung. Das erschwerte die Abstimmung unnötig. Dass nach meiner Kündigung kein einziges Gespräch gesucht oder ein "Alles Gute" zumindest überreicht wurde, war enttäuschend, aber rückblickend nicht überraschend.
Arbeitsbedingungen
Gute Hardware. Das muss man sagen. MacBooks und starke PCs sind vorhanden. Bezüglich Home Office, hängt es stark davon ab, für welchen der Vorgesetzten man arbeitet. Während es bei manchen fast selbstverständlich ist, ist es bei anderen eine seltene Ausnahme. Ergonomie ist möglich, aber kein Standard. Ruhiges Arbeiten ist nur begrenzt möglich. Immerhin ist es ein Großraumbüro mit einigen, die aus irgendeinem Grund mechanische Tastaturen besitzen. Dazu kommt das laute Dauergeplauder und das viele Gelächter, die manchmal eine echte Herausforderung darstellen. Es gibt 1 m²-Kabinen und Noise-Cancelling-Kopfhörer, die beide hilfreich sind, aber nicht für stundenlange Konzentration gedacht. Ein Rückzugsort ist das nicht, eher eine kurze Flucht mit Zeitlimit.
Kommunikation
Es gibt wichtige Informationen, die einfach nicht geteilt werden, und oft fehlt die nötige Transparenz, was dann dazu führt, dass man sich wie im Dunkeln tappt. Rückmeldungen auf Nachrichten kommen oft verzögert oder gar nicht, was dann zu viel Geduld und Unsicherheit führt. Manchmal muss man die richtigen Leute mehrfach ansprechen, um überhaupt eine Antwort zu erhalten, und dann ist es auch nicht garantiert, dass sie einem tatsächlich weiterhelfen. Die Prioritäten sind nicht immer klar, und so fühlt es sich an, als ob man oft im Unklaren gelassen wird. Es war u. a. auch aufschlussreich zu beobachten, wie einige meiner Aufgaben bereits vor meinem letzten Arbeitstag von anderen übernommen wurden, ohne dass ich dazu aktiv einbezogen oder informiert wurde. Eine gewisse Form von proaktiver Abschiedskultur, nur eben ohne das Gespräch.
Gehalt/Benefits
Fair bezahlt, mit netten Extras wie Essenszuschuss und Deutschlandticket. Dazu kommt noch der Punkt, dass es immer überpünktlich überwiesen wurde. Da kann man wirklich nicht meckern.
Gleichberechtigung
Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Positionen, Teams und Menschen. Aber auch wenn jemand mehr Verantwortung trägt, heißt das nicht automatisch, dass andere weniger Beachtung verdienen. Wenn fachliche Unterstützung fast ausschließlich von einer Person abhängt – und diese dauerhaft nicht reagiert, entsteht ein Ungleichgewicht, das nicht nur frustriert, sondern die Arbeit erheblich erschwert. Das Gefühl, dass Unterstützung eine Einbahnstraße ist, kommt nicht selten auf. Besonders wenn man immer wieder warten muss. Man hatte oft den Eindruck, dass andere im direkten Austausch mit der Führung deutlich präsenter waren. Gespräche und Smalltalk fanden dort unerklärlicherweise deutlich häufiger statt als mit mir.
Interessante Aufgaben
Inhaltlich gibt es hier durchaus eine Vielzahl an spannenden und vielseitigen Aufgaben. Man kommt definitiv nicht in Versuchung, sich zu langweilen. Viele Themen bieten Raum, sich einzubringen, mitzudenken und auch neue Dinge zu lernen. Leider bleibt dieser Spielraum oft ungenutzt, weil einem die nötige Unterstützung oder Begleitung fehlt, um sich wirklich sicher in die Aufgaben hineinzufinden. Es fühlt sich dann manchmal weniger nach "interessant" und mehr nach "such dir deinen eigenen Weg" an, was für manche reizvoll, für andere eher frustrierend ist. Mit etwas mehr Begleitung hätten viele Aufgaben wirklich Spaß machen können.

