Vom Arbeitgeber, der mal begeistert hat, zum Ort des inneren Abschieds.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Es gibt immer noch engagierte Kolleginnen und Kollegen, mit denen die Zusammenarbeit auf Augenhöhe funktioniert. Die inhaltlichen Aufgaben sind teilweise interessant und relevant. Auch das moderne Gebäude hat grundsätzlich Potenzial – wenn man es sinnvoll nutzen würde.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Was mich früher mit Freude erfüllt hat, ist heute entweder nicht mehr da – oder steht kurz davor, ganz zu verschwinden. Die Werte, das Miteinander, das Arbeitsumfeld: vieles davon hat sich schleichend, aber deutlich spürbar verändert. Der „Office First“-Zwang, die fehlende Kommunikation und der schleichende Kulturverlust haben viel von dem zerstört, was den Arbeitgeber einst ausgemacht hat. Entscheidungen wirken oft realitätsfern, werden schlecht erklärt – und hinterlassen Frust statt Motivation.
Verbesserungsvorschläge
Das Unternehmen sollte den tatsächlichen Bedürfnissen seiner Mitarbeitenden wieder mehr zuhören – nicht nur symbolisch, sondern mit echtem Interesse an Dialog und ehrlicher Reflexion. Entscheidungen wie der „Office First“-Ansatz wirken momentan wie Rückschritte und werden weder nachvollziehbar erklärt noch praxisnah umgesetzt. Wer flexible, moderne Arbeitskonzepte einst als Stärke kommuniziert hat, sollte nicht kommentarlos das Gegenteil durchsetzen.
Statt „höher, schneller, weiter“ braucht es wieder mehr Raum für Sinn, Identifikation und echte Zusammenarbeit. Die interne Kommunikation sollte offener, transparenter und weniger Top-down sein – Führung darf nicht nur verwalten, sondern muss aktiv Orientierung und Motivation geben.
Außerdem wäre es wichtig, die Arbeitsbedingungen realistisch zu hinterfragen: Die aktuelle Büroinfrastruktur reicht weder räumlich noch technisch aus, um die geforderte Präsenz sinnvoll umzusetzen. Ohne geeignete Arbeitsumgebung wird die Rückkehr ins Büro eher als Belastung denn als Chance empfunden.
Kurz gesagt: Weniger Inszenierung, mehr Substanz. Und vor allem – ernst gemeinte Wertschätzung für die Menschen, die den Laden am Laufen halten.
Arbeitsatmosphäre
Entsprechend hat sich auch die Atmosphäre spürbar verändert: Seit dem Office-First-Announcement wirkt vieles kalt und lustlos. Der frühere Teamspirit ist kaum noch zu spüren – unternehmensweit fehlt es an Gemeinschaftsgefühl. Stattdessen dominiert ein Klima, in dem es nur noch um „höher, schneller, weiter“ geht – allerdings ohne echte Begeisterung, Sinn oder Zusammenhalt.
Kommunikation
Auch die Kommunikation im Unternehmen ist de facto nicht mehr vorhanden. Vieles wird Top-down entschieden, es gibt kaum echten Austausch oder Einbindung. Das wirkt besonders widersprüchlich, wenn gleichzeitig durch „Office First“ ein stärkeres Miteinander vor Ort gefördert werden soll. In der Praxis fehlt es jedoch an Transparenz, Dialogbereitschaft und nachvollziehbarer Führung. Vieles bleibt unausgesprochen oder wird nur bruchstückhaft kommuniziert.
Kollegenzusammenhalt
Auch der Kollegenzusammenhalt ist stark durchmischt. In manchen Teams funktioniert er noch gut, in anderen ist er nahezu nicht vorhanden. Doch selbst da, wo der direkte Umgang kollegial bleibt, liegt oft ein schwer greifbarer Schatten über allem – die allgemeine Unzufriedenheit, die dieses Umfeld bis ins Detail vergiftet. Man spürt, dass vielen die frühere Identifikation und Motivation abhandengekommen ist.
Work-Life-Balance
Ein besonders einschneidendes Beispiel ist der „Office First“-Ansatz. Für rund 90 % der Mitarbeitenden ist diese Entscheidung nicht nachvollziehbar – und sie hat eine große Säule eingerissen, auf der die frühere Innovationskultur fußte. Die flexible, moderne Arbeitsweise war über viele Jahre ein Aushängeschild und ein klarer Pluspunkt, für den Springer auch über Unternehmensgrenzen hinweg regelmäßig gelobt wurde. Dass gerade dieser Aspekt so radikal zurückgefahren wurde, empfinden viele als Vertrauensbruch und Rückschritt – und das ohne wirkliche Erklärung oder erkennbare Sinnhaftigkeit dahinter.
Vorgesetztenverhalten
Führung ist oft nicht greifbar oder wirkt abgekoppelt vom tatsächlichen Geschehen im Unternehmen. Feedback- und Dialogkultur sind schwach ausgeprägt.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben sind teilweise noch spannend und fachlich interessant. Aber ohne Perspektive und bei schwindender Motivation verliert auch das seinen Reiz.
Gleichberechtigung
Hier wurde in den letzten Jahren viel angestoßen – dieser Bereich scheint weniger vom allgemeinen Abwärtstrend betroffen zu sein.
Arbeitsbedingungen
Auf den ersten Blick wirkt das Gebäude modern und innovativ – in der Realität stößt es jedoch schnell an seine Grenzen. Die Kapazitäten reichen schon heute nicht für eine vollständige Anwesenheit aus, und trotzdem soll künftig eine Präsenz von vier Tagen pro Woche durchgesetzt werden. Das führt nicht nur zu Platzproblemen, sondern stellt auch technisch eine Herausforderung dar: Das WLAN ist häufig überlastet, und konzentriertes Arbeiten ist in den offenen Bereichen kaum möglich.
Einzelbüros – die effektiv ungestörtes Arbeiten ermöglichen würden – sind der Führungsebene vorbehalten. Für alle anderen ist der Alltag durch Lärm, ständige Ablenkung und wenig Rückzugsraum geprägt. Der Ansatz „Wir sind wieder alle vor Ort und reden miteinander“ mag kommunikativ gut gemeint sein, ist aber in der Umsetzung weder praktikabel noch leistungsfördernd. Für viele ist das Umfeld eher belastend als produktiv.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
War mal wichtig, aber wird nicht konsequent zu Ende gedacht. Auch hier wäre mehr Authentizität und Verbindlichkeit wünschenswert.
Gehalt/Benefits
Im Marktvergleich solide, aber keine besondere Stärke mehr. Boni und Benefits wirken teilweise wie Feigenblätter für grundlegende strukturelle Probleme und werden dazu zunehmend weniger.
Image
Das Image von Axel Springer ist naturgemäß zwiegespalten – insbesondere durch die mediale Wahrnehmung rund um BILD. Das sorgt bei manchen extern für Vorbehalte. Intern bröckelt das Bild deutlich. Viele Mitarbeitende empfinden den Kontrast zwischen Selbstdarstellung und Realität als frustrierend.
Karriere/Weiterbildung
Formal gibt es Angebote, aber vieles fühlt sich wie Pflichtprogramm an. Wer sich weiterentwickeln möchte, muss sich aktiv selbst kümmern – Rückenwind vom Unternehmen gibt es wenig.

