Viel Schein, wenig Sein: Empathielose Führung und eine unfaire Unternehmenskultur.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Es gab zwei bis drei wirklich nette Kollegen, zu denen ich bis heute gerne Kontakt halte.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Oft wird das eine gesagt, aber das andere getan. Zusagen werden häufig nicht eingehalten und es gibt unangekündigte "Tests". Eigene Ideen sind oft unerwünscht, sofern man nicht exakt die unausgesprochenen Gedankengänge der Geschäftsführung errät. Setzt man Vorgaben der GF 1:1 um und es kommt infolgedessen zu Problemen mit dem Kunden, wird die Schuld am Ende trotzdem beim ausführenden Mitarbeiter gesucht.
Verbesserungsvorschläge
Ein fairerer und gleichberechtigter Umgang mit allen Mitarbeitern. Versprechen und Absprachen müssen zwingend eingehalten und falsche Hoffnungen vermieden werden. Wenn Mitarbeiter schon in Entscheidungsprozesse einbezogen werden, sollten die Ergebnisse auch tatsächlich umgesetzt werden, anstatt sie nur für "schöne Fotos" aufzuhängen.
Arbeitsatmosphäre
Eher unterdurchschnittlich. Es herrschte eine spürbare Unzufriedenheit im Team, die von einigen Kollegen deutlicher nach außen getragen wurde als von anderen.
Image
Das Unternehmen ist selbst in der MS Dynamics-Welt kaum bekannt.
Work-Life-Balance
Stark abhängig vom Verhältnis zum jeweiligen Vorgesetzten. Manche konnten sich auf Kosten der Projekte einen "Lauen" machen und problemlos mehr Stunden verbuchen, was auch toleriert wurde. Bei anderen wurde streng auf die Uhr geschaut und Druck aufgebaut, mehr abrechenbare Stunden zu leisten. Auch während der Kurzarbeit gab es starke Diskrepanzen: Einige durften ein dickes Überstundenkonto aufbauen, andere wurden auf maximal zwei Arbeitstage pro Woche limitiert. Arbeit nach 20 Uhr und an Wochenenden war eher die Regel als die Ausnahme.
Karriere/Weiterbildung
Echte Aufstiegschancen sind kaum vorhanden, es sei denn, man gehört ohnehin schon 20 Jahre zum Inventar. Weiterbildungen werden zwar inklusive Auswahlmöglichkeiten angeboten, letztendlich wird aber meist das durchgesetzt, was die Geschäftsführung vorgibt.
Gehalt/Benefits
Wie bereits erwähnt, gilt oft: Männlich und lange im Unternehmen = gutes Gehalt und attraktive Benefits nach Wahl. Für Neueinsteiger gilt eher das Motto: "Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel."
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Zum Thema Umwelt ist mir nichts Besonderes aufgefallen. Das Sozialbewusstsein wirkte eher wie ein PR-Instrument: Zwar durfte das Team soziale Projekte vorschlagen, schlussendlich ging es der Führung aber hauptsächlich darum, marketingwirksam einen großen Scheck zu überreichen – bevorzugt an Projekte mit Kindern, da dies in der Öffentlichkeit am besten ankommt.
Kollegenzusammenhalt
Sehr durchwachsen. Einige Kollegen unterstützen einen weit über den Feierabend und sogar am Wochenende hinaus, während andere einem bei der erstbesten Gelegenheit in den Rücken fallen.
Umgang mit älteren Kollegen
Ältere Kollegen wurden stark bevorzugt. Bei der Aufteilung der Entwickler und Berater in kleinere Teams wurden langjährige Mitarbeiter automatisch zu Teamleitern ernannt – unabhängig davon, ob sie die fachliche oder disziplinarische Kompetenz dafür besaßen. Generell wurde diesen Kollegen fast jeder Wunsch erfüllt, während man als Neuling schon froh sein musste, überhaupt angestellt worden zu sein.
Vorgesetztenverhalten
Leider oft vollkommen empathielos.
Arbeitsbedingungen
Die Büroräume sind klimatisiert. Höhenverstellbare Schreibtische waren jedoch nur einem ausgewählten Personenkreis vorbehalten. Homeoffice wurde – außerhalb der Corona-Pandemie – nur in Ausnahmefällen gewährt und war meist an eine lange Betriebszugehörigkeit gekoppelt. Neuen Mitarbeitern wurde hier schlichtweg nicht genügend Vertrauen entgegengebracht.
Kommunikation
Ein bezeichnendes Beispiel ist das Thema Kurzarbeit: Zunächst wurde in einem Meeting beteuert, dass es dazu noch keine Regelung gebe und Kurzarbeit auch nicht in Sicht sei. Man solle lediglich vorsorglich ein Dokument unterzeichnen. Kaum war die Frist für dieses Schreiben abgelaufen – etwa eine Woche später –, wurde kurzerhand die Kurzarbeit für alle verkündet.
Gleichberechtigung
Die Führungsebene (Geschäftsführung, Abteilungs- und Teamleiter) ist fast ausschließlich männlich besetzt. Lediglich eine Frau war Teil der Geschäftsleitung und eine weitere im Marketing in leitender Position tätig.
Interessante Aufgaben
Wer sich privat Zusatzwissen angeeignet hat, kann versuchen, darüber an spannendere Projekte zu kommen. Ansonsten wird eher Standardarbeit verteilt.


