Gute Basis im Team – strukturelle und kommunikative Schwächen in der Führung.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Gehalt und pünktliche Zahlung, Einarbeitung für neue Mitarbeitende, Arbeitsplatz und Ausstattung, Sommer- und Weihnachtsfeier
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Kommunikation und Informationsfluss, Ungleichbehandlung / Bevorzugung, Homeoffice-Regelung, Zeiterfassung, Führung und Konsistenz, Arbeitsumgebung und Infrastruktur
Verbesserungsvorschläge
Kommunikation verbessern, Einheitliche Führung und Vorgehensweise
Arbeitsatmosphäre
Zu Beginn war die Arbeitsatmosphäre sehr gut: Die Kolleg:innen waren freundlich, hilfsbereit und haben sich um eine strukturierte Einarbeitung bemüht. Es gab eine offene und lockere Kommunikation, auch private Gespräche und Humor waren willkommen. In dieser Phase fühlte man sich gut aufgenommen und in das Team integriert. Besonders die Mitarbeitenden aus Produktion und Lager waren sehr herzlich, und die Kolleg:innen im Vertrieb waren stets locker, offen und humorvoll im Umgang.
Mit der Zeit veränderte sich die Stimmung jedoch. Die Kommunikation wurde zurückhaltender und es gab zunehmend negativere Dynamiken im Team. Es kam häufiger vor, dass über abwesende Kolleg:innen gesprochen und getratscht wurde, was das Vertrauen im Team spürbar beeinträchtigte. Insgesamt wirkte die Atmosphäre immer angespannter und weniger offen als am Anfang.
Zudem wirkte der Chef zunehmend gereizter und kam teilweise grimmig ins Büro. Man hatte den Eindruck, dass diese Stimmung auf die Mitarbeitenden abfärbte.
Image
Intern wurde unterschiedlich über das Unternehmen gesprochen – es gab keine einheitliche Wahrnehmung oder ein klares „Wir-Gefühl“. Als eher kleines Unternehmen ist die Firma zudem außerhalb kaum bekannt. Die Website war teilweise nicht aktuell, wenn sich Abläufe oder Zuständigkeiten geändert haben.
Nach außen wirkte das Unternehmen teils so, als wolle es sich größer darstellen, um mit größeren Wettbewerbern mithalten zu können. In der Praxis gab es jedoch noch einige Herausforderungen in den internen Abläufen, sodass das Image nach außen nicht immer mit der Realität übereinstimmte.
Bei Kundenbesuchen wirkte das Umfeld ebenfalls nicht immer professionell: Besucher:innen wurden teilweise in eine kleine Küche („Kantine“) geleitet, und Besprechungsräume wirkten eher grau, unaufgeräumt und wenig einladend.
Work-Life-Balance
Die Arbeitszeiten waren grundsätzlich in Ordnung (07:00–16:00 Uhr, 15 Minuten Frühstückspause, 30 Minuten Mittagspause). Freitags war es möglich, früher zu gehen, sofern ausreichend Überstunden vorhanden waren, da nur eine Person bis 16:00 Uhr bleiben musste. Urlaub konnte mit Absprache der Kolleg:innen meist problemlos genommen werden.
Bei der Familienfreundlichkeit gab es Einschränkungen: Homeoffice war bei Krankheit oder leichten Beschwerden nicht generell möglich und wurde von der Führungsebene nicht unterstützt. Eine Ausnahme schien es nur für den nahstehenden Mitarbeiter der Führungsebene und einen Mitarbeiter ohne Führerschein zu geben. Bei anderen Mitarbeitenden war Homeoffice nur nach Erreichen bestimmter Ziele möglich und wurde auch dann nicht immer gewährt.
Ein großes Problem war die Zeiterfassung: Wenn man nach 07:00 Uhr kommt, wird die Ankunftszeit automatisch auf 07:15 Uhr gestempelt – z. B. wird 07:02 als 07:15 erfasst. Die Zeit von 07:02 bis 07:15 wurde nicht erfasst, sodass man effektiv weniger Arbeitszeit gutgeschrieben bekam. Dadurch war Gleitzeit praktisch kaum nutzbar. Beim Ausstempeln wurde hingegen punktgenau gestempelt.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung fand in der Praxis kaum statt. Inhalte wurden intern meist nur über veraltete Präsentationen vermittelt, die lediglich vorgeführt wurden. Als „Weiterbildung“ wurden teilweise auch YouTube-Videos genutzt, was den Eindruck erweckte, dass keine systematische Förderung geplant war.
Karrieremöglichkeiten wirkten begrenzt, da es kaum klare Entwicklungspfade oder Aufstiegschancen gab. In der Praxis schien der Fokus eher auf der Besetzung von Positionen durch bereits nahestehende Personen zu liegen, wodurch Mitarbeitende ohne entsprechende Nähe zur Führung nur wenig Perspektive hatten.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt war sehr gut und wurde stets pünktlich ausgezahlt. Neben dem Gehalt gab es kaum zusätzliche Sozialleistungen – abgesehen von einer betrieblichen Altersvorsorge. Soweit ich mich erinnere, hat der Arbeitgeber einen Teil der Beiträge in diese Versicherung übernommen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Unternehmen war in Bezug auf Digitalisierung und Papierverbrauch eher konservativ: Viele Abläufe wurden weiterhin ausgedruckt (z. B. Rechnungen, Produktionsaufträge, Lieferantendokumente), sodass der Papierverbrauch vergleichsweise hoch war. Eine umfassende digitale Ablage oder papierarme Prozesse waren in meinem Bereich nicht etabliert.
In der Praxis gab es keine flächendeckenden Homeoffice-Regelungen, sodass viele Mitarbeitende täglich pendeln mussten. Der Firmenwagen war ein Verbrenner. Maßnahmen zur Förderung nachhaltiger Mobilität waren nicht erkennbar.
Es wurde mehrfach nach einer Jobticket- oder Fahrradförderung gefragt, da einige Kolleg:innen mit dem Rad zur Arbeit kamen. Vorschläge zur Verbesserung wurden aus meiner Sicht aufgenommen, aber nicht weiter umgesetzt oder kommuniziert, sodass es bei diesem Thema keinen Fortschritt gab.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt war wahrscheinlich das Beste am Unternehmen. Die Mitarbeitenden gingen sehr offen und ehrlich miteinander um und hielten in der Regel gut zusammen. Man half sich gegenseitig, wo es möglich war, und bei Fragen konnte man sich jederzeit an die Kolleg:innen wenden – diese reagierten in der Regel schnell und unterstützend.
Auch außerhalb der Arbeit gab es durch Weihnachts- und Sommerfeiern die Möglichkeit, sich besser kennenzulernen und private Kontakte aufzubauen. Viele Kolleg:innen arbeiteten schon lange zusammen und hatten ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis zueinander. Insgesamt herrschte ein starkes Teamgefühl, in dem man sich gegenseitig unterstützte.
Allerdings gab es auch einige Kolleg:innen, bei denen man vorsichtig sein musste. Es kam vor, dass hinter dem Rücken über andere gesprochen wurde oder Situationen verzerrt dargestellt wurden, um sich selbst besser darzustellen. Das konnte das Vertrauen im Team stellenweise belasten.
Nach meiner Erfahrung hat sich das später verändert: Es wirkte zunehmend so, als würde jede:r mehr auf sich selbst achten, um nicht der oder die Nächste zu sein, der/die gekündigt wird.
Umgang mit älteren Kollegen
Es gab nur wenige ältere Kolleg:innen. Grundsätzlich wurde Rücksicht genommen und es gab keinen erkennbaren Unterschied in der Behandlung. Allerdings wurden intern gelegentlich Kritik und Kommentare über die Arbeitsleistung einzelner Mitarbeitender diskutiert, was teilweise als unangenehm empfunden wurde.
Vorgesetztenverhalten
Zu Beginn war der Umgang sehr freundlich und offen, es herrschte eine entspannte Du-Kultur. Nach meinem Sportunfall änderte sich die Kommunikation jedoch deutlich. Obwohl ich angeboten hatte, im Homeoffice zu arbeiten, wurde dies zunächst abgelehnt. Später wurde Homeoffice dann erneut angesprochen, obwohl ich aus gesundheitlichen Gründen nicht dazu in der Lage war.
Während meiner Krankschreibung erhielt ich mehrere Anrufe, in denen ich gefragt wurde, warum ich nicht arbeite. Diese Kontakte empfand ich als belastend, da sie auch während meiner Genesungszeit stattfanden. Nach meiner Rückkehr wirkte die Kommunikation eher distanziert.
Wenige Wochen später erhielt ich eine Abmahnung, anschließend folgte eine Kündigung, deren Begründungen ich aus meiner Sicht nicht nachvollziehen konnte.
Außerdem wurde im Vertrieb die Leistung unter anderem anhand der täglichen Telefonzeit gemessen. Meiner Ansicht nach ist Telefonzeit allein jedoch kein verlässlicher Indikator für den tatsächlichen Erfolg, da sie nicht direkt den erzielten Umsatz oder die Qualität der Kundengespräche abbildet.
Arbeitsbedingungen
Der Arbeitsplatz war modern und funktional eingerichtet. Die Parkplatzsituation ist jedoch sehr knapp, sodass man oft früh da sein musste, um einen Platz zu bekommen. Außerdem hatten nur wenige Mitarbeitende einen Schlüssel fürs Gebäude, weshalb man bei verschlossener Tür auf das Öffnen durch Kolleg:innen angewiesen war.
Die Räumlichkeiten wirkten insgesamt älter und teilweise renovierungsbedürftig. In einigen Bereichen waren Deckenflächen sichtbar verschmutzt und es waren Kabel von PCs sichtbar, was den Eindruck einer weniger aufgeräumten Arbeitsumgebung vermittelte
Die sanitären Einrichtungen waren ebenfalls verbesserungswürdig: Für die Verwaltung gab es nur jeweils eine Toilette für Frauen und eine für Männer, die zusätzlich auch von Kunden genutzt wurden. Das führte teilweise zu Engpässen und wenig Privatsphäre.
Benötigte Arbeitsmittel wurden in der Regel zeitnah bereitgestellt.
Kommunikation
Die interne Kommunikation war insgesamt sehr schlecht organisiert. Informationen wurden oft nur mündlich und punktuell an einzelne Mitarbeitende weitergegeben, statt im Team oder schriftlich. Dadurch waren viele Kolleg:innen nicht über aktuelle Änderungen oder Abläufe informiert, bis sie selbst nachfragen mussten.
Zwischen den Abteilungen gab es kaum Austausch, sodass es wiederholt zu Abstimmungsproblemen kam – sowohl im Tagesgeschäft als auch im Kundenkontakt. In meiner Abteilung wurde vieles über einen nahstehenden Mitarbeiter der Führungsebene kommuniziert, wodurch Informationen teilweise falsch oder unvollständig weitergegeben wurden. Der Chef hielt sich in der Kommunikation häufig zurück, was die Situation zusätzlich verschärfte.
Gleichberechtigung
In der Firma gab es aus meiner Sicht keine einheitliche Gleichbehandlung. Es schien, dass bestimmte Mitarbeitende in der Praxis bevorzugt wurden – beispielsweise durch flexiblere Homeoffice-Regelungen, bessere technische Ausstattung oder andere Vorteile wie Firmenhandys und Parkplätze. Dadurch entstand der Eindruck, dass Nähe zur Führungsebene eine Rolle bei der Vergabe von Vorteilen spielte.
Auch im Alltag zeigte sich dies teilweise: Während Mitarbeitende in der Verwaltung früher gehen durften, mussten Mitarbeitende aus der Produktion zu den regulären Zeiten bleiben. Zudem erhielten einige Personen neue Informationen deutlich früher, während andere Mitarbeitende aktiv hinterher fragen mussten, um auf dem gleichen Stand zu sein. Das führte zu einem Gefühl von Ungleichbehandlung und ungleichen Arbeitsbedingungen.
Interessante Aufgaben
Ich hatte eine Stelle im Vertrieb (Angebote erstellen, Auftragsbestätigungen versenden, Liefertermine prüfen) sowie im Einkauf. Es gab immer Aufgaben, sodass es selten langweilig wurde, und man hatte einen großen eigenen Handlungsspielraum. Der Chef kontrollierte die Arbeit nur selten, und bei Fragen konnte man direkt auf ihn oder die Kolleg:innen zugehen.
Die Aufgaben waren zwar teilweise monoton, aber wenn man sich reinhängte, gab es immer wieder Möglichkeiten, neue Aufgaben zu übernehmen und Prozesse zu verbessern.