Verbesserungsvorschläge
Die Verbesserungsvorschläge sollten sich für jeden erfahrenen Personalentwickler, jede Führungskraft und/oder den Vorstand aus der geübten Kritik in den einzelnen Punkten ergeben. Wer eine solche Position innehat und die notwendigen Schlüsse daraus nicht selbst ziehen kann, sollte seine eigene Eignung für diese Aufgabe hinterfragen.
Ich bin kein Unternehmensberater. Deswegen gibt es von mir auch keine kostenlose Beratung.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre passt, solange man als Mitarbeiter die bestehenden Strukturen nicht infrage stellt. Das betrifft leider auch die eigene Eingruppierung.
Es ist eine immer wiederkehrende Strategie, Mitarbeiter mit anspruchsvolleren und tiefer gehenden Aufgaben zu betrauen, die mit mehr Verantwortung verbunden sind, ihnen aber die nach TVöD tariflich zustehende Eingruppierung zu verwehren. Das geht so weit, dass man wirklich gute Mitarbeiter eher ziehen lässt, als ihnen die Vergütung zu zahlen, die ihnen für ihre tatsächlich ausgeübten Tätigkeiten zusteht – selbst wenn sie diese Tätigkeiten über mehr als ein Jahr ausgeübt haben.
Statt die Eingruppierung entsprechend anzupassen, werden zunächst andere Möglichkeiten ausgeschöpft: Es werden neue Stellenbeschreibungen vorgelegt, Aufgabenbereiche auf dem Papier eingegrenzt oder andere Wege gesucht, um eine Höhergruppierung zu vermeiden. Die daraus entstehenden Konflikte werden in Kauf genommen. Sobald Mitarbeiter ihre Eingruppierung hinterfragen und auf einer tarifgerechten Bewertung bestehen, wird der Wind sehr schnell sehr rau.
Image
Das Image als Arbeitgeber ist unter ehemaligen Mitarbeitern, soweit ich es wahrgenommen habe, überwiegend schlecht. Gerade in der IT verlassen Mitarbeiter das Unternehmen häufig nicht ohne konkrete Gründe. Ob es nun Differenzen über die Eingruppierung einer Stelle, die Bevorzugung bestimmter Bewerber oder der teils wirklich mangelhafte Rückhalt durch Vorgesetzte sind – die dahinterliegenden Erfahrungen hinterlassen bei vielen einen sehr faden Beigeschmack und lassen das Arbeitgeberimage entsprechend leiden.
Work-Life-Balance
Dieser Punkt ist in einem Unternehmen wohl kaum besser umzusetzen. Gleitzeitkonto, Homeoffice, nahezu jedes beliebige Stundenmodell – vieles ist möglich. Wer Work-Life-Balance als absolute Priorität ansieht, ist hier genau richtig und wird sicherlich sehr zufrieden sein.
Karriere/Weiterbildung
**Weiterbildung? Ja, bitte!** Hier wird wirklich etwas getan. Udemy ist der Freund der Bezirkskliniken, und auch intern werden zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten. In diesem Bereich wirklich top!
**Karriere innerhalb der IT?** Nun, möglich ist sie durchaus. Allerdings unter gewissen Voraussetzungen – und vor allem sollte man es sich nicht mit der Leitung verscherzen. Denn dann wird es mit der Karriere schwierig, ganz gleich, wie gut die fachliche Eignung auch sein mag.
Auch Vetternwirtschaft ist aus meiner Sicht ein Problem. Wenn in einem Unternehmen ganze Familien in derselben Abteilung arbeiten, sollte man zumindest genauer hinschauen, ob bei Stellenbesetzungen und Karrierechancen tatsächlich ausschließlich die fachliche Eignung zählt.
Gehalt/Benefits
Auch wenn es außerhalb des öffentlichen Dienstes gerne heißt: „Beim Staat verdient man nichts“, muss ich dem widersprechen.
Grundsätzlich sind die Einstiegsgehälter bei den Bezirkskliniken wirklich gut und können mit denen der freien Wirtschaft problemlos konkurrieren. Berücksichtigt man zusätzlich die tariflich geregelten Leistungen, die automatische Gehaltsentwicklung über die Erfahrungsstufen und die regelmäßigen Tariferhöhungen, kann man insgesamt sogar deutlich besser dastehen als in der freien Wirtschaft – bei einer aus meiner Sicht häufig geringeren Arbeitsbelastung.
Schwierig wird es bei komplexeren Aufgaben mit hoher Spezialisierung. Hier neigen die Verantwortlichen dazu, Stellen tariflich eher niedrig zu bewerten. Die Folge: Die Gehälter stehen teilweise in keinem angemessenen Verhältnis mehr zu den Vergleichsmöglichkeiten in der freien Wirtschaft. Die sonstigen Vorteile des öffentlichen Dienstes können diesen Unterschied oft nicht ausgleichen. Hinzu kommt, dass Aufgaben übertragen werden, deren tatsächliche Anforderungen eine höhere Eingruppierung rechtfertigen würden.
Karriere macht man hier häufig eher über „Vitamin B“ als aufgrund fachlicher Eignung.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Umwelt- und Sozialbewusstsein wird nach außen hin gerne propagiert, scheitert im Arbeitsalltag aber häufig an der Umsetzung, sobald es darum geht, gewohnte Prozesse zu verlassen.
Standardthemen wie Mülltrennung funktionieren. Bei komplexeren Fragen, etwa einem nachhaltigen Lifecycle-Management von IT-Altgeräten, wird es jedoch schwierig. Die Lösung lautet hier: „Auseinanderbauen und Bauteile getrennt entsorgen.“ Das ist zwar eine Lösung, geht aber deutlich besser.
Mein Versuch, ein Projekt zur sinnvollen Weiternutzung ausgemusterter Hardware anzustoßen, verlief leider im Sande. Die Klärung rechtlicher Fragen und Zuständigkeiten wird so lange verschleppt, bis Projekte, die auf eine bessere und längere Nutzung vorhandener Hardware abzielen, im Sand verlaufen und schließlich in Vergessenheit geraten.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den Kollegen auf gleicher hierarchischer Ebene ist oft ziemlich gut. Sicherlich gibt es mitunter fachliche Differenzen, gerade wenn verschiedene Unterabteilungen ihre Zuständigkeiten „ausfechten“. Da kann es durchaus auch mal emotional zur Sache gehen. Am Ende wissen aber alle, dass sie im selben Boot sitzen und dieses irgendwie vorwärtsbewegen müssen – und dass das ohne einen zumindest annähernd gemeinsamen Rudertakt kaum möglich ist.
Also besinnt man sich und rudert weiter: jeder mit seinen Stärken und seinen Unvollkommenheiten. Das ist völlig in Ordnung, solange alle bereit sind, ihren Beitrag zu leisten.
Einen Zusammenhalt in vertikaler Richtung konnte ich leider nicht feststellen. Dort herrscht eher das Motto: „Den Letzten beißen die Hunde“ – und das ist in der Regel der kleine ITler ganz unten.
Umgang mit älteren Kollegen
Auch hierzu hört man im Unternehmen Dinge, die nachdenklich stimmen. Berichte über Aufhebungsverträge kurz vor dem Renteneintritt und eine mögliche Benachteiligung bei der Dienstplangestaltung in der Pflege hinterlassen keinen guten Eindruck. Ich kann nicht alle kursierenden Informationen aus eigener Erfahrung bestätigen. Dass solche Berichte jedoch die Runde machen und das Vertrauen in einen fairen Umgang mit älteren Beschäftigten beeinträchtigen, ist für das Arbeitgeberimage sicherlich nicht förderlich und hier sollte man genauer hinsehen.
Vorgesetztenverhalten
Das Vorgehen und Verhalten der Vorgesetzten empfand ich als äußerst inkonsistent. Zwar gibt es phasenweise motivierende Ansprachen, diese verlieren jedoch schnell an Wert, da die Stimmungslage oft abrupt und unvorhersehbar kippt.
Man wird als Mitarbeiter auch dann im sprichwörtlichen Regen stehen gelassen, wenn man fachlich und inhaltlich völlig korrekt gehandelt hat – insbesondere dann, wenn die eigene Arbeitsweise die Befindlichkeiten höherer Führungsebenen tangiert.
Es fehlt an echtem Rückhalt und einer verlässlichen Führungskultur. Fachliche Notwendigkeiten ordnen sich hier leider zu oft dem Hierarchiedenken unter.
Arbeitsbedingungen
Die technischen Voraussetzungen und die Ausstattung sind gut bis sehr gut. Ergonomische Bürostühle, höhenverstellbare Tische und ausreichend große Monitore in ausreichender Anzahl – hier gibt es nichts zu beanstanden.
Das Platzangebot ist dagegen eher beschränkt. Büros sind nicht selten überbelegt. Damit muss man sich arrangieren oder, sofern möglich, ins Homeoffice ausweichen.
Kommunikation
Kommunikation findet grundsätzlich statt. Es findet sogar sehr viel Kommunikation statt – nur nicht unbedingt über die Dinge, die tatsächlich bearbeitet werden müssten.
Das betrifft insbesondere die Fehlerkultur. Kritik ist ausgesprochen ungern gesehen, unabhängig davon, wie sachlich oder zutreffend sie ist. Am Ende werden persönliche Befindlichkeiten häufig höher bewertet als eine effektive Fehlerbehebung – insbesondere dann, wenn diese voraussetzen würde, dass auch Vorgesetzte ihr eigenes Verhalten oder ihre Arbeitsweise reflektieren müssten.
Spätestens an diesem Punkt ist Schluss mit Kommunikation.
Gleichberechtigung
Was die Gleichbehandlung von Frauen und Männern angeht, konnte ich keinen Unterschied feststellen
Interessante Aufgaben
Interessante Aufgaben kann man hier haben, keine Frage. Das Umfeld Klinik ist per se ein spannendes Arbeitsfeld, und gerade in der IT gibt es zahlreiche hoch spezialisierte Bereiche.
Wer für sich entscheidet, dass das Kennenlernen verschiedener spezialisierter Abteilungen für die eigene berufliche Weiterbildung wichtig ist, wird hier gut bedient. Das betrifft vor allem Berufseinsteiger, die noch nicht genau wissen, in welchem Bereich sie sich langfristig spezialisieren möchten.
Trotz des Mankos, dass übertragene Aufgaben nicht immer zur Eingruppierung der jeweiligen Stelle passen, vergebe ich fünf Sterne. Faktisch bestehen hier einfach unfassbar viele Möglichkeiten, sich fachlich weiterzuentwickeln, eigene Stärken einzubringen und sich auszuprobieren.