Ein ewiges Auf und Ab
Gut am Arbeitgeber finde ich
Ganz klar, die Ausbildung (kaufmännisch). Man kann früh lernen selbstverantwortlich zu arbeiten und bekommt vergleichsweise früh Verantwortung. Dies hängt natürlich von den einzelnen Bereichen ab; ich hatte hier aber Glück. Man wird sehr früh als de facto vollständiger Mitarbeiter betrachtet und entsprechend eingebunden.
Wer Leistung in der Ausbildung zeigt und danach gerne studieren möchte, den unterstützt man auch.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Leider sind in den letzten Jahren immer mehr Punkte zu dieser Liste hinzugekommen.
Ganz oben steht das Verhalten von Teilen des Managements. Hier werden regelmäßig Grenzen überschritten, die dann durch das Middle-Management mit Sätzen wie „Naja, das sind halt zwei ganz unterschiedliche Generationen, die hier aufeinandertreffen“ relativiert werden. Richtig – hilft nur nichts, wenn man auf den Nachwuchs angewiesen ist. Durch solche Fehltritte des Managements sind in meinen Augen bereits Schäden entstanden, die nicht nur vermeidbar gewesen wären, sondern auch den Fortbestand des Unternehmens zunehmend gefährden.
Das allgemeine Misstrauen gegenüber den Mitarbeitenden ist ein weiterer Punkt, der mich massiv frustriert hat. Wenn ich Personen nicht vertraue, dann stelle ich diese auch nicht ein … das spart beiden Seiten viele Nerven.
Zudem kommt, dass viele Probleme kleingeredet oder ignoriert werden. Das hilft keinem – weder der Belegschaft noch dem Unternehmen. Die Welt verändert sich, nicht nur was (berechtigte) Ansprüche von Mitarbeitenden betrifft, sondern auch den Markt, in dem man operiert.
Viele Entscheidungen werden top-down getroffen, ohne große Einbindung der Fachbereiche. Wenn die Fachbereiche aus Eigeninitiative etwas verbessern, wird es schnell schwer, vor allem wenn es Geld kostet. Investitionen, die bottom-up vorgeschlagen werden, werden gefühlt nur durch persönliche Gefälligkeiten der Geschäftsführung ermöglicht.
Verbesserungsvorschläge
Leider einiges, hier das wichtigste:
- den eigenen Mitarbeitenden vertrauen
- Mitarbeitende weniger von oben herab behandeln
- deutlich weniger Mikromanagement
- eine klare Strategie aufzeigen für das Unternehmen
- junges Potential fördern und nicht verschrecken
- Wirtschaftlichkeit durch Effizienz steigern und nicht durch stumpfes Kürzen von Geldern
- Home Office wieder einführen
- Klare Gehaltsstrukturen
- Weniger Versprechen, mehr Taten
- Methoden aus der BWL sind kein Hokuspokus
Arbeitsatmosphäre
Diese war schon seit meinem Eintritt in die Firma nicht sonderlich gut und hat sich tatsächlich über die Jahre noch weiter verschlechtert.
Vieles ist bedingt durch unmögliches Verhalten durch Teile des Managements gegenüber den eigenen Angestellten. Wie man seine Teams motiviert, scheint leider nur wenigen bekannt zu sein.
Grundsätzlich herrscht das Gefühl, dass das Management der Belegschaft nicht oder nur in sehr geringem Maße vertraut. Eine Art Generalverdacht, dem Unternehmen schaden zu wollen, wird durch entsprechendes Handeln ebenfalls vermittelt.
Image
In der nahen Umgebung sehr schlecht.
Work-Life-Balance
Wer entspannte Tage haben möchte, kann diese hier auch haben. Der Leistungsdruck ist überschaubar.
Durch die vollständig revidierte Homeoffice-Regelung ist man aber dazu gezwungen, für alltägliche Termine Urlaub zu nehmen. Dies trifft vor allem die Personen, die nicht aus der direkten Umgebung kommen.
Im Allgemeinen wird aber wenig bis gar nichts für eine Erleichterung des Alltags der Mitarbeitenden getan. Zumindest wurde vor Kurzem ein Stundenkonto eingeführt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Soziale Themen waren schon immer Teil der Firma, meistens aber eher außenwirksam.
Was die Umwelt betrifft, versucht man hier hin und wieder etwas, scheitert aber gerne mal am oberen Management. In vielen Fällen versucht man aber in erster Linie nur rechtssicher zu agieren.
Karriere/Weiterbildung
Wer will, kann hier eine gute Grundlage für seine zukünftige Karriere aufbauen. Fortbildungen wie ein aufbauendes Studium auf eine Ausbildung werden bei entsprechender Leistung gerne gefördert. Hier habe ich definitiv keine Kritikpunkte.
Karriere kann man hier nur machen, wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Möglichkeiten hierfür ergeben sich aber auch kaum.
Kollegenzusammenhalt
In meinem Team war dieser in den meisten Situationen sehr gut. Der Zusammenhalt zwischen den Abteilungen ist eher mittelmäßig; viele sind leider oft nur darauf bedacht, den eigenen Job mit möglichst wenig Aufwand zu erledigen. Ein Blick für das Ganze fehlt hier leider immer wieder.
Vorgesetztenverhalten
Ich für meinen Teil hatte hier vergleichsweise viel Glück. Meine Vorgesetzten waren fast ausschließlich fair und kollegial. Ja, es gab sicher Ausrutscher hin und wieder, aber dies war definitiv die Ausnahme.
Anders sieht dies leider mit Teilen des oberen Managements aus. Die öffentliche Bloßstellung von Mitarbeitern ist hier nicht unüblich, wobei dies auch weniger wurde. Dennoch sind solche Verhaltensweisen in keiner Weise zu entschuldigen, egal ob oft oder selten.
Arbeitsbedingungen
Es wird was getan, damit es sich bessert. Neu gestrichte Büros, höhenverstellbare Tische und na ja, das war's dann auch. Man muss teils für Software kämpfen, um seine tägliche Arbeit ausführen zu können, während sie in anderen Bereichen aus unempfindlichen Gründen hinterhergeschmissen wird. Es wird einem leider vieles nicht leicht gemacht.
Im Sommer kann es gerne mal unerträglich heiß in den Büros werden.
Kommunikation
Der Buschfunk funktioniert um ein Vielfaches besser als die offiziellen Kanäle. Viele Informationen sind bereits halbwegs bekannt, bevor sie offiziell bestätigt werden. Die lässt entsprechend viel Raum für Gerüchte, welche die Motivation teils sehr stark beeinträchtigt haben.
Gehalt/Benefits
Nach meinem Wechsel wurde mir klar, dass man woanders deutlich bessere Gehälter zahlt. Auch sind die gebotenen Sozialleistungen in meinen Augen eher das absolute Minimum und heutzutage alles andere als fortschrittlich.
Interessante Aufgaben
Interessante Aufgaben gibt es immer wieder, vor allem wenn man darum bittet, bzw. das entsprechende Engagement zeigt. Das Problem ist leider nur, dass viele Mühen am Ende keine Früchte tragen und man schnell das Gefühl von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen bekommt. Schade drum.