Gute Work-Life-Balance, aber ein belastendes Arbeitsklima
Gut am Arbeitgeber finde ich
Feierabend ist Feierabend, es gibt flexible Arbeitszeiten, und Urlaub zu bekommen war nie ein Problem. Die Aufgaben sind im Detail durchaus interessant und haben teilweise auch Spaß gemacht. Das Essen in der Kantine ist lecker, und die Verkehrsanbindung per Auto und öffentliche Verkehrsmittel ist sehr gut.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Das Miteinander habe ich als wenig vertrauensvoll erlebt. Offenheit unter Kollegen war eher die Ausnahme, und man hat sich genau überlegt, was man wem erzählt. Der Druck im Arbeitsalltag war spürbar hoch, Wertschätzung dagegen kaum vorhanden. Informationen flossen nur selektiv, sodass man nicht immer die Grundlage hatte, um gut arbeiten zu können. Der Umgang mit Fehlern war aus meiner Sicht wenig konstruktiv. Die Führungskultur hat auf mich mit wenigen Ausnahmen nicht motivierend gewirkt. Fachlich hätte ich mir Aufgaben gewünscht, die meiner Qualifikation mehr entsprechen. Beim Rollenverständnis zwischen Männern und Frauen sehe ich noch deutlichen Modernisierungsbedarf. Das Bild, das das Unternehmen nach außen abgibt, deckt sich nicht mit meinen Erfahrungen von innen.
Verbesserungsvorschläge
Mehr Wertschätzung zeigen. Ein ehrliches Lob kostet nichts und motiviert enorm. Informationen offen und an alle Betroffenen weitergeben und niemanden von relevanten Meetings ausschließen. Fehler unter vier Augen und konstruktiv besprechen statt vor anderen. Führungskräfte gezielt in Mitarbeiterführung schulen, damit Druck nicht einfach nach unten durchgereicht wird. Eine Kultur des Vertrauens fördern, in der sich Kollegen gegenseitig unterstützen statt gegeneinander zu arbeiten. Aufgaben stärker an der Qualifikation der Mitarbeiter ausrichten und ihr Potenzial nutzen. Das Rollenbild modernisieren und Frauen fachlich auf Augenhöhe begegnen. Am inneren Zustand arbeiten, damit das gute Außenbild auch der Realität entspricht.
Arbeitsatmosphäre
Die Stimmung habe ich in allen Teams als angespannt erlebt. Unter den Kollegen herrschte viel Misstrauen, und viele haben sich eher angepasst, als offen ihre Meinung zu sagen. Druck kam von allen Seiten. Die Vorgesetzten haben ihn meist nur weitergereicht, Lob oder Anerkennung gab es kaum. Insgesamt habe ich das Klima als belastend und teilweise toxisch empfunden.
Kommunikation
Informationen kamen kaum an. Zu wichtigen Meetings wurde ich oft gar nicht eingeladen, dadurch fehlten mir Informationen, die ich für meine Arbeit gebraucht hätte. Ich habe mich gezielt übergangen und dadurch handlungsunfähig gemacht gefühlt. Erfolge wurden nicht kommuniziert. Lief dagegen etwas schief, wurde ich in Terminen vor anderen heruntergemacht. Ich habe das als Mobbing bzw. Bossing erlebt.
Kollegenzusammenhalt
Es wurde viel getratscht, man musste sich genau überlegen, mit wem man über was spricht. Mehrfach habe ich erlebt, dass Kollegen anderen in den Rücken gefallen sind, um beim Vorgesetzten besser dazustehen. Echter Zusammenhalt war so kaum möglich, das Klima war eher von gegenseitiger Kontrolle als von Vertrauen geprägt.
Work-Life-Balance
Bei der Work-Life-Balance gibt es nichts zu beanstanden: Feierabend war Feierabend, es gibt flexible Arbeitszeiten, und Überstunden können über ein Zeitkonto erfasst werden. Urlaub zu nehmen war nie ein Problem.
Vorgesetztenverhalten
Mit wenigen Ausnahmen habe ich die Vorgesetzten als stark auf sich selbst bezogen erlebt. Das eigene Ansehen stand klar über dem Wohl des Teams. Lob oder Anerkennung gab es praktisch nie, stattdessen wurde Druck ungefiltert nach unten weitergegeben. Fehler wurden in Terminen vor anderen ausgebreitet, und wer Kritik äußerte, wurde von Informationen und Meetings ausgeschlossen. Ich hatte oft den Eindruck, dass es einigen Führungskräften regelrecht Freude bereitete, Mitarbeitern den Tag zu verderben und Motivation zu zerstören. Das habe ich als Bossing erlebt.
Interessante Aufgaben
Im Detail waren die Aufgaben durchaus interessant, nur fielen diese Details oft so klein aus, dass ich mich mit einem abgeschlossenen Studium deutlich unterfordert gefühlt habe. Das Potenzial der Mitarbeiter wurde aus meiner Sicht kaum genutzt. Manche Aufgaben haben Spaß gemacht, das war aber eher die Ausnahme.
Gleichberechtigung
Bei der Gleichberechtigung sehe ich großen Nachholbedarf. Ich habe eine sehr traditionelle Rollenverteilung erlebt, in der Frauen vor allem in unterstützenden Bürotätigkeiten gesehen und fachlich kaum ernst genommen wurden.
Gehalt/Benefits
Gehalt ist entsprechend Tarif
Image
Nach außen wirkt das Unternehmen deutlich besser, als ich es von innen erlebt habe. Außenbild und Realität passen aus meiner Sicht nicht zusammen. Intern haben viele Kollegen abwertend über die eigene Firma gesprochen, und mit dem Arbeitgeber identifiziert hat sich kaum jemand. Als Arbeitgeber würde ich das Unternehmen nicht weiterempfehlen.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildungen sind nicht erwünscht.

