Ist ein berufliches Gamble - kann klappen, oder komplett in die Hose gehen.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Eine dynamische Lage im Unternehmen bietet enorme Chancen, wenn man in der Lage ist, sie zu ergreifen. Das Chaos des Unternehmens hat meinen persönlichen Werdegang massiv beschleunigt. Es gibt zu jedem Zeitpunkt genügend Probleme, man muss sich nur eins aussuchen und es lösen, und die eigene Karriere geht voran, teilweise auch schneller, als ich es selbst erwartet habe. Außerdem: Dauerkrise und Restrukturierungserfahrung, die ich bei BOS gelernt habe, hilft mir in meinen jetzigen Aufgaben massiv.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Auch Führungskräfte brauchen ab und zu mal Führung. Die ist in den letzten Jahren jedoch qualitativ wirklich deutlich schlechter geworden und wird auf absehbare Zeit auch nicht besser. Erst langfristig ist mit Besserung durch die oben beschriebenen Führungskräfte des Nachwuchsprogramms zu rechnen.
Verbesserungsvorschläge
Tatsächlich einmal tiefgreifend restrukturieren, statt immer nur Kleckerles. Lieber mal zwei Jahre lang -20% der Belegschaft und drei Werke zu machen, als über 10 Jahre ständig neue Klein-Maßnahmen, die allen nur Kraft kosten. Und, weniger Berater wäre gut. Es ist doch echt frustrierend, wenn die eigene Berichtslinie irgendwann zu mehr als der Hälfte aus Externen besteht.
Arbeitsatmosphäre
schwankt stark. Wenn die Stimmung schlecht ist, ist sie bei allen gleich schlecht, gute Nachrichten dringen da eher weniger durch.
Image
In Ostfildern bekannt, darüber hinaus nicht.
Work-Life-Balance
Ich bin gegangen, weil mich der Job komplett aufgefressen hat. Neue Teams werden nur noch global aufgebaut. Dadurch hat man als Führungskraft mit ein paar Leuten plötzlich Mitarbeiter über drei Zeitzonen zu managen, bei denen man dann nur "dotted line" ist, weil ein deutscher GmbH Angestellter eben keine Weisungsbefugnis über einen mexikanischen Mitarbeiter haben kann. Und trotzdem hat man massiv zu wenige Leute, weil die versprochenen weiteren Mitarbeiter immer wieder und immer wieder doch nicht freigegeben werden. Hier gewinnen diejenigen FK, die in der Vergangenheit laut und oft genug geschrien haben und in guten Zeiten ein Heer an Mitarbeitenden aufgebaut haben, von dem sie in den ganzen Entlassungswellen auch problemlos 5 oder 10 Köpfe gehen lassen können, ohne es überhaupt zu merken. Nach außen zählt dann der Output beider Teams dann gleich viel, weshalb man sich selbst als Führungskraft eigentlich nur Selbstausbeuten kann, um gesehen zu werden.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Hier wird tatsächlich enorm viel getan. Könnte man durchaus auch reduzieren, gerade in diesen wirtschaftlich schlechten Zeiten.
Karriere/Weiterbildung
In den letzten Jahren wurde ein durchgängiges Führungskräfte-Entwicklungsprogramm aufgebaut. Das ist tatsächlich qualitativ sehr gut und langfristig wird sich dadurch auch die Qualität der Führung verbessern. Coaching wird ebenfalls ermöglicht, wenn man es aushandelt. Abzug gibt es dafür, dass die Trainings nur einer sehr kleinen Personengruppe zugänglich gemacht werden.
Kollegenzusammenhalt
In einer schrumpfenden Firma ist sich jeder Manager selbst der nächste. Die "Währung" für Anerkennung im Führungskreis und damit berufliches Fortkommen ist "berichtete Kosteneinsparung". Ob diese überhaupt jemals eintritt, oder auch außerhalb des Berichts belastbar nachgewiesen werden kann, ist völlig irrelevant. Das führt zu der tragisch-komischen Situation, dass regelmäßig Millioneneinsparungen im Führungskreis berichtet werden, sich die P&L dann aber doch fast die gleichen Gesamtkosten wie im Vorjahr ausweist.
Vorgesetztenverhalten
Sehr transaktional, wenig menschlich.
Arbeitsbedingungen
Technik ist ausreichend, aber unter marktüblich. Die Büros rund um den Globus sind alt, es gibt aber ein Stockwerk im HQ, das vor 5-10 Jahren mal neue Möbel bekommen hat. Büroausstattung kostet Geld und das hat BOS auf absehbare Zeit nicht.
Kommunikation
Im Kreis der Führungskräfte wird kommuniziert, jedoch gerade in jüngerer Vergangenheit in zunehmendem Maße nur off-the-record. Das ist erst mal gerade in Krisenzeiten nicht unüblich, Führungskräfte benötigen Informationen vor den Mitarbeitenden. Jedoch setzt es uns teilweise menschlich massiv unter Druck, wenn wir wir unsere Mitarbeiter auf kommende Informationsveranstaltungen verweisen müssen und sich diese dann noch Wochen verzögern.
Gehalt/Benefits
ich habe gut verdient. Insgesamt ist das Gehaltsniveau aber enorm unterschiedlich und die gleiche Tätigkeit wird mitnichten gleich bezahlt.
Gleichberechtigung
Hier ist noch sehr viel Arbeit nötig.
Interessante Aufgaben
In einem Unternehmen in Bewegung bleiben die Aufgaben in Bewegung. Das hat mich enorm positiv geprägt und lange Jahre ans Unternehmen gebunden.