Mitarbeiterbindung durch Abhängigkeit, nicht durch Wertschätzung
Gut am Arbeitgeber finde ich
- Interessante und abwechslungsreiche Aufgaben mit fachlichem Tiefgang
- Wettbewerbsfähige Vergütung im Vergleich zu anderen Unternehmen der Branche
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
- Mitarbeitende und ihre Ideen finden selten echte Wertschätzung
- Der Umgangston ist teils bevormundend und nicht auf Augenhöhe
- Geringe Bereitschaft, Verantwortung an Mitarbeitende abzugeben
- Arbeitsprozesse werden durch unnötige und teils widersprüchliche Regeln erschwert – besonders außerhalb der IT
- Wenig Vertrauen in Mitarbeitende, gleichzeitig wird vollständige Loyalität gegenüber dem Unternehmen erwartet
- Kaum Raum für Eigenverantwortung oder selbstständige Arbeitsgestaltung
- Arbeitsklima hat sich über die Zeit spürbar verschlechtert
- Für konstruktive Kritik fehlt die Offenheit auf Führungsebene
- Probleme werden häufig ignoriert oder nicht aktiv angegangen
- Führungskräfte wirken in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt durch die Geschäftsleitung
- Veraltete und autoritär geprägte Führungsstrukturen mit starkem hierarchischen Druck
- Hohe Personalfluktuation, insbesondere in der IT-Abteilung
- Die Unzufriedenheit im Kollegium ist deutlich spürbar, ohne dass ernsthafte Gegenmaßnahmen erkennbar sind
- Viele Mitarbeitende scheinen vor allem aus wirtschaftlicher Abhängigkeit sowie aufgrund der Standortbindung im Unternehmen zu verbleiben – ein Umstand, der von der Geschäftsleitung erkannt und zum Teil gezielt ausgenutzt wird, indem Probleme gekonnt ignoriert werden.
- Monetäre Anreize werden teilweise genutzt, um Kritik zu unterbinden – mit gemischtem Erfolg
- Es fehlt eine neutrale Anlaufstelle für Mitarbeitende, die als vermittelnde Instanz zwischen Belegschaft und Führung agiert
Verbesserungsvorschläge
- Grundlegende Strukturelle Veränderung.
- Zeitgemäße Benefits anbieten
Arbeitsatmosphäre
Das Arbeitsklima wurde im Laufe der Zeit spürbar angespannter – vermutlich bedingt durch das steigende Arbeitspensum und die anhaltende Unterbesetzung. Dies wirkte sich auch auf die Zufriedenheit der Mitarbeitenden aus, die zunehmend nachließ.
Besonders gegen Ende meines Arbeitsverhältnisses kam es zu einigen fragwürdigen Situationen, die das Vertrauen stark belasteten und Zweifel an der Offenheit und Ehrlichkeit einzelner Führungskräfte aufwarfen.
Trotz der erkennbaren personellen Engpässe wurden keine nennenswerten Maßnahmen ergriffen, um diese beispielsweise durch zusätzliche Benefits oder andere Anreize zu entschärfen.
Infolge der Unterbesetzung kam es stellenweise zu Verzögerungen im Arbeitsfortschritt, da bestimmte Aufgaben ausschließlich von einzelnen Mitarbeitenden betreut wurden und im Krankheitsfall unbearbeitet blieben.
Kommunikation
Es wurde zwar der Eindruck vermittelt, dass Anliegen Gehör finden, jedoch blieben angesprochene Probleme häufig ohne nachhaltige Reaktion und gerieten mit der Zeit in Vergessenheit.
Führungskräfte zeigten oft nur begrenztes Interesse an kritischen Themen, da eine direkte Auseinandersetzung mit der Geschäftsleitung offenbar vermieden wurde.
Das Fehlen eines Betriebsrats erschwerte zusätzlich die Möglichkeit eines strukturierten Austauschs mit der Unternehmensführung.
Entscheidungen und wichtige Informationen wurden häufig sehr kurzfristig kommuniziert – teils sogar erst, nachdem sie bereits umgesetzt worden waren.
Kollegenzusammenhalt
Im Großen und Ganzen lässt sich sagen, dass der kollegiale Zusammenhalt insgesamt stark ausgeprägt war – selbst unter Mitarbeitenden, die im Arbeitsalltag nur wenig miteinander zu tun hatten. Besonders innerhalb kleinerer Gruppen war dieser Zusammenhalt deutlich spürbar.
Möglicherweise trug auch die allgemeine Unzufriedenheit im Unternehmen dazu bei, dass sich Kolleginnen und Kollegen gegenseitig unterstützten.
Meine persönliche Erfahrung war durchweg positiv: Ich habe mich mit nahezu allen Kolleginnen und Kollegen gut verstanden – auch abteilungsübergreifend. Für diese freundschaftlichen Beziehungen bin ich sehr dankbar, da sie mir besonders an herausfordernden Tagen sehr geholfen haben.
Grüße gehen raus!
Work-Life-Balance
Zur Work-Life-Balance trägt im Wesentlichen die Gleitzeitregelung bei, die jedoch in der Branche inzwischen als Standard gilt und daher keinen besonderen Vorteil mehr darstellt.
Trotz Gleitzeit gibt es einen festgelegten Kernarbeitszeitrahmen, insbesondere in Bezug auf den Feierabend.
Kleinere Abweichungen vom Tagesablauf, wie etwa ein früheres Verlassen des Arbeitsplatzes, erfordern häufig eine persönliche Rückmeldung an die vorgesetzte Person. Unterbleibt diese, wird dies schnell kritisch wahrgenommen.
Home-Office ist nicht vorgesehen und es sind auch keine Bemühungen seitens der Geschäftsleitung erkennbar, daran etwas zu ändern.
Ein früher Arbeitsbeginn wird eher kritisch gesehen den Arbeitstag entsprechend früher zu beenden.
Vorgesetztenverhalten
Es kam häufiger vor, dass die Meinungen einzelner Mitarbeitender bevorzugt berücksichtigt wurden – auch in Fällen, in denen dies fachlich nicht nachvollziehbar war. Dies vermittelte den Eindruck einer gewissen Ungleichbehandlung.
Nach außen wurde zwar ein gewisses Verständnis signalisiert, dennoch war der Führungsstil überwiegend autoritär und bot nur begrenzten Raum für offene, konstruktive Diskussionen.
Auch die individuelle Arbeitsgestaltung war stark eingeschränkt, da Vorgaben des Vorgesetzten wenig Flexibilität für eine eigenständige Herangehensweise zuließen.
Gegen Ende meines Arbeitsverhältnisses wurde zudem deutlich, dass Verantwortlichkeiten im Fall von Fehlern nicht offen kommuniziert wurden – stattdessen wurde versucht, diese auf mich zu übertragen.
Die meisten Vorgesetzten, beginnend bei der Teamleiterebene, haben ein überhebliches Verhalten und sehen auf die Mitarbeiter herab.
Interessante Aufgaben
Eines muss man dem Unternehmen zugutehalten: Die Aufgaben waren abwechslungsreich und inhaltlich oft interessant.
Es kam selten Langeweile auf, da stets ausreichend Arbeit vorhanden war. Allerdings resultierte dieser Umstand überwiegend aus der personellen Unterbesetzung, was die Arbeit gelegentlich frustrierend machte – insbesondere, da kaum Zeit für einen intensiven fachlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen blieb.
Selbst Gespräche in Besprechungsräumen wurden mitunter unterbrochen, was den Arbeitsfluss zusätzlich erschwerte.
Gleichberechtigung
Obwohl das Thema Gleichberechtigung im Unternehmen häufig betont wurde, war die tatsächliche Umsetzung aus meiner Sicht nur bedingt erkennbar.
Dies zeigte sich unter anderem im Verhältnis zwischen Leistung und Vergütung: Die Entlohnung orientierte sich weniger an der individuellen Performance, sondern vor allem an Betriebszugehörigkeit und Anwesenheit.
Auch bei hoher Eigenverantwortung – etwa wenn man in kurzer Zeit ganze Themenbereiche eigenständig übernahm und als alleiniger Ansprechpartner fungierte – blieb eine entsprechende Anerkennung oft aus.
Mitarbeitende aus anderen Abteilungen oder Standorten hatten vereinzelt den Eindruck, nicht gleichwertig behandelt oder fachlich weniger ernst genommen zu werden.
Arbeitsbedingungen
Während in vielen Unternehmen das Arbeiten mit mobilen Endgeräten wie Notebooks inzwischen zum Standard gehört, wird hier weiterhin ausschließlich auf stationäre Arbeitsplätze gesetzt – selbst im IT-Bereich. Dies schränkt die Flexibilität deutlich ein.
Obwohl das Unternehmen sich nach außen als besonders innovativ präsentiert, ist mobiles Arbeiten für den Großteil der Mitarbeitenden nicht möglich. Dabei geht es nicht nur um klassisches Home-Office, sondern auch um die Möglichkeit, sich mit einem Notebook zurückzuziehen, um ungestört arbeiten oder sich konzentriert in Themen einarbeiten zu können.
Teilweise hatten Mitarbeitende aus anderen Abteilungen nicht einmal Zugang zum Internet, obwohl dieser für Recherchen und tägliche Aufgaben notwendig gewesen wäre.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist im Branchenvergleich durchaus attraktiv, allerdings besteht ein Ungleichgewicht zwischen individueller Leistung und Vergütung. Die Gehaltsentwicklung ist insgesamt wenig transparent.
Das System der Leistungszulagen wirkt intransparent und teilweise nicht nachvollziehbar in der Verteilung.
Mitarbeitergespräche finden häufig zu spät im Jahr statt, wodurch keine Möglichkeit besteht, zeitnah über eine mögliche Gehaltsanpassung zu sprechen. Bringt man dieses Thema dennoch proaktiv ein, wird man meist auf das Folgejahr verwiesen – mit dem Risiko, dass die Anliegen bis dahin in Vergessenheit geraten.
Image
Das nach außen kommunizierte Image des Unternehmens deckt sich nicht mit den internen Gegebenheiten.
Obwohl das Unternehmen sich als innovativ präsentiert, fehlt es bereits an grundlegenden Voraussetzungen – etwa an mobiler Arbeitsausstattung wie Notebooks.
Der Führungsstil, insbesondere im IT-Bereich, wirkt in vielen Aspekten veraltet und trägt spürbar zur Unzufriedenheit der Mitarbeitenden bei.
Karriere/Weiterbildung
Möglichkeiten zur fachlichen Weiterbildung – sowohl intern als auch extern – waren nicht gegeben. Schulungsangebote wurden intern eher negativ bewertet und fanden kaum Beachtung.
Auch der Besuch von Fachmessen war grundsätzlich nicht vorgesehen, obwohl dies insbesondere im IT-Bereich einen klaren Mehrwert bieten könnte. Als Begründung wurde häufig die wirtschaftliche Unrentabilität angeführt.
Zwar bestand grundsätzlich die Möglichkeit, sich selbstständig in neue Themen einzuarbeiten, jedoch war dies aufgrund der anhaltenden personellen Unterbesetzung im Tagesgeschäft nur schwer umsetzbar.


