Unternehmen und Führung geprägt von Kontrolle und Hierarchie, während das familienfreundliche Image extern gepflegt wird
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Der Arbeitsvertrag enthält rechtlich nichtige Klauseln, wie z.B. Verschwiegenheit übers Gehalt, die m. M. geschrieben wurden, um die ungerechte Behandlung untereinander zu verschleiern. Es wird spürbar Druck ausgeübt an allen Veranstaltungen zum Zwecke der Teambildung teilzunehmen. Persönliche oder individuelle Befindlichkeiten spielen da aus meiner Erfahrung keine Rolle mehr.
Fragen nach Home Office, auch nur tageweise, werden mit einem wenig freundlichen "gibt es bei uns nicht" beantwortet. Dies dient dann lediglich dazu, dass man die Mitarbeitenden noch etwas besser kontrollieren kann, wenn sie im Unternehmen arbeiten. Vertrauen Fehlanzeige. Da bleibt auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf definitiv auf der Strecke. Family first ist damit auf das Unternehmen bezogen und auf nichts anderes.
Arbeitsatmosphäre
Von den Mitarbeitenden wird erwartet, auch außerhalb der regulären Arbeitszeit an bestimmten Veranstaltungen teilzunehmen. Offiziell wird dies als "freiwillig" kommuniziert, jedoch entstand bei allen ständig das Gefühl eines unterschwelligen Drucks, sich zu beteiligen. Da wurden dann auch Mitarbeitende explizit persönlich gefragt, warum nicht teilgenommen wird.
Kommunikation
Wenn Fehler gemacht werden, wird viel kommuniziert. Richtung Chef.
Kollegenzusammenhalt
Aus meiner Erfahrung sollte man sich seine Kollegen in diesem Unternehmen ganz genau aussuchen. Kleinste Fehler werden sehr genau beobachtet und sofort dem Vorgesetzten gemeldet. Wer dies nicht tut wird direkt als weniger loyal dem Unternehmen gegenüber abgestempelt. Sich zu lange mit einem anderen Mitarbeitenden zu unterhalten wird sofort registriert und an entsprechende Stelle weitergegeben. Dabei war es egal, ob es ein privates oder berufliches Gespräch war. Der ständig propagierte Teamzusammenhalt durfte auch nicht ZU eng werden. Das war auch nicht gerne gesehen.
Work-Life-Balance
Die Stunden dürfen minutengenau aufgeschrieben werden. Sofern es keine Veranstaltung ist, die von Anfang an als Freizeit deklariert ist. Stunden sammeln und seine Urlaubstage verbessern geht nicht. Es darf auch immer nur ein halber Tag mit den Überstunden frei gemacht werden.
Vorgesetztenverhalten
Im direkten Arbeitskontakt mit dem Geschäftsführer habe ich das Führungsverhalten als stark auf persönliche Anerkennung und Machterhalt fokussiert erlebt. Abweichende Meinungen führten häufig zu Misstrauen oder persönlichen Konsequenzen. Kritik wurde selten inhaltlich aufgenommen, sondern schien emotionalisiert zu werden. Für mich wirkte der Umgang dadurch wenig rational und schwer vorhersehbar. Das Arbeitsklima war geprägt von Unsicherheit, Anpassungsdruck und der Sorge, unbeabsichtigt negativ aufzufallen. Zudem hatte ich wiederholt den Eindruck eines ausgeprägten Misstrauens gegenüber Mitarbeitenden. Entscheidungen, Rückfragen oder Hinweise wurden aus meiner Sicht schnell als illoyal oder problematisch interpretiert.
Interessante Aufgaben
Jeder Arbeitsplatz hat interessante Aufgaben, sofern man sich den richtigen ausgesucht hat.
Gleichberechtigung
In meiner Wahrnehmung werden die Fehler der männlichen Kollegen eher noch toleriert, als die der weiblichen Kolleginnen.
Umgang mit älteren Kollegen
Ich habe wenig Wertschätzung gegenüber allen Mitarbeitenden erlebt. Da sind auch die älteren Kollegen nicht ausgenommen, die sich aber nicht mehr so schnell in die gewünscht Form pressen lassen. Dies führt dann aus meiner Sicht zu einer permanenten Diskriminierung dieser Kollegen.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen habe ich als stark kontrollierend und wenig stabil erlebt. Während meiner Zeit im Unternehmen nahm ich eine hohe Fluktuation im Team wahr. Mitarbeitende wurden überproportional häufig gekündigt, was zu wenig Kontinuität im Arbeitsalltag führte.
Zudem wurde wiederholt kommuniziert, dass bestimmte Aufgabenbereiche durch KI-basierte Systeme ersetzt werden sollen. Das wirkt verunsichernd auf die betreffenden Mitarbeitenden und trägt zu einem Gefühl mangelnder Arbeitsplatzsicherheit bei.
Gestaltungsspielräume, Weiterentwicklung oder eigenständige Lernkurven scheinen mir nur in sehr begrenztem Rahmen vorgesehen.
Klassisches Mikromanagement.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Dieses Thema wurden m. M. nach selten kommuniziert oder berücksichtigt.
Gehalt/Benefits
Gehaltsanpassungen wurden meiner Wahrnehmung nach regelmäßig mit Verweis auf finanzielle Einschränkungen der Firma abgelehnt. Gleichzeitig bekam ich den Eindruck, dass Geldmittel für andere Ausgaben, wie teure Coachings oder Geschäftsreisen, bereitgestellt wurden. Gehaltsanpassungen gab es m. M. nach nur für die Mitarbeitenden, die sowieso schon besser als der Rest des Teams behandelt wurden.
Image
Das Unternehmen kommuniziert aus meiner Erfahrung ein stark familiäres Image und attraktive Karrierechancen. Dies entspricht jedoch nicht dem Arbeitsalltag. Mitarbeitende, die nicht dem inneren Kreis zugehörig waren, hatten aus meiner Sicht deutlich geringere Chancen an Entscheidungen beteiligt zu werden oder von den angeblichen Karriereangeboten zu profitieren. Für mich entstand dadurch massiv der Eindruck, dass die öffentlich propagierten Werte nur sehr begrenzt umgesetzt werden.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung wurde nur sehr selektiv angeboten und ist teilweise mit hohen Kosten verbunden. Außerdem ist mein Eindruck, dass fachliche Eignung nicht immer entscheidend für Karrierefortschritte war.