Unprofessionell organisiert - man lernt vor allem eins: Sich selbst zu helfen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Möglichkeit zum Remote-Work, die grundsätzlich etabliert war.
Teilweise fortschrittliche Strukturen (z. B. internationale Kolleg:innen, moderne Arbeitsweisen).
Betriebliche Altersvorsorge ab dem ersten Tag nutzbar.
Grundsätzlich positives Umweltbewusstsein durch bevorzugte Nutzung von Bahnreisen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
HR-Verhalten: wiederholte Eingriffe in private Angelegenheiten, respektloser Umgang, rechtlich fragwürdige Kündigungspraxis.
Fehlende Strukturen: keine klaren Prozesse, unzureichendes Onboarding, Aufgaben mussten selbst zusammengesucht werden.
Mangelnde Wertschätzung: Krankheitstage und Urlaub wurden negativ ausgelegt, Vorwürfe wie angeblicher Arbeitszeitbetrug trotz klarer Beweise.
Hohe Fluktuation: führt zu unzufriedenen Kund:innen und ständig wechselnden Ansprechpartnern.
Kaum Karrierechancen oder Weiterbildungen.
Verbesserungsvorschläge
HR-Struktur und Verhalten prüfen: Die Personalabteilung sollte dringend professioneller arbeiten. Kontrollierendes und einschüchterndes Verhalten gegenüber Mitarbeitenden ist unangebracht und schädigt das Betriebsklima massiv. Kündigungsprozesse müssen rechtlich korrekt und mit der notwendigen Sorgfalt erfolgen.
Klare Onboarding-Strukturen schaffen: Neue Mitarbeitende brauchen nachvollziehbare Aufgabenbereiche, Ansprechpartner und dokumentierte Prozesse. Improvisation und Aufgaben „auf gut Glück“ zusammensuchen zu müssen, ist weder effizient noch fair.
Transparente Kommunikation: Entscheidungen wie eine plötzliche Büropräsenzpflicht müssen nachvollziehbar kommuniziert werden. Gleichzeitig sollte Wert darauf gelegt werden, dass Mitarbeitende in ihren Rollen gestärkt werden, statt ihnen ständig Vorwürfe zu machen.
Fluktuation reduzieren: Eine nachhaltige Mitarbeiterbindung durch Weiterbildung, echte Karriereperspektiven und respektvollen Umgang ist dringend notwendig.
Arbeitsatmosphäre
Die Stimmung im Team war oberflächlich locker, zeigte jedoch schnell Brüche, sobald interne Themen wie die IT zur Sprache kamen. Bereits bei meinem ersten Teamevent erlebte ich, dass im größeren Kreis massiv über die IT-Abteilung gelästert wurde – bis hin zu Spekulationen über Entlassungen. Das vermittelte wenig Professionalität und Vertrauen.
Der Zusammenhalt war teils vorhanden: Mit einigen Kolleg:innen bestand ein guter Austausch, mit anderen jedoch kaum bis gar nicht. Eine echte Willkommenskultur für neue Mitarbeitende konnte ich nicht feststellen – das Onboarding war unstrukturiert, die Unterbringung in sehr einfachen Hotels eher ernüchternd. Der Start wirkte kühl und distanziert.
Die Kommunikation im Alltag war chaotisch und intransparent. Oft wurden Informationen nur über Flurfunk weitergegeben. Auf Rückfragen folgten meist langwierige Meetings ohne klare Ergebnisse.
Positiv hervorzuheben ist, dass der Geschäftsführer selbst respektvoll und kompetent wirkte. Allerdings wurde dieser Eindruck durch das Verhalten von HR relativiert, die sich stark in operative Themen einmischte und teils Kontrolle statt Unterstützung vermittelte. Insgesamt fehlten klare Strukturen und Anspre
Image
Zum Image kann ich nur eingeschränkt etwas sagen. Auffällig war jedoch, dass viele Kund:innen ihre Unzufriedenheit äußerten, weil die Fluktuation unter den Mitarbeitenden extrem hoch ist. Dadurch wechselten Ansprechpartner häufig, ohne dass die Kund:innen transparent informiert wurden, wer nun zuständig ist. Dieses wiederkehrende Feedback spricht für ein eher problematisches Außenbild des Unternehmens.
Work-Life-Balance
Zur Work-Life-Balance kann ich nur eingeschränkt etwas sagen, da meine Tätigkeit vollständig remote war und ich meine Arbeitszeiten selbst flexibel gestalten konnte. Für mich persönlich ergab sich dadurch eine ausgewogene Balance, die allerdings eher meiner eigenen Organisation als klaren Unternehmensregelungen geschuldet war.
Karriere/Weiterbildung
Von Karriere- oder Weiterbildungsmöglichkeiten habe ich während meiner Zeit nichts wahrgenommen. Auch von Kolleg:innen wurde mir mehrfach bestätigt, dass es in dieser Firma kaum Entwicklungschancen gibt. Wer einmal eingestellt ist, bleibt häufig lange auf derselben Position – nicht, weil er zufrieden ist, sondern weil interne Förderung und Weiterbildungsangebote so gut wie nicht existieren. Strukturelle Unterstützung oder eine klare Entwicklungsperspektive gab es nicht.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt war für die Branche und Aufgabenstellung durchschnittlich. Es wurde mir ein Bonus von 40 € pro abgeschlossenem Kundenvertrag in Aussicht gestellt. Da meine Beschäftigung weniger als drei Monate andauerte, konnte ich diesen Bonus nicht selbst in Anspruch nehmen. Ansonsten gab es als Benefit die Möglichkeit einer betrieblichen Altersvorsorge, die bereits ab dem ersten Tag genutzt werden konnte. Weitere nennenswerte Zusatzleistungen habe ich nicht wahrgenommen. Insgesamt also sehr überschaubar und wenig attraktiv im Vergleich zu anderen Arbeitgebern.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Im Bereich Umweltbewusstsein habe ich grundsätzlich einen positiven Eindruck gewonnen. Viele Mitarbeitende arbeiteten remote, was automatisch zu weniger Pendelverkehr führte. Dienstreisen wurden in der Regel mit der Deutschen Bahn unternommen, was ich als umweltfreundlich und zeitgemäß empfand. Lediglich Vertriebsmitarbeitende, die größere Kunden vor Ort betreuten, nutzten das Auto – was in diesem Kontext nachvollziehbar ist. Ein klarer Rückschritt war jedoch die plötzliche Einführung der Büropräsenzpflicht für Mitarbeitende aus der Berliner Umgebung. Diese Maßnahme führte nicht nur zu organisatorischen Problemen, sondern auch zu zusätzlichem, unnötigem Pendelverkehr.
Beim Sozialbewusstsein zeigte sich ein anderes Bild: Zwar wurde ab dem ersten Arbeitstag die Möglichkeit einer betrieblichen Altersvorsorge angeboten, was grundsätzlich positiv hervorzuheben ist. Darüber hinaus habe ich jedoch wenig bis keine Maßnahmen wahrgenommen, die den Mitarbeitenden zugutekamen. Im Gegenteil: Gerade im Umgang mit arbeitsrechtlichen Fragen zeigte HR Verhalten, das rechtlich höchst fragwürdig war – etwa durch den Versuch, Kündigungsfristen während der Probezeit eigenmächtig zu verkürzen.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt war stark von der jeweiligen Abteilung abhängig und wirkte insgesamt zersplittert. Besonders auffällig war die Distanz zwischen Vertrieb und IT: beide Bereiche agierten nahezu wie zwei eigenständige Firmen. Ein Austausch fand kaum statt.
Bei internen Veranstaltungen, wie z. B. einem Firmenfrühstück oder einem Ausflug, fiel mir auf, dass im Vertrieb sehr offen und abwertend über die IT gesprochen wurde. Dort wurde den Kolleg:innen mangelnde Kompetenz und fehlende Kommunikation vorgeworfen. Gleichzeitig schilderten mir Mitarbeitende aus der IT das genaue Gegenteil: Sie seien chronisch überlastet, da ihnen von Vertrieb und Geschäftsführung regelmäßig kurzfristig neue Anforderungen übergeben würden, ohne vorherige Abstimmung.
Dieses Gegeneinander führte zu einem spürbaren Misstrauen zwischen den Abteilungen und beeinträchtigte den Gesamteindruck der Zusammenarbeit erheblich.
Umgang mit älteren Kollegen
Hier zeigt sich ein gemischtes Bild. Als eine der jüngsten Mitarbeitenden im Team hatte ich von Beginn an das Gefühl, eher als „Eindringling“ wahrgenommen zu werden. Moderne Ansätze, wie z. B. die Nutzung von LinkedIn, wurden von HR nicht nur abgelehnt, sondern aktiv kritisiert – mit der Begründung, dies gehöre nicht zum Aufgabenbereich. Dabei handelte es sich jedoch um einen erneuten Versuch von HR, Einfluss auf privat-persönliche Handlungen zu nehmen. Dieses Verhalten empfand ich als unangemessen, blockierend und rückwärtsgewandt, da zeitgemäße Methoden von vornherein abgewertet wurden.
Vorgesetztenverhalten
Während meine direkte Führungskraft respektvoll und fachlich kompetent auftrat, wurde dieses Bild durch das Verhalten einer HR-Mitarbeiterin massiv zerstört. HR überschritt deutlich ihre eigentliche Rolle, nutzte ihre Position zur Kontrolle und griff auf fragwürdige Weise in Prozesse ein.
Mir wurde mehrfach grundlos Arbeitszeitbetrug unterstellt – erst durch Nachweise konnte ich diesen Vorwurf widerlegen. Kurz darauf folgte die Kündigung, ausgesprochen mit einer gesetzlich falschen Frist, die erst durch anwaltliches Einschreiten korrigiert werden musste.
Auch grundlegende administrative Abläufe wurden grob missachtet: meine rechtzeitig gemeldete Adressänderung wurde ignoriert, die Kündigung lediglich per PDF verschickt und Krankheitstage bzw. Urlaub mir vorgehalten – verbunden mit der Bemerkung, ich hätte diese nicht verdient.
Insgesamt wirkte HR weniger als Unterstützung, sondern als inoffizielle Kontrollinstanz, die Führungskräfte untergräbt, willkürlich handelt und rechtliche Vorgaben ignoriert. Dieses Verhalten ist nicht nur unprofessionell, sondern wirft ernsthafte Zweifel an der Eignung für eine solche Position auf.
Arbeitsbedingungen
Grundsätzlich ist hervorzuheben, dass das Unternehmen bereits lange vor der Pandemie auf Remote-Arbeit setzte. Viele Mitarbeitende arbeiteten erfolgreich aus dem Ausland (z. B. Polen oder Tschechien), was ich als fortschrittlich und positiv empfand.
Allerdings wurde wenige Wochen nach meinem Start eine Rundmail an alle verschickt, in der plötzlich eine Büropräsenzpflicht von drei Tagen pro Woche für Mitarbeitende im Umkreis von Berlin eingeführt wurde. Diese Entscheidung wirkte für mich in mehrfacher Hinsicht unverständlich: Zum einen war kein nachvollziehbarer Grund kommuniziert worden, warum diese Regel eingeführt wurde. Zum anderen war die Umsetzung logistisch kaum machbar, da ein Großteil der Büroräume bereits an andere Firmen vermietet war. Realistisch standen lediglich einige Meetingräume zur Verfügung – ein Setting, das für Mitarbeitende im Vertrieb oder bei Demos völlig ungeeignet ist.
Kommunikation
Die interne Kommunikation war kaum vorhanden und meist unstrukturiert. Ein regelmäßiger fachlicher Austausch mit dem Geschäftsführer fand nicht statt, abgesehen von kurzen Momenten im Weekly Meeting. Auffällig war stattdessen, dass sich HR wiederholt als inoffizielle Kontrollinstanz präsentierte. Mir wurde von HR sogar mitgeteilt, dass sie meine Arbeit überwache und dass es „zu spät“ sei, wenn der Geschäftsführer sich einschalte – eine ungewöhnliche und aus meiner Sicht unprofessionelle Rollenauffassung, da dies nicht in den Aufgabenbereich von HR fällt. Auf Nachfrage erhielt ich keinerlei Transparenz darüber, welche Kriterien oder Prozesse dabei überhaupt zugrunde lagen.
Die Kommunikation zwischen Kolleg:innen gestaltete sich ähnlich problematisch. Eine schnelle, präzise Beantwortung von Fragen (z. B. per Teams oder E-Mail) war praktisch nicht möglich. Stattdessen führte nahezu jede Rückfrage direkt zu Telefonaten oder Calls, die regelmäßig mehrere Stunden dauerten und inhaltlich überwiegend in belanglosen Kaffeeklatsch-Themen endeten. Dies erschwerte die Produktivität erheblich und führte dazu, dass ich die meisten Fragen eigenständig – teils über externe Recherchen - beantworte
Gleichberechtigung
In Bezug auf Gleichberechtigung habe ich keine negativen Erfahrungen gemacht. Die Geschäftsführung besteht zwar aus zwei Männern, aber eine Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts konnte ich nicht feststellen. Auch in Bezug auf Vielfalt gab es keine direkten Benachteiligungen, die mir aufgefallen wären.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben waren größtenteils wiederkehrend und wenig abwechslungsreich. Eine strukturierte Einarbeitung gab es nicht; ich musste mir Tätigkeiten überwiegend selbst zusammensuchen – häufig aus liegengebliebenen Unterlagen meiner Vorgängerin.
Als ich diese lediglich über LinkedIn kontaktierte, um bei Gelegenheit einmal Fragen stellen zu können (ohne dass ein Gespräch überhaupt stattgefunden hatte), wurde ich in einem Meeting von HR massiv angegangen. Dabei wurde mir in übergriffigem Ton nahegelegt, solche Kontakte vorher abzuklären – ein Verhalten, das klar einem Einschüchterungsversuch gleichkam. Im selben Zusammenhang stellte HR auch in Frage, ob die Position überhaupt zu mir passe.
Dieses Vorgehen wirft ein äußerst negatives Licht auf den Umgang des Unternehmens mit Eigeninitiative und Professionalität und war für mich der Punkt, an dem innerlich feststand: Dieser Job ist nichts für mich.