Der Schein trügt
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist grundsätzlich angenehm, solange man sich an die Vorgaben der Vorgesetzten hält. Eigeninitiative, kritisches Hinterfragen oder das Einbringen eigener Ideen scheinen hingegen weniger erwünscht zu sein. Nach außen wird zwar ein anderes Bild von Offenheit und Eigenverantwortung vermittelt, die tatsächliche Unternehmenskultur weicht davon jedoch teilweise deutlich ab.
Image
Das Unternehmen legt aus meiner Sicht großen Wert auf seine Außendarstellung und investiert entsprechend viel in das eigene Image. Allerdings habe ich teilweise eine deutliche Diskrepanz zwischen der öffentlichen Darstellung und der tatsächlichen Arbeitsrealität wahrgenommen. Nach außen werden bestimmte Werte und Strukturen vermittelt, die im Arbeitsalltag aus meiner Sicht nicht immer entsprechend gelebt werden. Dadurch entsteht teilweise der Eindruck, dass das Image wichtiger ist als die tatsächliche Umsetzung dieser Werte im Unternehmen.
Work-Life-Balance
Grundsätzlich bietet das Unternehmen durch die Gleitzeit eine gute Grundlage für eine flexible Work-Life-Balance. In der gelebten Unternehmenskultur scheint diese Flexibilität jedoch nicht von allen Kolleginnen und Kollegen gleichermaßen akzeptiert zu werden. Insbesondere von einigen älteren Kollegen wird teilweise die Erwartung vermittelt, dass man möglichst früh morgens erscheinen und bis in den Abend hinein bleiben sollte.
Wer beispielsweise aufgrund eines Arzttermins später kommt oder seinen Arbeitstag entsprechend früher beendet, muss sich teilweise mit skeptischen Blicken oder passiv-aggressiven Kommentaren wie „Mahlzeit“ am Vormittag auseinandersetzen. Dadurch entsteht trotz vorhandener Gleitzeitregelung ein gewisser sozialer Druck, sich an traditionelle Arbeitszeiten anzupassen. Hier wäre aus meiner Sicht ein modernerer und ergebnisorientierterer Umgang mit flexiblen Arbeitszeiten wünschenswert.
Karriere/Weiterbildung
Es wird viel versprochen. Kaum bis nichts umgesetzt.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt empfinge ich als unterdurchschnittlich. Benefits gibt es kaum.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt ist unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt viele hilfsbereite und unterstützende Kolleginnen und Kollegen, auf die man sich im Arbeitsalltag verlassen kann. Gleichzeitig gibt es jedoch auch Situationen, in denen nicht offen kommuniziert wird und teilweise eher gegeneinander als miteinander gearbeitet wird. Insgesamt hängt der Zusammenhalt daher stark von den jeweiligen Personen und Teams ab.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang miteinander ist aus meiner Sicht nicht immer von gegenseitigem Respekt geprägt. Insbesondere von einzelnen älteren Kollegen habe ich wiederholt ein Verhalten gegenüber jüngeren Mitarbeitenden erlebt, das ich als unangemessen und teilweise respektlos empfunden habe. Auffällig ist dabei, dass ein solches Verhalten aus meiner Wahrnehmung nicht immer konsequent angesprochen oder hinterfragt wird. Hier würde ich mir von den Vorgesetzten einen einheitlichen Maßstab und ein konsequenteres Eingreifen wünschen – unabhängig von Alter, Position oder Betriebszugehörigkeit.
Vorgesetztenverhalten
Das Vorgesetztenverhalten habe ich persönlich als sehr schwierig und belastend wahrgenommen. Entscheidungen und Meinungen einzelner Führungskräfte werden aus meiner Sicht teilweise stark von persönlichen Präferenzen geprägt, während ein offener und ehrlicher Austausch darüber nicht immer möglich erscheint. Dass Mitarbeitende ihre tatsächliche Meinung teilweise nicht offen äußern, um mögliche negative Konsequenzen zu vermeiden, spricht aus meiner Sicht nicht für eine wirklich offene Führungskultur.
Im Umgang mit Mitarbeitenden habe ich zudem wiederholt eine hierarchische und teilweise herablassend wirkende Kommunikation wahrgenommen. Ein respektvoller Umgang auf Augenhöhe sollte meines Erachtens unabhängig von Position, Alter oder Geschlecht selbstverständlich sein.
Arbeitsbedingungen
Offiziell werden keine Überstunden erwartet und durch die Gleitzeit besteht grundsätzlich die Möglichkeit, die Arbeitszeit flexibel zu gestalten. In der gelebten Arbeitskultur habe ich jedoch teilweise einen deutlichen Widerspruch dazu wahrgenommen. Insbesondere von einzelnen älteren Kollegen wurden Aussagen vermittelt wie „Ein Projekt steht vor der wöchentlichen Arbeitszeit“ oder „Wenn man 60 Stunden in der Woche arbeiten muss, dann muss man das tun“. Solche Aussagen erzeugen aus meiner Sicht unnötigen Druck und vermitteln, dass Mehrarbeit bei Bedarf selbstverständlich erwartet wird. Hier würde ich mir eine klarere und konsequentere Haltung des Unternehmens zu Arbeitszeiten und Überstunden wünschen. Überstunden werden nicht ausgezahlt!
Kommunikation
Die Kommunikation innerhalb des Unternehmens ist aus meiner Sicht ausbaufähig. Informationen werden teilweise verspätet, unvollständig oder nur auf Nachfrage weitergegeben. Entscheidungen und Veränderungen werden nicht immer transparent kommuniziert, wodurch unnötige Unsicherheiten entstehen. Grundsätzlich wird zwar Wert auf offene Kommunikation gelegt, in der Praxis fehlt es jedoch teilweise an Transparenz und einem verlässlichen Informationsfluss.
Gleichberechtigung
Beim Thema Gleichberechtigung habe ich teilweise ein ambivalentes Bild erlebt. Nach meiner Wahrnehmung gab es zumindest in der Vergangenheit Unterschiede bei der Vergütung bzw. beim Einstiegsgehalt von Frauen und Männern. Ob dies mittlerweile geändert wurde, kann ich nicht beurteilen.
Besonders kritisch empfinde ich jedoch den Umgang mit Mitarbeiterinnen im Zusammenhang mit Personalabbau. Es entstand bei mir der Eindruck, dass bei Kündigungsentscheidungen Frauen im gebärfähigen Alter teilweise besonders frühzeitig berücksichtigt bzw. als potenziell „größeres Risiko“ betrachtet werden. Da sich solche Entscheidungen von außen nur schwer eindeutig beurteilen lassen, möchte ich dies bewusst als meine persönliche Wahrnehmung und Erfahrung formulieren. Hier würde ich mir deutlich mehr Transparenz und eine nachweislich geschlechtsunabhängige Personalpolitik wünschen.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben waren aus meiner Sicht sehr unterschiedlich und stark von den jeweiligen Projekten abhängig. Es gab Phasen, in denen ich die Tätigkeiten als abwechslungsreich und interessant empfunden habe, während andere Aufgaben weniger motivierend oder herausfordernd waren. Insgesamt würde ich die Aufgaben daher als durchwachsen und stark abhängig vom jeweiligen Projekt und persönlichen Interessen bewerten.

