Abwärtsspirale aus Fluktuation, Eskalation und hohen Kosten
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Aufgaben in den einzelnen Fachbereichen waren grundsätzlich anspruchsvoll und boten die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und eigene Erfahrung einzubringen. Besonders die Zusammenarbeit mit engagierten Kolleg:innen habe ich geschätzt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Was mich während meiner Zeit im Unternehmen zunehmend beschäftigt hat, war die Entwicklung der Mitarbeiterfluktuation. Schon als ich angefangen habe, war die Fluktuation aus meiner Wahrnehmung sehr hoch. Statt sich im Laufe der Zeit zu beruhigen, hat sie sich jedoch weiter beschleunigt. Dabei geht es ausdrücklich nicht nur um Mitarbeitende, die das Unternehmen freiwillig verlassen. Neben zahlreichen Eigenkündigungen habe ich immer wieder Trennungen erlebt, die vom Unternehmen ausgingen und für mich teilweise nicht im Verhältnis zur bisherigen Leistung des Mitarbeitenden oder zur tatsächlichen betrieblichen Situation standen.
Besonders kritisch empfand ich den Umgang mit Konflikten und personellen Trennungen. Mein Eindruck war zunehmend, dass nicht ernsthaft versucht wurde, eine vernünftige und friedliche Lösung auf menschlicher Ebene zu finden. Stattdessen erlebte ich teilweise Maßnahmen, die ich als Schikanen empfand und die aus meiner Sicht darauf hinausliefen, Mitarbeitende zum freiwilligen Gehen zu bewegen. Wenn dies nicht zum gewünschten Ergebnis führte, wurden Konflikte anschließend auf eine rechtliche Ebene verlagert und weiter eskaliert.
Besonders auffällig war für mich, dass außerordentliche Kündigungen nach meiner Wahrnehmung inzwischen nicht mehr wie absolute Ausnahmefälle wirkten. Innerhalb von nur acht Monaten sind mir drei entsprechende Fälle bekannt geworden. Die Konstellationen waren unterschiedlich, unter anderem betraf dies einen Fall, in dem einer Person nach Eigenkündigung eine außerordentliche Kündigung ausgesprochen wurde, sowie einen Fall, bei dem sich eine zunächst betriebsbedingte Trennung nach der Ablehnung eines angebotenen Abwicklungsvertrags durch eine nachfolgende außerordentliche Kündigung weiter eskalierte.
Die Auswirkungen beschränken sich aus meiner Sicht dabei nicht auf die unmittelbar Betroffenen. Solche Vorgänge werden auch von den Kolleg:innen wahrgenommen und beeinflussen Vertrauen und Sicherheitsgefühl. Gleichzeitig entstehen dadurch erhebliche Kosten, beispielsweise durch externe rechtliche Beratung, arbeitsrechtliche Verfahren, Abfindungen und die anschließende personelle Neuaufstellung.
Die hohe Fluktuation führte außerdem zu einem Verlust von Wissen und Erfahrung. Übergaben wurden schwieriger und die verbleibenden Mitarbeitenden mussten zusätzliche Aufgaben auffangen. Ich habe zahlreiche Wechsel abteilungsübergreifend erlebt, unter anderem in HR, Einkauf, Key Account Management und Qualitätsmanagement.
Auch in der Produktion habe ich eine zunehmend dünne Personaldecke und einen verstärkten Einsatz von Leiharbeit wahrgenommen. Aus meiner Sicht kann dies dazu führen, dass weniger erfahrene bzw. nicht ausreichend eingearbeitete Mitarbeitende eingesetzt werden. Dadurch kann das Fehlerpotenzial steigen und sich letztlich auch auf Qualität und Kundenzufriedenheit auswirken.
Dass der Betriebsrat standortübergreifend mehrfach neu gewählt werden musste und dies aus meiner Wahrnehmung auch mit den zahlreichen personellen Abgängen zusammenhing, war für mich ein weiteres deutliches Zeichen dieser Entwicklung.
Auch die geschäftliche Entwicklung hat mich zunehmend beschäftigt. Aus meiner Sicht hat sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren immer stärker aus einzelnen Geschäftsbereichen und Strukturen zurückgezogen. Die Marke wurde verkauft, das Washgeschäft zur Muttergesellschaft verlagert und ein Standort geschlossen. Gleichzeitig wurden weitere Veränderungen angestoßen. Für mich verstärkt das den Eindruck, dass sich der Rückzug aus bestehenden Strukturen weiter fortsetzt.
Parallel haben sich verschiedene operative und fachliche Bereiche deutlich verkleinert, unter anderem Produktmanagement, Produktion, Controlling und Vertriebsinnendienst. Gleichzeitig hatte ich bei der Führungsebene nicht den Eindruck einer vergleichbaren Reduzierung. Ein konkretes Beispiel ist das Controlling: Bis etwa April 2024 war die Controllingleitung für rund 3,5 Mitarbeitende verantwortlich. Heute umfasst das Team unter der aktuellen Leitung nur noch eine Mitarbeitende. Der Bereich Key Account Management hat sich aus meiner Wahrnehmung dagegen eher vergrößert.
Für mich ergibt sich daraus ein widersprüchliches Bild: Auf der einen Seite werden operative und fachliche Strukturen reduziert und damit auch Erfahrung und Know-how abgebaut. Auf der anderen Seite werden Ressourcen eingesetzt, um neues Geschäft zu gewinnen. Aus meiner Sicht stellt sich dabei die Frage, ob die Auswirkungen des Personalabbaus auf Qualität, Abläufe und Kundenzufriedenheit ausreichend berücksichtigt werden.
Verbesserungsvorschläge
Aus meiner Sicht sollte stärker hinterfragt werden, warum so viele erfahrene Mitarbeitende gehen bzw. gehen müssen und welche strukturellen und führungsbezogenen Ursachen dahinterliegen.
Konflikte sollten zunächst auf menschlicher und lösungsorientierter Ebene angegangen werden, bevor sie auf eine rechtliche Ebene eskalieren. Gerade die Personalleitung sollte aus meiner Sicht stärker darauf achten, tragfähige Lösungen für beide Seiten zu finden.
Ebenso sollte bei Personalentscheidungen nicht nur betrachtet werden, wo kurzfristig Stellen eingespart werden können, sondern welche Auswirkungen der Abbau von Erfahrung und Fachwissen auf Qualität, Prozesse, Kundenbindung und letztlich auch auf die Kosten hat.
Auch der Umgang mit Kosten wirkte auf mich zunehmend widersprüchlich. Über Jahre hinweg wurden Einsparungen und regelmäßige Nullrunden kommuniziert. Gleichzeitig entstanden erhebliche Kosten durch Headhunter, Interimsbesetzungen, Abfindungen und arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen.
Aus meiner Sicht stellt sich daher die Frage, ob tatsächlich an den richtigen Stellen gespart wird und ob eine frühzeitige Suche nach vernünftigen Lösungen nicht häufig wirtschaftlicher wäre als eine spätere Eskalation.
Mein Eindruck war zunehmend, dass sich das „Jobkarussell“ auf Mitarbeiterebene immer schneller dreht, während die grundlegenden Führungs- und Strukturfragen weniger konsequent hinterfragt werden.
Weniger die Frage, welcher Mitarbeiter als Nächstes ersetzt werden muss, sollte im Mittelpunkt stehen, sondern vielmehr die Frage, warum so viele Mitarbeitende gehen bzw. gehen müssen. Nur wenn diese Ursachen konsequent hinterfragt werden, lässt sich aus meiner Sicht verhindern, dass sich die Abwärtsspirale weiter fortsetzt.
Kommunikation
Die Kommunikation mit den Mitarbeitenden habe ich als deutlichen Schwachpunkt erlebt. Aus meiner Sicht werden Mitarbeitende nur begrenzt in Prozesse und Entscheidungen einbezogen und häufig erst informiert, wenn Entscheidungen bereits getroffen wurden. Regelmäßige Gespräche finden zwar in vielen Bereichen statt, wirkten auf mich jedoch teilweise eher formal als wie ein echter Austausch. Auch die regelmäßigen Townhalls wirkten auf mich teilweise eher wie eine Pflichtveranstaltung als wie eine echte Information und Einbindung der Mitarbeitenden.
Kollegenzusammenhalt
Den Zusammenhalt unter den Kolleg:innen habe ich als etwas sehr Positives erlebt. Gerade in schwierigen Situationen haben sich viele gegenseitig unterstützt, sind füreinander eingesprungen und haben gemeinsam versucht, Lösungen zu finden. Die Hilfsbereitschaft und der Zusammenhalt untereinander waren für mich persönlich einer der größten Pluspunkte. Ich habe viele Kolleg:innen fachlich und menschlich sehr geschätzt und einige davon werde ich nach meiner Zeit im Unternehmen wirklich vermissen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Unternehmen arbeitet seit Jahren mit einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung zusammen. Im Rahmen eines Besuchs wurden Polo-Shirts mit Firmenlogo als Sachspende für die Mitarbeitenden überreicht. Die anschließende Darstellung auf LinkedIn als Ausdruck besonderer Wertschätzung und Zusammenarbeit fand ich allerdings bemerkenswert. Bei der gezeigten Sachspende habe ich mich gefragt, ob einige Firmen-Polo-Shirts tatsächlich eine angemessene Form dieser besonders hervorgehobenen Wertschätzung darstellen.