Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Grundgehalt kommt pünktlich. Dieser Punkt verdient Anerkennung und trägt diesen Abschnitt im Alleingang. Ich würde gerne weiterschreiben, aber damit ist meine persönliche Highlight-Führung beendet.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die aus meiner Sicht fehlende Wertschätzung, die geringe Präsenz von PDL und Einrichtungsleitung im Wohnbereich sowie die Personalverschiebungen zwischen den Häusern. Für mich entsteht dabei viel Bewegung, ohne dass ich eine überzeugende Lösung der Probleme erkenne. Die Probleme bekommen vor allem eine neue Adresse.
Hinzu kommen häufige Anfragen zum Einspringen oder Diensttausch – während der Arbeit und auch in meiner Freizeit. Mein Handy hat dadurch mehr Verbindung zum Dienstplan, als mir lieb ist.
Bei manchen Kollegen vermisse ich das direkte Gespräch. Nach meinem Eindruck erreichen persönliche Kleinigkeiten die Leitung schneller als die Zuschläge mein Konto. Letztere werden zwar im Folgemonat nachgezahlt, könnten sich beim Flurfunk aber durchaus etwas in Sachen Geschwindigkeit abschauen.
Verbesserungsvorschläge
Regelmäßig im Wohnbereich präsent sein, mit Mitarbeitenden vor einer Versetzung sprechen und Entscheidungen nachvollziehbar erklären. Eine Expedition vom Leitungsbüro in den Pflegealltag wäre ein guter Anfang. Ortskundige Begleitung ist vorhanden.
Das Mitarbeiterschach zwischen Haus 1 und Haus 2 überdenken. Ein Puzzle wird schließlich auch nicht dadurch fertig, dass man regelmäßig den Tisch schüttelt.
Freie Tage als Erholungszeit respektieren und Anfragen zum Einspringen reduzieren. Mein Sofa ist keine Außenstelle der Dienstplanung.
Wertschätzung im Alltag zeigen. Ein ehrliches „Danke“ darf gerne allein stehen, ohne dass direkt ein zusätzlicher Dienst daran befestigt wird.
Außerdem das Inventar schrittweise erneuern und Zuschläge zeitgerecht abrechnen. Möbel dürfen Geschichte haben – die Gehaltsabrechnung sollte möglichst keine Fortsetzungsgeschichte werden.
Arbeitsatmosphäre
Familiär trifft es durchaus. Ich denke dabei an eine Familienfeier, auf der jemand „Jetzt sagen wir uns endlich mal die Wahrheit“ ruft und plötzlich sechs Leute freiwillig den Müll rausbringen.
Die Wertschätzung durch die PDL empfinde ich als ausgesprochen dezent. So dezent, dass ich gelegentlich überlege, ob man sie mit einer Speziallampe sichtbar machen muss.
Ein ehrliches „Danke“ wäre schön. Ich verlange keinen roten Teppich im Wohnbereich – ein vollständiger Satz der Anerkennung würde reichen. Gerne ohne anschließendes „Kannst du dafür morgen einspringen?“.
Image
Begriffe wie „familiär“, „wertschätzend“ und „auf Augenhöhe“ klingen hervorragend. In meinem Arbeitsalltag erkenne ich mich darin allerdings nur begrenzt wieder.
Ich wünsche mir, dass diese Begriffe häufiger im Wohnbereich auftauchen – gerne in Begleitung der Leitung.
Verlässlichkeit ist grundsätzlich möglich. Die Gehaltsüberweisung führt es jeden Monat vor. Vielleicht könnte die Buchhaltung dazu einen Workshop anbieten.
Work-Life-Balance
Die Arbeit stellt den Dienstplan, das Privatleben bewirbt sich um einen Gastauftritt.
Auch in meiner Freizeit werde ich häufig gefragt oder angerufen, ob ich einspringen oder Dienste tauschen kann. Schön, dass man an mich denkt. Ich hätte allerdings nichts dagegen, gelegentlich so gründlich vergessen zu werden wie ein Verbesserungsvorschlag.
„Du hast doch morgen frei?“ Du hast doch bald Urlaub .klingt für mich inzwischen nach der Entdeckung eines Planungsfehlers, der umgehend behoben werden muss. Kaum sitzt man gemütlich auf dem Sofa, bewirbt sich ein Spätdienst um den Rest des Tages.
Auch während der Arbeit kommen entsprechende Anfragen. Man bewältigt gerade den aktuellen Dienst und darf nebenbei schon an der Fortsetzungsplanung mitwirken. Dienstplan-Tetris mit lebenden Bausteinen. Besonders praktisch: Die Steine gehen selbst ans Telefon.
Natürlich kann nicht jeder Wunsch erfüllt werden. Ich wünsche mir trotzdem verlässliche Planung und freie Tage, an denen „frei“ einfach frei bedeutet. Nichts vorzuhaben ist schließlich auch ein Plan.
Karriere/Weiterbildung
Mein Wunsch wäre eine berufliche Entwicklung mit erkennbarer Perspektive. Der Wechsel von Haus x nach Haus Y erweitert zwar die Ortskenntnisse, ersetzt für mich aber keinen Entwicklungsplan.
Über konkrete Fortbildungsangebote und Gespräche zu meinen beruflichen Zielen würde ich mich freuen. Die Karriereleiter sollte schließlich mehr ermöglichen als einen besseren Blick auf den nächsten Dienstplan.
Gehalt/Benefits
Das Grundgehalt kommt pünktlich. Damit wären meine persönlichen Highlights auch schon besprochen.
Die Zuschläge nutzen gelegentlich Gleitzeit und werden erst im Folgemonat nachgezahlt. Andere Serien haben einen Cliffhanger, hier hat ihn die Gehaltsabrechnung.
Die pünktliche Grundgehaltszahlung verdient ausdrücklich Anerkennung. Sie trägt diesen Abschnitt praktisch im Alleingang. Wenn es dafür eine Zulage gäbe, käme die vermutlich nächsten Monat.
Mein persönliches Wunsch-Benefit wäre, nach Dienstschluss auch gedanklich Feierabend zu haben. Dafür würde ich sogar auf einen Rabattcode verzichten.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Beim sozialen Umgang mit den Mitarbeitenden wünsche ich mir vor allem mehr Rücksicht auf Erholung und persönliche Grenzen. Ein freier Tag ist schließlich eine Gelegenheit, Kraft zu tanken.
Auch Wertschätzung wäre eine ressourcenschonende Investition: Ein ehrliches Dankeschön benötigt weder Strom noch einen Beschaffungsantrag. Trotzdem fühlt es sich für mich gelegentlich so an, als müssten dafür erst drei Kostenvoranschläge eingeholt werden.
Das Umweltengagement kann ich anhand meiner Erfahrungen nicht ausreichend beurteilen.
Kollegenzusammenhalt
Es gibt Kollegen, mit denen ein Blick genügt, um sich zu verstehen. Bei anderen würde ich inzwischen selbst „Heute regnet es“ vorsichtig formulieren. Nicht, dass fünf Minuten später bei der PDL ankommt: „Er äußert sich schon wieder negativ über das Betriebsklima.“
Vorne ein freundliches „Du kannst mir alles erzählen“, hinten gefühlt schon die Rückfrage: „Soll ich die Leitung direkt dazuschalten?“.
Mein Eindruck: Manche Bemerkungen erreichen die PDL schneller als die Zuschläge mein Konto – gelegentlich inklusive einer Interpretation, die ich beim Sprechen selbst noch nicht kannte.
Wer wegen jeder persönlichen Kleinigkeit zur Leitung sprintet, könnte wenigstens auf dem Rückweg Material mitbringen. Dann hätte die Tour einen praktischen Nutzen. Echte Probleme gehören angesprochen; gewöhnliche Unstimmigkeiten würde ich gerne direkt mit den betreffenden Kollegen klären.
Umgang mit älteren Kollegen
Langjährige Erfahrung verdient Anerkennung und Rücksicht. Ein Dienstjubiläum sollte schließlich mehr bedeuten als: „Wie schön, dass Sie seit zwanzig Jahren hier sind – dann wissen Sie ja, wie man einspringt.“
Mein Wunsch: Erfahrung würdigen, persönliche Belastungsgrenzen respektieren und regelmäßig Danke sagen. Berufserfahrung ist ein wertvoller Schatz, keine unbegrenzte Energiereserve.
Vorgesetztenverhalten
„Führung auf Augenhöhe“ empfinde ich bislang eher als Bauvorhaben. Die Leiter scheint noch im Genehmigungsverfahren zu sein.
PDL und Einrichtungsleitung bekomme ich im Wohnbereich nach meinem Eindruck so selten zu Gesicht, dass „Führung auf Distanz“ eine ganz eigene Bedeutung erhält. Die Anweisungen finden den Weg jedenfalls zuverlässiger als ihre Absender.
Vielleicht könnte man den regelmäßigen Mitarbeitertausch erweitern: PDL in Wohnbereich 1, Einrichtungsleitung in Wohnbereich 2. Einfach zum Kennenlernen der örtlichen Gegebenheiten. Ortskundige Mitarbeitende für eine Führung wären vorhanden.
Apropos Mitarbeitertausch: Der eine geht in Haus 2, die andere in Haus 1 und anschließend wieder umgekehrt. Für mich wirkt das wie der Versuch, ein Puzzle zu lösen, indem man regelmäßig den Tisch schüttelt. Bewegung ist reichlich vorhanden. Das passende Gesamtbild lässt trotzdem auf sich warten.
Mein Eindruck: Der große Plan geht wohl nicht so richtig auf. Wenn man dieselben Probleme von Haus 1 nach Haus 2 trägt, haben sie anschließend vor allem eine neue Adresse.
Ich wünsche mir Gespräche vor solchen Entscheidungen, nachvollziehbare Begründungen und mehr Anerkennung für die tägliche Arbeit.
Arbeitsbedingungen
Das Inventar strahlt Beständigkeit aus. Manche Möbel wirken, als könnten sie in der Teamsitzung jederzeit sagen: „Das haben wir 1985 schon versucht.“
Eine Erneuerung wäre schön. Alternativ könnte man Führungen anbieten: „Links sehen Sie einen Schrank aus der Epoche, in der er zuletzt als modern bezeichnet wurde.“
Irgendwann darf auch ein Möbelstück in Rente gehen, ohne erst selbst einen Nachfolger organisieren zu müssen. Eine schrittweise Modernisierung würde den Arbeitsalltag und die Umgebung aufwerten.
Kommunikation
„Bitte haben Sie Verständnis“ ist als gelegentlicher Satz völlig in Ordnung. Als vollständiges Kommunikationskonzept finde ich es etwas dünn.
Auch das berühmte offene Ohr überzeugt mich allein nicht. Ein Briefkasten hat ebenfalls eine Öffnung. Entscheidend wäre für mich, dass auf ein Anliegen ein nachvollziehbares Gespräch und gegebenenfalls eine Veränderung folgen.
Ich wünsche mir eine Kommunikation, für deren Verarbeitung ich anschließend keinen kompletten Feierabend benötige. Ein Gespräch mit einem klaren Ergebnis wäre bereits ein Pilotprojekt, das ich ausdrücklich unterstützen würde.
Gleichberechtigung
Respekt, Mitsprache und nachvollziehbare Entscheidungen sollten für alle selbstverständlich sein. Meine Wunschvorstellung: Die Meinung eines Mitarbeiters wird genauso aufmerksam aufgenommen wie seine Bereitschaft, kurzfristig einzuspringen. Beim zweiten Punkt klappt das Interesse schließlich ausgesprochen gut.
Interessante Aufgaben
Für zusätzliche Abwechslung sorgen aus meiner Sicht bereits die organisatorischen Fragen: In welchem Haus werde ich eingesetzt? Welcher Dienst soll getauscht werden? Und wie erkläre ich, dass mein freier Tag bereits mit Freizeit belegt ist?
Dieses Begleitprogramm nimmt für meinen Geschmack zu viel Raum ein. Ich würde meine Aufmerksamkeit lieber auf meine eigentlichen pflegerischen Aufgaben richten.