Ein Unternehmen, das sich selbst im Weg steht
Gut am Arbeitgeber finde ich
Trotz aller Kritikpunkte: Die Kollegen und die Vielfalt der Projekte sind echte Pluspunkte, die man nicht kleinreden sollte
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Führungskultur ist der größte Schwachpunkt. Micromanagement, fehlende Transparenz und eine ungleiche Behandlung der Mitarbeiter bremsen das Unternehmen mehr aus als jeder externe Faktor
Verbesserungsvorschläge
Weniger Micromanagement, mehr Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter, offene Kommunikation auf allen Ebenen und eine faire, leistungsgerechte Vergütung würden das Unternehmen deutlich nach vorne bringen
Arbeitsatmosphäre
Das Bürogebäude ist konservativ geplant und wirkt entsprechend. Ein langer Gang, links und rechts Büros für drei bis vier Personen, sachlich, kalt, wenig einladend. Ein Atrium für Veranstaltungen gibt es zwar, es steht aber meist leer. Wärme und Atmosphäre entstehen nur dort, wo Mitarbeiter selbst die Initiative ergreifen. Dass es nach dem Einzug ins neue Gebäude fast fünf Jahre gedauert hat, bis Bilder an den Wänden hingen, ist kein Zufall, sondern symptomatisch für die schleppenden Entscheidungswege und das allgegenwärtige Micromanagement. Ein kleines Detail mit großer Aussagekraft.
Image
Das Image des Unternehmens wirkt nach außen hin etwas angestaubt. Kunden sprechen die vergleichsweise hohen Preise offen an, manchmal mit einem Schmunzeln. Intern bremst die schleppende Einführung neuer Technologien und Workflows den Arbeitsalltag spürbar aus. Das Micromanagement des Bereichsleiters sorgt zusätzlich für interne Spannungen und kostet letztlich Entwicklungszeit, was sich direkt auf den Umsatz auswirkt.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance ist insgesamt in Ordnung. Private Termine lassen sich gut einplanen, und spontane freie Tage für die Kinderbetreuung sind kein Problem. Allerdings wird die Gleitzeitregelung nicht für alle Mitarbeiter gleich gehandhabt, was für Unmut sorgt. Stressphasen entstehen zudem regelmäßig durch mangelhaft geplante Projekte.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung ist ein zweischneidiges Thema. In Auftragsflauten wird häufig auf autodidaktisches Lernen gesetzt, die Mitarbeiter sind dabei weitgehend auf sich allein gestellt. Professionelle Schulungen gibt es zwar, aber eher sporadisch und nicht für jeden. Wer teilnehmen darf und wer nicht, wirkt wenig transparent. Ähnlich verhält es sich mit Konferenzen, es wird zwar kommuniziert, dass jeder Mitarbeiter sich bei Bedarf melden kann. Aber auch hier bleibt der Zugang nur bestimmten Mitarbeitern vorbehalten. Wer gezielt in seine Weiterentwicklung investieren möchte, muss hier viel Eigeninitiative mitbringen und etwas Glück haben.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt kommt verlässlich und pünktlich. An Benefits gibt es einiges: Jobrad, Mitarbeiterrabatte, Fitness, Gleitzeit, mobiles Arbeiten und mittlerweile auch eine betriebliche Altersvorsorge, wobei letztere nur das Minimum abdeckt. Offizielle Events wie Sommerfest, Familienfest und Weihnachtsfeier werden regelmäßig organisiert, mal besser, mal schlechter. Inoffizielle Treffen unter Kollegen sind dagegen kaum noch ein Thema. Das Weihnachtsgeld fällt überschaubar aus, Urlaubsgeld oder andere monetäre Boni gibt es nicht. Bei der Vergütung wäre noch Luft nach oben, besonders was die Leistungsgerechtigkeit angeht.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Im Bereich Umwelt wird das Nötigste getan: Mülltrennung und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Mehr passiert nicht, fairer Handel spielt keine Rolle, beim Einkauf zählt der Preis. Auch beim Kaffee wird gespart, er ist aber kostenlos verfügbar. Wasser und einen Obstkorb gibt es ebenfalls. Auf der sozialen Seite ist die Möglichkeit zur Workation ein echter Pluspunkt. Was hingegen seit Jahren ein Dauerthema ist und bleibt: die Vergütung. Die meisten Kollegen empfinden ihre Bezahlung als nicht leistungsgerecht.
Kollegenzusammenhalt
Was das Team ausmacht, sind die Menschen. Der kollegiale Zusammenhalt ist ein echtes Highlight: gemeinsames Mittagessen und Teamevents sind keine Pflichtveranstaltungen, sondern werden wirklich gelebt und genossen. Der neu eingeführte Teamtag hat sich als besonders wertvolle Maßnahme erwiesen. Er schafft Raum für echten Austausch und macht schlicht Spaß. Hier merkt man, dass die Kollegen gerne miteinander arbeiten.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit langjährigen Kollegen ist ein Punkt, der auffällt und nachdenklich stimmt. Wer dem Unternehmen jahrelang die Treue hält, wird intern kaum gewürdigt. Jubiläen werden mit dem geringstmöglichen Aufwand abgehandelt, während dasselbe Ereignis nach außen hin aufwendig inszeniert wird. Ein Punkt der mittlerweile zum running Gag unter Kollegen geworden ist. Diese Diskrepanz zwischen interner Wertschätzung und externer Selbstdarstellung ist schwer zu übersehen und sendet ein deutliches Signal darüber, wie viel die Loyalität der Mitarbeiter dem Unternehmen wirklich wert ist.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten der Vorgesetzten ist leider in mehreren Punkten verbesserungswürdig. Die Aufgabenverteilung ist unausgewogen, Projekte werden wiederholt schlecht geplant, was zu vermeidbarem Stress führt. Bei Gehaltsverhandlungen wird man aktiv dazu aufgefordert, nicht mit Kollegen über das Gehalt zu sprechen, obwohl eine solche Schweigepflicht vertraglich nicht vereinbart ist. Das erzeugt ein Klima der Intransparenz und sorgt für Diskussionen. Die Meetingkultur ist ein weiteres Problem: Termine werden nicht eingehalten, der Bereichsleiter kommt häufig zu spät oder unvorbereitet in Besprechungen. Das kostet nicht nur Zeit, sondern signalisiert wenig Wertschätzung gegenüber dem Team. Konflikte zwischen Kollegen werden zwar manchmal thematisiert, aber selten so aufgearbeitet, dass sie wirklich nachhaltig gelöst werden.
Arbeitsbedingungen
Die technische Ausstattung ist zeitgemäß. Jeder Arbeitsplatz verfügt über zwei Monitore, eine Dockingstation und die nötige Peripherie, also das Standard Equipment, um den Job ordentlich erledigen zu können. Wer sich ein bestimmtes Betriebssystem wünscht, muss allerdings zu den erfahrenen Entwicklern gehören, alle anderen haben hier keine Wahl. Etwas ernüchternd ist zudem, dass ausgemusterte Geräte an Auszubildende weitergegeben werden. Ein kleines, aber symbolisches Detail, das zeigt, wie intern priorisiert wird.
Kommunikation
Die interne Kommunikation lässt deutlich zu wünschen übrig. Relevante Informationen kommen regelmäßig zu spät an, oft weiß der Flurfunk schon Bescheid, bevor die offizielle Kommunikation erfolgt. Konflikte zwischen Mitarbeitern werden nicht offen adressiert, sondern stillschweigend umgangen oder schlicht ignoriert. Das löst nichts, sondern lässt Spannungen schwelen. Die einst kommunizierte flache Hierarchie existiert in der Realität schon lange nicht mehr. Stattdessen haben sich Grüppchen gebildet, was sich im Alltag deutlich bemerkbar macht. Man betritt die Küche und plötzlich verstummt das Gespräch. Das sagt mehr als jede Mitarbeiterbefragung.
Gleichberechtigung
Bei der Gleichberechtigung gibt es ein gemischtes Bild. Insgesamt liegt der Frauenanteil bei nicht ganz einem Drittel. In der Buchhaltung und im Bereich HR sind Frauen gut repräsentiert, in Bereichen wie Marketing oder Entwicklung hingegen deutlich weniger. Eine bewusste und abteilungsübergreifende Förderung wäre wünschenswert. Das Potenzial ist da, es wird nur noch nicht konsequent genutzt.
Interessante Aufgaben
Die Projektlandschaft ist zweigeteilt. E-Commerce-Projekte bieten eine gute Mischung aus einfachen und anspruchsvollen Aufgaben, was den Arbeitsalltag abwechslungsreich gestaltet. Website-Projekte ohne Shop sind dagegen meist wenig komplex und füllen eher die Lücken zwischen aufwendigen Projekten. Ein grundlegendes Problem ist die ungleiche Auslastung der einzelnen Teams. Während manche unter Volllast arbeiten, sind andere deutlich weniger gefordert. Ein aktiver Vertrieb könnte hier für eine gleichmäßigere Verteilung sorgen und das Potenzial aller Teams besser ausschöpfen.