Statt Weiterentwicklung und mitgehen mit der Zeit, eher ein großer Sprung zurück zu starrer Büropräsenz.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die KollegInnen, das Team, der Zusammenhalt der Teams.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich arbeite grundsätzlich gerne in diesem Unternehmen und schätze sowohl mein Team als auch die Zusammenarbeit mit vielen Kolleginnen und Kollegen. Gerade deshalb fällt mir diese Bewertung nicht leicht.
Der ausschlaggebende Punkt für meine Bewertung ist die Einführung des “Office First”-Prinzips. Künftig sind grundsätzlich vier Präsenztage pro Woche vorgesehen, während zusätzliche Homeoffice-Tage nur noch im Ausnahmefall möglich sind.
Dabei geht es aus meiner Sicht nicht um die Frage, ob Büroarbeit sinnvoll ist. Persönlicher Austausch, Zusammenarbeit und Teamgefühl sind wichtig, und ich komme selbst gerne ins Büro. Was ich jedoch kritisch sehe, ist der deutliche Verlust an Flexibilität – insbesondere bei Tätigkeiten, die sich nachweislich auch remote zuverlässig erledigen lassen.
In den vergangenen Jahren haben viele Mitarbeitende bewiesen, dass mobiles Arbeiten und gute Leistung sich nicht ausschließen. Umso bedauerlicher finde ich, dass nun ein sehr starres Modell eingeführt wird, das individuelle Lebenssituationen nur eingeschränkt berücksichtigt und zusätzlichen organisatorischen Aufwand verursacht, wenn kurzfristige Flexibilität benötigt wird.
Besonders enttäuschend war für mich der Eindruck, dass umfangreiches Feedback aus der Belegschaft - nach Versendung einer Rundmail mit kritischem Unterton am Freitag - zwar angehört wurde, die grundlegende Entscheidung jedoch bereits feststand. Dadurch entstand bei mir das Gefühl, dass die Rückmeldungen der Mitarbeitenden nur begrenzten Einfluss auf das Ergebnis hatten.
Ich hoffe, dass das Unternehmen seine Haltung zu flexiblen Arbeitsmodellen künftig noch einmal überdenkt. Aus meiner Sicht schließen sich eine gute Präsenzkultur und ein modernes, vertrauensbasiertes Arbeitsmodell nicht gegenseitig aus.
Aktuell würde ich den Arbeitgeber deshalb nur eingeschränkt weiterempfehlen – nicht wegen der Aufgaben, der Teams oder der Kolleginnen und Kollegen, sondern aufgrund der aus meiner Sicht
rückläufigen Entwicklung bei Flexibilität und Mitarbeiterorientierung.
Verbesserungsvorschläge
* Flexible Arbeitsmodelle stärker am
tatsächlichen Tätigkeitsprofil ausrichten, anstatt eine pauschale Regelung für alle Bereiche einzuführen. Bei Aufgaben, die nachweislich ortsunabhängig erledigt werden können, sollte mehr Eigenverantwortung und Vertrauen möglich sein.
* Mehr Handlungsspielraum für Führungskräfte schaffen. Team Leads kennen die Anforderungen ihrer Teams und die individuellen Situationen ihrer Mitarbeitenden meist deutlich besser als zentrale Entscheidungsebenen.
* Kommunikation transparenter und frühzeitiger gestalten. Bei weitreichenden Veränderungen wünschen sich Mitarbeitende einen offenen Dialog vor der endgültigen Entscheidung und ausreichend Zeit, sich auf die Auswirkungen einzustellen.
* Feedback sichtbar in Entscheidungen einfließen lassen. Wenn Rückmeldungen eingeholt werden, sollte nachvollziehbar sein, welche Punkte berücksichtigt wurden und warum bestimmte Entscheidungen getroffen oder eben nicht getroffen wurden. Das stärkt Vertrauen und Akzeptanz.
* Veränderungen mit Augenmaß einführen. Ein schrittweises Vorgehen oder regelmäßige Evaluationen nach einigen Monaten könnten helfen, die Auswirkungen auf Zusammenarbeit, Motivation und Mitarbeiterbindung besser zu beurteilen und gegebenenfalls nachzusteuern.
Arbeitsatmosphäre
Laute Großraumbüros, „Clean Desk Policy“ von vor 20 Jahren, alles nicht mehr zeitgemäß.
Work-Life-Balance
Mit Einführung „Office First“ geht eine gute Work-Life-Balance verloren.
Arbeitsbedingungen
Siehe“ Schlecht am Arbeitgeber“ finde ich.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Sinkt durch die Einführung von „Office First“, gerad in Hinsicht auf Arbeitswege, die vielleicht nicht von jetzt auf gleich mit den Öffis bewältigt werden können. Unnötige Wege ins Büro, obwohl Tätigkeiten remote erledigt werden können.
Image
Zeigt sich nach außen modern, lebt innen aber das Modell von „vor Corona funktionierten 5 Tage Büro ja auch“
Karriere/Weiterbildung
Wenn man es nicht selbst anspricht, kommt da nicht viel.

