Neue Führung verstärkt existierende Probleme, statt sie zu lösen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Interessante technische Challenges und wirklich gute Kollegen
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Katastrophale Kommunikation und offensichtliche Gleichgültigkeit gegenüber den Mitarbeitern.
Arbeitsatmosphäre
Es war mal deutlich besser. Man steht permanent unter Druck, unter anderem durch Micromanagement. Es wird enormer Wert auf teils minutengenaue Zeiterfassung über Jira Tickets gelegt, ohne dass für Mitarbeiter transparent ist, wozu diese extrem genauen Daten benötigt werden, was viel Zeit kostet und zu Frustration führt, insbesondere weil der Eindruck entsteht, dass es am Monatsende wichtiger ist, dass man (mindestens) seine 8h pro Arbeitstag gebucht hat, mit Toleranz nur nach oben, als dass Aufgaben erledigt werden.
Kommunikation
Es hat sich nicht ohne Grund unter den Kollegen das geflügelte Wort durchgesetzt: "Das K in Eventim steht für Kommunikation". Man spricht viel von Transparenz, und dass man Entscheidungen offenere treffen will - am Ende. Es gibt regelmäßige "Ask us Anything" Termine, bei denen zwar explizit auch "kritische Fragen" erwünscht sind - allerdings werden diese grundsätzlich sehr ausweichend beantwortet, was keine Aussicht auf Besserung gibt.
Kollegenzusammenhalt
Was an Rückendeckung durch Vorgesetzte fehlt, versuchen viele wirklich gute Kollegen wettzumachen.
Work-Life-Balance
Was im IT-Betrieb schon lange ein Problem war, setzt sich mittlerweile auch mehr in den Softwareentwicklungsabteilungen durch: Es werden mehr und mehr, auch sehr kurzfristige Bereitschaftsdienste, sowie auch (Nacht-)schichtdienste von den Mitarbeitern gefordert, gerne auch an gesetzlichen Feiertagen. Das wird zwar auch bezahlt, aber es wird für eine absolute Selbstverständlichkeit gehalten, dass alle Mitarbeiter jederzeit bereit sind, ihre Jobs höher zu stellen als Feiertage mit der Familie
Vorgesetztenverhalten
War schon früher nicht überragend, aber ist insbesondere im letzten Jahr deutlich schlechter geworden. Man hat sich McKinsey an Bord geholt und hat eine große "Transformation" gestartet, um die "Effizienz zu steigern". Dabei wurden viele Teams umgebaut und man hat das Gefühl, dass Führungskräfte mehr mit der Transformation als solche beschäftigt sind, als mit der Führung ihrer Mitarbeiter. Die Kommunikation wird unklarer oder bleibt ganz aus, der Führungsstil ist deutlich autoritärer geworden. Kritik der Mitarbeiter an der Umstellung wird mit "Trust the Process"-artigen Durchhaltephrasen abgewiegelt. Insgesamt entsteht ein Eindruck, dass man versucht, Headcount zu reduzieren, ohne explizit Leute zu entlassen, sondern durch Verschlechterung der Bedingungen. Dieser Eindruck verstärkt sich dadurch, dass mittlerweile auf mehreren Führungsebenen bei Kritik explizit geäußert wird, dass wenn man den Eindruck hat, dass man nicht mehr zum Unternehmen passt, man sich vielleicht einen anderen Job suchen sollte.
Interessante Aufgaben
Interessant sind die Aufgaben durch die komplexen Anforderungen und Lastszenarien definitiv.
Gleichberechtigung
Frauen haben es eher schwer, in Führungsrollen zu kommen.
Umgang mit älteren Kollegen
Ist weitestgehend in Ordnung, soweit ich das sehen kann, zumindest sind mir keine größeren Probleme bewusst.
Arbeitsbedingungen
Entwicklungshardware ist modern. Allerdings arbeitet man in sehr lauten Großraumbüros ohne feste Plätze.
Besonders die ohne für die Mitarbeiter ersichtlichen Grund vorgenommene Streichung von Homeoffice (4+1) führt zu großen Problemen: Die Büros (insbesondere in Hamburg) sind viel zu klein für die Menge an Mitarbeitern, und teilweise sitzen Menschen in Fluren und Durchgängen an Schreibtischen. Aus der Führungsetage hört man regelmäßig, dass man sich des Problems bewusst sei, passiert ist allerdings seit Monaten nichts.
Gehalt/Benefits
Einstiegsgehalt war gut. Anpassungen in den Jahren darauf tendenziell eher unter Inflation - also eine effektive Gehaltskürzung
Image
Gerade intern aktuell eher schlecht
Karriere/Weiterbildung
Man versucht sich aktuell durch die Einführung eines "Career Frameworks" wie eine hippe Tech-Firma aus den USA zu geben. Leider ist das Framework so designed, dass es effektiv nur durch teamübergreifende Arbeit möglich ist, über den zweit-niedrigsten Level hinauszukommen - viele Mitarbeiter mit exzellenten technischen Skills, die sie aber nur in ihrem Team einsetzen können, werden dadurch auf der Strecke bleiben, auch wenn sie seit Jahren exzellente technische Arbeit leisten. Dies scheint nicht unabsichtlich zu sein, sondern explizit mit dem Ziel, möglichst viele "Engineers" in möglichst niedriger Seniorität mit entsprechendem Gehalt zu halten.

