Genau Hinsehen lohnt sich
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Stimmung unter den Kolleginnen und Kollegen ist super. Viele Mitarbeitende haben Bock auf das Thema Fahrrad und jede Menge Ahnung.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Einiges. Mehr dazu unter den entsprechenden Kategorien. Wichtig: meine Erfahrungen basieren auf der Arbeit in der Zentrale, in den Filialen kann es anders sein.
Verbesserungsvorschläge
Es wäre schön, wenn sich das Unternehmen Ratschläge und Kritik von Mitarbeitenden zu Herzen nimmt und auf Wünsche und Bedürfnisse eingeht. Teambildende Maßnahmen wären vielleicht auch eine gute Idee, um Vorgesetzte und Mitarbeitende einander besser kennenzulernen. Die Urlaubsregelungen sollten überdacht werden und (auch mündliche) Absprachen eingehalten. Eine Investition in die Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeiter lohnt sich langfristig mehr als Reglementierungen und Verbote. Wertschätzung und Gute Rahmenbedingungen lassen Mitarbeiter länger bleiben als nur 1-2 Jahre. Dann sieht man auch eher mal über ein geringeres Gehalt hinweg.
Arbeitsatmosphäre
Unter den Kollegen ist die Atmosphäre gut. Man macht sich den Alltag so gut es geht schön. Von den Vorgesetzten bekommt man wenig Vertrauen entgegengebracht und der Arbeitsvertrag wird so ausgelegt, wie es gerade passt, auch wenn es andere (mündliche) Absprachen gab. Regelungen werden gesetzt unter dem Vorwand der Gleichheit (Filiale vs. Zentrale) ohne individuelle, tätigkeitsbasierte Bedürfnisse zu berücksichtigen. Gleiches gilt für die sehr restriktiven Urlaubsregelungen. Ich hatte außerdem das Gefühl, dass Zwietracht gesäht wurde, indem einem Streits mit Kolleginnen/Kollegen unterstellt wurden, die gar nicht stattgefunden haben.
Kommunikation
Die Kommunikation von oben nach unten ist dürftig. Teilweise rennt man Informationen hinterher oder bekommt sie nur von Mitarbeitenden mit, nicht vom Vorgesetzten, obwohl sie die eigene Arbeit betreffen. Bei Konflikten hatte ich nicht das Gefühl, dass der Vorfall aufgearbeitet wurde oder man den Rücken gestärkt bekommt.
Kollegenzusammenhalt
Unter den Kollegen herrscht eine gute Stimmung. Man macht sich die Tage schön. Die Mittagspause wird meist in Gruppen verbracht. Die meisten Mitarbeitenden haben richtig Bock auf das Thema Fahrrad und kennen sich auch richtig gut aus!
Work-Life-Balance
Zwischen 8 und 10 Uhr kann flexibel gestartet werden. Man ist jedoch abhängig von den "Schlüsselverantwortlichen". Überstunden werden eher erwartet als vermieden und auf freie Tage im Ausgleich zu Wochenendarbeit (bei Veranstaltungen) muss man selbst hinweisen. Die Urlaubsregelungen sind sehr restriktiv und die Anzahl an Urlaubstagen ist nicht verhandelbar. In der Probezeit (halbes Jahr) gibt es gar keinen Urlaub! Von März bis September ist Hauptsaison und die Urlaubsplanung extrem beschränkt. Auch hier wird keine Rücksicht auf tätigkeitsbasierte Anforderungen/Saisons genommen. Zusätzliche Urlaubssperrungen zur z.b. Weihnachtszeit können noch hinzukommen (wie in meinem Fall).
Vorgesetztenverhalten
Bezogen auf die eigene Tätigkeit hat man relativ viel Gestaltungsspielraum und Eigenverantwortung. Es fanden regelmäßige Meetings zur Absprache statt. Aber: Meiner Meinung nach sollten die Aufgaben der Vorgesetzten aber mehr verteilt werden. Teilweise beschäftigen sie sich mit vielen verschiedenen Aufgaben, so dass den jeweiligen Bereichen untergeordnete Mitarbeitende vernachlässigt werden, wenn es um die Beantwortung von Fragen oder der Verteilung von Informationen geht. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt werden Konflikte eher totgeschwiegen als aufgearbeitet und individuelle Bedürfnisse selten berücksichtigt. Absprachen über Homeoffice, Nachverhandlungen oder Krankmeldungen werden später negiert oder zurückgenommen. Gesundheitsbedingte Anpassungen, wie z.B. ein höhenverstellbarer Schreibtisch dauern Monate bis zur Umsetzung.
Feedbackgespräche fanden meist nur nach eigener Nachfrage statt.
Zielstellungen oder Erwartungen wurden nicht immer kommuniziert. Es kam vor, dass "ich hätte erwartet, dass..." nach einer Situation vorgehalten wurde.
Interessante Aufgaben
Meine Aufgabe war interessant und hat meist auch Spaß gemacht. Leider war der Workload sehr hoch, was nur mit Nachdruck eingesehen wurde. Wir haben dann aber zügig eine Lösung finden können. Dennoch wurde man das Gefühl nicht los, dass Überstunden erwartet wurden.
Ich habe relativ viel Spielraum bei der Umsetzung meiner Aufgabe gehabt. Leider fehlten eine klare Corporate Identity, Arbeitsstrukturen und Unternehmensziele. Meine Arbeitsstrukturen und -abläufe habe ich mir selbst erarbeitet.
Gleichberechtigung
Frauen werden als Mitarbeiterinnen wertgeschätzt. Man bemüht sich extrem Gleichheit zwischen Berufsfeldern zu schaffen, was nicht so gut gelingt, da tätigkeitsbasierte Anforderungen/Bedürfnisse nicht berücksichtigt werden. Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern ja, zwischen den Berufgruppen nein. Teilzeit ist auch nicht erwünscht.
Umgang mit älteren Kollegen
Es gibt Jubiläumsgeschenke.
Arbeitsbedingungen
Arbeitsbedingungen sind ok, aber allenfalls Durchschnitt. Es gibt PC und mehrere Bildschirme pro Arbeitsplatz. Höhenverstellbare Schreibtische gibt es nur auf ärztlichen Attest. Das Büro ist schön hell aber leider dadurch im Sommer auch sehr heiß. Für meine Tätigkeit war die Leistung des mir zur Verfügung stehenden Computers nur geradeso ausreichend. Hätte besser sein können.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Papier wird getrennt vom restlichen Müll, der Rest nicht. Auch sonst wird zwar mit dem Fahrrad als umweltbewusstes Produkt geworben, mehr passiert aber auch nicht in diese Richtung.
Gehalt/Benefits
Gehalt entsprach meiner Angabe bei Bewerbung, hätte aber dem Umfang meiner Tätigkeit entsprechend mehr sein können, meiner Meinung nach. Sie geben sich anfangs Mühe, fair zu bezahlen. Nachfragen zu Gehaltserhöhung werden nach meiner Erfahrung vergessen oder mit harten Verhandlungen begegnet und nicht gern gesehen.
Es gibt keine Benefits. Man bekommt den Eindruck vermittelt, einen Job bekommen zu haben, ist Benefit genug. Es gibt einen Feel-Good-Manager, mit dem die Chance bestünde, echt was zu bewegen/verändern. Leider wurde die Chance vertan und entsprechende Maßnahmen nicht umgesetzt. Auch hier entstand der Eindruck, Hauptsache der Titel ist da.
Azubis bekommen immerhin eine Willkommentasche und einen schönen ersten Willkommenstag.
Image
Leider mehr Schein als Sein. Während meiner Zeit dort war der Frust der Belegschaft deutlich zu spüren und viel Fluktuation zu verzeichnen.
Karriere/Weiterbildung
Die Möglichkeit zu Weiterbildungen bestand. In meinem Bereich hatte ich zwei Online Weiterbildungen und eine Konferenz, an der ich teilnehmen konnte. Für andere Bereiche gab es aber auch noch mehr. Ich kritisiere hier aber den willkürlichen Umgang mit Fahrtzeiten und Arbeitszeitanerkennungen für Konferenzen außerhalb Berlin/Brandenburgs. Mag zwar rechtlich fein sein aber moralisch fraglich, wenn der Mitarbeiter 2,5 Tage weg ist und mit Minusstunden wiederkommt.