Ein Unternehmen mit vielen Stärken und einem blinden Fleck in der Führung
Gut am Arbeitgeber finde ich
Dataport ist ein sehr attraktiver Arbeitgeber mit spannenden Produkten und einer insgesamt modernen, professionellen Organisationsstruktur. Besonders positiv hervorzuheben sind die sehr klare und transparente interne Kommunikation (u. a. über das Intranet), die vielfältigen Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten sowie die gelebten Werte wie Fairness, Diversität und Gleichstellung.
Ich habe Dataport als ein Unternehmen erlebt, das seinen Mitarbeitenden grundsätzlich viel zutraut und ihnen auf struktureller Ebene sehr gute Rahmenbedingungen bietet. Feste Prozesse und klar definierte Verantwortlichkeiten sorgen für Orientierung und Stabilität.
Hervorzuheben sind außerdem die nahbaren, authentischen und menschlichen Vorstände sowie die engagierten, hilfsbereiten Kolleg:innen. Initiativen wie das Frauennetzwerk fördern Austausch, Vernetzung und Sichtbarkeit und tragen positiv zur Unternehmenskultur bei.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Herausforderungen, die ich erlebt habe, beziehen sich nahezu ausschließlich auf die Führungskultur innerhalb meiner Abteilung.
Es gab keine verlässlichen Arbeitszeiten. Überstunden waren die Regel, nicht die Ausnahme. Eine realistische Vorausplanung des privaten Alltags – etwa Sport, soziale Termine oder Erholung – war kaum möglich. Insbesondere freitags wurde implizit erwartet, bis 17:00 Uhr präsent zu sein, unabhängig vom tatsächlichen Arbeitsaufkommen.
Vorschläge meinerseits, im Team verbindliche Absprachen zur besseren Planbarkeit zu treffen, wurden von der Gruppenleitung nicht aufgegriffen und negativ ausgelegt. Statt als lösungsorientiert wahrgenommen zu werden, wurde mir Unflexibilität attestiert.
Die Gruppenleitung ging aus meiner Sicht kaum auf die Bedürfnisse des Teams ein. Der Fokus lag stark darauf, gegenüber den eigenen Vorgesetzten gut dazustehen. Das führte zu einem Arbeitsklima, das geprägt war von mangelndem Vertrauen, starker Kontrolle, öffentlichem Vorführen, Lästern sowie fehlender Offenheit für Verbesserungen oder effizientere Prozesse („Das haben wir schon immer so gemacht“).
Darüber hinaus erlebte ich eine deutliche mangelnde Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Feminismus. In Gesprächen und im täglichen Miteinander fehlte es an Sensibilität, Neugier und Wertschätzung. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass Denk- und Arbeitsweisen in meiner Abteilung stark in vergangenen Jahrzehnten verhaftet sind und wenig Bereitschaft besteht, moderne, diverse Perspektiven zuzulassen.
Die Führungskraft wirkte ausserdem selbst dauerhaft überlastet, was sich spürbar auf den Umgangston und die Stimmung im Team auswirkte.
Besonders irritierend empfand ich, dass diese Situation offenbar nicht nur mich betraf. Mehrere Kolleg:innen erlebten Ähnliches, trauten sich jedoch nicht, dies offen anzusprechen – aus Angst vor negativen Konsequenzen oder vor der nächsthöheren Führungsebene. Damit blieb konstruktives Feedback faktisch aus.
Verbesserungsvorschläge
Dataport hat enormes Potenzial – insbesondere dann, wenn Führungskräfte konsequent an den eigenen Unternehmenswerten gemessen werden. Aus meiner Sicht wäre es wichtig, Führung auf Teamebene stärker zu reflektieren, aktiv zu begleiten und verbindlicher zu entwickeln.
Ein zentraler Verbesserungsbedarf besteht in der tatsächlichen Etablierung einer Feedbackkultur. Die Aussage „Meine Tür steht immer offen" ist keine Kultur. Konstruktives Feedback wurde bei Ansprechen von Themen teils gereizt aufgenommen, Rückfragen oder Verbesserungsvorschläge wurden nicht offen diskutiert. Auch die Fähigkeit, selbst konstruktives Feedback zu geben, war nur eingeschränkt vorhanden.
Hinzu kommt, dass selbst nach wiederholtem Nachfragen keine regelmäßig vorgesehenen oder standardisierten Feedbackgespräche stattfanden. Damit fehlte eine wichtige Grundlage für Entwicklung, Orientierung und gegenseitiges Verständnis.
Darüber hinaus wäre es aus meiner Sicht sinnvoll, dass der Personalrat bzw. die zuständigen Gremien stärker hinschauen, ob Führungskräfte in ihrer Rolle nicht nur fachlich, sondern auch menschlich und methodisch geeignet sind. Nicht jede sehr gute Fachkraft ist automatisch eine gute Führungskraft. In meinem Fall entstand der Eindruck, dass fachliche Kompetenz nicht mit der notwendigen Führungs-, Kommunikations- und Selbstreflexionsfähigkeit einherging.
Eine offenere, angstfreie Feedbackkultur sowie echte Beteiligung der Teams an Verbesserungen und effizienteren Prozessen könnten dazu beitragen, Überlastung zu reduzieren, Arbeitszeiten planbarer zu machen und Motivation sowie Bindung nachhaltig zu stärken.
Ich bin dankbar für die Zeit bei Dataport und für die Einblicke in ein fachlich starkes, sinnstiftendes Unternehmen. Umso wichtiger erscheint es mir, Führungskultur nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Arbeitsalltag konsequent zu leben.


