"Man kann froh sein, dass überhaupt jemand irgendwas macht"
Gut am Arbeitgeber finde ich
Als erste Station im Berufsleben tauglich, um frühzeitig zu lernen, was man nicht will.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Chaos. Hineinstolpern in Veränderungen. Keine Rücksicht auf die Gesundheit der Mitarbeiter.
Verbesserungsvorschläge
Methoden aus den 70er und 80er Jahren endlich begraben. Mitarbeiter als Menschen verstehen. Wer Bock auf das Unternehmen hat, bringt es automatisch nach vorne. "Vernunft" als Maxime akzeptieren. Rationale Argumente zählen lassen. Die Datenautobahn ist nichts für den Verkehrsminister und auch kein Neuland.
Vielleicht nicht mit dem fetten Porsche vorbeifahren, während man gleichzeitig den Mitarbeitern die edenred-Karte kürzt.
Arbeitsatmosphäre
Oberflächlich und auf den ersten Blick ist alles erst einmal super. Dann allerdings offenbaren sich tiefliegende Makel. Hier weht ein muffig anmutender Wind durchs Gebälk. Irgendwann merkt man, dass Konservatismus der einzig wahre Wert ist. Daran ändern auch an die Wand gepinnte Schlagwörter nichts. Ich empfehle, in einer ruhigen Minute den Konsum von "Sowas gibt es noch" von Hannes Wader.
Es ist auch durchaus Usus, dass der Vorstand mal persönlich durch die Glastür späht um etwaigen Müßiggang und Lustwandelei persönlich tadeln zu können. Auch findet man im Outlookkalender von Führungskräften auch gerne mal einen Eintrag wie "Kontrolle Anwesenheit HomeOffice".
Image
Am Image wird wirklich ordentlich gearbeitet. Die größte Abteilung mit Abstand ist das Marketing. Da kann sich selbst die Traumfabrik Hollywood eine Scheibe abschneiden.
Auch auffällig ist die offensichtliche Image-Arbeit, nach schlechten Kritiken auf kununu perfekte 5-Sterne-Bewertungen zu generieren. Damit unterstelle ich keine Manipulation, sondern nur spontane Mini-Image-Kampagnen, die Mitarbeiter derart begeistern, dass sie sofort zeigen möchten, wie ultimativ super alles ist.
Work-Life-Balance
Die bloße Existenz der Marketingkampagne „Work - Heimat - Balance“ sagt schon alles aus, was es darüber zu wissen gibt.
Ja, tatsächlich: eine Balance aus Arbeit und dem Ort, wo man arbeiten kann. Hier verschlingen sich schwäbische Wurstigkeit und klebrige Galeerenpaukerei zu einem unheiligen Liebespaar. Der Akt ist zwar schnell vorbei, aber das Resultat nach einigen Monaten ist die persistente Ernüchterung, dass man hier nicht nur sein Leben aufs Schafott führt sondern auch seine intellektuelle Integrität gefährdet. Dabei wäre das an sich ja noch zu verkraften; dass man bei der Arbeit arbeitet und nicht auflebt ist ja erst einmal nichts Neues. Konkret: jau, Gleitzeit. Aber die Kernzeiten ermöglichen kein Gleiten. Home-Office? Das ist doch das, was die faule Phlegmatikerbelegschaft nur deswegen gerne hätte, weil man dann pennen kann. Home-Office zählt als Belohnung und muss gerechtfertigt werden. Da kann man sich fragen: Was ist das für ein Selbstbild, wenn Home-Office als Belohnung zählt? Im Umkehrschluss ist Anwesenheit also als Strafe zu werten, immerhin stimmt da die Reflektion der Arbeitsbedingungen.
Karriere/Weiterbildung
Karriere gibt es nur mit Nasenfaktor, heisse Luft und Gehabe bringen einen weiter als strukturiertes Denken, Problemlösungsorientierung und Kompetenz. Weiterbildungen gibt es nicht, bis auf eine jährliche Telefonschulung, in der man lernt, wie man Kunden am Telefon einlullt, ist es da mau.
Gehalt/Benefits
Bei dataTec zu arbeiten muss man sich leisten können. Sozialleistungen gibt es keine, eine betriebliche Altersvorsorge wird unter der Hand als Extrawurst verkauft. Das Gehalt liegt im unteren Band und folgt auch dem Nasenfaktor. Einige Gehälter sind beinahe schon unsittlich und zwingen Mitarbeiter zum Nebenerwerb, um sich den Sprit leisten zu können.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Einmal im Jahr wird im Umkreis Müll gesammelt. Natürlich mit viel Marketing-TamTam, Außenwirkung zählt da mehr als das Ergebnis. Testgeräte werden in immer wieder verwendeten Kartonagen versendet. Die sind so vergammelt, dass sogar ein Obdachloser diese als Winterwohnung ablehnen würde. Mich würde es nicht wundern, wenn die warme Abluft aus der Klo-Absaugung zurück ins Gebäude geblasen wird, um 9 Cent Heizkosten am Tag zu sparen.
Kollegenzusammenhalt
Sehr mittelmäßig mit einer hohen Standardabweichung. Es gibt beinahe offenen Krieg zwischen einzelnen Gruppen, die wiederum für sich genommen mit Blut unterschriebene Pakte mit Gott weiß wem unterzeichnet haben, ja keine andere Meinung zuzulassen und einen anderen Standpunkt verstehen zu wollen. Hier sieht man eine sehr effektive Kontrollmaßnahme in Aktion: erhöhe den Druck auf alle und es wird dann immer welche geben, die freiwillig oder aus Angst Blockwart spielen.
Umgang mit älteren Kollegen
Langdienende Kollegen werden dadurch geschätzt, dass man ihnen den Freiraum lässt, antiquierte Ansichten bar jeder Vernunft durchzudrücken und weniger langjährige Mitarbeiter zu gängeln.
Vorgesetztenverhalten
Die meisten Vorgesetzen sind leider bloß Bosse und keine Führungskräfte. Eine Vorbildfunktion wird dort von den allermeisten Kollegen in leitenden Positionen nicht eingenommen; Spötteleien und Spitzen sind nur deswegen ungesühnt, weil entweder a) Verdutztheit und Perplexität hervorrufen oder b) man nicht auch unprofessionell werden will . Eine Bossrolle an sich ist ja erst einmal nichts verwerfliches, ehrenamtlich macht keiner irgendwas. Allerdings soll man die bittere Suppe, die da von vielen Panschern zusammengerührt wird, nicht als die tollste Sache seit geschnitten Brot verkaufen. Aber bei dataTec geht es nun einmal ums Verkaufen.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen sind sehr davon abhängig, wo man sich befindet. Ein Gebäude ist absolut nicht klimatisiert und steht mit einer großen Fensterfront in der prallen Sonne; im Sommer ist die Temperatur dort um 30°C, Tischventilatoren sind mit Glück geduldet, so lange sie nicht zuviel Strom verbrauchen oder „den Nebensitzer stören“.
Im anderen Gebäude geht es großteils leise zu, außer im Großraumbüro, wo die Technik zusammen mit dem Kundenmanagement im Callcenter sitzt. Dort herrscht Fischmarktstimmung; konzentriertes Arbeiten ist fast nicht bis gar nicht möglich. Es besteht keinerlei erkennbare Rücksichtskultur, geschäftliche als auch private Gespräche werden in voller Lautstärke quer durch den Raum gerufen, auch eigentlich diskret abzulaufende Telefonmeetings mit auf „laut“ gestellten Geräten finden in der Ecke statt, dies betrifft auch die dort sitzenden Führungskräfte. Es gibt keinerlei wirksame Schallschutzmaßnahmen. Beschwerden diesbezüglich werden ignoriert oder sogar dem sich Beschwerenden vorgeworfen. Ich kann jedem Techniker nur dringend und entschieden abraten, sich hier zu bewerben. Könnten mehr Mitarbeiter dort mit den Fingern pfeifen, um ihre Belange anzumelden...
Kommunikation
Die hier vornehmlich anzutreffende Diskussions- und Kommunikationskultur basiert zum Großteil auf ad hominem - auch gute Argumente selbst zählen nicht, es kommt lediglich darauf an, wer etwas sagt - und nicht, was gesagt wird. Rationalität sucht man hier vergebens; Entscheidungen erfolgen gefühlsbasiert und werden auch nur bedingt umgesetzt. Besprechungen finden statt, aber es gibt keine Verbindlichenkeiten und Zuständigkeiten. Beschlüsse werden ignoriert. Und es wird ignoriert, dass Beschlüsse ignoriert werden. Sollte ein argumentativer Totschlag via ad hominem nicht ausreichen, wird auf ad populum ausgewichen: „Dein Argument ist zwar richtig, vernünftig und zielführend, aber wir sind dagegen und wir sind mehr Kollegen als Du“.
Daraus resultiert der klassische Fehlschluss namens „Survivorship Bias“. Anstelle sich für die Kommunikationsversuche von denen zu interessieren, die irgendwann mit der Kommunikation aufhören, wird lediglich die Teilmenge derer betrachtet, die es sowieso gut finden und auf ein „Hat sich aber so bewährt“ verweisen.
Man kann sich fragen, wie man gleichzeitig Messgeräte verkaufen und Stichhaltigkeit ignorieren kann.
Gleichberechtigung
Unabhängig von Geschlecht und anderen Faktoren bestimmt hier tatsächlich nur Dreistigkeit und Ignoranz, wer Einfluss hat. Daher: Gleichberechtigung top!
Allerdings werden denkende und fühlende Mitmenschen hier benachteiligt, deswegen Abzug.
Interessante Aufgaben
Ein großer Teil der Aufgaben besteht darin, die Schludrigkeiten derjenigen Kollegen und Kolleginnen zusammenzusortieren, die in der Informationskette vor einem sitzen. Bis man weiß, was man genau zu tun hat, ist bereits der Vorwurf der Langsamkeit an den Kopf geworfen worden. Dies wird nicht abgestellt sondern mit dem Verweis auf Kundenorientierung aktiv von Vorgesetzten gefördert.
Vom Seniorchef angeranz zu werden, weil man beim Umzug von Gebäude 1 ins Gebäude 2 die Bürostühle über den Asphalt geschoben hat und damit unnötigen Verschleiß an den Rollen verursacht, erweitert den Horizont in Bereiche, die einem vorher nicht einmal bewusst waren.
