Vom High Potential zum Sachbearbeiter-Meine Erfahrung mit unterirdischer Führung
Gut am Arbeitgeber finde ich
Man hat dank der mangelnden Konkurrenz auf dem deutschen Markt einen sicheren Arbeitsplatz und kann sein Leben gut um den Beruf herum planen. Die DATEV Akademie ist gut und bietet gute Weiterbildungsmöglichkeiten
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
„Vetterleswirtschaft spielt bei DATEV eine erhebliche Rolle, und das Führungsverhalten einzelner Manager ist inakzeptabel. Ich hätte nicht erwartet, dass derart schlechtes Verhalten von Führungskräften in diesem Unternehmen toleriert wird – zumal DATEV nach außen großen Wert auf eine angeblich vorbildliche Führungskultur legt
Verbesserungsvorschläge
Manager, die nachweislich ein destruktives Verhalten gegenüber Mitarbeitenden zeigen, müssen konsequent überwacht und kontrolliert werden. Bei Bossing hört der Spaß auf – hier darf es keine Ausreden, kein Wegsehen und schon gar keine Rücksicht auf persönliche Beziehungen geben. Wer in einer Organisation seit Jahren für solches Verhalten bekannt ist, darf nicht einfach weggelobt werden. Das ist keine Lösung, sondern ein Offenbarungseid des Managements.
Menschen mit solchen Charakterzügen dürfen niemals Personalverantwortung tragen – und schon gar nicht junge Nachwuchskräfte direkt von der Uni führen. Berufsanfänger sind in solchen Situationen völlig überfordert und wissen oft nicht, wie sie reagieren sollen. Spätestens wenn ein Mitarbeiter sich hilfesuchend an HR oder die Organisation wendet, muss gehandelt werden – sei es durch konsequente Maßnahmen oder zumindest durch die Möglichkeit eines internen Wechsels. Mir persönlich wurde damals keinerlei Unterstützung zuteil.
Ein weiteres Armutszeugnis ist das intransparente Beförderungssystem. Wie kann es sein, dass eine Person, die selbst Assessment Center für Führungskräfte entwickelt und durchgeführt hat, später genau dieses Verfahren auf ihrem eigenen Weg zur Führungskraft durchläuft? Das ist alles andere als objektiv – andere Kandidaten sind von vornherein benachteiligt.
Ebenso inakzeptabel: Vertrauliche Gespräche mit HR müssen vertraulich bleiben. Punkt. Wenn Informationen aus einem vertraulichen Gespräch schon am nächsten Tag bei der Führungskraft landen, ist HR nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.
Arbeitsatmosphäre
Die Stimmung hängt stark vom jeweiligen Bereich ab. Im Logistikcenter war sie zu meiner Zeit eher schlecht, was allerdings vor allem an der Führungsebene lag. Daher kann ich nur aus meiner persönlichen Erfahrung berichten
Image
DATEV hat nach außen zwar ein sehr positives Image, doch die Realität sieht häufig anders aus. Ich kenne selbst mehrere Personen, die das Unternehmen enttäuscht verlassen haben. Unzufriedenheit ist intern weit verbreitet, doch viele bleiben wegen der hohen Jobsicherheit in ihrer Komfortzone und arrangieren sich mit den Umständen, anstatt Veränderungen einzufordern.
Work-Life-Balance
Da macht DATEV sehr viel für die Mitarbeiter. Überarbeiten wird sich niemand, welcher es nicht selbst möchte.
Karriere/Weiterbildung
Meine persönliche Erfahrung bei DATEV war unterirdisch. Man wird als High Potential angeworben, um dann dauerhaft an der Telefonhotline zu versauern. Ein Jahr Praxis in diesem Bereich mag noch sinnvoll sein, doch eine echte Weiterentwicklung fand nicht statt. Sämtliche Bewerbungen auf interne Stellen wurden blockiert – einzig und allein, weil meine direkte Vorgesetzte dies nicht wollte. Damit war meine Karriere faktisch von einer Person abhängig.
Noch gravierender: Führungskräfte und HR wussten Bescheid, haben aber jahrelang weggeschaut. Diese Untätigkeit hat das problematische Verhalten erst ermöglicht. Für mich ist das nicht nur individuelles Versagen, sondern ein strukturelles – und damit ein Armutszeugnis für DATEV und das Top-Management.
Nach vier Jahren habe ich die Konsequenzen gezogen und gekündigt. Das Unternehmen hatte für mich jede Glaubwürdigkeit verloren. Heute arbeite ich in einem globalen Konzern, habe den Sprung in den außertariflichen Bereich geschafft und sehe jeden Tag, dass mein Potenzial sehr wohl vorhanden ist – nur eben nicht bei DATEV gefördert wurde.
Ich bereue keinen einzigen Tag meiner Kündigung.
Gehalt/Benefits
Also ich denke insgesamt ist das Gesamtpaket ok. Allerdings befinde ich mich jetzt in einer AG. Hier ist das Gesamtpaket durchaus um einiges attraktiver und Karriere geht mehr nach Leistung und weniger nach Nasenfaktor und Beziehungen.
Kollegenzusammenhalt
Kollegen waren gut. Zum Teil sehr nette und hilfsbereite Kollegen. Natürlich muss man nicht mit jedem privat was unternehmen. Zum Teil wie in jeder großen Firma ist das Bereichsdenken wie überall ausgeprägt.
Umgang mit älteren Kollegen
Da kann man wie bei Angestellten im öffentlichen Dienst oder Beamten nichts negatives feststellen.
Vorgesetztenverhalten
„Hier kann ich nur aus meiner subjektiven Erfahrung berichten. Ich wurde als Management-Trainee – einer von acht ausgewählten Kandidaten meines Jahrgangs – über ein Assessment Center eingestellt, mit der Perspektive, mich zur Teamleitung weiterzuentwickeln. Dazu war ich direkt einer leitenden Angestellten unterstellt.
Die Erfahrungen, die ich dort gemacht habe, stehen in starkem Kontrast zum öffentlichen Image der DATEV. Der Begriff Bossing beschreibt die Situation sehr treffend: Die betreffende Führungskraft hat Mitarbeitende massiv unter Druck gesetzt und teilweise regelrecht drangsaliert. Ich habe selbst miterlebt, wie Kolleginnen und Kollegen herabgewürdigt und stark gegängelt wurden.
Auch ich war betroffen: Nach einer sachlichen Kritik in einem Meeting wurde ich dauerhaft auf eine Telefonservice-Stelle versetzt – völlig losgelöst von meiner eigentlichen Trainee-Rolle. Ab diesem Zeitpunkt wurde meine Arbeit unabhängig vom Inhalt grundsätzlich negativ bewertet.
Besonders irritierend war für mich die Frage, wie es sein kann, dass eine einzelne Führungskraft ein solches Verhalten über längere Zeit ausüben konnte, ohne dass die Organisation einschritt.
Arbeitsbedingungen
Hier ist alles auf einem ordentlichen Stand. Von höhenverstellbaren Schreibtischen bis hin zu ergonomischen Stühlen
Gleichberechtigung
Die Aufstiegschancen sind weniger geschlechterspezifisch, sondern hängen in erster Linie nicht vom Können, sondern vielmehr vom Wohlwollen der Vorgesetzten ab. Der ‚Nasenfaktor‘ spielt dabei eine entscheidende Rolle.“
Interessante Aufgaben
Wenn man sich für Software und den steuerberatenden Beruf interessiert, kann man sich hier durchaus austoben. Allerdings hat man durch den Berufsstand und das deutsche Steuersystem sicherlich nicht die Dynamik wie in der freien Wirtschaft


