Familienfreundlich, solange man keine Familie hat
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich bin ursprünglich wirklich gerne zur dc AG gekommen. Mein erstes Team war super, die Zusammenarbeit hat Spaß gemacht und ich hatte anfangs das Gefühl, in einer modernen und wertschätzenden Firma gelandet zu sein. Leider hat sich dieses Bild mit der Zeit ziemlich verändert.
Während meiner Zeit dort wurden mehrfach Teams umstrukturiert und neu zusammengesetzt. Dadurch entstand bei mir irgendwann eher der Eindruck von dauerndem Aktionismus statt klarer Organisation. Nach meiner Elternzeit kam ich in ein komplett neues Team zurück und wurde dort fachlich ziemlich allein gelassen. Kein richtiges Onboarding, wenig Unterstützung, kaum Kontext zu Aufgaben, aber gleichzeitig hohe Erwartungen an Eigenverantwortung. Wenn Dinge schief liefen, wurde Verantwortung trotzdem gerne nach unten weitergegeben.
Besonders enttäuschend war für mich aber der Umgang mit Teilzeit und Elternschaft. Ich war mit 10 Stunden pro Woche zurückgekehrt, während kleine Kinder frisch in der Betreuung natürlich häufiger krank sind. Statt gemeinsam realistische Lösungen zu finden, wurde mir vermittelt, ich müsse mich trotz Ausfällen erst einmal „beweisen“, bevor über mehr Stunden gesprochen werden könne. Auf meine Frage, wie das praktisch funktionieren soll, bekam ich ernsthaft die Antwort, man könne dank Mobile Working ja auch nachts arbeiten, wenn die Kinder schlafen.
Spätestens da wurde mir klar, dass die viel beworbene Familienfreundlichkeit vor allem nach außen gut funktioniert.
Auch die angeblich so offene und moderne Unternehmenskultur habe ich irgendwann als ziemlich oberflächlich empfunden. Nach außen Diversity, Offenheit und moderne Arbeitswelt, intern aber oft eine klassische Leistungskultur für Menschen, die jederzeit verfügbar sind und ihr Privatleben problemlos hinter die Arbeit stellen können. Führung und Entscheidungsstrukturen wirkten auf mich dabei insgesamt sehr homogen und von starken „Best Buddy“-Dynamiken geprägt. Kritik an Führung wurde eher unbequem als ernst genommen.
Der absolute Tiefpunkt war letztlich meine Kündigung während laufender Elternzeit. Nachdem ich mich anwaltlich dagegen gewehrt habe, wurde mir aus HR-Sicht vorgeworfen, warum ich denn direkt eine Anwältin eingeschaltet hätte. Zusätzlich wurde mir erklärt, man habe angeblich nicht gewusst, dass eine Kündigung während der Elternzeit rechtlich gar nicht zulässig ist. Das muss man erstmal sacken lassen.
Und genau das beschreibt für mich rückblickend die größte Diskrepanz bei der dc AG: der Unterschied zwischen Außenwirkung und tatsächlicher Realität.
Trotz allem möchte ich fair bleiben: Es gab dort definitiv auch richtig tolle Menschen. Mein ursprüngliches Team war großartig und auch einzelne Kolleg:innen und Personen aus HR waren menschlich wirklich angenehm und bemüht. Das Problem lag für mich nie bei allen Mitarbeitenden, sondern deutlich stärker in der Führungs- und Unternehmenskultur.
Verbesserungsvorschläge
Führungskräfte besser auf Teilzeit, Elternschaft und Mitarbeiterführung vorbereiten