Zwischen Micromanagement und Inszenierung – Führungsverhalten mit wenig Substanz
Gut am Arbeitgeber finde ich
- Loungebereich
- Frisches Obst
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
-Die Teamleitung im Marketing agierte oft unklar, stark kontrollierend und gleichzeitig überinszeniert – Micromanagement war an der Tagesordnung.
-Private Themen der Teamleitung nahmen regelmäßig viel Raum ein und lenkten vom eigentlichen Arbeiten ab.
-Kritik oder Rückfragen an die Teamleitung wurden selten sachlich angenommen, sondern meist persönlich aufgefasst.
-Neue Kolleg:innen – auch Aushilfen – wurden bei Nachfragen teilweise ungeduldig oder genervt behandelt. Eine offene, unterstützende Teamkultur war kaum spürbar.
-In der Marketingabteilung fehlten grundlegende Strukturen – etwa eine klare Aufgabenverteilung, funktionierendes Reporting oder geeignete Grafikprogramme. Auch fehlte zwischen Social Media und Website eine klare inhaltliche und strategische Abstimmung. Möglicherweise lag das an der spürbar hohen Fluktuation im Marketing- und Sales-Bereich – die Teamleitung musste häufig auch im Sales aushelfen, was zulasten des Marketings ging. Für ein scheinbar etabliertes Unternehmen waren diese Lücken für mich dennoch überraschend.
Verbesserungsvorschläge
-Führungsrolle klarer wahrnehmen.
Eine Teamleitung sollte durch Klarheit, Verlässlichkeit und Souveränität führen – nicht durch Unsicherheit und Micromanagement.
-Privates besser vom Beruflichen trennen.
Wenn persönliche Themen regelmäßig in den Arbeitsalltag getragen werden, leidet nicht nur die Konzentration, sondern auch die Professionalität.
-Offener mit Kritik umgehen.
Rückmeldungen sollten sachlich angenommen werden. Kritik ist kein Angriff, sondern gehört zum Arbeitsalltag – gerade in einer Führungsposition.
-Fachliche Aufgaben begleiten, nicht abwälzen.
Wenn Mitarbeitende sich komplexe Themen wie ITIL aneignen sollen, braucht es Ansprechpartner und funktionierende interne Abläufe – kein Weiterverweisen von Schreibtisch zu Schreibtisch.
-Offboarding respektvoll und professionell gestalten.
Der Abschied verlief sehr abrupt und überstürzt – ohne Dank, ohne persönliches Wort, ohne jede Form von Wertschätzung. Stattdessen hieß es: „Ich habe ein Problem mit deinem Hund.“ und „Ich kann dir nicht die Hand geben, weil du deinen Hund dabei hast.“ Ein alternativer Termin wurde nicht angeboten – ich sollte innerhalb weniger Stunden ins Büro kommen. Eine Verabschiedung von Kolleg:innen war dadurch nicht möglich. Das hinterlässt keinen guten Eindruck.
Arbeitsatmosphäre
Die Stimmung war oft angespannt. Private Themen der Teamleitung waren in Meetings und Calls nahezu immer präsent – auf Kosten von Fokus und Produktivität, auch bei ihr selbst. Eine Kollegin wirkte regelrecht erleichtert, wenn die Teamleitung nicht im Büro war.
Kommunikation
Kritik wurde kaum aufgenommen oder direkt persönlich genommen. Die Feedbackprozesse waren insgesamt ineffektiv: Redaktionelle Inhalte wurden mehrfach überarbeitet, weil sie von Anfang an nicht klar oder konsequent korrigiert wurden. Statt eindeutiger Rückmeldungen gab es mit jeder neuen Schleife andere, angebliche Fehler – ohne erkennbare Linie oder nachvollziehbare Begründung. Selbst die eigene Wortwahl der Teamleitung wurde später wieder revidiert. Klare, konsistente Kommunikation war so nicht möglich – und für Mitarbeitende auf Dauer stark demotivierend. Sachliches Feedback führte eher zu Distanz oder überkritischen Reaktionen als zu offenem Austausch.
Kollegenzusammenhalt
Das Verhältnis im Team war von Zurückhaltung geprägt. Selbst bei gemeinsamer Anwesenheit im Raum wurden Fragen schriftlich über MS Teams gestellt.
Work-Life-Balance
Für längere Arbeitstage – etwa im Rahmen von Events – fehlten klare Regelungen oder Absprachen. Homeoffice war grundsätzlich möglich. Allerdings variierte die Handhabung je nach Abteilung spürbar.
Vorgesetztenverhalten
Die Führungskraft zeigte starkes Micromanagement – bei gleichzeitigem Anspruch, dass man eigenverantwortlich arbeiten soll. Dieser Widerspruch wirkte wenig vertrauensvoll. Auch persönlich wirkte sie oft überinszeniert und unauthentisch (z. B. extremes Lächeln, das im nächsten Moment plötzlich verschwunden war).
Auch in Pausen wurde häufig weiter über offene Themen gesprochen, was es schwer machte, kurz abzuschalten oder sich informell auszutauschen.
In einem Online-Meeting mit einem externen Lieferanten stand wieder ein privates Thema im Vordergrund. Die Teamleitung verließ mehrfach kommentarlos den Arbeitsplatz und kehrte später mit Tränen in den Augen zurück – ohne das Meeting zu unterbrechen oder zu erklären, was los war. Das wirkte auf alle Beteiligten eher unangenehm und unprofessionell.
Mit Kritik konnte sie schwer umgehen. Rückmeldungen führten selten zu echtem Austausch, sondern eher zu Abstand oder übermäßiger Korrektur. Es entstand der Eindruck, dass sie mit ständiger Detailkritik eigene Unsicherheiten überspielen wollte. Insgesamt war es nicht leicht, ihr Auftreten als souverän oder führungsstark wahrzunehmen.
Interessante Aufgaben
Es gab viele interessante Aufgaben, allerdings überwiegend als Zuarbeit für die Teamleitung.
Arbeitsbedingungen
Die Luftfeuchtigkeit im Büro war dauerhaft schlecht, was bei mir zu Augenproblemen führte.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nachhaltigkeit spielte bei den verwendeten Marketing- und Streuartikeln kaum eine Rolle. Materialien und Verpackungen wirkten weder umweltbewusst noch zeitgemäß. Eine grundlegende Überarbeitung in Richtung nachhaltigerer Lösungen wäre angebracht.
Karriere/Weiterbildung
Ich sollte mir im Rahmen meiner Aufgaben ITIL-Wissen aneignen. Da DCON mit Servity als „Accredited Tool Vendor Platinum“ für alle 19 ITIL 4 Practices zertifiziert ist, hätte ich erwartet, dass entsprechendes Wissen intern strukturiert vermittelt wird. Stattdessen wurde ich von Person zu Person geschickt, bis ich das benötigte Buch schließlich über Umwege bekam.

