Der Graben zwischen Leitungsteam und Belegschaft wird immer tiefer
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die unehrliche Kommunikation finde ich sehr frustrierend und hat mich das Vertrauen in das Leitungsteam verlieren lassen. An einem Tag ist die Strategie das Verfolgen von Ziel A. Am nächsten Tag wird Ziel A reduziert, weil man sich auf Ziel B konzentrieren möchte. Ein halbes Jahr später wird Ziel B einkassiert, alles wieder auf A.
Der Umgang des Leitungsteams mit dem Betriebsrat und allem darum herum ist in offenen Kanälen vorgeblich positiv und Kooperativ, jedoch versuchen sie hintenrum möglichst alles zu blockieren. In der Darstellung von Ereignissen widersprechen sich Leitungsteam und Betriebsrat, das Leitungsteam formuliert schon suggestiv. Es ist traurig das nötig zu haben.
Jene Führungskräfte, die ganz in ihrem eigenen Sinne taktieren und Leute gegeneinander ausspielen, kommen weiter. Da sie damit durchkommen, scheint das für den Geschäftsführer in Ordnung zu sein. Empathische und kompetente Personen werden an den Rand gedrängt, die unempathischen Personen steigen auf und gehen entsprechend empathielos mit den anderen um.
Verbesserungsvorschläge
Das Leitungsteam brüstet sich damit, wie viele super intelligente Leute in der Firma arbeiten. Gleichzeitig beleidigen sie deren Intellekt durch ihren unehrlichen Umgang. Wenn die wirtschaftliche Lage schwer ist, sollte man das ehrlich kommunizieren. Womöglich stellt sich noch ein Wir-Gefühl zwischen Belegschaft und Leitungsteam ein. Die toxische Positivität bis hin zu Gaslighting ist leicht zu durchschauen und frustriert extrem.
Arbeitsatmosphäre
Die Situation am Markt scheint im Moment herausfordernd zu sein. Von oben kommt ganz viel Druck das nächste große Ding zu bauen. Wirklich unterstützt fühle ich mich dabei allerdings nicht.
Die Art, wie das Leitungsteam mit dem existierenden SE-Betriebsrat und der Initiative zur Gründung eines deutschen Betriebsrat umgeht, baut tiefe Gräben auf. Das Leitungsteam kommuniziert die Absicht einvernehmlich mit der Belegschaft zu arbeiten, hintergeht den SE-Betriebsrat dann allerdings. Anfang des Jahres schien es schon abgekühlt, nun wirkt es unterschwellig feindselig.
Alle paar Monate wird umstrukturiert. Ich kann mir bei vielen gar nicht merken, in welchem Team sie aktuell sind, das hat etwas von Schleudertrauma.
Innerhalb der Teams ist die Atmosphäre allerdings weiterhin nett, wenn man einmal angekommen ist.
Kommunikation
Das Leitungsteam kommuniziert schon länger keine wirtschaftlichen Zahlen mehr. Es gibt ständig große und kleine Änderungen in der Strategie, die wie aus dem nichts kommen.
Äußert man sich im öffentlichen Slack-Channel zu einem Missstand, bekommt man eine Direktnachricht von einem direkten oder indirekten Vorgesetzten. Die angeblich so "offene" und "bidirektionale" Kommunikation existiert so nicht.
Kollegenzusammenhalt
Das Trauma-Bonding und Flurfunk funktioniert gut, insbesondere weil das Leitungsteam so viel Chaos und Frust erzeugt.
Work-Life-Balance
Bisher hat mich niemand zu Überstunden gezwungen, ich konnte meine Gleitzeit beliebig nutzen.
Vorgesetztenverhalten
Das Agieren des Leitungsteams ist furchtbar. Die treffen sich regelmäßig in London und haben angeblich total produktiven Austausch. Für die Belegschaft wurden die Team-Events gestrichen um Kosten zu sparen.
Fragen an den Teamleiter bezüglich Priorisierung wurden in die eine Richtung beantwortet, später kam der Vorwurf am falschen Projekt gearbeitet zu haben.
Interessante Aufgaben
Die eingekauften AI Coding Tools übernehmen jetzt die eigentliche Softwareentwicklung. Man ist damit beschäftigt die langweiligen Dinge zu tun, die die KI bisher nicht kann. Zudem ist der Fokus nicht mehr auf interessanten und schweren Problemen sondern nur noch der Integration von bereits existierenden Dingen mit der vorhandenen Infrastruktur.
Arbeitsbedingungen
Bis zu einem Stichtag durfte man seinen Vertrag noch auf Remote umstellen. Alle neuen bekommen einen Hybrid-Vertrag an einem der Standorte. Glücklich können sich jene schätzen, die noch einen Remote-Vertrag bekommen konnten.
Die gestellten Laptops, Bildschirme, Mäuse und Kopfhörer sind wunderbar.
Die technische Infrastruktur wird allerdings nur notdürftig zusammengehalten. Überall ist Geschwindigkeit wichtiger als Gründlichkeit oder Stabilität. Daher wird die eigentliche Arbeit ständig durch Infrastrukturprobleme unterbrochen. Durch die Kündigung von vielen Mitarbeiter*innen im Bereich Betrieb, Developer Experience und Tooling hat das Leitungsteam gezeigt, was sie von diesen Themen halten. Es wird also nur noch schlimmer werden, als es schon ist.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Es fing so gut an: Rechenzentren in Island, Finland und Schweden; betrieben mit echtem Ökostrom und minimaler Kühlung. Inzwischen läuft immer mehr in AWS und niemand redet mehr über Ökobilanz der Rechenzentren dort.
Mitarbeitende werden anscheinend nicht nach sozialen Kriterien gekündigt. Der ganze Umgang damit ist auch sehr empathielos.
Karriere/Weiterbildung
Es gab mal einen monatlichen Hack-Friday, bei dem man wirklich alles mögliche machen durfte. Dieser wurde dann immer weiter eingeschränkt, am besten baut man da einen Prototypen für ein neues Produkt und nicht nur ein Lernprojekt. Zu Open Source beitragen ist durch schwammige Formulierungen zum Urheberrecht vergrämt worden.
Inzwischen werden vier dieser Freitage gestrichen und in einen viertägigen "Hackathon" gruppiert. Dort darf man aber nur an vorher abgesegneten Projekten arbeiten. Es ist also letztlich eine ganz normale Arbeitswoche, für die dieses Benefit gestrichen worden ist.
Im Prinzip wird man ermutigt sich weiterzubilden und in seiner Arbeitszeit Fachartikel und -literatur zu lesen. Jedoch ist der Druck neue Produkte abzuliefern so hoch, dass dafür keine Zeit bleibt. Und der Aufwand sein Individual Learning Budget wirklich einzusetzen ist zu hoch um es wirklich zu tun. Somit verpufft das alles.
Aber jedes Quartal müssen wir uns persönliche Entwicklungsziele im HRIS setzen. Diese werden in Gesprächen mit den direkten Vorgesetzten dann begleitet. Es ist eine unglaubliche Zeitverschwendung ohne Mehrwert.