12-Monate-Trainee-Programm als Vorgabe – Riesiger Unterschied zwischen den Standorten Wetzlar und Herborn
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Titel: 12-Monate-Trainee-Programm als Vorgabe – Riesiger Unterschied zwischen den Standorten Wetzlar und Herborn
Bewertung:
Ich bin mit einer abgeschlossenen Ausbildung im Einzelhandel und über 20 Jahren Berufserfahrung (u. a. im internationalen Retail) voller Motivation in das offiziell auf 12 Monate ausgelegte Trainee-Programm zum Junior Store Manager gestartet. In meinen bisherigen Berufsjahren war ich unter anderem selbst jahrelang für die Einarbeitung neuer Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Auszubildender zuständig. Ich weiß daher aus der Praxis: Gute Einarbeitung funktioniert über Empathie, Geduld, eine angenehme Atmosphäre auf Augenhöhe und das Gefühl, willkommen zu sein – nur so lernen Menschen nachhaltig und gerne. Umso enttäuschender war das, was mir am Standort Herborn entgegengebracht wurde.
Riesiger Kontrast zwischen den Standorten: Mein Einstieg am Standort Wetzlar war hervorragend. Mir wurde extrem positives Feedback gegeben und direkt veranlasst, dass sich die verantwortlichen Ebenen noch am selben Tag Zeit genommen haben, um mich persönlich kennenzulernen. Das war professionell, wertschätzend und menschlich absolut top. Umso enttäuschender war dann der Standort Herborn – ein kompletter Fehlschlag. Dort fehlte von Beginn an jegliche Empathie und der richtige Vibe; es herrschte ein extrem negativer Grundton.
Kein echtes Onboarding & Entmutigung auf der Fläche: Obwohl das Trainee-Programm laut Vorgabe auf 12 Monate angelegt ist, wurde bereits in den ersten zwei Wochen am Standort Herborn enormer Erwartungs- und Leistungsdruck aufgebaut. Anstatt Quereinsteigern aus anderen Retail-Bereichen mit Geduld zu helfen und sie schrittweise in komplexe Abläufe (wie das Schlangenlinien-/Mäandersystem) einzuarbeiten, wurde man direkt entmutigt. Mit provokanten Aussagen wie „Hast du kein Zahlenverständnis? Ich glaube, du hast kein Zahlenverständnis“ wurde mir auf der Fläche ganz deutlich vermittelt, dass ich es gleich sein lassen und aufgeben soll. Wenn der Stresspegel zu hoch ist oder die Bereitschaft fehlt, jemanden anzulernen, sollte man kein Trainee-Programm begleiten.
Öffentliche Bloßstellung: Anstatt Fehler in der Lernphase konstruktiv unter vier Augen zu erklären, wurde ich wegen einer fehlerhaften Reduzierung direkt auf der Verkaufsfläche vor Kundinnen, Kunden und Auszubildenden lautstark maßgeregelt und mit Sätzen wie „Ich habe mir hier 20 Jahre etwas aufgebaut und du machst mir das alles kaputt“ konfrontiert. So geht man weder mit neuen Kräften noch mit Azubis um.
Respektloses Verhalten im Abschlussgespräch: Grundlegende Höflichkeiten fehlten stellenweise komplett – selbst ein einfaches Guten Morgen wurde ignoriert. Im abschließenden Gespräch setzte sich dieser Eindruck fort: Mit wiederholten Äußerungen wie „Wir sprechen jetzt Deutsch, ich spreche jetzt Deutsch“ und abwertender Gestik wurde ein extrem herablassender Ton angeschlagen. Als jemand, der hier aufgewachsen ist und fehlerfrei Deutsch spricht, fühlt man sich bei so einer Verhaltensweise absolut abgewertet. Menschlich war das unterste Schublade.
Das Arbeitsverhältnis wurde nach kürzester Zeit beendet. Ein 12-monatiges Trainee-Programm verliert seinen Sinn, wenn man Erfahrenen aus anderen Retail-Bereichen nicht einmal wenige Wochen Zeit gibt und ihnen so begegnet.
Verbesserungsvorschläge:
Führungskräfte vor Ort müssen dringend im Bereich Personalführung, Deeskalation, Empathie und Feedbackkultur geschult werden – flächendeckend an allen Standorten. Kritik gehört unter vier Augen und niemals vor Kundschaft oder Auszubildenden geäußert. Neue Mitarbeiter und Quereinsteiger brauchen Geduld und echte Einarbeitung statt sofortiger Demotivation. Die positiven und menschlichen Standards aus Wetzlar sollten überall gelten – und nicht durch das Verhalten einzelner Personen an Standorten wie Herborn zunichtegemacht werden.

