Micromanagement statt Vertrauen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die wenigen wirklich netten Menschen, die dort arbeiten. Teilweise sind dort ehrlich seelengute und fachlich starke Kollegen beschäftigt, deren Erfahrung und Kompetenzen viel zu wenig wertgeschätzt werden.
Verbesserungsvorschläge
Ein Blick auf die vergangenen Bewertungen hier reicht eigentlich aus, um zu sehen, dass Verbesserungsvorschläge wenig bringen. Viele der Kritikpunkte sind seit Langem bekannt und wurden offenbar bereits mehrfach von Beschäftigten angesprochen. Geändert hat sich trotzdem wenig bis nichts.
Wer immer wieder mit denselben Problemen konfrontiert wird und daraus keine erkennbaren Konsequenzen zieht, zeigt vor allem eines: Selbstreflexion ist nicht gewollt.
Arbeitsatmosphäre
Teilweise bedrückender als eine Beerdigung. Die langen Gesichter am Morgen passen zur täglichen Beerdigung von Motivation.
Selbst ein gewöhnlicher Gruß scheint manchen bereits zu viel abzuverlangen.
Aufgesetzte Höflichkeit und ein teilweise als unehrlich empfundener Umgang tragen erheblich zum trostlosen Gesamtbild bei.
Passiv-aggressive Kommunikation, Kritik vor anderen und wiederholte Entgleisungen im Umgangston schaffen ein Klima, in dem Respekt und Vertrauen schnell auf der Strecke bleiben.
Insgesamt eine Unternehmenskultur, die wenig Wert auf Motivation legt und vernünftige Zusammenarbeit unnötig belastet.
Image
Das Bild eines professionellen IT-Unternehmens passt nur bedingt zu dem, was intern tatsächlich erlebt wurde.
Gerade dort, wo bei anderen jeder Handgriff kontrolliert wird, fallen Defizite in Organisation/Führung und Kommunikation besonders unangenehm auf.
Auch interne und kundenbezogene Korrespondenz wirkt häufig flapsig und sprachlich nachlässig.
Besonders peinlich wird das, wenn gleichzeitig fremde E-Mails bis ins Detail kontrolliert werden.
Die eigenen Maßstäbe scheinen erstaunlich schnell an Bedeutung zu verlieren, sobald die eigene Arbeit daran gemessen werden müsste.
Work-Life-Balance
Work-Life-Balance existiert in diesem Unternehmen nach meiner Erfahrung praktisch nicht.
Selbst grundlegende Freiräume und Vereinbarungen muss man sich mühsam erkämpfen und kann sich anschließend trotzdem nicht darauf verlassen, dass getroffene Absprachen auch eingehalten werden.
Für nahezu alles scheint eine Rechtfertigung erwartet zu werden. Selbst bereits geklärte Vereinbarungen können erneut zum Diskussionsthema werden.
Besonders frustrierend ist, dass Beschäftigte offenbar ständig darum kämpfen müssen, dass einmal getroffene Zusagen überhaupt Bestand haben.
Die Freiheiten hängen zusätzlich stark vom jeweiligen Bereich ab: Projektmanagement, Vertrieb und Systemtechnik genießen wahrnehmbar größere Spielräume, während insbesondere der kaufmännische Bereich engmaschig kontrolliert wird.
Wer unter Work-Life-Balance Verlässlichkeit, Vertrauen und einen respektvollen Umgang mit vereinbarten Freiräumen versteht, wird hier enttäuscht.
Karriere/Weiterbildung
"Learning by Doing" wirkt wie das bequeme Etikett für Verantwortliche, die ihrer eigentlichen Aufgabe, Beschäftigte vernünftig einzuarbeiten und zu schulen, nicht nachkommen wollen.
Abläufe müssen eigenständig erschlossen und fehlende Grundlagen selbst erarbeitet werden.
Dass eine vernünftige Schulung Zeit sparen und unnötige Fehler vermeiden würde, scheint bei den Verantwortlichen nicht anzukommen.
Eine erkennbare Weiterbildungsstruktur war nach meiner Erfahrung kaum vorhanden. Auch echte Aufstiegsmöglichkeiten sucht man vergeblich. Wer beruflich vorankommen möchte, tritt hier eher auf der Stelle.
Die eigene Karriere stagniert in diesem Unternehmen schlicht.
Dringender Weiterbildungsbedarf besteht ausgerechnet dort, wo er offenbar am wenigsten gesehen wird: bei Führung und Kommunikation.
Gehalt/Benefits
Benefits gibt es praktisch keine.
Das Gehalt ist bestenfalls durchschnittlich.
Homeoffice ist kein selbstverständlicher Benefit, sondern etwas, das man sich erst mühsam erkämpfen muss.
Von den Versprechen in den Stellenanzeigen sollte man sich besser nicht blenden lassen. Vieles davon entspricht erfahrungsgemäß nicht der Realität. Zusagen aus Bewerbungsgesprächen werden später nicht wie vereinbart umgesetzt oder anders dargestellt. Bei der Geschäftsleitung scheint die Erinnerung an Absprachen bemerkenswert unzuverlässig zu sein. Dass Gespräche vorsorglich protokolliert werden müssen, damit die eigene Darstellung später nicht bestritten wird, ist ein vernichtendes Zeugnis für die Verlässlichkeit dieser Zusammenarbeit.
Kollegenzusammenhalt
Von echtem Kollegenzusammenhalt war nach meiner Erfahrung nur begrenzt etwas zu spüren.
Aufgesetzte Freundlichkeit ersetzt keinen ehrlichen und verlässlichen Umgang miteinander.
Teilweise entsteht eher der Eindruck, dass man genau überlegen sollte, wem gegenüber man sich wie äußert.
Persönliche Nähe zu Verantwortlichen scheint das Miteinander und die Akzeptanz bestimmten unprofessionellen Verhaltens spürbar zu beeinflussen.
Wer außerhalb des inneren Zirkels steht, sollte trotzdem professionelle Distanz und einen fairen Umgang erwarten dürfen. Das ist hier nicht der Fall.
Umgang mit älteren Kollegen
Ältere Kollegen werden nach meiner Erfahrung deutlich bevorzugt. Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass einigen diese Sonderstellung sehr bewusst ist und sie entsprechend auftreten.
Vorgesetztenverhalten
Der Führungsstil wirkt autoritär bis zur völligen Bevormundung.
Über Teams wird derart kleinteilig nachgehalten, dass selbst gewöhnliche Arbeitsschritte zum Abstimmungsvorgang werden.
Eigenständiges Denken wird unter diesen Bedingungen regelrecht abtrainiert. Wer jede Entscheidung an sich zieht, darf sich über zunehmende Unselbstständigkeit kaum wundern.
Langjährige Berufserfahrung wird kaum berücksichtigt. Teilweise wird man behandelt wie ein Azubi und selbst bei völlig alltäglichen Entscheidungen unnötig an die Hand genommen.
Besonders im direkten Umfeld der Geschäftsleitung fallen kleinliche Kontrolle und passiv-aggressive Nachrichten auf.
Kritik wird auch vor anderen Beschäftigten geäußert. Dieser Umgang ist herabwürdigend und offenbart ein erschreckend schwaches Verständnis von Führungsverantwortung.
Wiederholte Entgleisungen im Umgangston werden durch eine flapsige Entschuldigung nicht erledigt. Wiederholt sich das Verhalten, verkommt die Entschuldigung zur leeren Formalität.
Arbeitsbedingungen
Die Büroräume sind teilweise modern, der tatsächliche Zustand ist jedoch regelmäßig ungepflegt.
Staub, verschmutzte Fenster und Flecken an den Wänden gehören nach meiner Erfahrung zum normalen Erscheinungsbild.
Einige Beschäftigte scheinen zudem Schwierigkeiten damit zu haben, gemeinsam genutzte Bereiche ordentlich zu hinterlassen.
Moderne Einrichtung hilft wenig, wenn grundlegende Sauberkeit und Ordnung offenbar bereits zu viel verlangt sind.
Der Lärmpegel im Büro ist teilweise unnötig hoch, weil sich einige Beschäftigte offenbar eher wie zu Hause als am Arbeitsplatz verhalten. Hinzu kommen extrem dünne Wände, durch die selbst mit Kopfhörern schrilles Gelächter, Hundegebell und andere Geräusche kaum auszublenden sind. Konzentriertes Arbeiten wird dadurch regelmäßig erschwert. Umso befremdlicher ist es, wenn anschließend Verwunderung darüber herrscht, dass Beschäftigte lieber im Homeoffice arbeiten...
Kommunikation
Die Kommunikation ist organisatorisch ein Armutszeugnis.
Besonders aus den "wichtigen" Abteilungen fehlen wiederholt Informationen, ohne die andere ihre Aufgaben nicht vernünftig erledigen können.
Das notwendige Wissen muss mühsam zusammengesucht werden; die Folgen dieser Informationslücken dürfen anschließend andere ausbaden.
Aufgabenübergaben gleichen teilweise einem Ratespiel mit anschließender Schuldzuweisung.
Wesentliche Informationen fehlen, erwartet wird trotzdem ein Ergebnis nach unausgesprochenen Vorstellungen. Gedankenlesen scheint dabei zeitweise wichtiger zu sein als Berufserfahrung. Die ständige Forderung nach weniger Aufwand wirkt unter diesen Umständen geradezu dreist. Zuerst fehlen brauchbare Strukturen, anschließend sollen sich Beschäftigte für die Zeit rechtfertigen, die sie zur Bewältigung dieses organisatorischen Durcheinanders benötigen - unverschämt!
Gleichzeitig werden bereits erläuterte Abläufe in täglichen Meetings immer wieder durchgekaut und operative Einzelheiten müssen wiederholt erklärt werden. Der Nutzen bleibt angesichts des Aufwands kaum erkennbar. Diese Einmischung bis ins Detail wirkt wie ein massives Versagen bei der Prioritätensetzung.
Interessante Aufgaben
Die eigentlichen Aufgaben könnten durchaus interessant sein, werden jedoch durch mangelhafte Organisation und permanente Einmischung unnötig erschwert und unmöglich gemacht.
Fehlende Informationen, unnötige Abstimmungsschleifen und wiederholte Korrekturen nach unausgesprochenen Vorstellungen rauben der eigentlichen Arbeit erheblich an Qualität.
Wer selbstständig arbeiten möchte, stößt schnell an die Grenzen eines Systems, das lieber kontrolliert als Verantwortung überträgt.
Micromanagement wird in diesem Unternehmen GROSS geschrieben.
