Gut am Arbeitgeber finde ich
Der größte Vorteil des Unternehmens war für mich die außergewöhnlich flexible Möglichkeit des mobilen Arbeitens. Das war aus meiner Sicht der entscheidende Wettbewerbsvorteil der Agentur und einer der wenigen Bereiche, in denen sie sich klar positiv von vielen Mitbewerbern unterschieden hat. Diese Flexibilität hat es ermöglicht, qualifizierte Mitarbeitende langfristig zu halten – insbesondere diejenigen, für die lange Pendelzeiten ein wesentlicher Faktor waren.
Umso unverständlicher war für mich der Kurs der neuen Geschäftsführung, diesen aus meiner Sicht wichtigsten Standortvorteil systematisch zurückzufahren. Ich habe den Eindruck, dass damit ein zentraler Grund geschwächt wurde, warum viele Mitarbeitende dem Unternehmen überhaupt treu geblieben sind.
Erstaunlich gut funktionierte hingegen der interne Informationsfluss. ("Flurfunk") Nach meinem Eindruck wurden Informationen auf den höheren Führungsebenen häufig informell weitergegeben, sodass wichtige Entwicklungen innerhalb der Belegschaft oft schon früh bekannt waren. Das hatte zumindest den Vorteil, dass viele Mitarbeitende auf Veränderungen besser vorbereitet waren und Entscheidungen seltener völlig überraschend kamen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Gehaltsstruktur habe ich als äußerst intransparent erlebt. Für mich war häufig nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien Gehälter angepasst wurden. Besonders problematisch fand ich den Eindruck, dass langjährige Mitarbeitende finanziell oft schlechter gestellt waren als neu eingestellte Kolleginnen und Kollegen, sodass Loyalität aus meiner Sicht nicht angemessen honoriert wurde.
Die interne Kommunikation war lange Zeit aus meiner Sicht unzureichend. Inzwischen wird zwar deutlich häufiger kommuniziert, allerdings hatte ich häufig den Eindruck, dass viele nebensächliche Informationen ausführlich vermittelt werden, während zentrale Themen nur oberflächlich behandelt oder gar nicht klar eingeordnet werden. Dadurch entstand bei mir eher das Gefühl von Informationsfülle als von echter Transparenz. Zudem hatte ich mehrfach den Eindruck, dass die Darstellung wichtiger Entwicklungen nicht immer mit meiner Wahrnehmung der tatsächlichen Situation übereinstimmte.
Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten erschienen mir stark von persönlichen Beziehungen abhängig. Fachliche Leistung allein hatte aus meiner Sicht nicht den Stellenwert, den sie für eine faire Personalentwicklung haben sollte.
Auch der Umgang mit Mitarbeitenden wirkte auf mich häufig wenig planvoll. Personelle Entscheidungen schienen oft kurzfristig getroffen zu werden, ohne individuelle Interessen, fachliche Entwicklung oder langfristige Perspektiven ausreichend zu berücksichtigen.
Besonders kritisch habe ich die Entwicklung im Neugeschäft wahrgenommen. Nach meinem Eindruck gingen zahlreiche Pitches verloren, größere Neukunden waren selten, und bestehende Kunden verließen das Unternehmen zunehmend. Anstatt die Ursachen dieser Entwicklung konsequent zu analysieren, entstand bei mir der Eindruck, dass der Druck häufig an die Mitarbeitenden weitergegeben wurde. Aus meiner Sicht wäre es sinnvoller, die Aufstellung des Pitch-Bereichs sowie insbesondere die Preisstrategie grundlegend zu überprüfen, da die Preisgestaltung nach meinem Eindruck die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber potenziellen Neukunden erschwert hat.
Verbesserungsvorschläge
Aus meiner Sicht wäre eine grundlegende Neuaufstellung der Führungsebene in Deutschland sinnvoll. Ich hatte den Eindruck, dass Führungsverantwortung teilweise Personen übertragen wird, deren bisherige berufliche Laufbahn aus meiner Sicht nicht überzeugend auf eine solche Rolle vorbereitet hat.
Auch die Struktur „Zentral Europa“ halte ich für wenig überzeugend. Meiner Erfahrung nach lassen sich erfolgreiche Konzepte aus anderen osteuropäischen Märkten nicht ohne Weiteres auf den deutschen Markt übertragen, da sich Marktbedingungen, Kundenanforderungen und Unternehmenskultur deutlich unterscheiden.
Besonders kritisch sehe ich die Kriterien für die Besetzung von Führungspositionen. Mein Eindruck war, dass vor allem diejenigen Karrierechancen erhalten, die Entscheidungen von oben selten hinterfragen und sich stark an bestehende Hierarchien anpassen. Kritische, konstruktive Gegenpositionen schienen aus meiner Sicht deutlich weniger gefragt zu sein. Ich würde mir eine Führungskultur wünschen, in der fachliche Kompetenz, Eigenständigkeit und die Bereitschaft, Entscheidungen auch im Interesse der Mitarbeitenden kritisch zu hinterfragen, stärker berücksichtigt werden.
Arbeitsatmosphäre
Die derzeitigen Veränderungen haben aus meiner Sicht spürbare Auswirkungen auf die Stimmung innerhalb der Agentur. Ich erlebe das Arbeitsklima zunehmend als belastend und teilweise toxisch. Gleichzeitig entsteht bei mir der Eindruck einer Abwärtsspirale: Gute und erfahrene Mitarbeitende verlassen nach und nach das Unternehmen, wodurch zusätzlich Know-how und Stabilität verloren gehen.
Aktuell macht es mir persönlich zunehmend wenig Freude, bei dentsu zu arbeiten. Besonders kritisch finde ich, dass die Geschäftsführung die Auswirkungen dieser Entwicklung auf die Mitarbeitenden aus meiner Sicht nicht ausreichend wahrnimmt oder berücksichtigt. Mein Eindruck ist, dass der Fokus derzeit sehr stark auf der kurzfristigen Stabilisierung der Geschäftszahlen liegt, während Themen wie Mitarbeiterzufriedenheit, Motivation und die langfristige Bindung guter Mitarbeitender deutlich zu kurz kommen.
Teilweise entsteht bei mir sogar der Eindruck, dass persönliche bzw. kurzfristige Managementziele stärker im Vordergrund stehen als eine nachhaltige Verbesserung der Situation für die Agentur und ihre Mitarbeitenden.
Image
Das Image der Agentur hat aus meiner Sicht durch die zahlreichen Veränderungen und Umstrukturierungen deutlich gelitten. Mein Eindruck ist, dass Wettbewerber die aktuelle Situation zunehmend als Chance wahrnehmen und von der Abwanderung erfahrener und fachlich starker Mitarbeitender profitieren.
Insgesamt empfinde ich die Außenwirkung derzeit als sehr schwach. Aus meiner Sicht trägt die aktuelle Geschäftsführung eine erhebliche Verantwortung dafür, wie sich die Agentur in dieser Transformationsphase nach innen und außen präsentiert.
Work-Life-Balance
Vieles hängt hier sicherlich davon ab, wie gut man selbst Grenzen setzen kann. Die ausgeprägte Möglichkeit des mobilen Arbeitens hat für mich dabei lange einen großen Teil der Work-Life-Balance gerettet und ist nach wie vor einer der großen Pluspunkte.
Gleichzeitig habe ich zunehmend den Eindruck, dass die Arbeitsbelastung steigt, während die Teams kleiner werden. Dadurch verteilt sich immer mehr Arbeit auf immer weniger Mitarbeitende. Die Frage ist aus meiner Sicht weniger, ob mehr gearbeitet wird, sondern eher, wie lange dieses Modell noch nachhaltig funktionieren soll.
Kritisch sehe ich außerdem die Wahrnehmung von Mehrarbeit. Ich habe den Eindruck, dass es teilweise eher positiv wahrgenommen wird, wenn Mitarbeitende auch im Urlaub oder am Wochenende arbeiten. Für mich setzt das ein falsches Signal und trägt nicht zu einer gesunden Arbeitskultur bei.
Auch beim Thema Mental Health hat sich mein Eindruck deutlich verändert. Während das Thema früher aus meiner Sicht wesentlich stärker kommuniziert und sichtbar unterstützt wurde, spielt es inzwischen gefühlt eine deutlich geringere Rolle.
Karriere/Weiterbildung
Die Möglichkeiten zur Weiterbildung und persönlichen Entwicklung sind aus meiner Sicht deutlich eingeschränkt. Selbst vorhandene Angebote lassen sich aufgrund der aktuellen Arbeitsbelastung häufig nur schwer in den Arbeitsalltag integrieren. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass Beförderungen zunehmend selten werden und Entwicklungsperspektiven dadurch fehlen.
Besonders frustrierend finde ich, dass aus meiner Sicht immer wieder Perspektiven und Entwicklungsschritte in Aussicht gestellt werden, die später aufgrund veränderter Rahmenbedingungen oder fehlender Budgets nicht umgesetzt werden. Dadurch entsteht bei mir zunehmend das Gefühl, dass langfristige Karriereplanung in der aktuellen Situation kaum möglich ist.
Gehalt/Benefits
Bei den Benefits sehe ich die Agentur im Vergleich zu anderen Arbeitgebern der Branche inzwischen eher im Nachteil. Weniger Urlaub, freiwillige Zusatzleistungen mit begrenzter Verbindlichkeit und deutlich weniger Mitarbeiterevents vermitteln für mich zunehmend den Eindruck, dass auch bei den Benefits gespart wird.
Besonders kritisch sehe ich die fehlende Transparenz bei den Gehältern. Mein Eindruck ist, dass Mitarbeitende mit vergleichbarer Position und ähnlicher Verantwortung teilweise deutlich unterschiedlich vergütet werden können. Eine nachvollziehbare Gehaltsstruktur und mehr Transparenz bei der Vergütung würde aus meiner Sicht dringend helfen, das Gefühl von Fairness und Wertschätzung zu verbessern.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Mein Eindruck ist, dass Umwelt- und Sozialthemen vor allem dann sichtbar priorisiert werden, wenn sie sich gut nach außen kommunizieren lassen. Im Arbeitsalltag scheint aktuell jedoch der Fokus deutlich stärker auf wirtschaftlichen Kennzahlen und kurzfristigen Ergebnissen zu liegen als auf nachhaltigem und sozialem Handeln.
Kollegenzusammenhalt
Ich habe hier viele tolle und außergewöhnliche Menschen kennengelernt. Die Kolleginnen und Kollegen sind für mich einer der größten Pluspunkte der Agentur und haben den Arbeitsalltag oft deutlich angenehmer gemacht.
Leider habe ich den Eindruck, dass auch dieser Zusammenhalt durch den aktuellen großen Umbruch zunehmend belastet wird. Teams müssen sich neu finden, gewachsene Strukturen werden aufgebrochen und eingespielte Teamkonstellationen aus meiner Sicht nicht mehr ausreichend berücksichtigt. Häufig scheint der Fokus stärker auf kurzfristigen Kennzahlen zu liegen als darauf, welche Teams auch menschlich und fachlich gut funktionieren.
Besonders schade finde ich, welche Kolleginnen und Kollegen die Agentur derzeit verlassen. Gerade der Verlust vieler geschätzter und erfahrener Mitarbeitender wirkt sich aus meiner Sicht zunehmend auf den Zusammenhalt und die Stimmung innerhalb der Agentur aus.
Umgang mit älteren Kollegen
Im aktuellen Transformationsprozess habe ich leider den Eindruck, dass langjährige und erfahrene Mitarbeitende nicht die Wertschätzung und Sicherheit erfahren, die ich mir von einem Unternehmen wünschen würde.
Besonders kritisch empfinde ich, wie mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen im Zuge der aktuellen Veränderungen umgegangen wird. Aus meiner Sicht scheint Erfahrung und langjährige Betriebszugehörigkeit dabei teilweise weniger zu zählen als kurzfristige wirtschaftliche oder organisatorische Überlegungen.
Das finde ich persönlich sehr schade. Gerade ältere und langjährige Mitarbeitende verfügen häufig über wertvolles Wissen, Erfahrung und ein tiefes Verständnis für Kunden und interne Abläufe. Aus meiner Sicht sollte ein Transformationsprozess dieses Know-how stärker berücksichtigen und nicht den Eindruck vermitteln, dass Erfahrung plötzlich weniger wert ist.
Vorgesetztenverhalten
Beim Vorgesetztenverhalten gibt es aus meiner Sicht deutliche Unterschiede. Es gibt Führungskräfte, die sich wirklich für ihre Mitarbeitenden interessieren, ansprechbar sind und deren Wohlbefinden ernst nehmen. Leider habe ich aber auch Führungskräfte erlebt, bei denen eher der Eindruck entsteht, dass Vorgaben von oben möglichst ohne Widerspruch übernommen und weitergetragen werden.
Aus meiner Sicht wird konstruktiver Widerspruch dabei nicht immer ausreichend gefördert. Teilweise entsteht sogar der Eindruck, dass man als Führungskraft eher dann erfolgreich ist, wenn man Entscheidungen von oben mitträgt, anstatt sie kritisch zu hinterfragen oder die Interessen der eigenen Mitarbeitenden gegenüber der nächsthöheren Ebene zu vertreten.
Gerade in einem Unternehmen im starken Wandel würde ich mir deutlich mehr Führungskräfte wünschen, die auch einmal „Nein“ sagen, unbequeme Themen ansprechen und für ihre Teams einstehen. Aktuell habe ich leider nicht den Eindruck, dass eine solche Haltung im bestehenden System besonders gefördert wird.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen sind insgesamt in Ordnung, insbesondere die Möglichkeiten des mobilen Arbeitens sind ein klarer Pluspunkt. Gleichzeitig führen die zunehmende Arbeitsbelastung und die sich verändernden Rahmenbedingungen dazu, dass sich die Situation zuletzt spürbar verschlechtert hat.
Kommunikation
Normalerweise würde ich hier nur einen Stern vergeben. Zwei Sterne gibt es letztlich nur, weil der Flurfunk innerhalb der Agentur außergewöhnlich gut funktioniert.
Früher wurde aus meiner Sicht kaum ausreichend kommuniziert. Mittlerweile gibt es zwar deutlich häufiger Kommunikation, allerdings hat sich dadurch nicht unbedingt die Qualität der Kommunikation verbessert. Mein Eindruck ist, dass bei vielen Themen sehr ausführlich über eher nebensächliche Punkte gesprochen wird, während wirklich relevante Informationen entweder nur sehr knapp behandelt oder gar nicht transparent kommuniziert werden.
Besonders problematisch finde ich, dass ich Aussagen aus der Kommunikation teilweise als widersprüchlich zu meiner eigenen Wahrnehmung bzw. zu späteren Entwicklungen erlebt habe. Dadurch entsteht bei mir zunehmend der Eindruck, dass Informationen eher gesteuert als wirklich transparent vermittelt werden.
Gleichberechtigung
Beim Thema Gleichberechtigung ergibt sich für mich ein differenziertes Bild. Den Eindruck, dass Frauen grundsätzlich schlechtere Chancen auf Führungspositionen haben, kann ich aus meiner persönlichen Wahrnehmung nicht bestätigen. Im Gegenteil: Es gibt durchaus zahlreiche Frauen in verantwortungsvollen Positionen.
Gleichzeitig halte ich die Frage nach Gleichberechtigung für komplexer, als sie allein anhand der Verteilung von Führungspositionen zu beurteilen ist. Für mich geht es dabei auch um Transparenz, nachvollziehbare Kriterien bei Beförderungen sowie darum, ob Mitarbeitende unabhängig von persönlichen Beziehungen und individuellen Präferenzen die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten erhalten.
In diesem Bereich sehe ich insgesamt noch Verbesserungsbedarf. Meine Bewertung von 2 von 5 Sternen bezieht sich daher nicht auf eine aus meiner Sicht grundsätzlich schlechtere Behandlung von Frauen, sondern auf die allgemeine Wahrnehmung von Fairness und Gleichbehandlung im Arbeitsumfeld.
Interessante Aufgaben
Grundsätzlich gibt es interessante und spannende Aufgaben, allerdings wird deren Potenzial aus meiner Sicht zunehmend durch die aktuellen Rahmenbedingungen eingeschränkt.
Gerade beim Thema künstliche Intelligenz habe ich den Eindruck, dass die Entwicklung und Nutzung eher gebremst als aktiv gefördert wird. Rechtliche Bedenken sind nachvollziehbar, gleichzeitig entsteht dadurch aus meiner Sicht eine sehr vorsichtige Haltung, die Innovation eher erschwert als ermöglicht.
Hinzu kommt, dass der Workload gefühlt kontinuierlich zunimmt, während für die einzelnen Aufgaben immer weniger Zeit zur Verfügung steht. Dadurch bleibt häufig wenig Spielraum für neue Ideen oder kreative Ansätze. Statt Dinge neu zu denken oder innovative Lösungen auszuprobieren, geht es im Arbeitsalltag zunehmend darum, Aufgaben möglichst effizient nach bekannten Mustern abzuarbeiten, um dem vorhandenen Pensum überhaupt gerecht zu werden.
Für neue, interessante Projekte oder die persönliche Weiterentwicklung bleibt dadurch leider wenig Zeit. Mein Eindruck ist, dass aktuell weniger in Innovation und Entwicklung investiert wird, sondern vor allem versucht wird, den bestehenden Workload mit den vorhandenen Ressource