Führung ohne Verantwortung?
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Kolleginnen und Kollegen. Viele waren engagiert, hilfsbereit und haben trotz schwieriger Rahmenbedingungen hervorragende Arbeit geleistet. Leider erfolgten Entlassung und Freistellung von heute auf morgen. Gerne hätte ich mich persönlich verabschiedet und für die gute Zusammenarbeit bedankt.
Ich habe meine Arbeit und die Produkte gerne gestaltet. Für mich ist gutes Design kein Zufall und keine reine Geschmackssache. Design hat eine Funktion: Es soll Probleme lösen, Orientierung geben und den Nutzer überzeugen. Dieses Wissen habe ich vermittelt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Mein Eindruck war, dass zentrale Führungswerte wie Verlässlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, klare Entscheidungen und ein einheitlicher Maßstab für Verantwortung und Wirtschaftlichkeit nicht gelebt wurde.
Verbesserungsvorschläge
Weniger Titel. Mehr Verantwortung. Gelebte Werte. Mehr Verlässlichkeit.
Führung sollte sich an Kompetenz, Integrität und dem Mut messen lassen, Entscheidungen zu tragen und Mitarbeitende zu vertreten. Wirtschaftlichkeit sollte für alle gelten oder für niemanden.
Aus meiner Sicht braucht das Unternehmen vor allem einen grundlegenden Wandel der Führungs- und Unternehmenskultur. Werte wie Verlässlichkeit, Verantwortung und Transparenz sollten nicht nur kommuniziert, sondern im Alltag gelebt werden.
Arbeitsatmosphäre
3 Grafikleiter in 3,5 Jahren. Führung oder Dauerbaustelle?
Eine Zusage ist kein Vorschlag. Sie gilt. Genau diese Verbindlichkeit habe ich vermisst, auch nach dem Wechsel der Leiter und der Geschäftsführung.
Nach welchen Maßstäben wird Führung ausgewählt? Nach Fachkompetenz, Verantwortungsbewusstsein und Rückgrat oder nach anderen Kriterien?
Während bei Grafikern und den von mir betreuten Subunternehmern jeder Euro, jede Minute und jedes Arbeitstempo hinterfragt wurden, schienen für Führungsstrukturen andere Maßstäbe zu gelten.
Warum wurde ausgerechnet dort gespart, wo die eigentliche Arbeit geleistet, Qualität gesichert und ein wesentlicher Beitrag zum Unternehmenserfolg erbracht wurde?
Ehemalige Leiter als Grafiker weiterzubeschäftigen, ist nicht das Problem. Warum entstand für mich der Eindruck, dass der Sparkurs vor allem die operativ Arbeitenden traf, Führungsstrukturen dagegen deutlich weniger?
Vertrauen entsteht durch Verlässlichkeit. Führung durch Verantwortung. Beides habe ich zu oft vermisst.
Image
Nach außen präsentiert sich das Unternehmen mit Werten. Auch intern habe ich häufig eine deutliche Lücke zwischen den kommunizierten Werten und dem tatsächlichen Führungsverhalten erlebt.
Work-Life-Balance
Der hohe Druck machte eine gesunde Work-Life-Balance aus meiner Sicht schwierig.
Karriere/Weiterbildung
Ich habe Wissen weitergegeben, Subunternehmer weltweit eingearbeitet und Kolleginnen und Kollegen unterstützt. Eine erkennbare Entwicklungskultur habe ich dagegen nicht erlebt.
Gehalt/Benefits
Ich war als Senior Designerin eingestellt, übernahm jedoch zusätzlich koordinierende Aufgaben und Verantwortung, die sich in meiner Vergütung nicht widerspiegelten.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den Kolleginnen und Kollegen war gut. Viele engagierte Menschen hielten den Betrieb trotz schwieriger Rahmenbedingungen am Laufen.
Umgang mit älteren Kollegen
Mein Eindruck war, dass in der Grafikabteilung eher jüngere und kostengünstigere Mitarbeitende bevorzugt wurden. Erfahrung hatte aus meiner Sicht nicht den Stellenwert, den sie verdient.
Vorgesetztenverhalten
Führung bedeutet Orientierung, Rückhalt und Verantwortung, nicht Eigeninteressen. Ich habe häufig das Gegenteil erlebt: Druck wurde weitergegeben, Verantwortung aus meiner Sicht kaum übernommen. Zusagen wurden gemacht und später nicht eingehalten. Rückhalt blieb aus und Entscheidungen waren für mich oft nicht nachvollziehbar.
Ich hatte erwartet, dass sich Führung gerade in schwierigen Situationen vor ihr Team stellt. Diesen Eindruck hatte ich nicht. Stattdessen entstand für mich der Eindruck, dass Verlässlichkeit gegenüber den Mitarbeitenden nicht denselben Stellenwert hatte wie bestehende Strukturen.
Führung zeigt sich nicht darin, Druck weiterzureichen, sondern Verantwortung zu übernehmen. Genau das habe ich vermisst.
Arbeitsbedingungen
Mir fehlte eine klare und verlässliche Führungsverantwortung mit gelebten Werten, nicht nur in der Grafikabteilung. Entscheidungen wurden häufig nach unten weitergegeben, Verantwortung dagegen aus meiner Sicht zu selten übernommen.
Kommunikation
Für mich war das kein Einzelfall, sondern ein Muster. Leistung wurde eingefordert. Verantwortung dagegen zu selten, fast gar nicht übernommen.
Warum wurden Grafiker und die von mir betreuten Subunternehmer bis ins Detail hinterfragt, Führungsentscheidungen dagegen deutlich seltener? Sollte Verantwortung nicht dort beginnen, wo Entscheidungen getroffen werden?
Für mich entstand der Eindruck, dass bei operativer Leistung strengere Maßstäbe galten als bei Führungsentscheidungen. Diesen Widerspruch konnte ich bis zuletzt nicht nachvollziehen. Zusagen verloren aus meiner Sicht häufig ihre Verbindlichkeit.
Kommunikation lebt von Klarheit. Vertrauen lebt von Verlässlichkeit. Genau daran fehlte es.
Gleichberechtigung
Ich hatte NICHT den Eindruck, dass alle Mitarbeitenden nach denselben Maßstäben behandelt wurden. Zusagen gegenüber mir und den von mir betreuten Subunternehmern wurden aus meiner Sicht nicht eingehalten.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben waren anspruchsvoll und abwechslungsreich. Ich entwickelte Bildersets, führte Verhandlungen, schrieb Briefings, koordinierte internationale 3D-Subunternehmer und war am Aufbau der Grafikabteilung sowie an Amazon-Bestsellern beteiligt.
Die Zusammenarbeit mit externen Partnern erfolgte stets in Abstimmung mit der Führung. Ich übernahm Verantwortung weit über meinen Aufgabenbereich hinaus. Gemeinsam trugen wir maßgeblich zum Unternehmenserfolg bei.
Nach dem Wechsel der Geschäftsführung wurde uns vermittelt, dass die externen Partner das Wintergeschäft abschließen und anschließend weiterbeschäftigt würden. Unsere Arbeit wurde ausdrücklich anerkannt. Kurz darauf erhielt ich dennoch die Kündigung. Als Begründung hieß es, externe Partner würden künftig nicht mehr benötigt. Später erfuhr ich im Rahmen eines Bewerbungsprozesses, dass für DEUBA wieder Subunternehmer für Bildersets vorgesehen waren. Das ließ mich die Begründung hinterfragen.
Für mich bleiben drei Fragen: Warum wurden diese Zusagen gemacht? Warum folgte auf den Erfolg die Kündigung? Und warum passten Zusagen und Entscheidungen am Ende nicht zusammen?
Diese Fragen hätte ich gern den Firmeninhabern gestellt.