Dachte, es könnte nicht schlechter werden – und wurde trotzdem noch enttäuscht
Gut am Arbeitgeber finde ich
Ich finde die Work-Life-Balance bei der DB wirklich gut. Die flexiblen Arbeitszeiten ermöglichen es mir sehr gut, private Termine und familiäre Verpflichtungen mit der Arbeit zu vereinbaren. Auch die grundsätzliche Infrastruktur und das bereitgestellte Equipment sind solide. Der Kollegenzusammenhalt unter den „Bahnern“ ist im Kern weiterhin stark und solidarisch – das schätze ich sehr.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich finde besonders problematisch, dass in der Restrukturierung viel mit Fassade und Floskeln gearbeitet wird, statt offen und ehrlich zu kommunizieren. Dadurch entsteht viel Unruhe und Misstrauen. Karriere- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten sind kaum vorhanden, Leistung wird nur unzureichend honoriert und erfahrene Mitarbeiter fühlen sich teilweise auf Abstellgleisen. Hinzu kommen zu niedrige Gehaltsentwicklungen im Vergleich zu anderen Branchen, laute Großraumbüros ohne festen Arbeitsplatz und der Eindruck, dass ideologische Ziele teilweise vor wirtschaftlicher Vernunft stehen. Insgesamt wirkt vieles planlos und demotivierend.
Verbesserungsvorschläge
Ich würde mir wünschen, dass in der aktuellen Restrukturierungsphase deutlich mehr Transparenz und ehrliche Kommunikation stattfinden. Statt Floskeln und halbherziger Mitteilungen wäre ein klarer, realistischer Plan hilfreich, der die Mitarbeiter ernsthaft einbezieht. Außerdem sollten Leistung und langjährige Erfahrung wieder stärker bei Beförderungen und Weiterentwicklung berücksichtigt werden, unabhängig von Quoten. Die Einführung von festen Arbeitsplätzen oder zumindest besseren Desk-Sharing-Lösungen sowie die Reduzierung der Geräuschbelastung in den Großraumbüros wären weitere wichtige Schritte. Generell sollte die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Maßnahmen stärker in den Fokus rücken.
Arbeitsatmosphäre
Ich empfinde die Arbeitsatmosphäre aktuell als eine vorgeschobene Fassade. Nach außen wird versucht, Ruhe und Struktur zu vermitteln, doch im Hintergrund spürt man sehr deutlich die Unruhe durch die laufende Restrukturierung und die damit einhergehende Planlosigkeit. Es wird zwar so getan, als gäbe es einen klaren Plan, aber man hat den Eindruck, dass eigentlich niemand wirklich weiß, wohin die Reise geht. Das merkt man leider auch zwischen den Zeilen der internen Zahlen und Mitteilungen.
Image
Ich denke, das Image der DB hat in den letzten Jahren stark gelitten. Durch das jahrelange Verschieben notwendiger Infrastrukturmaßnahmen und die verspätete Modernisierung der Flotte hat sich das Unternehmen aus meiner Sicht selbst geschadet. Leider merkt man das auch intern als Mitarbeiter.
Work-Life-Balance
Ich empfinde die Work-Life-Balance insgesamt als sehr gut. Die Arbeitszeiten sind flexibel einteilbar, und private Termine oder kurzfristige familiäre Angelegenheiten lassen sich in der Regel gut mit der Arbeit vereinbaren. Es gibt zwar immer mal Phasen, in denen die Tage länger als acht Stunden dauern, aber überwiegend passt die Waage zwischen Beruf und Privatleben sehr gut. Es gibt sicher noch Luft nach oben, aber ich bin hier weitgehend zufrieden.
Karriere/Weiterbildung
Ich empfinde die Karriere- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten als sehr begrenzt. Es gibt aus meiner Sicht kaum echte Aufstiegschancen oder strukturierte Entwicklungswege. Fortkommen scheint stark davon abhängig zu sein, ob man in bestimmte aktuelle Schwerpunktsetzungen passt. Reine Leistung und langjährige Kompetenz reichen leider nicht aus, um voranzukommen. Als Leistungsträger hat man eher das Gefühl, vor allem als Ideengeber genutzt zu werden, während echte Karriereschritte ausbleiben. Das empfinde ich als sehr demotivierend.
Gehalt/Benefits
Ich empfinde das Gehalt als marktüblich, aber im Vergleich zur freien Wirtschaft und zu anderen Industriezweigen (z. B. Metall-, Elektro- oder Chemieindustrie) deutlich niedriger – aus meiner Erfahrung etwa ein Drittel darunter. In den letzten Jahren wurden die Tarifanpassungen bei der DB eher zurückhaltend gehalten, während andere Branchen aufgrund der Inflation teilweise zweistellige Tariferhöhungen erhalten haben.
Zusätzlich gibt es innerhalb des Systems kaum Möglichkeiten für individuelle Gehaltssprünge. Man muss meist die Position oder den Bereich wechseln, um mehr zu verdienen. Das jährliche Feedback-Gespräch basierend auf KPIs empfinde ich eher als Augenwischerei, da der prozentuale Rahmen letztlich von der Bereichsleitung vorgegeben wird und das Ergebnis damit weitgehend feststeht. Eine echte leistungsabhängige Gehaltsentwicklung ist so kaum möglich.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Ich empfinde die Umwelt- und Sozialpolitik des Unternehmens als sehr stark nach außen getragen. Die DB positioniert sich extrem umwelt- und sozialbewusst. Allerdings frage ich mich, inwieweit die hohen Investitionen in grünen Strom, grünen Stahl, CO₂-Zertifikate und ähnliche Maßnahmen langfristig tragfähig sind. Aus meiner Sicht werden dadurch die Kosten erheblich gesteigert, ohne dass diese vollständig auf die Ticketpreise umgelegt werden können. Ich habe den Eindruck, dass hier eine sehr ideologische Herangehensweise gewählt wird, die die wirtschaftliche Realität eines gewinnorientierten Unternehmens nicht ausreichend berücksichtigt. Das empfinde ich insgesamt als kritisch.
Kollegenzusammenhalt
Ich empfinde den Kollegenzusammenhalt grundsätzlich als zweigeteilt. Unter uns „Bahnern“ ist der Zusammenhalt eigentlich sehr gut und solidarisch. Allerdings merke ich, dass der Beruf einen bestimmten Menschentyp anzieht, der nach außen hin sehr liberal und progressiv wirkt, intern jedoch oft nur die eigene Meinung gelten lässt. Besonders in der aktuellen Restrukturierungsphase wirkt der Zusammenhalt eher oberflächlich – nach außen hält man zusammen, im Hintergrund wird jedoch viel gestichelt und gegeneinander gearbeitet.
Umgang mit älteren Kollegen
Ich empfinde den Umgang mit älteren Kollegen als zweigeteilt. Grundsätzlich wird Wert darauf gelegt, dass sie ihr Wissen weitergeben können, was auch positiv ist. Allerdings habe ich den Eindruck, dass ältere Mitarbeiter aufgrund ihrer Erfahrung bewusst nicht weiterentwickelt werden. Stattdessen wirkt es so, als würden sie auf ein Abstellgleis gestellt, um dort als Ideengeber zu dienen und ihr wertvolles Wissen abzuschöpfen, ohne ihnen echte Perspektiven oder Weiterentwicklungsmöglichkeiten zu bieten.
Vorgesetztenverhalten
Ich empfinde das Verhalten der Vorgesetzten in der aktuellen Restrukturierungsphase als sehr problematisch. Es wirkt so, als hätten sie klare Abbauziele, die jedoch nicht ehrlich oder nur halbherzig kommuniziert werden. In den monatlichen Feedback-Gesprächen wird einem regelmäßig nahegelegt, die Abteilung zu wechseln oder sich „weiterzuentwickeln“, obwohl es faktisch kaum echte Weiterentwicklungsmöglichkeiten gibt. Stattdessen wird einem nahegelegt, innerhalb der DB in andere Bereiche zu wechseln. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass es einem bewusst ungemütlich gemacht wird, was ich sehr negativ empfinde.
Arbeitsbedingungen
Ich empfinde die Arbeitsbedingungen grundsätzlich als okay. Die Infrastruktur und das bereitgestellte Equipment sind solide. Allerdings hat die DB in den letzten Jahren stark auf Großraumbüros und eine aktive Desk-Sharing-Politik gesetzt. Dadurch gibt es keinen festen Arbeitsplatz mehr, und man verliert regelmäßig Zeit mit der Suche nach einem freien Platz sowie dem Einrichten des Arbeitsplatzes und dem Holen der Hardware. Besonders störend ist die hohe Geräuschkulisse in den Großraumbüros – vor allem durch viele Telefonate und Meetings. Das macht konzentriertes Arbeiten oft schwierig und wirkt insgesamt etwas ineffizient.
Kommunikation
Ich empfinde die Kommunikation als sehr intensiv, aber leider größtenteils oberflächlich. Es wird viel geredet, doch die Inhalte bestehen überwiegend aus Management-Floskeln und Worthülsen, ohne wirklich Tacheles zu reden. Obwohl immer betont wird, dass man keine Unruhe stiften möchte, wirken viele Mitteilungen genau gegenteilig und erzeugen eher Verunsicherung. Ich habe den Eindruck, dass die aktuelle Kommunikationsoffensive teilweise auch als Instrument genutzt wird, um die gewünschten Abbauziele durch höhere Fluktuation schneller zu erreichen.
Gleichberechtigung
Ich empfinde in diesem Bereich eine deutliche Diskrepanz zwischen der starken externen Positionierung und der gelebten Praxis. Nach außen wird sehr stark und sichtbar auf Vielfalt gesetzt. Intern habe ich als eher konservativ orientierter Mitarbeiter jedoch das Gefühl, dass langjährige Erfahrung und Kompetenz in manchen Fällen hinter die aktuellen Vielfaltsziele zurücktreten. Ich nehme wahr, dass bei Stellenausschreibungen und Beförderungen bestimmte Aspekte eine größere Rolle spielen als reine Qualifikation und Betriebszugehörigkeit. Das führt bei mir zu dem Eindruck einer aktiven Benachteiligung, was ich sehr negativ empfinde.
Interessante Aufgaben
Ich empfinde die Aufgaben nur oberflächlich als interessant. Grundsätzlich wird einem immer wieder nahegelegt, über den Tellerrand hinauszuschauen, neue Dinge zu denken und anders zu arbeiten. Am Ende des Tages wird jedoch sehr schnell wieder zurückgerudert, und es geht zurück zum gewohnten Schema F. Es fehlt an echter Innovationsfreude und Mut zu Veränderungen, sodass die Arbeit sich trotz anfänglich interessanter Ansätze schnell wiederholt und wenig Abwechslung bietet.

