Zwischen Anspruch und Realität: Eine Reise mit vielen Haltestellen.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Kein Kommentar.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
DB hat einen schlechten Ruf und das wird sich nicht ändern.
Verbesserungsvorschläge
Darüber könnte ich vermutlich ein ganzes Buch schreiben, aber letztendlich würde es nichts ändern. Meine Empfehlung ist, sich nicht zu sehr davon stressen zu lassen, da es sonst nur unnötig belastet. Verbesserungsvorschläge einzubringen, hatte für mich keinen erkennbaren Nutzen, da ich nicht mehr daran glaube, dass sich in diesem Unternehmen grundlegend etwas verändern lässt.
Die Ausbilder
Der AFK in der Ausbildung war aus meiner Sicht sehr gut. Die Ausbilder, die einem etwas beibringen sollten, die die praktische Ausbildung übernommen haben, habe ich jedoch andere Erfahrungen gemacht. Ein Großteil waren Quereinsteiger. Teilweise wurden Inhalte fachlich nicht korrekt vermittelt oder konnten nicht verständlich erklärt werden. Darüber hinaus fehlten einigen aus meiner Sicht die pädagogischen und zwischenmenschlichen Fähigkeiten, um Auszubildende angemessen anzuleiten.
Besonders kritisch empfand ich den Umgangston. Ich wurde wiederholt angeschrien und vor der Ausbildungsgruppe herabgewürdigt. Eine Aussage, ich sei der „Loser“ meiner Familie, weil andere Familienmitglieder studiert hätten und ich eine Ausbildung mache, empfand ich als respektlos und entwürdigend. Ein solcher Umgang ist aus meiner Sicht für ein professionelles Ausbildungsumfeld nicht akzeptabel.
Spaßfaktor
Lernen gehört zu jeder Ausbildung dazu. Allerdings empfand ich den Leistungsdruck als hoch. Es wurde erwartet, in schriftlichen Klausuren mindestens 70 Prozent zu erreichen, und bereits einzelne Fehler bei sicherheitsrelevanten Fragen konnten später dazu führen, dass die Prüfung als nicht bestanden galt. Da sich die Prüfungen regelmäßig ändern, hatte ich andere Prüfungsbedingungen als heutige Auszubildende.
Insgesamt habe ich die Ausbildungszeit nicht als besonders positiv oder motivierend erlebt. Der ständige Leistungsdruck und die Angst vor Konsequenzen haben dazu geführt, dass der Spaß an der Ausbildung verloren ging. Ich bin hingegangen, habe meine Aufgaben erledigt und das gemacht, was von mir erwartet wurde.
Während der Ausbildung angeschrien zu werden, hat meine Motivation zusätzlich stark beeinträchtigt.
Besonders negativ empfand ich die Berufsschule, da ich mich dort nicht wohlgefühlt habe. Lehrer, die keine ausreichenden Kenntnisse über Züge hatten, haben uns beigebracht, wie wir diese fahren sollten.
Positive Erfahrungen hatte ich vor allem während der Schichten, wenn man mit einem angenehmen Fahrpartner zusammengearbeitet hat und das Arbeitsklima gestimmt hat.
Variation
Viele Bereiche, die eigentlich Bestandteil der Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst sind, wurden während meiner Ausbildungszeit weggelassen, waren nicht vorhanden, nicht möglich oder wurden nur stark verkürzt behandelt. Dadurch hatte ich das Gefühl, dass nicht alle Inhalte, die zu diesem Berufsbild gehören, ausreichend vermittelt wurden.
Respekt
Weder als Auszubildender noch später als Mitarbeiter wirst du Respekt in diesem Unternehmen nicht spüren. Man ist eine Nummer und weniger wie ein geschätzter Teil des Unternehmens. Es wird erwartet, Leistung zu bringen und möglichst keine Kritik zu äußern. Kritik wird sowieso nicht wahrgenommen. Man kann zwar Kritik auch äußern, aber die geht verloren.
Karrierechancen
Während der Ausbildung wurde vermittelt, dass man gute Karrierechancen hat und sich je nach Entwicklung sowie den erlernten Fahrzeugen viele Möglichkeiten ergeben. Uns wurde beispielsweise gesagt, dass der Fernverkehr fertige Auszubildende (EiB‘s) mit offenen Armen aufnehmen würde.
Nach meiner Erfahrung sieht die Realität jedoch anders aus. Nach der Ausbildung bestehen trotz guter Leistungen nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln oder in bestimmte Bereiche zu wechseln. Natürlich fehlt Berufsanfängern die Berufserfahrung, aber selbst dann wirken die Chancen teilweise sehr begrenzt.
Wenn man in einen anderen Unternehmen wechseln sollte, hat man vielleicht bessere Chancen und andere Entwicklungsmöglichkeiten, einen wertschätzenderen Umgang und bessere Verdienstmöglichkeiten.
Arbeitsatmosphäre
Wenn man es in einem Wort erklären kann; toxisch.
Es ist belastend und toxisch. Aus meiner Sicht ist es schwierig, Vertrauen aufzubauen, da Informationen über Personen häufig weitergetragen werden. Teilweise hatte ich das Gefühl, dass Menschen über einen Dinge wissen, obwohl man selbst diese nie erzählt hat. Dadurch entsteht eine Atmosphäre, in der man vorsichtig sein muss, wem man persönliche Informationen anvertraut.
Nach außen wird vermittelt, dass Vielfalt und ein familiärer Umgang wichtig sind. Es wird betont, dass jeder akzeptiert wird und man sich untereinander duzt. In der Realität habe ich jedoch häufig wenig Respekt, Wertschätzung und Zusammenhalt erlebt. Viele Mitarbeitende arbeiten eher für sich allein.
Gerade im Beruf des Lokführers ist eine gute Zusammenarbeit und Kommunikation mit verschiedenen Bereichen besonders wichtig. Ich habe jedoch häufig Widersprüche, fehlende Kommunikation und Missverständnisse erlebt, was die Arbeitsatmosphäre zusätzlich belastet hat.
Ausbildungsvergütung
Das Ausbildungsgehalt wurde über die Jahre zwar erhöht, weshalb die aktuellen Auszubildenden bessere Bedingungen haben. Ich kann jedoch nur aus meiner eigenen Ausbildungszeit berichten. Zu meinem Beginn war die Vergütung deutlich niedriger. Für die damalige Zeit war sie in Ordnung, aus heutiger Sicht sind die Bedingungen für neue Auszubildende jedoch besser.
Arbeitszeiten
Während der Ausbildung waren die Arbeitszeiten grundsätzlich noch in Ordnung. Der Unterricht im Betrieb häufig früher beendet, als es im Dienstplan vorgesehen war. Die Zeiten der Berufsschule waren ebenfalls akzeptabel und gibt es aus meiner Sicht nicht viel zu beanstanden. Im Vergleich zu anderen Berufen oder Ausbildungen ist die Arbeitsbelastung teilweise geringer.

