Kulturproblem auf Führungsebene überschattet spannende Themen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Unternehmen bietet ein spannendes und gesellschaftlich relevantes Themenfeld mit viel Raum für Eigeninitiative und Gestaltung - vor allem am Anfang seines beruflichen Weges. Die zentrale Lage sorgt für eine gute Erreichbarkeit, und es bestehen zahlreiche Möglichkeiten zur persönlichen sowie beruflichen Weiterentwicklung – insbesondere für Mitarbeitende, die Verantwortung übernehmen und sich aktiv einbringen möchten.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Das Führungsverhalten auf oberen Ebenen war aus meiner Sicht teilweise destruktiv und wenig teamfördernd. Entscheidungen wirkten häufig intransparent und waren stark von persönlichen Interessen geprägt, was sich negativ auf das Arbeitsklima und die Zusammenarbeit ausgewirkt hat.
Die Gehälter lagen nach meinem Eindruck unter dem Marktniveau und standen nicht immer in einem ausgewogenen Verhältnis zur Verantwortung oder erbrachten Leistung. Überstunden waren häufig erforderlich – insbesondere in intensiven Projektphasen – wurden jedoch weder systematisch erfasst noch transparent ausgeglichen.
Verbesserungsvorschläge
Entscheidungen der Geschäftsleitung sollten transparenter und nachvollziehbarer kommuniziert werden, um Führungskräften und Teams mehr Orientierung und Vertrauen zu geben.
Führungskräfte sollten zeitliche und inhaltliche Priorität auf 1:1- und Entwicklungsgespräche legen. Klare Kriterien für Gehaltsentwicklungen und Beförderungen schaffen Vertrauen und Perspektive. Impulsive und willkürliche Führungskräfte sollten als Gefahr für das Unternehmen wahrgenommen werden.
Ein nachhaltiger Umgang mit Überstunden – inklusive transparenter Kompensation oder Belastungssteuerung – würde nicht nur die Zufriedenheit steigern, sondern auch die langfristige Leistungsfähigkeit sichern.
Hohe Fluktuation führt zu Qualitätsverlust und wirkt sich auch auf die Kundenzufriedenheit aus. Mehr Fokus auf Mitarbeiterbindung – z. B. durch Entwicklungsperspektiven, faire Bezahlung und stabiles Führungsverhalten – wäre wichtig.
Arbeitsatmosphäre
Die Zusammenarbeit mit direkten Kolleginnen und Kollegen erlebte ich überwiegend als konstruktiv, respektvoll und zielorientiert.
Die Zusammenarbeit mit der obersten Führungsebene war stark personenabhängig. Häufig standen individuelle Interessen stärker im Vordergrund als eine unternehmensübergreifende Ausrichtung. Das erschwerte nachhaltige Entwicklungen und führte mitunter zu einem belastenden Arbeitsklima. In einzelnen Fällen entstand der Eindruck, dass Bereiche eher gegeneinander als miteinander arbeiteten.
Einzelne Führungskräfte fielen durch ein Verhalten auf, das langfristig dem Teamzusammenhalt schadete. In der Folge kam es zum Weggang mehrerer langjähriger Mitarbeitender – ohne dass daraus erkennbare Konsequenzen gezogen wurden. Stattdessen wurden die Motive der ausscheidenden Kolleginnen und Kollegen öffentlich relativiert oder infrage gestellt.
Der hohe Fokus auf KPIs ist grundsätzlich nachvollziehbar, führte jedoch vereinzelt zu problematischen Effekten – z. B. der bewussten Falscherfassung von Aufgaben oder Leistungen im Joberfassungssystem, um dem wahrgenommenen Druck zu entgehen.
Image
Das Unternehmen genießt ein gutes Image in der Branche und wird als kompetenter Dienstleister wahrgenommen. Gleichzeitig bleibt der häufige Personalwechsel nicht ohne Folgen: Der damit verbundene Know-how-Verlust beeinträchtigt spürbar die Qualität und Kontinuität in Projekten – ein Umstand, der auch auf Kundenseite zunehmend wahrgenommen wird.
Work-Life-Balance
Im Vorstellungsgespräch wurde Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance betont – in der Praxis ist diese jedoch nur dann realistisch, wenn Mitarbeitende konsequent auf die Einhaltung ihrer vertraglich vereinbarten Arbeitszeit pochen. Dies wird zwar formal akzeptiert, jedoch in Einzelgesprächen teils als hinderlich für die berufliche Weiterentwicklung dargestellt oder gar als unkollegial bewertet.
Die Arbeitsbelastung ist durch zahlreiche Pitches und enge Kundendeadlines hoch – was im Agenturumfeld grundsätzlich erwartet werden kann. Allerdings fehlt es an ausreichenden personellen Ressourcen, um diese dauerhaft gesund zu bewältigen. Projekte wurden während meiner Betriebszugehörigkeit nicht abgelehnt - trotz explizitem Hinweis - was die Belastung zusätzlich erhöht.
Wer über das vertraglich Erwartete hinaus Einsatz zeigt, erhält dafür in der Regel weder zeitliche noch finanzielle Kompensation, noch wird dieser Einsatz systematisch anerkannt. Einige Führungskräfte honorieren persönlichen Einsatz heimlich unter der Hand. Das wirkt sich spürbar auf das Arbeitsklima und die langfristige Motivation im Team aus.
Karriere/Weiterbildung
Positiv hervorzuheben ist das individuelle Weiterbildungsbudget, das allen Mitarbeitenden zur Verfügung steht. Mit zunehmender Erfahrung und wachsender Verantwortung reicht dieses Budget jedoch oft nicht aus, um gezielte, hochwertige Weiterbildungen im Sinne der Unternehmensentwicklung zu realisieren.
Mitarbeitende sind bei der Auswahl und Organisation ihrer Entwicklungsschritte weitgehend auf sich allein gestellt. Zwar zeigt sich die Personalabteilung offen und unterstützend im persönlichen Austausch, ein strukturiertes, unternehmensweit verbindliches Weiterbildungs- oder Talentförderkonzept fehlt jedoch.
Gehalt/Sozialleistungen
Die Vergütung liegt nach meinem Eindruck deutlich unter dem branchenüblichen Marktdurchschnitt. Eine transparente Kommunikation zu Gehältern oder Entwicklungsmöglichkeiten in diesem Bereich findet nur eingeschränkt statt. Zwar werden (öffentlich zugänglich) Gehaltsranges angegeben, die aber unter den Mitarbeitenden trotz gleicher Qualifikation stark variieren. Aus meiner persönlichen Sicht sind die teils ausgeprägten Gehaltsunterschiede nicht zu erklären.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Die Außendarstellung des Unternehmens vermittelt ein starkes Umweltbewusstsein, das sich in der internen Praxis jedoch nicht im selben Maß widerspiegelt. Maßnahmen wie der Erwerb von Waldflächen wirken eher symbolisch und bleiben in ihrer tatsächlichen Wirkung unklar. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass ökologische Verantwortung stärker kommuniziert als tatsächlich gelebt wird.
Kollegenzusammenhalt
Einer der wesentlichen Gründe, die Entscheidung zur Kündigung länger vor sich hergeschoben zu haben. Das Recruiting zum Team passender Talente ist ein absolutes Plus des Unternehmens.
Umgang mit älteren Kollegen
Mitarbeitende älterer Jahrgänge sind im Unternehmen unterdurchschnittlich vertreten. Aus meiner Wahrnehmung heraus werden sie im Vergleich zu jüngeren Kolleginnen und Kollegen seltener aktiv gefördert oder in Entwicklungsmaßnahmen einbezogen. Das wirkt sich auf die gelebte Diversität und Chancengleichheit im Unternehmen spürbar aus.
Vorgesetztenverhalten
Mein direkter Vorgesetzter verfügte grundsätzlich über das Potenzial, ein starker Mentor zu sein. Leider wurde dieses Potenzial durch eine stark auf eigene Interessen fokussierte Agenda kaum ausgeschöpft.
Regelmäßige 1:1-Gespräche wurden häufig verschoben oder fielen ganz aus; auch die halbjährlichen Mitarbeitergespräche fanden oft verspätet und ohne ausreichende Vorbereitung statt.
Gehaltsgespräche waren in der Kommunikation unangenehm – es entstand regelmäßig der Eindruck, dass die Bitte um eine Anpassung als unangemessen betrachtet wurde. Konkrete Leistungen fanden dabei wenig Anerkennung. Stattdessen wurde der Fokus fast ausschließlich darauf gelegt, was man zukünftig zu leisten habe, um eine Erhöhung zu rechtfertigen.
Entscheidungen wirkten teilweise wenig konsistent und eher tagesformabhängig, was zu Unsicherheit in der Zusammenarbeit führte.
Arbeitsbedingungen
Das Büro liegt sehr zentral im Herzen von Köln-Ehrenfeld und bietet eine moderne, gut ausgestattete technische Infrastruktur, die produktives Arbeiten unterstützt. Ein dauerhaftes Manko bleibt allerdings das Raumklima – insbesondere die Temperaturregulierung ist seit Jahren unzureichend und konnte trotz mehrfacher Hinweise und Versuche bislang nicht nachhaltig verbessert werden.
Kommunikation
Für ein Unternehmen aus dem Kommunikationsbereich ist die interne Kommunikation – insbesondere top-down – überraschend ausbaufähig.
Entscheidungen der Geschäftsleitung werden häufig nicht ausreichend erklärt oder kontextualisiert, was ihre Nachvollziehbarkeit einschränkt.
Das erschwert es insbesondere Führungskräften, unternehmensweite Entscheidungen verständlich an ihre Teams weiterzugeben und dafür Akzeptanz zu schaffen.
Gleichberechtigung
Die Belegschaft ist agenturtypisch überwiegend jung (abgesehen von der höchsten Managementebene) und divers in Bezug auf Fachrichtungen und Hintergründe. Mitarbeitende älterer Jahrgänge sind in der "Mannschaft" nur vereinzelt vertreten, was sich mitunter auch in der Perspektivenvielfalt bemerkbar macht.
Interessante Aufgaben
Das Arbeitsumfeld ist sehr dynamisch und inhaltlich spannend – mit vielfältigen, herausfordernden Aufgaben, die eine hohe gesellschaftliche und fachliche Relevanz haben. Wer gerne in komplexen, sich schnell entwickelnden Themenfeldern arbeitet, findet hier ein anspruchsvolles Umfeld mit echtem Gestaltungsraum.