Viel Potenzial nach 25 Jahren – aber es braucht dringend modernen Wind und echte Führungskompetenz
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Bezahlung ist absolut fair und bewegt sich auf einem guten Niveau. Man merkt, dass der Wille da ist, sich umzustellen und Dinge anzupacken. Die Kolleginnen und Kollegen sind menschlich toll und haben grundsätzlich große Lust auf Veränderung.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die veraltete Präsenzkultur, das Misstrauen bei Homeoffice und der unzeitgemäße monatliche Verfall von Überstunden. Besonders kritisch sehe ich das getriebene Agieren ohne klare, langfristige Strategie, das Klima der Angst bei Fehlern in großen Runden sowie die mangelnde Ausbildung der Führungskräfte in moderner Mitarbeiterführung.
Arbeitsatmosphäre
In großen Runden werden Fehler aus meiner Sicht teilweise vor versammelter Mannschaft in einem unangemessenen Tonfall gerügt. Dies schafft ein spürbares Klima der Angst, was mittlerweile auch neuen Kolleginnen und Kollegen in der Einarbeitung negativ auffällt. Es fehlt an der Souveränität, Fehler als Lernchancen zu begreifen. Für den Umgangston muss man sich intern leider manchmal fremdschämen. Zudem ist das Zusammenwachsen der verschiedenen Standorte nach anfänglicher Motivation ins Stocken geraten; hier passiert seit langem zu wenig.
Image
Nach außen hin wird oft das Bild einer modernen Unternehmenskultur transportiert. Wenn man die internen Strukturen und Prozesse genauer kennenlernt, merkt man jedoch, dass sich im Kern wenig verändert.
Work-Life-Balance
Spätes E-Mail-Schreiben am Abend oder Wochenende wird von der Führung oft als besonderer Fleiß angesehen, anstatt es als mangelndes Zeitmanagement oder Überlastung zu hinterfragen. Wer morgens früh um 7.00 Uhr anfängt, tagsüber erhebliche Überstunden leistet und um 16:45 Uhr geht, erfährt gefühlt weniger Wertschätzung. Überstunden werden bis zu einem gewissen Grad erwartet, und es wird unausgesprochen vorausgesetzt, sie nicht abzufeiern – obwohl sie monatlich verfallen. Ein monatlicher Verfall von Überstunden ist meiner Meinung nach absolut unüblich und nicht mehr zeitgemäß.
Gehalt/Benefits
Die Bezahlung ist fair bis sehr gut. Hier merkt man, dass das Unternehmen bereit ist, angemessen in die Mitarbeiter zu investieren. Auch wird mittlerweile versucht, Dinge zum Positiven zu verändern, allerdings mahlen die Mühlen sehr langsam.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Hier gibt es aus meiner Sicht noch deutliches Potenzial für zeitgemäße Verbesserungen im Büroalltag. Schön und wünschenswert wären beispielsweise das Angebot von Bio-Obst, der Wechsel auf fair produzierten Kaffee sowie eine wirklich konsequente Mülltrennung an den Standorten. Kleine, aber wichtige Schritte für ein moderneres Bewusstsein.
Kollegenzusammenhalt
Grundsätzlich haben fast alle Kolleginnen und Kollegen Lust, Dinge anzupacken und zu verändern. Man schätzt sich untereinander. Allerdings wirkt die Belegschaft bei der Lösung der tief sitzenden, strukturellen Probleme nach vielen Jahren Firmengeschichte oft auf sich allein gestellt und ein Stück weit hilflos.
Vorgesetztenverhalten
Viele Führungskräfte sind menschlich sehr angenehm und fachlich ausgezeichnet, wurden aber primär befördert, weil sie lange dabei und fleißig waren. Es fehlt oft an fundierter Ausbildung in moderner Mitarbeiterführung. Da fast die gesamte Führungsebene ausschließlich dieses eine Unternehmen von innen kennt, fehlt der Blick über den Tellerrand, um zu erkennen, was schief läuft und wie man Dinge effektiv ändert. Richtungsentscheidungen werden oft ad hoc vom Chef getrieben. Eine moderne, weitsichtige Kultur existiert hier de facto nicht, man agiert zu oft rein reaktiv.
Arbeitsbedingungen
Es gibt zwar grundsätzlich attraktive Benefits wie Homeoffice und Workation, diese sind jedoch so stark verklausuliert und mit langen Fristen versehen, dass kaum jemand sie wahrnimmt. Ich selbst wollte das Angebot einer Workation schon mehrfach nutzen, hatte jedoch jedes Mal das Gefühl, dass mir daraus intern Nachteile entstehen könnten. Am Markt sind deutlich flexiblere Vorlaufzeiten längst Standard. Hinter den strengen Regeln steckt nach meinem Eindruck ein veraltetes Misstrauen der Geschäftsführung bezüglich der Produktivität außerhalb des Büros. Präsenz ist kein Garant für Leistung.
Kommunikation
Firmenweite Meetings werden regelmäßig ab 17:00 Uhr oder in der Mittagspause angesetzt. Um auf einen kleinen Teil der Belegschaft mit externen Kundenterminen Rücksicht zu nehmen, müssen die restlichen Mitarbeiter ihre Freizeit oder Pause opfern. Hier fehlt die organisatorische Flexibilität, solche wichtigen Informationstermine mit ausreichend Vorlauf in die reguläre Kernarbeitszeit (z. B. um 09:00 Uhr) zu legen.
Gleichberechtigung
Der Umgang miteinander ist grundsätzlich höflich, allerdings weisen einige Verhaltensmuster und der Humor auf Events ab und zu Züge auf, die nicht mehr ganz zu einem modernen, zeitgemäßen Verständnis von Diversität und professioneller Gleichberechtigung passen.

