Ehrliche Momentaufnahme: Top-Rahmenbedingungen, aber Hürden in Führung und Kultur
Gut am Arbeitgeber finde ich
Hohes Engagement für Weiterentwicklung, exzellentes HR-Management und vorbildlicher Rahmen
Stetiges Bemühen um Verbesserung: Man spürt deutlich den Anspruch und das Engagement der Kanzlei, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und mit den großen Top-Kanzleien mitzuhalten. Auch wenn nicht jeder Versuch auf Anhieb gelingt, verdient dieser Einsatz ehrlichen Respekt.
Professionelles On- & Offboarding: Der gesamte HR-Prozess ist herausragend organisiert. Sowohl die Einarbeitung als auch der Austrittsprozess inklusive der zügigen und einwandfreien Erstellung des Arbeitszeugnisses durch das Personalmanagement liefen absolut professionell.
Menschlicher Grundton & Events: Im täglichen Miteinander habe ich stets einen sehr höflichen, freundlichen und respektvollen Umgang erlebt. Zudem sind Firmenfeiern und Events immer mit enorm viel Mühe, Hingabe und Liebe zum Detail durchdacht organisiert.
Prozess- & Arbeitsbedingungen: Es ist das deutliche Bestreben erkennbar, allen Mitarbeitenden durch moderne Prozesse, gute Strukturen und ein zeitgemäßes Umfeld das Arbeiten so angenehm wie möglich zu machen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Inkompatibilität in Haltung und Kultur
Für mich persönlich lässt sich abschließend vor allem eine prägende Beobachtung festhalten: Die stärkste menschliche und fachliche Resonanz sowie das größte gegenseitige Verständnis hatte ich letztlich mit den Kolleginnen und Kollegen, die sich genau wie ich dazu entschieden haben, das Unternehmen wieder zu verlassen. Das sagt im Kern eigentlich schon alles über die gelebte Kultur und das Miteinander aus.
Verbesserungsvorschläge
Werte vorleben, Zusagen einhalten und Transparenz schaffen
Es steht mir nicht zu, dem Unternehmen seine strategische Ausrichtung vorzuschreiben. Aus meiner persönlichen Erfahrung möchte ich jedoch folgende Denkanstöße mitgeben:
Echte Übereinstimmung von Außen- und Innendarstellung: Die nach außen kommunizierten Werte sollten im Kanzleialltag auch spürbar und vorbildlich vorgelebt werden, damit Versprechungen und Realität nicht so weit auseinanderklaffen.
Verlässlichkeit bei Einstellungsbedingungen: Wenn Mitarbeiter unter klaren vertraglichen oder Aufgaben-Rahmenbedingungen wechseln, müssen diese vom ersten Tag an eingehalten werden. Gebrochene Zusagen beschädigen das Vertrauensverhältnis nachhaltig.
Echtes Vertrauen durch Transparenz: Intransparenz – insbesondere bei Themen wie Sonderzahlungen oder der Handhabung von Missständen – zerstört das Fundament einer Zusammenarbeit.
Unterm Strich muss man sich darüber im Klaren sein, dass ein Mangel an Transparenz und eingehaltenen Versprechungen auf Dauer gute, qualifizierte Arbeitskräfte kostet.
Arbeitsatmosphäre
Stark umsatzfokussiert, unpersönlich und von hohem Druck geprägt
Die Arbeitsatmosphäre habe ich als rein auf Zahlen fokussiert und menschlich sehr distanziert wahrgenommen. Im Vordergrund steht aus meiner Sicht vor allem die Erzielung von Umsätzen – häufig auch unter der Erwartung, Zeiten weit über die reguläre Arbeitszeit hinaus zu investieren. Der enorm hohe Leistungs- und Termindruck wurde nach meiner Wahrnehmung von den Führungsebenen ungefiltert an die Mitarbeiter weitergereicht.
Eine autonome oder eigenverantwortliche Arbeitsweise war kaum möglich. Trotz moderner, digitaler Prozesse wirkt das Umfeld sehr steril und anonym; es fehlt spürbar an menschlicher Nähe und echtem kollegialem Austausch. Am Standort Düsseldorf spiegelte sich das auch räumlich wider: geschlossene Türen, kaum offene Kommunikation auf den Fluren und ein starkes Gefühl, bei Herausforderungen auf sich alleine gestellt zu sein.
Image
Starke Diskrepanz zwischen Außenwirkung und Kanzleialltag
Nach außen präsentiert sich die Kanzlei sehr modern, dynamisch und attraktiv. Nachdem ich das Unternehmen jedoch von innen kennengelernt habe, passt dieses Bild für mich nicht mit der gelebten Realität zusammen.
Für mich gilt hier sinnbildlich: Nach außen ist die Fassade schön angestrichen, im Inneren offenbaren sich jedoch deutliche Schwachstellen – sei es bei der Führungskultur, der Transparenz oder der menschlichen Wertschätzung. Ein Marketing, das Versprechungen macht, die im Alltag nicht gehalten werden, führt auf Dauer zu Enttäuschung.
Work-Life-Balance
Zeitgemäß und flexibel – mit einer feinen Einschränkung
Die Work-Life-Balance an sich kann ich als zeitgemäß und grundsätzlich vorbildlich bewerten. Das Unternehmen bietet gute Rahmenbedingungen, um Beruf und Privatleben zu vereinbaren – vorausgesetzt, man ist fachlich und organisatorisch in der Lage, sein Arbeitspensum innerhalb der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit zu bewältigen.
Wichtiger Hinweis: Nach meiner Wahrnehmung herrscht von Seiten der Führungsebene und der Teamleiter eine teils ungeschriebene Erwartungshaltung bezüglich Überstunden. Wer Grenzen zieht, muss damit rechnen, dass dieser Freiraum zwar formal existiert, im Alltag jedoch nicht von jedem Vorgesetzten uneingeschränkt gern gesehen wird.
Karriere/Weiterbildung
Fordern und Fördern – Gute Perspektiven mit vertraglicher Bindung
Bezüglich der Weiterentwicklung zeigt sich Ecovis aus meiner Sicht sowohl fördernd als auch fordernd. Interne Fortbildungsstrukturen sind im stetigen Aufbau und Weiterbildungswünsche seitens der Mitarbeitenden werden grundsätzlich gerne gesehen und unterstützt.
Entwicklungsmöglichkeiten & Bindung:
Gute Aufstiegschancen: Wer Karriere machen möchte – sei es in Richtung Steuerberater, Teamleitung oder mittelfristig sogar Partnerschaft –, findet hier gute Anlaufstellen und moderne Begleitprozesse vor. Genauso ist es jedoch auch möglich, auf Facharbeiterebene zu verbleiben, ohne dass man dazu gedrängt wird.
Vertragliche Kopplung beachten: Man sollte sich im Klaren darüber sein, dass finanziell unterstützte Fortbildungen in der Regel an entsprechende vertragliche Bindungsklauseln (Rückzahlungsvereinbarungen / Haltefristen) gekoppelt sind.
Insgesamt ein solides Angebot für ambitionierte Kräfte, die bereit sind, sich längerfristig zu binden.
Gehalt/Benefits
Sehr gutes Gehaltsniveau und durchdachte Benefits – mit Kehrseite
Das Gehaltsgefüge ist überdurchschnittlich gut und attraktiv angesetzt (auch bei Teilzeitmodellen). Zudem wird ein sehr breites und gut durchdachtes Spektrum an Benefits angeboten (z. B. Deutschlandticket, Parkplatzoptionen, JobRad, bAV, Betriebsarzt). Besonders positiv hervorzuheben sind die Mitarbeiterrabatte – hier wird spürbar Wert auf Angebote gelegt, die breitflächig auf echte Nachfrage stoßen.
Zwei wesentliche Kritikpunkte:
Kopplung an Umsatzgrenzen: Ein hohes Gehalt hat hier seinen klaren Gegenpart. Nach meiner Wahrnehmung herrscht ein spürbarer Druck bezüglich einzuhaltender Umsatzgrenzen. Werden diese nicht erreicht, ist mit entsprechenden Maßnahmen seitens der Führungsebene zu rechnen.
Intransparenz bei Sonderzahlungen: Bezüglich Prämien und Zusatzzahlungen herrschte für mich eine deutliche Intransparenz. Wenn im Team unterschiedlich verhandelt oder Sonderzahlungen ungleich verteilt werden, während intern ein anderes Bild vermittelt wird, führt das im Nachhinein zu einem spürbaren Vertrauensbruch.
Kollegenzusammenhalt
Kein echter Zusammenhalt – Nach der Kündigung wird man wie Luft behandelt
Einen echten Kollegenzusammenhalt habe ich während meiner Zeit nicht erlebt. Ich habe in einem sehr kleinen Team gearbeitet, doch auch dort fehlte das Gefühl von gegenseitiger Unterstützung und echtem Rückhalt im Arbeitsalltag.
Wie oberflächlich das Miteinander tatsächlich war, zeigte sich nach der Einreichung meiner Kündigung: Es entstand der Eindruck, dass man in dem Moment, in dem man das Unternehmen verlässt (und kein „Eco-Visionär“ mehr ist), schlagartig unsichtbar wird. Kontakte wurden abgebrochen und man ließ einen das fehlende Interesse sehr deutlich spüren. Ein professioneller oder menschlich wertschätzender Umgang sieht anders aus.
Vorgesetztenverhalten
Hierarchisch, enttäuschend bei Zusagen und rein ressourcenorientiert
Das Verhalten der Vorgesetzten und Teamleiter hat mich sowohl fachlich als auch menschlich tief enttäuscht. Obwohl eine Du-Kultur gepflegt wird, findet Führung nach meiner Wahrnehmung nicht auf Augenhöhe statt, sondern wirkt stark veraltet und autoritär. Konstruktive oder angemessene Kritik wurde nicht angenommen oder schlichtweg ignoriert.
Mangelnde Integrität bei Absprachen:
Besonders schockierend war für mich der Berufseinstieg: Vereinbarungen bezüglich meines Aufgaben- und Einsatzgebiets, die im Rahmen der Einstellung klar besprochen wurden, wurden zunächst nicht eingehalten. Ich musste überaus stark dafür kämpfen, dass die getroffenen Zusagen letztlich umgesetzt wurden. Das hat mir früh gezeigt, dass zwischen Versprechungen im Recruiting und der tatsächlichen Kultur im Alltag eine große Lücke klafft.
Der Mitarbeiter als reine Arbeitsressource:
Insbesondere auf Teamleiterebene entstand bei mir der Eindruck, dass man primär als abarbeitende Ressource und weniger als Mensch wahrgenommen wird. Klare Erwartungshaltungen wurden im Vorfeld selten offen kommuniziert, stattdessen wurden Entscheidungen intransparent
Arbeitsbedingungen
Gute technische Flexibilität – Anbindung durch starkes Wachstum erschwert
Die materiellen und technischen Rahmenbedingungen sind gut aufgebaut. Dank moderner Laptops und Dockingstationen ist flexibles Arbeiten problemlos möglich. Das Arbeitsmaterial wird zuverlässig bereitgestellt und die IT kümmert sich bei Ausfällen schnell.
Kultureller Haken bei Kontakten:
Trotz Angeboten wie gemeinsamen Pausenräumen oder Initiativen für After-Work-Events ist es aufgrund des starken Hyperwachstums der Kanzlei äußerst schwierig, in bestehende Strukturen hineinzufinden oder nachhaltige Kontakte aufzubauen. Das Miteinander bleibt dadurch im Alltag oft fragmentiert.
Kommunikation
Hierarchisch, wenig transparent und ohne echte Augenhöhe
Eine offene, ehrliche und transparente Kommunikation auf Augenhöhe habe ich leider vermisst. Aufgrund meiner mehrjährigen Berufserfahrung bringe ich ein klares Verständnis für Prozesse mit, hatte jedoch den Eindruck, dass eigene Fachkompetenz, Anregungen oder Verbesserungsvorschläge nicht erwünscht waren und ignoriert wurden. Eine aktive Einbringung eigener Fähigkeiten war dadurch kaum möglich.
Entscheidungen der Führungsebene waren oft nicht nachvollziehbar. Statt eines direkten, lösungsorientierten Miteinanders entstand häufig der Eindruck, dass eher übereinander statt miteinander gesprochen wurde. Zudem wurde die Kommunikation selbst bei räumlicher Nähe oft rein digital geführt, statt das persönliche Gespräch zu suchen.
Führungspositionen und Teamleiterrollen schienen hier noch sehr autoritär und hierarchisch verstanden zu werden. Für mich gehört ein solch herablassendes Kommunikationsverhalten nicht mehr in die heutige Arbeitswelt – Führung bedeutet Verantwortung, nicht das Ausspielen von Machtpositionen. Mein Anspruch an gelebte Transparenz und gegenseitigen Respekt wurde hier leider nicht erfüllt.
Gleichberechtigung
Gefälle nach Hierarchiestufen statt echter Wertschätzung aller Ebenen
Bezüglich geschlechtlicher Gleichberechtigung oder Diversität kann ich mangels tieferer Einblicke keine differenzierte Aussage treffen.
Was mir jedoch im Arbeitsalltag aufgefallen ist, ist ein spürbares Unterschiedsgefälle nach Hierarchieebenen: Der Umgang, die Wertschätzung und das Entgegenkommen hängen nach meiner Wahrnehmung stark davon ab, ob man als Partner bzw. im C-Level agiert oder in der Zuarbeit, der Assistenz, dem Sekretariat oder als Auszubildende/r tätig ist. Eine Kultur, in der jede Rolle unabhängig vom Titel mit gleicher Ausgewogenheit und Respekt behandelt wird, habe ich mir anders vorgestellt.
Interessante Aufgaben
Fachlich unter den Möglichkeiten – Fehlender Spielraum für erfahrene Kräfte
Ich bringe ein sehr breites Spektrum an Qualifikationen, Fähigkeiten und Erfahrungswerten mit. Mein Eindruck war leider, dass man bei Ecovis nicht in der Lage war, diese Potenziale zu erkennen, wertzuschätzen und mich dementsprechend vielseitig einzusetzen. Die Aufgaben entsprachen nicht dem Niveau, das ich aufgrund meiner Berufserfahrung hätte einbringen können.
Zudem war eine autonome oder eigenverantwortliche Gestaltung der Aufgaben kaum möglich. Trotz theoretisch vorhandener Schnittstellen innerhalb der Kanzlei fühlte man sich bei der Bewältigung komplexer Themen oft auf sich alleine gestellt. Für ambitionierte Fachkräfte, die ihr volles Spektrum entfalten und eigenständig arbeiten möchten, ist das Aufgabenfeld aus meiner Sicht deutlich zu starr und einschränkend.


