Schöner Schein nach außen – bittere Realität innen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Kollegen waren stets ein Rückhalt und haben den Arbeitsalltag trotz aller Umstände angenehm gemacht.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Das Unternehmen ist zu schnell gewachsen, ohne Strukturen und Prozesse entsprechend mitzuentwickeln. Stattdessen gab es ständige Kurswechsel, die Orientierung und Stabilität im Arbeitsalltag nahezu unmöglich gemacht haben. Nach außen wird eine offene, einladende Unternehmenskultur präsentiert – die Realität sieht jedoch anders aus. Fehler der Geschäftsführung werden konsequent auf Mitarbeiter abgewälzt oder schlicht ignoriert, während sich die Führungsebene selbst nicht an die eigens festgelegten Prozesse hält. Ursprünglich zugesagte Homeoffice-Regelungen wurden stillschweigend zurückgenommen, und selbst die betriebliche Altersvorsorge wurde zuletzt einfach temporär gestrichen – ein weiteres Beispiel dafür, dass Versprechen und Mitarbeiterwohl wenig wert sind.
Verbesserungsvorschläge
Bevor weiteres Wachstum angestrebt wird, sollten stabile interne Strukturen, klare Prozesse und eine verlässliche Führungskultur geschaffen werden. Konstruktives Feedback von Mitarbeitern sollte als Chance gesehen werden – nicht als Bedrohung. Versprechen – sei es zur Flexibilität, zur Offenheit, zur Familienfreundlichkeit oder zur betrieblichen Altersvorsorge – sollten gemacht werden, um gehalten zu werden.
Arbeitsatmosphäre
Die Stimmung ist geprägt von Angst – Angst, Fehler zu machen, Angst, unbequeme Wahrheiten auszusprechen, Angst, den Job zu verlieren. Nach außen wird kommuniziert, dass man mit allem offen zur Führung kommen kann und eine Feedbackkultur gelebt wird. In der Praxis ist das leider nicht der Fall. Wer Fehler der Teamleitung oder Geschäftsführung offen anspricht, riskiert die eigene Kündigung. Besonderes Engagement wird nicht anerkannt, sondern als selbstverständlich vorausgesetzt. Das Ergebnis: 13 Mitarbeiter haben das Unternehmen innerhalb von nur fünf Monaten verlassen oder mussten es verlassen– ohne dass dies zu irgendeiner erkennbaren Selbstreflexion geführt hätte.
Work-Life-Balance
Das Unternehmen bewirbt sich aktiv als familienfreundlicher Arbeitgeber – davon ist in der Praxis jedoch wenig zu spüren. Homeoffice-Möglichkeiten, die anfangs zugesagt oder bereits gelebt wurden, wurden zurückgenommen, ohne dass es dafür nachvollziehbare Begründungen gab. Wer auf Flexibilität angewiesen ist, wird schnell merken, dass die nach außen kommunizierten Werte nicht mit der gelebten Realität übereinstimmen.
Kollegenzusammenhalt
Der einzige Lichtblick in diesem Unternehmen waren die Kollegen. Der Zusammenhalt im Team war außergewöhnlich gut und ehrlich gesagt der einzige Grund, morgens gerne zur Arbeit zu gehen. Schade, dass dieser positive Aspekt von der Unternehmensführung nicht als das gesehen wird, was er ist – nämlich ein wertvolles Gut, das es zu pflegen gilt.
Vorgesetztenverhalten
Die Geschäftsführung nimmt den Mitarbeitern zunehmend die Eigenverantwortung, um bei Fehlern leichter eine Handhabe zu haben. Kritik von unten wird nicht toleriert – wer Missstände benennt, wird nicht gehört, sondern abgemahnt oder entlassen. Besonders widersprüchlich: Die Geschäftsführung legt Prozesse fest, hält sich selbst jedoch nicht daran.
Arbeitsbedingungen
Die technische Ausstattung ist positiv hervorzuheben – moderne Laptops, höhenverstellbare Schreibtische und die Möglichkeit, mit mehreren Monitoren zu arbeiten, sorgen für eine angenehme und ergonomische Arbeitsumgebung. In diesem Bereich hat das Unternehmen investiert und das merkt man.
Kommunikation
Die Kommunikation seitens der Geschäftsführung ist strikt einseitig – Widerspruch oder ein „Ja, aber” wird nicht geduldet. Entscheidungen werden von oben durchgereicht und sollen kommentarlos umgesetzt werden. Die Teamleiter befinden sich dabei in einer schwierigen Lage: Sie sind angehalten, diese Linie durchzusetzen, hätten jedoch in vielen Fällen selbst gerne anders gehandelt. Die eigentliche Verantwortung für diese Kultur liegt klar bei der Geschäftsführung – nicht bei den Teamleitern, die letztlich selbst nur wenig Spielraum haben.
Gehalt/Benefits
Gehaltsverhandlungen gestalten sich äußerst schwierig. Wer Topleistungen erbringt, wird darauf hingewiesen, dass man damit lediglich seinen Job erfüllt – eine Anerkennung in Form einer Gehaltserhöhung ist kaum zu erwarten. Das Gehaltsgefüge im Unternehmen ist zudem stark unausgewogen, und selbst langjährige Mitarbeiter, die jahrelang loyal und engagiert waren, müssen regelrecht darum kämpfen, eine faire Vergütung zu erhalten. Das hinterlässt einen bitteren Beigeschmack und zeigt einmal mehr, dass Mitarbeiterleistung und -treue intern wenig wertgeschätzt werden.
Interessante Aufgaben
Es gibt spannende Projekte, auch wenn dies immer mehr nachlässt aufgrund der Wirtschaftslage.
